Foxconn gilt bislang als „der Apple-Fertiger“. Zwar hat Apple schon bisher auch Teile seiner iPhones und iPads von Pegatron produzieren lassen, der Löwenanteil kommt aber bislang aus den Foxconn-Werken in China. Das soll sich mit dem kommenden Billig-iPhone angeblich ändern.

Apple: Billig-iPhone soll von Pegatron statt Foxconn gefertigt werden

Laut Informationen des Wall Street Journal soll das Low-Cost-iPhone hauptsächlich von Pegatron gefertigt werden, der entsprechende Auftrag sei bereits erteilt. Zwei mögliche Gründe nennt das WSJ für diesen Schritt. Zum einen wolle man bei Apple die Abhängigkeit von Foxconn weiter reduzieren, die bislang trotz allem immer noch fast alleine für die Produktion von iPhones und iPads verantwortlich sind. Tim Cook soll natürlich daran gelegen sein, das Risiko von Produktionsausfällen zu minimieren.

Der zweite mögliche Grund leuchtet auch sofort ein: Pegatron soll billiger sein. Der kleinere Konkurrent von Foxconn ist mit kleineren Margen zufrieden, was natürlich die Margen von Apple entsprechend erhöht. Zwar erzielt Apple immer noch Traummargen im Vergleich zur Konkurrenz, aber sie schrumpfen. Um hier gegenzusteuern gibt es zwei Optionen: Preise erhöhen oder Kosten senken. Gerade bei einem Billig-iPhone darf der Verkaufspreis aber nicht besonders hoch sein, aber trotzdem wird es für Apple auf jeden Cent ankommen, um durch ein solches Gerät nicht die eigene Durchschnittsmarge noch weiter zu drücken – sinkende Margen mögen die Aktionäre nicht.

Interessant wird in Zukunft noch ein anderer Aspekt. Die enge Verbindung zwischen Apple und Foxconn sorgte neben der Abhängigkeit auch immer wieder für schlechte Presse für Apple, da dem US-Unternehmen zumindest eine Mitverantwortung – wenn nicht Mitschuld – für die Zustände in den chinesischen Fabriken von Foxconn gegeben wurde. Hier gab es  angeblich Verbesserungen, auch auf Druck von Apple hin, aber vergessen sind die Schlagzeilen sicher nicht. Das dürfte aber kaum eine Rolle bei einer Entscheidung für Pegatron als Hauptlieferant für das Low-Cost-iPhone gespielt haben – fundamental andere Zustände in den Fabriken kann man bei Pegatron kaum erwarten. Ob hier alleine die „Bescheidenheit“ von Pegatron (0,8% operative Marge gegenüber 1,7% bei Foxconn) den Preisunterschied ausmacht oder ob bei Pegatron auch bei Arbeitsschutz und Löhnen gespart wird, werden wir wohl bald erfahren. Zusammen mit dem großen Apple-Auftrag dürfte das Unternehmen auch gleich eine intensivere Beobachtung u.a. durch Gewerkschaften dazu bekommen.

Wie nicht anders zu erwarten, wollte keines der beteiligten Unternehmen einen Kommentar dazu abgeben.

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  • Gast

    Da Foxconn und Pegatron beides taiwanische Unternehmen sind, die viele Arbeitsstätten in China haben, sollte es im Punkte Arbeitsbedingungen nicht besser laufen. Sascha sollte da ja gut bescheid wissen, ob da viel in Taiwan ankommt oder die Aufregung gross ist, wenn eine der grössten Firmen Taiwans (Foxconn) so oft wegen schlechter Arbeitsbedingungen genannt wird. Als deutsche Firma könnte sich Foxconn das glaube garnicht so erlauben.

  • miweru

    Was mich an Apple ärgert ist, dass sie scheinbar ihre Seele an die Aktionäre verkauft haben. Alles nur für die Aktie!
    Aktionäre mit Geld bis zum geht nicht mehr zuschütten (was natürlich auch das Geld der Chefs erhöht). Statt bessere Produkte abzuliefern, gemeinnützige Projekte zu erschließen, den Fusionsreaktor zu erfinden, schenkt man die mehr als hundert Milliarden den Aktionären.
    Apple könnte beim iPhone problemlos den Arbeitern das doppelte bezahlen und die Bedingungen besser machen, ohne viel Geld zu verlieren. Die Marge wäre immernoch hoch, der Zusammenbau macht nur einen geringen Prozentsatz des Kaufpreises aus.

    • Gast

      warum ärgert dich sowas dann nicht bei Intel. Foxconn gilt als Hauslieferant für Intel,weil rund 75 % der unter dem Namen Intel verkauften Mainboards werden von Foxconn gefertigt. Die Spielekonsolen der grossen Firmen werden dort auch massenweise produziert.

      • miweru

        Zwar hat Intel nicht so große Margen wie Apple, und natürlich ist es zu kritisieren, dass sie den billigsten Lieferanten suchen und nicht auf die Arbeitsbedingungen schauen.
        Und bei Apple sticht eben heraus, dass sie eben extrem viel Geld haben und damit lieber den Aktienkurs pumen wollen, anstatt was sinnvolles damit anzustellen.
        Die meisten Unternehmen nehmen die billigste Möglichkeit zu produzieren. Apple könnte es sich leisten die Menschheit besser zu machen (und dann natürlich einen Teil des Ertrags zu bekommen). Stattdessen geben sie ihr Geld aber für ihre Aktie aus.

        Sehr viele Unternehmen fertigen zu menschenunwürdigen Bedingungen! Und das ist aus menschlicher Sicht auch nicht hinzunehmen.
        Hier hat ein Unternehmen mal genug Geld über um das zu ändern und es macht mich nur etwas traurig, wofür das dann rausgeschmissen wird.

  • Wastl

    “oder ob bei Pegatron auch bei Arbeitsschutz und Löhnen gespart wird, werden wir wohl bald erfahren”

    Pegatron spart möglicherweise am Ausschuss. Die extrem hohe Ausschussrate dürfte Foxconn beim iPhone 5 die Bilanz gewaltig verhagelt haben. Oder Foxconn hat sich einfach verzockt und ist davon ausgegangen, dass kein anderer die geforderten Stückzahlen liefern kann…

    Natürlich wird bei Pegatron bei Arbeitsschutz und Löhnen gespart. So wie bei Foxconn auch. Das bezweifle ich doch stark, dass es da großartige Unterschiede gibt. Vermutlich sind das aber paradiesische Zustände verglichen mit den nordkoreanischen Werken eines Wettbewerbers.

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