Bei der WWDC hat Apple den schon lange erwarteten Streaming-Dienst iTunes Radio vorgestellt. Alle großen Labels sind mit an Bord und somit möchte man Spotify, Pandora und Co Konkurrenz machen – doch gelingt das auch?

Apple iTunes Radio im Vergleich mit Spotify und Google Music All Access

Wir haben schon einmal auf Streaming-Dienste geschaut, dort mit dem Fokus auf Dienste, die in Deutschland angeboten werden. Es gilt vorab bereits festzuhalten, dass wir iTunes Radio zumindest zu Beginn nicht in Deutschland nutzen können, wenn es im Herbst in den USA an den Start geht. Da unterscheidet sich der Service aber nicht von Konkurrenten wie Spotify oder Google Music, die allesamt ein wenig Zeit gebraucht haben, bis das Angebot auch hierzulande zugänglich war.

Wir stellen jetzt hier mal explizit drei Dienste gegenüber: Einmal die ewigen Konkurrenten Apple und Google, was gleich doppelt interessant ist, weil ja auch Google die nächste Stufe gezündet hat und mit Google Music All Access zumindest in den USA ein umfassendes Angebot im Musikbereich bieten kann, welches auch Streaming einschließt. Dazu gesellt sich dann mit Spotify der Dienst, der sich in Ländern wie Deutschland als der Platzhirsch für Musik-Streaming herauskristallisiert hat.

Songauswahl:

Hier scheiden sich bereits die Geister – die Frage dürfte sein, wie wichtig die explizite Zahl der Songs für uns Nutzer ist. Apple kann auf den ganzen iTunes-Katalog zurückgreifen, nachdem man sich zuletzt auch noch mit Sony einigen konnte. In der Summe macht das nach eigenen Angaben über 26 Millionen Songs. Darunter finden sich einige Perlen wie die Musik von Led Zeppelin, die es sonst auf keiner anderen Streaming-Plattform zu finden gibt. Spotify und Google Music All Access hinken hier hinterher, können aber ebenfalls Material aller drei großen Majors vorweisen und kommen auf immerhin über 20 Millionen, ebenfalls nach eigenen Angaben. Google bietet euch zudem die Möglichkeit, bis zu 20.000 weitere Songs aus eurem eigenen Bestand in die Datenwolke zu schaufeln.

Wie kann ich die Musik hören?

Die Plattformen unterscheiden sich nicht nur von der Zahl des Materials, welchem wir lauschen können, sondern auch der Art und Weise, wie es dargereicht wird. Auch hier wählt Apple einen etwas anderen Ansatz, iTunes Radio entspricht eher dem Angebot, welches wir von Pandora in den USA kennen. Während ihr bei Spotify und Google Music eure Playlisten anlegen könnt und jeweils die gewünschten Songs und Alben abspielt, könnt ihr bei Apple nur auf Radio-Stationen zugreifen. Dabei nennt Apple zwar vorweg bereits über 200 Radio-Stationen, die bringen euch aber herzlich wenig, wenn ihr auf ein bestimmtes Lied wartet.

Bei den Radio-Stationen gibt euch Apple ein paar kuratierte Sender vor, logischerweise könnt ihr aber auch nach euren Geschmäckern und Hörgewohnheiten Radio-Stationen anlegen. Bei Google und Spotify hingegen gibt es das komplette Rundum-Sorglos-Paket, wo ihr jeden einzelnen Song hören könnt, ebenso jedes Album – und darüber hinaus habt ihr auch hier die Radio-Stationen, die aus euren Hörgewohnheiten heraus generiert werden. Einzelne Tracks könnt ihr hoch voten, so dass sie bzw ähnliche Musik künftig stärker berücksichtigt wird. Bei Spotify könnt ihr zudem aus jeder Playlist und aus jedem Album heraus eine Radio-Station erstellen. Beispiel: Eine Radiostation mit Musik, die so klingt wie Delta Machine, dem jüngsten Album von Depeche Mode. Hier hinkt Apple also deutlich hinterher und kann den anderen beiden Anbietern nicht Paroli bieten.

Wo kann ich die Musik hören?

Apple iTunes Radio könnt ihr – sobald es denn verfügbar ist – überall dort hören, wo ihr auf einen iTunes-Client zugreifen könnt oder mobil auf allen iOS7-Devices. Spotify wird nahezu auf jedem gängigen Format angeboten. Das bedeutet, ihr hört die Musik sowohl auf Windows-Rechnern als auch auf dem Mac per Desktop-Client, mobil auf Android, iOS, Windows Phone und mehr und auch im Browser könnt ihr es mittlerweile nutzen. Für Google Music All Access gibt es derzeit keine Clients für die Rechner, ihr hört die Musik also im Browser. Alternativ könnt ihr Android nutzen und in Kürze soll auch die iOS-Ausführung folgen. Hier ist es also Spotify, welches sich von der Konkurrenz absetzen kann.

Musik offline hören?

Hier ist ein Schwachpunkt des Apple-Radios: Nur online könnt ihr auf die Radio-Stationen zugreifen, offline hingegen gibt es nur die Tracks eurer iTunes-Bibliothek. Bei Spotify gibt es unterschiedliche Tarife, von denen ihr den Premium-Account für monatlich 9.99 Euro benötigt, um sämtliche Musik auf Wunsch offline verfügbar zu machen. Für diese Summe könnt ihr auch bei Google Music All Access offline euren gewünschten Klängen lauschen.

Musik kaufen?

Mit iTunes hat Apple quasi im Alleingang die Musikwirtschaft umgekrempelt, indem man diesen sagenhaft großen Song-Pool geschaffen hat. Logischerweise könnt ihr euch aus dem auch nach Belieben bedienen. Ähnlich sieht es bei Google Music All Access aus, welches ja ebenfalls zunächst als reiner Musik-Shop an den Start gegangen war, ergänzt um die eigenen Songs. Schlusslicht in dieser Disziplin: Spotify – hier ist es nämlich nicht möglich, dass ein Song wirklich in euren Besitz übergeht.

Tarife:

Wenn wir schon über Geld reden, dann doch auch über die Preise, die für die einzelnen Dienste aufgerufen werden. Kostenlose, werbe-finanzierte Angebote gibt es sowohl bei Apple als auch Spotify. Für einen Fünfer im Monat unterbindet ihr die Werbung bei Spotify und wer sogar 9.99 Euro im Monat zahlt, erhält Zugriff auf die Offline-Funktionalität, kann die Musik auch mobil hören und wird selbstredend ebenfalls von Werbung verschont. Apple lässt sich die Werbe-Freiheit mit 24.99 Euro im Jahr bezahlen. Das ist die Summe, die ihr für iTunes Match hinblättert und die iTunes Radio mit einschließt. Einzig Google hat hier kein kostenloses Streaming im Angebot: Für 9.99 Euro bekommt ihr dafür dann das ganze Paket geliefert. Wer sich kostenlos bei Spotify anmeldet, dem reicht eine E-Mail-Adresse oder sein Facebook-Account. Wollt ihr stattdessen zum kostenpflichtigen Account greifen, verwendet ihr entweder Paypal zur Zahlung oder – wie bei den anderen auch – die Kreditkarte. Es wird automatisch abgebucht und kann jederzeit gekündigt werden.

Verfügbarkeit: 

Zu guter letzt reden wir darüber, welchen dieser Dienste wir überhaupt in Deutschland nutzen können. Zumindest für denjenigen, der jetzt gleich seine Musik hören möchte, kein unwichtiger Punkt. Vor einigen Tagen ist All Access in den USA an den Start gegangen, einen Deutschland-Termin gibt es hier leider noch nicht. Könnte also sein, dass wir uns noch einige Monate gedulden müssen. Mit ein wenig Aufwand könnt ihr das aber umgehen und euch auch aus Deutschland anmelden, eine deutsche Kreditkarte reicht dafür völlig aus. Spotify ist bereits verfügbar, die Konditionen stehen bereits oben unter dem Punkt “Tarife”. Apple iTunes Radio ist überhaupt noch gar nicht an den Start gegangen und das wird sich auch erst im Herbst in den USA ändern. Dann allerdings ist davon auszugehen, dass Apple möglichst flott auch andere Nationen ins Boot holt. Würde mich nicht wundern, wenn der Dienst auch in Deutschland noch in diesem Jahr funzen wird.

Fazit: 

Ich sträube mich ein wenig davor, ein abschließendes Urteil zu fällen, weil jeder von uns andere Hör-Gewohnheiten mitbringt und somit auch jeder vielleicht einen anderen Favoriten küren würde. Ich kann euch aber so viel sagen, dass meine Musik jederzeit verfügbar sein muss. Das bedeutet, ich möchte sie zuhause oder mobil hören, möchte sie on- wie offline hören und vor allem möchte ich die einzelnen Tracks auf Wunsch hören können und nicht erst dann, wenn sie zufällig in meiner Radio-Station laufen. Daher bleibt für mich derzeit nur Spotify, später dann alternativ auch Google Music All Access. Durch mein persönliches Raster fällt das Konzept von iTunes Radio – deswegen kann es natürlich für andere perfekt passen. Und ehrlich – ich glaube auch nicht, dass hier das Ende der Fahnenstange erreicht ist und Apple diesen Service mit der Zeit auch im Umfang weiter aufbohren wird.

Lesenswert: Die fünf besten Streaming-Dienste in Deutschland

Hier habt ihr noch einmal die einzelnen Features der drei verschiedenen Services im Überblick. Lasst uns wissen, wenn ihr eine solche Übersicht auch mit anderen Diensten wie Nokia Music+, Rdio etc wünscht.


itunes radio vs spotify vs google music all access Apple iTunes Radio im Vergleich mit Spotify und Google Music All Access

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  • Thomas B.

    iTunes Radio läuft bereits, ist aber nur mit einem amerikanischen iTunes Konto und der Music App von iOS 7 erreichbar.

    • http://janundso.de/ Jan S

      muss man dann unter den store einstellungen (in der App oder und systemeinstellungen?) einen US-Account eingeben?

      • Thomas B.

        Ja und dann die Music App neu starten.

    • http://xenfo.blogspot.de/ nutritio

      ebenso wie Google Music..

  • Lapje

    Kann es sein dass der Vergleich ein wenig hinkt? Soweit ich es verstanden habe funktioniert iTunes Radio eher nach dem Last.FM-Prinzip. Da wäre ein Vergleich wohl eher angebracht.

  • DerBert

    Hier wird kein bisschen auf den Datenverbrauch eingegangen. Das ist ein extrem wichtiger Punkt. Was bringt es einen Wenn man das Streaming auch auf dem handy nutzen kann wenn das auf das Inklusiv Volumen angerechnet wird und nach 2-3 tagen schluss ist.

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