Schon zu Netbooknews-Zeiten haben wir darüber geschrieben, dass Apple gerne mal den Moralapostel spielt, wenn es darum geht, welche Inhalte über iTunes angeboten werden dürfen und welche nicht. Die Zeit Online hat da ein paar Sachen zusammengefasst, bei denen es jeweils wahrlich nicht darum ging, Pornographie zu verbreiten. Aber Apple mag keine nackten Tatsachen und macht da auch keinen Hehl raus – und spielt dann gern den Zensor.
Aus Dänemark kommt jetzt ein ganz aktuelles Beispiel dazu. Peter Övig Knudsen ist Schriftsteller und hat zwei Bücher über die Hippie-Zeit in Dänemark geschrieben. Zur Hippie-Zeit muss man vermutlich auch Leuten nichts erzählen, die wesentlich später zur Welt gekommen sind – man war nun mal nicht immer bis zur Halskrause verhüllt. So finden sich in dem Buch von Knudsen logischerweise Abbildungen von nackten Menschen und das hat logischerweise nicht den Beifall von Apple gefunden. Mit Hippie 1 und Hippie 2 hatte er zwei Bücher, die er natürlich gerne im iBookstore von Apple sehen wollte. Apple bestand jedoch darauf, dass sämtliche 47 Bilder entschärft werden, damit das Buch wieder seinen Weg auf den Markt findet.
Knudsen fand das natürlich nicht klasse, hat aber seinen eigenen Weg gefunden, sich mit den Vorgaben aus Cupertino zu arrangieren: Er hat die Geschlechtsteile nicht mit schwarzen Balken versehen wollen und hat kurzerhand einfach über jeden Nippel und jedes Geschlechtsorgan einen Apfel platziert – so wie ihr oben auf dem Bild sehen könnt.
Das allerdings reichte Apple scheinbar nicht aus. Auch die durch Obst entschärfte Version findet den Weg nicht zurück in den Shop und niemand in Cupertino fühlt sich dafür verantwortlich, den Dialog mit Knudsen deswegen zu führen. Nachdem seine Anfragen monatelang nicht beantwortet wurden, wandte er sich mit einem offenen Brief an seinen Kulturminister. Der wiederum springt auf die Argumentation des Schriftstellers an und plant sogar eine EU-weite Initiative gegen diese Art der Zensur:
Apple muss zurück auf den Teppich kommen, und sein Verhalten erklären. Alles andere ist unhaltbar
Auch der Journalistenverband in Dänemark ist seiner Meinung und sieht da eine Gefahr und eine Beschneidung der künstlerischen Freiheit. Man darf natürlich Apple nicht vorschreiben, wie sie ihr Unternehmen zu führen haben. Aber wenn man es vergleicht mit der Musik, wo Apple zeitweise mitunter Monopol-ähnliche Zustände erreicht, kann einem in der Tat schon Angst und Bange werden. Sieht auch die Zeit Online so, die hinterfragt, wie lange denn Brüste das Einzige sind, die der Zensur zum Opfer fallen:
Heute können es Brüste sein, die nicht gezeigt werden dürfen, morgen politische Aussagen oder rote Haare.
Ich halte es für wirklich bedenklich und für mich persönlich auch so aus logischen Beweggründen nicht ein bisschen nachvollziehbar, dass man Kultur auf diese Weise beschneiden möchte. Ob da meine Philosophie und die der US-Amerikaner nicht zusammen passen, oder ob es eher eine Apple-spezifische Geschichte ist, mag ich dabei nicht beurteilen. Was ist eure Meinung dazu? Geht Apple hier zu weit oder ist es legitim, weil man Herr im eigenen Haus ist und bleiben soll?
Immer auf dem Laufenden bleiben? Dann abonniere unseren RSS-Feed!
