Wo steht Apple derzeit und wo will das Unternehmen mittelfristig hin? Den Begriff “Fanboy” habe ich bewusst in der Überschrift vermieden, weil es für meinen Geschmack zu negativ behaftet ist, wenn man damit den Apple-Fan der ersten Stunde meint, der einfach nur “sein” Apple zurück möchte.
Apple ist das Unternehmen der Superlative. Niemand im Tech-Zirkus verdient eine solche Kohle, niemand sonst hat solche Gewinnspannen und niemand hat so oft wie Apple (iPod, iPhone, iPad, iTunes, you name it) ganze Märkte mal eben komplett auf links gekrempelt. Dennoch haben nicht wenige Apple-Fans Angst vor dem, was aus Apple geworden ist bzw noch werden wird. Längst sind es nicht mehr nur ein paar Nerds und Kreative, für die Apple entwickelt. Mehr und mehr handelt man auch im Sinne seiner Aktionäre, was beispielsweise dazu führt, dass der Mac immer mehr in den Hintergrund rückt, weil die Aufmerksamkeit iPhone und iPad gilt.
Lydia DePillis hat für ihren Artikel in der New Republic ein paar Stimmen von Experten zusammengetragen, unter anderem von Adam Engst (TidBITS), einst sogar als die Mac-Koryphäe hinter Steve Jobs gelistet.
It was almost that sense of pranksterism. It’s the ghost of Woz. That you could do really fun things on the Mac, maybe they were related to work maybe they weren’t. And that’s something I feel is disappearing more and more from the Mac, and from Apple’s approach in general. It’s more, here’s how things are gonna be, we know better.
Das klingt viel nach Nostalgie und Wehmut und dem Nachtrauern der “guten, alten Zeiten”, in denen man wirklich einer exklusiven Minderheit angehörte, wenn man ein Apple-Produkt besaß und mitunter zittern musste, ob dieses Unternehmen überhaupt weiter bestehen kann.
Hier hört es aber noch lange nicht auf. Vorwürfe gibt es auch, was die Software angeht. Das aktuell veröffentlichte iOS wirft in neuen Versionen oftmals mehr neue Fragen auf, als es alte Probleme löst, heißt es da und solche Statements kommen eben nicht von Foren-Trollen, sondern von Apple-Experten und -Fans der ersten Stunde. Der Kartendienst, iCloud – man macht Konkurrenz-Dienste aus, die schlicht mehr zu bieten haben und sieht all das in einem großen Zusammenhang. Millionenfach verkaufte iPhones und iPads würden Apple dazu treiben, diese Entwicklungen weiter voranzutreiben und das Kerngeschäft und die eigentlichen Stärken mehr und mehr zu vernachlässigen. Das iPhone 6 oder 7 wird sich auch noch verkaufen wie geschnitten Brot – selbst, wenn man Design und Funktionalität jeweils nur rudimentär verbessert. Für die Tablets gilt das Gleiche und vielen Fans bleibt da die Innovation auf der Strecke.
Mir persönlich fallen jetzt schon nicht viele Punkte ein, in denen sich ein iOS qualitativ oder im Funktionsumfang von Android absetzen kann und spätestens seit dem Nexus 4 von LG oder dem HTC One wissen wir auch, dass ästhetisch ansprechende Devices durchaus mal nicht mit einem Apfel-Logo versehen sein müssen.
Der Artikel von DePillis zeichnet ein Bild von verängstigten Fans, die glauben, dass das “eigene” Unternehmen einfach zu groß geworden ist. Ich kenne solche Szenarien aus der Musik, da ich viele Dinge höre, die nicht gerade im Mainstream-Radio zu hören sind. Schafft es da mal einer aus dem Untergrund an die Spitzen der Hitparaden, geht in Fan-Kreisen auch jedes Mal das Geschrei los und der Kommerz-Vorwurf macht die Runde. Das ist mir ehrlich gesagt ein wenig zu einfach, denn kommerzieller Erfolg ist für mich nicht gleichzusetzen mit Qualitäts-Abbau oder Sell out.
Ich persönlich stecke aber nicht tief genug in diesem Apple-Kosmos, sehe mich da eher als Beobachter, der allein schon beruflich das Unternehmen im Blick behalten muss. Daher wende ich mich mit diesem Denkansatz mal an die Apple-Anhänger unter unseren Lesern und frage, wo ihr das Unternehmen seht. Schließt ihr euch Experten wie Engst oder auch Jonathan Mergy (I am no longer Apple’s target market), die in Sorge sind oder glaubt ihr, dass hier viel zu viel Stimmung gemacht wird und die sensationell guten Bilanzen Beleg dafür sind, dass Apple nach wie vor so ziemlich alles richtig macht?
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