entrepreneur-1103717_1920

5 Dinge, die in den nächsten Jahren aussterben könnten

Neue Technologien sorgen dafür, dass unser technisches Gerät immer leistungsfähiger wird. Dadurch bleiben aber auch viele Dinge auf der Strecke, die uns jahrelang begleitet haben. Wir wagen eine Prognose für die nahe Zukunft.
von Carsten Drees am 11. Januar 2016

Gerade, wenn ich von einer Messe wie der CES zurückkomme, wird es mir immer wieder besonders bewusst: Wir leben in unsagbar spannenden Zeiten, in denen sich so viele Dinge verändern, so viele Technologien riesige Sprünge machen und wir Dienste und Geräte nutzen, von denen wir noch vor wenigen Jahren nicht zu träumen wagten. Weder iPhone oder iPad noch YouTube, Twitter oder Facebook haben wirklich viele Jahre auf dem Buckel und sind dennoch aus unseren Leben nicht mehr wegzudenken.

Vieles, an was wir hingegen über viele Jahre oder gar Jahrzehnte gewöhnt sind, könnte sich bald schon für immer von uns in die Bedeutungslosigkeit verabschieden. Manches wird man vermissen, manches ist schon jetzt ziemlich obsolet. So oder so dreht sich die Welt gerade sehr schnell und gerade für uns alten Analog-Knacker ändert sich jede Menge. Bei TechCrunch hat man fünf Punkte gesammelt mit Dingen, die schon in den nächsten fünf Jahren ausgestorben sein könnten.

Ich würde mich diesbezüglich nicht unbedingt auf ein Jahr festlegen wollen, von der Tendenz kann es aber durchaus alles so hinkommen und gerade bei der Fahrt, die bei neuen Technologien aufgenommen wird, kommt so ein Wechsel in unseren Gewohnheiten oftmals schneller als vermutet. Hier sind die fünf Themenkomplexe, bei denen in den nächsten Jahren drastische Änderungen zu erwarten sind:

Bargeld, Schecks, Kreditkarten, Geldautomaten

Die Art und Weise, wie wir bezahlen, wird sicher in wenigen Jahren eine andere sein als die, an die wir derzeit noch gewöhnt sind. Mobiles Bezahlen dürfte den Finanzmarkt und viele seiner Produkte in Bälde überrollen. Zu bedenken ist hierbei, dass es regional große Unterschiede gibt. So werden Schecks in Deutschland deutlich weniger genutzt als in den Vereinigten Staaten, dafür montiert man in Schweden bereits jetzt viele Geldautomaten ab und richtet sich auf eine bargeldlose Welt ein. Auch, wenn Christinas Mobile Payment-Versuch schon eine Weile zurückliegt: In unseren Gefilden steckt das Bezahlen per Smartphone noch in den Kinderschuhen.

Kreditkarten in Geldbörse

Nichtsdestotrotz wird hier ein elementarer Paradigmenwechsel einsetzen, der mit vielen Verbesserungen und neuen Möglichkeiten, aber auch ganz anderen Risiken einhergehen wird. Klingt vielleicht ein wenig strange für eine Nation, in der viele Menschen nicht einmal Kreditkarten besitzen (und vielleicht auch nie besitzen werden), aber auch für Deutschland dürfen wir uns darauf einstellen, dass aus unserem Leben zunächst mal das klassische (und heute schon kaum noch genutzte) Scheckbuch verschwindet, später dann ebenso Kreditkarten, Bargeld und damit verbunden natürlich auch die Geldautomaten.

Unsere Kohle werden wir digital mit uns herumtragen auf unseren mobilen Devices. Das sehe ich nicht unbedingt für die nächsten fünf Jahre für die breite Masse, aber es wird kommen – Deal with it!

USB-Sticks, Festplatten – physische Speicher an sich

Mein Storage-Status-Quo: Ich habe hier eine defekte Festplatte, bei der mich außer dem finanziellen Schaden anfangs zwar auch der Datenverlust genervt hat – bis ich mir darüber klar wurde, dass die meisten der unzähligen Songs von mir schon längst in die Cloud verfrachtet wurden. Meine Fotos, die ich in digitaler Form lange von einem zum nächsten Rechner gerettet habe teilweise seit den Neunzigern, habe ich ebenfalls alle an mehreren Orten online gesichert.

usb-932180_1920

Das erzähle ich euch deswegen, um zu demonstrieren, dass physische Speicher künftig immer weniger von Bedeutung sein werden. Bei Google hab ich 20.000 Songs online, meine CDs rühre ich nur noch selten an, seit ich Spotify nutze und dank Diensten wie Amazon und Netflix verkommen meine DVDs und Blurays so langsam ebenfalls zu Staubfängern.

Das Thema Sicherheit zieht sich wie ein roter Faden durch all die Änderungen, die das Digitalisieren mit sich bringt und das sieht auch beim Speicher nicht anders aus. Dennoch können wir das Rad der Zeit auch hier weder anhalten noch zurückdrehen: Wir tragen unsere Musik, unsere Filme und unsere Bücher auf mobilen Devices mit uns herum. Das spart nicht nur Platz, sondern ist auch logistisch gesehen eine Wohltat. Will man auf einer Party meine Musik hören, kann ich überall auf alles zugreifen oder ich share schlicht eine Spotify-Playlist. Im Flieger brauche ich nicht zig Bücher herumschleppen und hab sie auf dem Tablet dennoch dabei. Darüber freut sich natürlich mein Rücken und außerdem eliminiere ich damit das Risiko, in der Reise-Hektik das wichtigste Buch auf dem Tisch liegen zu lassen beim Packen.

Sowohl die Verbreitung von Smartphones als auch die Verfügbarkeit von Internet wird sich in den nächsten Jahren drastisch erhöhen, so dass ihr in fünf Jahren nahezu überall in der Welt auf eure Daten zugreifen könnt, solange ihr lediglich ein Smartphone in der Tasche habt. Diese Entwicklung wird dafür sorgen, dass es zunehmend mehr den USB-Sticks und anderen Datenträgern an den Kragen geht – nicht zuletzt deswegen, weil der eh schon günstige Cloud-Speicherplatz bei Google, Amazon, Microsoft usw in Zukunft tendenziell noch günstiger werden dürfte.

Schlüssel und Passwörter

Eine Umfrage aus dem Jahr 2014 hat ergeben, dass wir im Durchschnitt jeder 19 Passwörter nutzen – und nur ein Drittel davon wirklich stark genug ist. Asche über mein Haupt: Vor Jahren bin ich ziemlich gut mit einem einzigen Passwort ausgekommen – hätte jemand das Passwort irgendwo herausgefunden, mein ganzes Online-Leben hätte vor ihm brach gelegen. Das ist natürlich schon lange nicht mehr der Fall und dank LastPass habe ich jetzt einen Haufen Passwörter, die allesamt lang und kompliziert sind und die ich mir dennoch nicht merken muss.

Aber egal, wie kompliziert und durchdacht eure Passwörter sind: Geknackt können sie natürlich dennoch werden. Mit dem Erfassen biometrischer Daten steht die Alternative auch schon in den Startlöchern bzw. wird bereits eifrig genutzt. Fingerprint-Sensoren halten Einzug in sehr viele aktuelle Smartphones. Damit entsperren wir die Geräte, können aber auch Zahlungen bestätigen und Einiges mehr. Egal, ob Fingerabdruck, Iris-Scan oder Erkennen der Stimme: Künftig sorgen unsere eigenen Körper-Merkmale dafür, dass wir ein Smartphone entsperren, eine geschützte Datei öffnen etc.

keyboard-621830_1920

Damit aber nicht genug: Nicht nur den Passwörtern drehen wir dadurch den Saft ab, auch Schlüssel werden zunehmend überflüssiger. Schon heute gibt es verschiedene smarte Systeme, die euch eure Wohnungstür per Smartphone entsperren lassen, oder mit denen ihr selbst aus der Ferne einem Freund Eintritt gewähren könnt. Der Alptraum aller Schlüsseldienste wird vermutlich ebenfalls in den nächsten Jahren eintreffen – nicht flächendeckend, aber zunehmend mehr!

Fernbedienungen

Ach ja, Fernbedienungen… Schon in den Achtzigern war es so, dass ich neben meinem Bett oder meiner Couch eine Armada an Fernbedienungen liegen hatte. Zwei Video-Rekorder, Sat-Receiver und Musik-Anlage machten mich seinerzeit zum Remote-Jockey. Auch aktuell sind es – zumindest bei mir – vier Stück, aber auch der Fernbedienung werden wir in den nächsten Jahren den Garaus machen.

television-remote-control-525705_1920

In Sachen Smart Home hinke ich hier echt noch hinterher – Einige Lichtquellen und Dinge wie Amazon Prime oder YouTube auf dem Fernseher bekomme ich aber immerhin dennoch über mein Smartphone kontrolliert. Das Internet of Things verbindet künftig alles mit allem und die Kontrolle findet dann über die App statt. Heute ist noch nicht wirklich absehbar, welcher Standard sich langfristig durchsetzen wird, aber ihr könnt davon ausgehen, dass wir – egal, ob mit Tablet oder Smartphone – unsere Elektronik zuhause weitestgehend mit einer mobilen Gerätschaft steuern können. Es wird einfach nicht mehr nötig sein, so ein sinnloses, zusätzliches Stück Hardware auf der Couch herumfliegen zu haben.

Papier-Dokumente

Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, dass ich bei DHL in einem Warenverteilzentrum gearbeitet habe. Noch heute denke ich aber mit Graus daran, wie viele E-Mails sinnlos ausgedruckt wurden und wie oft das Fax-Gerät genutzt wurde. Das papierlose Büro existiert andernorts natürlich schon längst und der klassische Briefverkehr nimmt auch Jahr für Jahr ab.

kave-638241_1280

Lediglich bei wichtigen Dokumenten wird oft noch der Postweg bemüht, aber auch hier ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Versenden wichtiger Papiere digital geschehen wird. Auch hier wird die Cloud wieder eine wichtige Rolle spielen, aber damit allein ist es nicht getan: Was das Unterzeichnen oder Versenden wichtiger Dokumente angeht, sind es gar nicht mal die technologischen Fesseln, die uns bremsen. Vielmehr müssen die rechtlichen und organisatorischen Hürden bewältigt werden, damit künftig nicht mehr der fette Ordner mit Versicherungs-Papieren, Mietvertrag und ähnlichem Kram zum Einsatz kommen muss.

Ich fürchte, dass auch in dieser Hinsicht Deutschland länger brauchen wird als beispielsweise die USA oder als skandinavische Länder. Dennoch erwartet uns auch das in den nächsten Jahren – Dokumente, die digital unterzeichnet werden, oder bei denen vorab Einigkeit darüber besteht, dass geschlossene Verträge etc. verbindlich sind, ohne dass Tage später irgendwo ein Brief mit einer handschriftlichen Unterschrift eingehen muss.

Digitalisierung Vernetzung Entlassungen DienstleistungsbereichSteuerberater, Versicherungsvertreter, Verkäufer, Taxifahrer: Jobs, die es in 20 Jahren nicht mehr gibt

Bei all den aufgezählten Punkten hat man bei TechCrunch einen Zeitrahmen von fünf Jahren festgelegt. Für Deutschland sehe ich das nicht ganz so, weil wir doch bei dem ein oder anderen hinterherhinken. Das soll jetzt aber auch gar nicht das Thema sein, ob eine der genannten Änderungen noch fünf oder noch acht Jahre von uns entfernt ist. Fakt ist, dass sich unsere Gewohnheiten grundlegend weiter ändern werden und den Trend fortsetzen wird, der unsere mobilen Devices schon jetzt zu unverzichtbaren Begleitern gemacht hat. Was meint ihr? Werden diese fünf Themenbereiche tatsächlich in den nächsten Jahren grundlegend verändert sein, oder schaue ich einfach ein bisschen zu optimistisch in die Zukunft?

Quelle: TechCrunch