Hass

Account Sperrung: Facebook, wir müssen reden!

Liebes Facebook,

du weißt, wir hatten schon öfters so unsere Schwierigkeiten miteinander. Es ist irgendwie eine sehr lange und sehr beständige Hassliebe, die uns verbindet. Du unterhältst mich, du hilfst mir mit Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben, mit denen ich sonst vielleicht keine Kontakt (mehr) hätte und du schaffst es fast immer mich zum Lachen zu bringen. Oder zum Weinen. Oder zum Kotzen. Deine Vorstellungen davon, was Datenschutz ist weichen doch ziemlich stark von meinen ab, aber irgendwie konnte ich mich auch damit arrangieren. Du bist unglaublich prüde und flippst bei nackten weiblichen Nippeln regelmäßig aus, während du kein Problem mit sehr expliziten Gewaltdarstellungen hast. Selbst das war noch irgendwie zu verkraften. Mit laut vernehmbaren Zähneknirschen zwar, aber dagegen habe ich vom Zahnarzt eine Beissschiene für die Nacht bekommen.

Was aber langsam echt nicht mehr geht ist dein Umgang mit Hasspropaganda, mit Rassismus, mit Aufrufen zu Gewalt und anderen Straftaten aus der rechten Ecke. In dem Punkt scheinst du deine eigenen Gemeinschaftsstandards nicht halb so ernst zu nehmen, wie es angebracht wäre. Du behauptest also, du würdest sämtliche Hassbotschaften entfernen, die du wie folgt definierst:

Facebook entfernt sämtliche Hassbotschaften, d. h. Inhalte, die Personen aufgrund der folgenden Eigenschaften direkt angreifen:
• Rasse,
• Ethnizität,
• Nationale Herkunft,
• Religiöse Zugehörigkeit,
• Sexuelle Orientierung,
• Geschlecht bzw. geschlechtliche Identität oder
• Schwere Behinderungen oder Krankheiten.

Die Präsenz von Organisationen und Personen, die Hass gegen diese geschützten Gruppen schüren, ist auf Facebook nicht zulässig. Wie bei allen unseren Standards vertrauen wir darauf, dass unsere Gemeinschaft uns entsprechende Inhalte meldet. Facebook Gemeinschaftsstandards

Ernsthaft jetzt Facebook, du weißt genau wovon ich rede, du weißt genau was ich dir so alles an Dingen gemeldet habe, die du dann nicht entfernt hast, weil es z.B. nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstossen würde, wenn man dazu aufruft Flüchtlingswohnheime zu stürmen, die Bewohner zu erschlagen und zu verbrennen. Oder wenn „linksgrünversiffte Gutmenschen“ von „besorgten Bürgern“ mit einem „Hausbesuch“ gedroht wird, der anschließend mit einem Aufenthalt im nächsten Krankenhaus enden würde. Nein, da willst du keinen Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards gesehen haben. Auch nicht, wenn einfach mal alle Flüchtlinge als „dreckige Hunde“, „Bastarde“ und „Drecks-Kanacken“ bezeichnet werden. Oder wenn das Foto eines ertrunkenen Kindes kommentiert wird mit „Wenigstens einer weniger :D“. Nö, da sahst du kein Problem mit…

Nun dachte nicht nur ich, dass es jetzt vielleicht besser würde. Du hast ein Team in Deutschland zur Bearbeitung der Meldungen engagiert und wir alle dachten, nun würde es besser, wenn nicht irgendjemand am anderen Ende der Welt darüber entscheidet, ob der Aufruf ein Flüchtlingswohnheim mit Baseballschlägern und Benzinkanistern zu besuchen nun gegen die Gemeinschaftsstandards verstösst oder nicht. Und auch deine Initiative zur Gegenrede klang echt toll für diese ganzen Fälle in der Grauzone. Denn was wir natürlich auch nicht wollen ist ein kuschlig-weichgespültes Facebook, in dem alles nur Friede-Freude-Eierkuchen ist. Nein, Diskussionen sind schon gut.

Aber Facebook, was ich nicht verstehe, du rufst also auf zur Gegenrede, zur Diskussion mit den „besorgten Bürgern“ und was machst du dann? Du sperrst Menschen, die diesem Aufruf folgen? Ernsthaft Facebook, erkläre mir bitte mal, was an dieser Erwiderung zu einem Beitrag gegen deine Gemeinschaftsstandards verstösst:

Facebook brennt der Hut

Was ist so schlimm an dieser Gegenrede – zu der du uns ja ausdrücklich aufrufst – dass nicht nur der Kommentar gelöscht werden musste, sondern der Verfasser auch direkt drei Tage gesperrt werden musste?

Wirklich jetzt Facebook, es ist inzwischen echt nicht mehr lustig und langsam ist es gar nicht mehr zu ertragen, was du da veranstaltest. Ganz ehrlich, ich weiß nicht mehr, was ich noch mit dir machen soll. Den Arsch versohlen geht ja leider nicht…