Adblock Plus Zahltag Abmahnungen

Zuckerbrot und Peitsche bei der Eyeo GmbH
Adblock Plus lockt andere Adblocker mit Geld – Crystal ist der erste *Update*

Die Kölner Eyeo GmbH startet zeitgleich mit der Veröffentlichung von Apple iOS 9 einen neuen Angriff auf den lukrativen Werbemarkt. Man will sich auch auf iPhones und iPads die Butter nicht vom Brot nehmen lassen und lockt nun andere Programmierer von Adblockern mit z.T. hohen monatlichen Zahlungen für das Durchlassen von "Akzeptablen Werbeanzeigen" der eigenen prominenten Kundschaft. Wiederum anderen Programmierern drohen Abmahnungen, denn mit dem Markenrecht hat ABP nun überraschend ein wichtiges Ass im Ärmel.

Update 26. September 2015, Bernd

Nachdem der iOS-Adblocker Crystal nun tatsächlich ebenfalls die Werbeanzeigen der Eyeo GmbH einblenden wird (siehe unten) und sich abzeichnet, dass in Kürze auch Adblock diesem Weg folgen wird, bringen sich die Anbieter anderer Apps in Stellung. So verkündet mittlerweile Purify via Twitter, dass man dort niemals Deals mit Werbetreibenden eingehen werde:

Der „Ad-Blocker for iPhone & iPad“ wiederum fasst zusammen, wie die Markenrechts-Ansprüche von Adblock Plus momentan andere Programmmierer unter Druck setzen.

Marco Ament wiederum, der Programmierer von „Peace“, ist gar froh, nach dem Zurückziehen seiner App gar nichts mehr mit diesem Business zu tun zu haben:

Und Adblock Plus? Die nutzen jetzt die umfangreichen Rechte der Browser-Extension und blenden ihren eigenen Benutzern „PopUps“ ein, mit denen die mobilen Apps beworben werden:

Wasser predigen, Wein trinken. Nichts Neues also.

Update 25. September 2015, Bernd

Wie das Wall Street Journal heute berichtet, wird der iOS-Adblocker „Crystal“ zukünftig die Werbung der Eyeo GmbH freischalten. Der Programmierer Dean Murphy hatte sich (siehe unten) bereits vor einigen Tagen mit „moralischen Bedenken“ gemeldet, die ihn beim Blocken von Werbung überkämen. Gleichlautend hatte sich auch Marco Arment, der Programmierer von „Peace“ geäussert und seine App sogar aus dem App-Store entfernt.

Dean Murphy wird für die Einbindung der Werbeanzeigen eine monatliche Gebühr erhalten, die nach seiner Auskunft aber nicht das übersteige, was er durch den Verkauf seiner – kostenpflichtigen – App einnehme. Mit Crystal hatte Murphy in nur zwei Tagen die Download-Charts gestürmt und so ca. 100.000 US-Dollar in nur 48 Stunden eingenommen.

Die Werbeanzeigen in Crystal werden „per Default“ aktiviert, der Benutzer muss dies also nicht manuell bestätigen.

Unterdessen positionieren sich andere Programmierer immer deutlicher gegen die Eyeo GmbH bzw. Adblock Plus und stören sich dabei nicht nur an den i.M.n. deplazierten „Acceptable Ads“. Die Registrierung des Markennamens „Adblock“ scheint offenbar dafür zu sorgen, dass andere Adblocker für diesen Suchbegriff im App Store gar nicht mehr auffindbar sind. Die Eyeo GmbH scheint bei Apple bereits entsprechende Markenansprüche angemeldet zu haben und setzt die Programmierer wie erwartet so unter Druck.

Der grösste Knall steht allerdings noch aus. Einem aktuellen Gerücht zu Folge wird auch Michael Gundlach sein Add-On „Adblock“ in Kürze in den Dienst der Eyeo GmbH stellen und erweitert die Reichweite der millionenschweren „Akzeptablen Werbeanzeigen“ dann auf einen Schlag um 40 Millionen Benutzer.

Quelle: wsj.com

Original-Artikel vom 21. September 2015

Wir dürfen uns ja immer noch stolz auf die Fahne schreiben, dass wir im Juni 2013 die allerersten waren, die das obskure Geschäftsmodell von Adblock Plus unter die Lupe genommen haben. Damals deckten wir auf, dass hinter Adblock Plus bzw. der damals neu gegründeten Eyeo GmbH finanzkräftige Investoren aus der Werbebranche stehen, die mit Hilfe des Adblockers de facto ein eigenes Werbenetzwerk hochziehen.

Das Prinzip hinter dem erfolgreichen Browser-Addon ist simpel: man blockt im ersten Schritt die Werbung aller Anbieter und präsentiert den eigenen Benutzern werbefreie Internetseiten. Im zweiten Schritt lässt man sich von großen, ausgewählten Internetseiten oder von den zuvor geblockten Werbe-Anbietern für die teilweise Wiederfreischaltung von Werbeanzeigen bezahlen. Für diese „Dienstleistung“ kassiert die Eyeo GmbH von bestimmten Internetseiten angeblich bis zu 30% der zuvor entgangenen Einnahmen. Weitere Recherchen deckten auf, dass Google, Amazon oder eBay zusammen zweistellige Millionenbeträge an das Unternehmen überweisen und sich auf diese Weise freikaufen.

Während unserer Recherchen nannten wir Ross und Reiter. Wir entmystifizierten das Bild vom tapferen „Don Quichote“ Wladimir Palant, der allein auf weiter Flur gegen die übermächtige Werbeindustrie kämpft. Wir zeigten, dass die Macher von Adblock Plus mit gefakten Identitäten Gastartikel und „Tests“ auf dutzenden fremden Blogs platzierten, in denen Lobeshymnen auf die Vorzüge von Adblock Plus gehalten wurden. Wir nannten angeblich unabhängige Internetseiten, die tatsächlich dem Geschäftsführer Till Faida gehörten und listeten angeblich unabhängige Firmen auf, in die die Investoren aber tatsächlich ebenfalls involviert sind. Wir zeigten, dass die angeblich für die Freischaltung zuständige „Adblock Plus Community“ ein Witz ist und dass die Eyeo GmbH wettbewerbsrechtlich bedenklich sowohl Anzeigen blockt als auch freischaltet.

Kurzum: wir nannten die ganze Mischpoke „Mafia“ und verglichen das Geschäftsmodell mit dem einer Straßen-Gang, die nur dann zahlende Gäste ins Restaurant lässt, wenn der Besitzer das monatliche Schutzgeld abgedrückt hat.

Das ist digitale Schutzgelderpressung! Sascha Pallenberg, im Juni 2014

Adblock Plus ist eines der perfidesten aber auch smartesten Werbenetzwerke. Sascha Pallenberg, im Mai 2015

Adblock Plus vor Gericht

Seitdem ist viel passiert. Verschiedene Internetseiten und Werbenetzwerke sind mittlerweile gerichtlich gegen Adblock Plus bzw. die Eyeo GmbH vorgegangen. Einige Prozesse laufen anscheinend noch, andere endeten mit einem Etappensieg für ABP. Die Gerichte stellten z.B. fest, dass Adblock Plus den eigenen Adblocker ja schließlich nicht an die Benutzer gegen Geld verkaufe und dass jeder ABP-Benutzer selbst entscheiden könne, ob er Werbung sehen wolle oder nicht.

Dass Adblock Plus den oftmals nicht versierten Benutzern diese angeblich „freie Entscheidung“ durch bereits vorausgewählte Felder während der Installation abnimmt, wurde nach unserer Kenntnis [edit: von den Klägern gar nicht bedacht und somit auch] in keinem Urteil berücksichtigt und steht u.E. in völligem Widerspruch zu anderen Urteilen, in denen „Check-Boxen“ aktiv vom Benutzer aktiviert werden müssen (Opt-In, Opt-Out, Double Opt-In, etc.).

Wenn ein Benutzer heute einen Werbe-Newsletter abonnieren möchte, dann muss er dies – völlig zu Recht – mehrfach bestätigen. Jedem Reiseanbieter ist es verboten, dem Kunden Zusatzversicherungen u.a. Dienste mit vorausgewählten Häkchen unterzujubeln.

Nur für ABP gelten solche Regeln anscheinend nicht, dort dürfen die millionenschweren „Akzeptablen Werbeanzeigen“ (die im Add-on „non-intrusive avertising“ genannt werden, siehe unten) bereits während der nur wenige Klicks dauernden Installation schon vorausgewählt sein.

Auch dass Adblock Plus kurz nach unserer Recherche und dem dadurch entstandenen Wirbel mit einem „fehlerhaften“ Update alle zwischenzeitlich deaktivierten Check-Boxen wieder heimlich aktivierte, wurde irgendwie vergessen. Neuland vor Gericht, nur anders.

Dieses Häkchen mit der wenig aussagekräftigen, englischsprachigen Bezeichnung "Allow non-intrusive advertising" ist für Adblock Plus zig Millionen Euro wert.
Dieses bereits während der Installation vorausgewählte Häkchen mit der wenig aussagekräftigen, englischsprachigen Bezeichnung „Allow non-intrusive advertising“ ist für Adblock Plus zig Millionen Euro wert.

Ebenso nicht berücksichtigt wurde bisher offenbar, dass Adblock Plus längst nicht nur Werbeanzeigen blockt. Die Macher gehen aktiv und rigoros gegen jeden Versuch von Internetseiten vor, die eigenen Besucher um das Abschalten des Adblockers zu bitten. Für diese Anti-Adblocker Code-Zeilen werden von den Eyeo-Mitarbeitern die gleichen Listen (Easylists) genutzt, mit denen auch die Werbeanzeigen geblockt werden. Auf diese Weise wird den Anbietern von werbefinanzierten Internetseiten jede sinnvolle Möglichkeit genommen, mit den eigenen Besuchern in Dialog zu treten, ihnen die Problematik zu erläutern und gegebenenfalls Alternativen aufzuzeigen, die es ja durchaus mittlerweile gibt.

Das grenzt u.E. nicht nur an Zensur, sondern ist u.E. ebenfalls wettbewerbsrechtlich problematisch. Hier wird eine vom Benutzer oftmals gar nicht realisierte Machtposition im Browser-Fenster ausgenutzt, und sowohl der Benutzer als auch die Internetseiten-Betreiber sind den Filterlisten machtlos ausgeliefert, zur Unmündigkeit verdammt. Die Eyeo GmbH möchte anscheinend um jeden Preis erzwingen, dass die Anzeige von (ja durchaus auch zurückhaltender) Werbung nicht individuell zwischen dem Besucher und einer Internetseite vereinbart wird. Dies soll ausschließlich und gegebenenfalls gegen eine Schutzgebühr unter ihrer Kontrolle stattfinden.

ABP und die „Konkurrenten“

Nutzt den AdBlocker eurer Wahl, aber: Finger weg von Adblock Plus. Die haben hier wirklich ein einmaliges Werbenetzwerk mit Erpressungs-Potential geschaffen. Sascha Pallenberg, im Juni 2013

Bereits während unserer Recherchen vor zwei Jahren haben wir mehrfach darauf hingewiesen, dass es auch viele andere Werbeblocker gibt, die nur das tun, was von ihnen verlangt wird: Werbebanner und Skripte blocken. Im direkten Vergleich zu Adblock Plus besitzen diese anderen Ad-Blocker weitaus weniger Benutzer, obwohl der zugrundeliegende Code und die Funktionalität in weiten Teilen absolut identisch ist. Hier muss man der Eyeo GmbH einfach zugestehen, dass sie – unterstützt mit dem Werbegeld der Investoren – einfach davon gestürmt ist und mittlerweile die Download-Charts der Browser Firefox und Chrome so sehr dominieren, dass andere Anbieter das Nachsehen haben.

Dass die Eyeo GmbH in diesen Download-Charts ebenfalls nicht zimperlich ist und dort permanent negative Kommentare und Bewertungen über Adblock Plus gelöscht werden, gehört offenbar zum „Business-Modell“.

Nun, im September 2015, scheint man bei Adblock Plus das nächste Level anzupeilen. Nach einer Recherche von Info iGen kontaktiert die Eyeo GmbH momentan die Programmierer von anderen Adblockern und versucht, diese vom Kölner Geschäftsmodell zu überzeugen. Die Programmierer sollen ihre bisher völlig werbefreien Adblocker so anpassen, dass diese ebenfalls ausgewählte Werbeanzeigen durchlassen – und zwar die von Eyeos zahlender Kundschaft.

Auf diese Weise wäre ein Platz in der „Weißen Liste“ von Adblock Plus plötzlich noch mehr wert, die Eyeo GmbH könnte also von zahlungswilligen Unternehmen noch mehr Geld verlangen. Wenn die meisten verfügbaren Werbeblocker in Zukunft die Werbeanzeigen von Eyeos Werbekunden durchlassen, hätte die Firma die alleinige Kontrolle über einen erheblichen Teil des Online-Werbemarkts erlangt und könnte beinahe jeden Preis aufrufen. Gleichzeitig würde eine kleine Firma aus Köln damit der Welt diktieren, wie Werbung gefälligst auszusehen hat.

Das ist – auch darauf haben wir bereits vor zwei Jahren hingewiesen – problematisch. Die Eyeo GmbH wird hier ohne effektive Kontrolle durch einen Dritten zu einem mächtigen Gatekeeper, der über das Fortbestehen oder den Niedergang ganzer Internetseiten entscheiden kann. Bereits heute ist die Situation folgende:

  • Will man auf seiner Internetseite ungehindert Werbeanzeigen einblenden, dann muss man sich hierzu manuell und u.U. gegen eine monatliche Gebühr bei der Eyeo GmbH freischalten lassen.
  • Bei der Auswahl der dann freigeschalteten Werbeanzeigen ist man ebenfalls auf die Eyeo GmbH angewiesen, denn diese erlaubt nur ganz bestimmte Formate.
  • Diese Formate entsprechen „zufällig“ exakt den Formaten, die hauptsächlich von Eyeos größten Zahlern Google, Amazon und Ebay angeboten werden.
  • Wird man also von der Eyeo GmbH für einen Anzeigenblock freigeschaltet, dann bindet man als Betreiber einer Internetseite in diesem Block meistens einen Code für z.B. Google Adsense Textanzeigen ein.

Und dann rotiert das Perpetuum Mobile, dass sich Adblock Plus ausgedacht hat. Sogar Google, Amazon & Co. profitieren trotz ihrer hohen Zahlungen am Ende von diesem System, weil hauptsächlich sie es sind, welche die bevorzugten Formate für die „Akzeptierten Anzeigen“ bereitstellen. Kleinere, spezialisierte Werbenetzwerke, die u.U. für den Betreiber einer Internetseite die weitaus bessere Wahl wären und „den Großen“ die Stirn bieten könnten haben hingegen fast keine Chance. Wenn ein Werbekunde Text-Anzeigen buchen will, dann macht er das in der Regel bei Google – und nicht bei einer kleinen Werbeagentur, die sich z.B. auf die Betreuung von unabhängigen Gaming-Blogs spezialisiert hat.

Bis zu 5.600 US-Dollar pro Monat

Wie viel Geld in diesem Geschäftsmodell von Adblock Plus steckt wird deutlich, wenn man sich die Summen anschaut, die nun angeblich den Programmierern anderer Werbeblocker geboten werden. Info iGen berichtet von monatlichen Zahlungen von bis zu 5.600 US-Dollar, umgerechnet also mehr als 67.000 US-Dollar pro Jahr. Dafür muss eine alte Frau lang stricken und es wird sicherlich den ein oder anderen Programmierer geben, der nun ins Grübeln kommt.

Dabei weiß zum jetzigen Zeitpunkt niemand, ob dieser Betrag tatsächlich das Maximum ist. In einer ersten Stellungnahme nannte die Eyeo GmbH die Recherche „nicht vollständig richtig“ – eine ausweichende Formulierung, die man auch nach unseren Recherchen vor zwei Jahren gerne und oft hörte. Nachdem uns die Geschäftsführer Till Faida und Wladimir Palant damals in einer ersten heftigen Reaktion als „Lügner“ beschimpften, wir dann aber in einem zweiten Teil unseres Reports alle Einwände widerlegten und noch einen ‚drauf setzten scheint „Nicht vollständig richtig“ nun in Köln die Standard-Floskel zu sein.

Adblock Plus will aufs iPhone, um jeden Preis

Relativ klar ist, warum Adblock Plus gerade jetzt mit diesen „unmoralischen Angeboten“ um die Ecke kommt. Der momentan offensichtliche Zusammenhang sind die Veröffentlichung von Apples neuem Smartphone-Betriebssystem iOS9 und der baldige Launch des Desktop-Betriebssystem OS X El Capitan. Denn mit iOS 9 ermöglicht Apple auch auf seinem mobilen Betriebssystem ganz offiziell die Installation von Adblocker-Apps, mit denen das iPhone oder iPad zur (auf den ersten Blick) werbefreien Zone werden.

Ganz so selbstlos und benutzerfreundlich wie es klingt ist das von Apple allerdings nicht. Branchenkenner prognostizieren, dass die von Apple selbst vermarkteten iAds gegen diese Adblocker immun sein werden, also de facto nur die Werbeanzeigen der Konkurrenten (z.B. Google Adsense, andere Werbenetzwerke, …) ausblenden werden. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass Apple mit der eigenen Werbeplattform iAds noch große Pläne hat, bis hin zur Vermarktung der Kreditwürdigkeit des Smartphone-Besitzers.

Zudem möchte Apple über verschiedene Kooperationen – ähnlich wie Facebook mit den dort angekündigten „Instant Articles“ – große Publisher von exklusiven News-Apps auf dem iPhone überzeugen. Die Vermarktung der Artikel fände dann nicht innerhalb einer vom Adblocker gefilterten Internetseite, sondern innerhalb einer von Apple abgeschotteten App statt. Die nun zugelassenen iOS9-Adblocker werden hier zusätzlichen Druck aufbauen und die Publisher in diese Apple-Apps drängen.

Dabei hat der normale Apple-Benutzer eigentlich ein extrem hohes Interesse an einem werbefreien Smartphone. Zum einen wurde ihm von Steve Jobs und Tim Cook über Jahre hinweg zugesichert, dass Apple sein Geld ausschließlich mit dem Verkauf hochwertiger Hardware verdiene, nicht mit dem Verkauf von Werbeanzeigen oder gar mit der Auswertung von demografischen und individuellen Benutzerdaten, bis hin zur Kreditwürdigkeit. Zum anderen zeigen die Download-Charts der zurückliegenden Tage, dass die nun angebotenen Adblocker extrem erfolgreich sind. Apps wie „Purify“, „Peace“ oder „Chrystal“ stürmten in kürzester Zeit die Ranglisten.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-( #wpappbox

Links: → Store öffnen → Google-Suche

Dieser Erfolg der Konkurrenten rief nun Adblock Plus auf den Plan, die auf der lukrativen iOS-Plattform ihre sonstige Vormachtstellung gefährdet sehen. Mit den Angeboten an fremde Programmierer will es die Eyeo GmbH schaffen, das eigene Geschäftsmodell auch auf iPhones und iPads zu etablieren und so (neben Apple selbst) zum quasi-exklusiven Anbieter von Werbeanzeigen auf diesen Geräten zu werden.

Und damit könnten sie durchaus Erfolg haben, wie sich nun zeigt. Der Entwickler von „Peace“, Marco Ament, hat seine App nach nur zwei Tagen trotz des enormen Erfolgs auf Grund „moralischer Bedenken“ zurückgezogen. Der Entwickler von „Chrystal“ äußerte sich bereits ähnlich. Aus Sicht eines neutralen Beobachters klingen beide Erklärungen wie die wörtliche Übernahme des Adblock Plus Mantras. Till Faida und Co. werden nicht müde zu betonen, dass sie mit ihrem lukrativen Geschäftsmodell eigentlich nur „das Web besser machen“ und niemanden schädigen wollen. Dass für diese heldenhafte Tat dann eben bis zu 30% der ursprünglichen Einnahmen oder gar Millionen-Zahlungen von Google & Co. fällig werden klingt vor diesem Hintergrund nur wie ein willkommener Nebeneffekt.

„Adblock“ als geschütztes Markenzeichen

Zu diesen moralisch hohen Ansprüchen der Eyeo GmbH passt allerdings nicht, dass man nach dem Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ auch andere Geschütze auffährt. Während den einen Programmieren hohe monatliche Geldzahlungen für die Integration der „Acceptable Ads“ angeboten werden, schwingt man andernorts die Markenrechts-Keule.

Nach den uns vorliegenden Informationen hat sich die Eyeo GmbH in den zurückliegenden Monaten nicht nur die Begriffe „Adblock Plus“ und „ABP“ als Warenzeichen schützen lassen. In einigen Ländern wurde auch der mittlerweile längst umgangssprachliche Begriff „Adblock“ als Trademark registriert, so dass die Verwendung dieses Begriffs nach dem Verständnis der Kölner nun ausschließlich ihnen zusteht.

Hierzu muss man wissen, dass Adblock Plus ein Open Source Programm ist, das über viele Jahre hinweg von unzähligen freiwilligen Programmieren erstellt wurde. Wladimir Palant, der jetzige Chef-Programmierer und zweite Geschäftsführer der Eyeo GmbH hat die Software erst zu einem relativ späten Zeitpunkt übernommen.

Der Begriff „Adblock“ stammt aber aus den Anfangszeiten und ist ganz sicher keine Wortschöpfung der Eyeo GmbH. Unzählige „Forks“ und Derivate der Software sind in der Zwischenzeit entstanden, so dass sich der Begriff „Adblocker“ in den Köpfen der Benutzer längst als umgangssprachliche Bezeichnung für einen Werbeblocker etabliert hat.

Mit der somit ziemlich dreisten Markenregistrierung hat sich das nun erledigt. Hersteller anderer, neuer Werbeblocker müssen – sofern sie einen kostspieligen Rechtsstreit vermeiden wollen – auf Phantasienamen wie „Purify“, „Peace“ oder „Chrystal“ ausweichen, siehe oben. Die Eyeo GmbH hat den Begriff „Adblock“ quasi gekapert und kann nun in Suchmaschinen oder eben in den App-Stores von Apple, Firefox und Chrome diesen Begriff allein für sich beanspruchen.

Eine der davon betroffenen iOS9-Apps ist z.B. die App der Appsolut Secure GmbH, die wir seit einigen Monaten aufmerksam beobachten. Die erfolgreiche App gibt es zwar bereits seit 2012 und somit schon wesentlich länger als die Markenregistrierungen der Eyeo GmbH, dennoch benannten die Chemnitzer ihr Programm vorsichtshalber um. Der Programmierer Benjamin Löwe wirbt nun stattdessen ganz offensiv mit dem Slogan „Die führende mobile Werbeblocker-App, ab iOS7 – ohne Whitelist“ und positioniert sich damit deutlich gegen das offenbar s.M.n. nicht akzeptable Geschäftsmodell der Eyeo GmbH.

Derart renitenten Programmierern drohen nun statt lukrativen Werbedeals mit Adblock Plus Markenrechts-Abmahnungen von Eyeos Anwälten oder gar die Entfernung ihrer Apps aus dem Apple App Store. Apple und Google sind dafür bekannt, hier nicht zimperlich zu sein und Rechtsstreitigkeiten zwischen zwei App-Anbietern mit der Verbannung mindestens einer der beiden Apps aus dem eigenen Verantwortungsbereich „auszulagern“. Den Rest sollen die beiden Streithähne dann unter sich regeln.

Eine in den kommenden Tagen und Wochen interessante Frage wird ohnehin sein, wie sich der „Adblock Browser“ der Eyeo GmbH auf dem Schlachtfeld App-Store schlägt. Wie eingangs erwähnt legt die Eyeo GmbH viel Wert auf ausschließlich positive Benutzer-Bewertungen, und ausgerechnet da bekleckert sich die App momentan noch nicht mit Ruhm.

Ausgerechnet im so wichtigen Heimatmarkt Deutschland halten sich die bisher ohnehin sehr wenigen positiven und negativen Bewertungen exakt die Waage, und auch in den USA sieht das nicht unbedingt nach einem „Durchmarsch“ für die Eyeo GmbH aus. Die oben genannten Konkurrenten heimsen hier bisher z.T. wesentlich bessere Bewertungen ein und verzeichnen (auch deshalb) viel höhere Download-Zahlen. Angesichts der bisherigen Löschung von negativen Rezensionen im z.B. Firefox Extension Verzeichnis darf man gespannt sein, wie sich das im Apple App Store weiter entwickelt.

Adblock Browser
Entwickler: Eyeo
Preis: Kostenlos

Diese Adblocker-Nummer wird uns alle wohl noch lange beschäftigen. Ausgerechnet der Chef-Redakteur des als Apple-freundlich bekannten Blogs The Verge – Nilay Patel – befürchtet, dass hier auf dem Rücken von Blogs und anderen Websites ein Machtkampf zwischen Apple und Google ausgetragen werden soll, mit den Adblockern der eigentlich nur werbemüden Benutzer als „Waffe“ oder aber – im Fall von Adblock Plus – als Steigbügelhalter für die großen Werbenetzwerke.

Ohnehin stellt sich die Frage, wie lange die Eyeo GmbH das Märchen vom Weißen Ritter und Retter des werbefinanzierten Internet noch aufrecht erhalten will und kann. Das System aus angeblich von einer Community gepflegten und kontrollierten Blockierlisten (Black) und Freischaltlisten (White) ist längst ausgehebelt, beide Listen werden von den Mitarbeitern des Unternehmens geführt und z.T. eben auch für den eigenen Profit und den der großen zahlenden Kunden missbraucht. Und daran wird sich wohl in absehbarer Zukunft nichts mehr ändern, dafür fließt hier mittlerweile viel zu viel Geld.

Unser Tipp aus dem Juni 2013 gilt also weiterhin:

Nutzt den AdBlocker eurer Wahl, aber: Finger weg von Adblock Plus. Sascha Pallenberg, im Juni 2013

Wenn ihr nichts mit Adblock Plus zu tun haben wollt, müsst ihr allerdings in Zukunft ein wenig die anderen Adblocker im Auge behalten. Es könnte durchaus sein, dass nicht alle „standhaft“ bleiben und einige auf die Angebote der Eyeo GmbH eingehen. Andere werden dies nicht tun, dessen sind wir uns sicher.

Und selbstverständlich könnt ihr auch weiterhin die Websites, die es mit Werbung hemmungslos übertreiben, einfach gar nicht mehr besuchen. Die „Strafe“ ist auf Dauer wesentlich heftiger, und ihr stärkt damit andere Internetseiten, die euch vernünftig behandeln.

Quellen: igen.fr, heise.de