KI

Künstliche Intelligenz
Andy Rubins Playground – Künstliche Intelligenz für alle

Andy Rubin hat seinerzeit Android entwickelt und sich mit seinem neuen Unternehmen Playground nun dem Thema "Künstliche Intelligenz" verschrieben. Sein Ziel: Eine Plattform für KI schaffen, wie sie Android für Smartphones bereits ist.
von Carsten Drees am 11. Februar 2016

Wer sich eingehend mit Smartphones und mit Google beschäftigt, kommt um den Namen Andy Rubin nicht herum. 2003 gründete er ein Unternehmen namens Android, bereits zwei Jahre später wurde Android dann offiziell Teil von Google. Der Rest ist Geschichte – Android beherrscht den mobilen Sektor, nicht iOS und schon gar nicht Windows können derzeit auch nur annähernd mithalten mit dem mobilen Betriebssystem, welches Rubin zunächst entwickelt und später dann als Vice President of Engineering bei Google weiter vorantrieb.

Für viele überraschend verließ er 2013 das Android-Team und Sundar Pichai übernahm. Rubin, weiter bei Google angestellt, hatte sich nun das Thema Robotik auf die Fahnen geschrieben. Google übernahm in diesem Bereich unter seiner Leitung verschiedene Unternehmen, von denen Boston Dynamics wohl das bekannteste ist. Nicht mal ein Jahr später verließ er dann Google komplett und gründete seinen eigenen Inkubator Playground.

Wie es heißt, fühlte er sich unter dem Google-Dach zu sehr eingeengt und hat sich deshalb dazu entschieden, auf eigene Verantwortung weiterzuforschen. Jetzt hat er sich gegenüber Wired ausführlichst in einem Interview zu Wort gemeldet und gibt uns Einblicke in das, was ihn aktuell umtreibt und welche Ideen er verfolgt.

Playground Gebäude

Neuanfang mit Playground

Rubin hatte es schon einmal vorgemacht: Aus einer fixen Idee wurde mit Android das größte mobile Betriebssystem der Welt mit weit über einer Milliarde aktivierter Geräte derzeit und über 25.000 verschiedenen Produkten – Smartphones, Tablets, Fernseher, Smartwatches und mehr. Was ihm dabei gelungen ist, müsste sich mit dem Themenkomplex künstliche Intelligenz wiederholen lassen, hofft er.

Playground – sein neustes Kind – versteht sich dabei als Inkubator und ist auf der Suche nach Startups, mit denen er das Thema KI vorantreiben kann. Auf dem Playground-Blog erklärt er:

It continues with space and tools. Playground’s studio is large enough to host 30 startups. We have thermoplastic and multimaterial printers, laser cutters, CNC machines, Metal sintering 3D printers, spectrum analyzers, network test equipment, RF chambers, Optics labs and pretty much any piece of equipment a company making stuff could need. Andy Rubin, Playground

300 Millionen Dollar Kapital hat man aufgetrieben, die man nun in Startups investieren möchte, die in diesem Bereich Hardware herstellen wollen und von denen Playground auf seinem Areal bis zu 30 unterbringen und unterstützen möchte.

Die Gründer von Playground - Andy Rubin, Matt Hershenson, Bruce Leak und Peter Barrett

Vorbild Android: Künstliche Intelligenz für alle

Ein Mensch wie Andy Rubin ist nicht nur begabt und jemand, der für ein Thema brennen kann. Er ist auch jemand, der die Lust daran verliert, wenn er das Gefühl hat, eine Geschichte ist zu Ende erzählt. Bei Android hatte er dieses Gefühl beispielsweise. Klar: Die Plattform wird immer weiter perfektioniert und verbessert, aber das Fundament, das Ökosystem – das ist nun einmal da, so dass sich Rubin gedanklich eben einem neuen Thema zugewendet hat.

Künstliche Intelligenz ist sein neues Steckenpferd und gleichzeitig ein Thema, von dem er glaubt, dass es eine komplett neue Computer-Ära einläuten wird. Big Player wie Google, Microsoft und Facebook haben schon längst Milliarden  in ihre neuronalen Netzwerke investiert und arbeiten eifrigst an verschiedenen Technologien, die auf künstliche Intelligenz setzen. Google Now, Cortana und Siri machen vor, wie unsere Devices dank künstlicher Intelligenz in der Lage sind, unser gesprochenes Wort a) zu verstehen und b) auch möglichst sinnig in einen Kontext zu setzen. Auf diese Weise kann ich nicht nur bequem einen Termin auf meinem Smartphone anlegen – ich bekomme auch einen sanften Tritt in den Allerwertesten, wann ich mich in Bewegung setzen muss, um diesen Termin pünktlich wahrnehmen zu können.

Roboter benutzt Hologramm-Interface

Wir befinden uns noch komplett am Anfang dieser Entwicklung und Rubin glaubt, dass in absehbarer Zeit so gut wie keine Produkte mehr erscheinen werden, denen nicht irgendeine Art der künstlichen Intelligenz innewohnt. Vergleicht einfach ein klassisches Auto mit den Möglichkeiten eines selbstfahrenden Autos. Genau das dürft ihr euch nun für jedes denkbare Gerät vorstellen, Wired nennt ein paar Beispiele dafür: Der Backofen, der selbstständig erkennt, wenn der Braten perfekt ist, Fernseher, die in Echtzeit eine Sendung in eine andere Sprache übersetzen oder Sicherheitssysteme, die von selbst erkennen können, ob da nun euer Ehepartner in den eigenen vier Wänden herumspringt oder ein Einbrecher.

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Rubin ist der Meinung, dass aktuell niemand die Möglichkeiten bezüglich AI wirklich ausschöpft, auch nicht Google. Mit Playground hat er daher nicht nur ein neues Unternehmen gegründet, sondern gleich eine ganz neue Art von Unternehmen geschaffen. Weder will er individuell neue Produkte entwerfen, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten oder einfach nur finanziell Startups unter die Arme greifen, die das tun – er möchte von Grund auf eine Basis schaffen, eine völlig neue Plattform für künstliche Intelligenz.

Aktuell gibt es zu viele Insel-Lösungen, bei denen die Plattformen und Produkte viel zu oft nicht kompatibel sind. Rubins Ansicht nach brauchen wir aber eine Struktur, auf der man aufbauen kann. Er möchte ein neues Ökosystem schaffen, auf das zunächst einmal Unternehmen zugreifen – und im Endeffekt dann auch jeder, der eine eigene Idee realisieren möchte.

I’m a strong believer in incubating an idea, developing it to a certain point, and then freeing it. After it’s freed, anybody can do whatever they want with it. Andy Rubin, Playground

Playground versteht sich dabei als Ideen-Verstärker, der dafür sorgen kann, dass die Entwicklung viel schneller vorangetrieben werden kann, als es bislang der Fall ist. Egal, ob es um selbstfahrende Autos, smarte Drohnen oder was auch immer geht: Rubin will das Gerüst dafür zur Verfügung stellen.

Vom Internet in die physische Welt

Andy Rubin stört sich grundsätzlich daran, dass die heutigen Strategien immer ausschließlich auf Daten aus dem Internet setzen. Rubin erinnert daran, dass außerhalb des Internets ganze Universen existieren und er fordert, dass künstlicher Intelligenz der Weg aus dem Internet in die physische Welt gelingen muss, damit das volle Potenzial ausgeschöpft werden kann.

Dazu müssen tausende neue Geräte mit entsprechenden Sensoren geschaffen werden. Statt einfach nur vorhandene Daten aus der Cloud abzurufen, müssen Daten in der direkten Umgebung des Geräts erfasst werden, egal ob es sich um Bilder oder Texte handelt, um Geräusche, Standorte, Wetter oder was auch immer. Mit diesen Daten wiederum können dann die neuronalen Netze gefüttert werden.

Die Möglichkeiten sind so glänzend wie nie zuvor: Nicht nur die technischen Bedingungen verbessern sich stetig, zeitgleich sinken auch die Preise für Komponenten. Das macht es grundsätzlich leichter, neue Produkte zu planen, dennoch ist es immer noch ein harter und steiniger Weg, aus einer Idee und später einem Prototypen schließlich etwas zu machen, was in Serie gefertigt wird.

Rubin erklärt das am Beispiel einer Dashcam, wie sie heute zum Beispiel schon sehr oft in russischen Autos zu finden sind. Man muss nicht nur die entsprechenden Bauteile zusammenbringen dafür, sondern auch berücksichtigen, dass diese so effizient funktioniert, dass Akkulaufzeiten dementsprechend sind, außerdem so kompakt wie möglich gebaut werden. Während man all diese Schritte durchgeht, darf man dabei nicht vergessen, dass einzelne Komponenten bis zum tatsächlichen Veröffentlichungszeitpunkt bereits wieder komplett überholt sind und ersetzt werden müssen.

Das bedeutet unterm Strich, dass wir zwar in hochspannenden Zeiten leben, wenn es um derlei Produktentwicklungen geht, es zeitgleich aber auch immer schwieriger und anspruchsvoller wird. All diese Schwierigkeiten können die Entwickler in den Griff bekommen, wenn sie sich eben nicht mehr um jedes Detail kümmern müssen. Liefert Rubin mit Playground dieses Gerüst, kann – wie schon bei Android – dieser Markt explodieren, weil Produkte deutlich schneller entwickelt und produziert werden können.

Rubins Vorstellung ist es, dass jemand mit einer Idee bei ihm reinmarschiert und diese dann sofort umgesetzt werden kann, mit all der benötigten Hardware, der entsprechenden Software und all dem, was dazugehört. Wie weiter oben schon erklärt, will Rubin sein Know-How zunächst Unternehmen bereitstellen. Später dann kann er sich vorstellen, dass die Tools von jedermann genutzt werden könnten, sprich: wie bei Android könnte Rubin seine Plattform einfach öffnen und für jeden Interessierten kostenlos verfügbar machen.

Konkrete Produktideen? Eine Dashcam als Google Maps-Konkurrent

Andy Rubin war im Wired-Interview sehr konkret, was die Idee hinter Playground angeht und was ihn antreibt. Deutlich weniger konkret hingegen war er, was tatsächliche Produkte und Lösungen angeht, an denen derzeit gearbeitet wird. Eine Entwicklung ließ er sich dann doch entlocken: Nachdem er so ausführlich das Beispiel Dashcam darlegte, gab er zu, dass man tatsächlich an so einer Kamera arbeiten würde, die jedermann in seinem Auto installieren könne.

Dashcam im Auto

Diese Kamera würde kostenlos angeboten werden – als Gegenleistung möchte Rubin aber die Daten nutzen, die die Kamera einfängt. Was dahintersteckt? Aus all diesen Daten könnte eine Art Google Maps bzw. Echtzeit-Street View entstehen, bei dem aktuelle Bilder von jedem Winkel der Erde für jedermann nur einen Klick weit entfernt sind! Dabei könnte man nicht nur Echtzeit-Bilder einfangen, auch andere Daten – Wetter, Verkehrsaufkommen, etc – wären jederzeit topaktuell greifbar.

Wir sind noch lange nicht da, wo wir bei der künstlichen Intelligenz schon längst sein könnten, findet Rubin. Er geht die Nummer jetzt äußerst engagiert an und wenn ich seinen Vorstellungen lausche, kann ich mir absolut vorstellen, dass ihm das Kunststück noch einmal gelingt, welches er schon mit Android vollbracht hat. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich dieses Projekt entwickelt, aber natürlich auch, was die Konkurrenz macht: Apple, Google, Microsoft, Facebook und Köpfe wie Elon Musk sind hellwach, werden ihre eigenen Ansätze verfolgen und Playground sicher nicht kampflos das Feld überlassen.

Ach, und übrigens: Zu den Risiken künstlicher Intelligenz befragt, gibt sich Rubin entspannt. Er hat so viel Vertrauen in die Technologie, dass er kein Skynet-Szenario für möglich hält. Also – auch, wenn die nächsten Jahre weiterhin phänomenale Fortschritte auf dem Feld der künstlichen Intelligenz bringen werden: So schnell werden die Maschinen die Menschheit nicht unterjochen ;) Nicht der einzige Gedanke, bei dem ich mir wünsche, dass Andy Rubin Recht behält

Quelle: Wired via Technobuffalo