Tim Cook und Apple Music-Logo

Apple Music: Inzwischen ueber 10 Millionen Abonnenten

Ist Tim Cook dabei, mit Apple Music den nächsten formidablen Flop für das Unternehmen aus Cupertino hinzulegen? 10 Millionen Nutzer beim Musik-Service klingen viel, schöpfen das Potenzial der vielen iTunes-Nutzer aber nicht annähernd aus.
von Carsten Drees am 11. Januar 2016

Update vom 11. Januar 2015:

Wie die Financial Times berichtet, hat Apple Music inzwischen ueber 10 Millionen zahlende Abonnenten und damit eine Zahl erreicht, fuer die Konkurrent Spotify immerhin 6 Jahre benoetigte. Wobei dieser Vergleich ein wenig hinkt. Apple Music startete umgehen in 100 Laendern, waehrend Spotify zum Teil Jahre benoetigte um in die verschiedenen Maerkte zu gelangen.

Sollten diese Zahlen, die natuerlich von Apple noch nicht kommentiert wurden, stimmen, dann koennte Apple bereits im naechsten Jahr den populaersten Streaming Service im Angebot haben. Nicht schlecht fuer eine Firma, die sich ueber Jahre gegen das Streaming gewehrt hat.

Update vom 20. Oktober 2015:

11 Millionen Nutzer testen Apple Music – das war die Ansage von Apples Eddy Cue im August, wie ihr weiter unten lesen könnt. Jetzt hat sich Tim Cook mit neuen offiziellen Zahlen des Dienstes zu Wort gemeldet, der vor etwa dreieinhalb Monaten an den Start ging: Demnach kann sich Apple aktuell über insgesamt 15 Millionen Nutzer freuen: 6,5 Millionen davon sind zahlende Kunden, alle anderen – 8,5 Millionen – befinden sich derzeit noch in der Testphase. Vergleichen wir das mit den August-Werten, kann man konstatieren, dass etwas mehr als die Hälfte der damaligen Tester sich dazu entschieden haben, Apple Music künftig zu bezahlen.

Das ist ein absolut ordentlicher Wert und katapultiert Apple direkt vor Deezer auf den zweiten Rang bei den Musik-Streaming-Services. Lediglich Spotify ist mit zuletzt vermeldeten 20 Millionen zahlenden Kunden (also etwa 3 mal so viel) noch vor dem Musik-Dienst aus Cupertino. Berücksichtigt man, dass Spotify seit Jahren auf dem Markt ist und Apple Music erst seit wenigen Monaten, darf man wohl zufrieden sein. Andererseits war angesichts der unzähligen iTunes-Nutzer von nicht Wenigen erwartet worden, dass Apple die Spotify-Zahlen direkt zum Start pulverisieren könnte.

Ganz so einfach ist es demnach nicht, auf dem Musik-Streaming-Markt Fuß zu fassen – selbst, wenn man Apple heißt und mit iTunes bereits eine Musik-Revolution hinter sich hat. Warten wir mal ab, wie sich die Dinge weiter entwickeln. (via)

Update vom 18. August 2015:

Eine von MusicWatch in den USA unter 5.000 Apple-Music-Nutzern durchgeführte Umfrage bringt einige interessante Ergebnisse ans Tageslicht: So haben 48 Prozent dieser 5.000 Menschen angegeben, Apple Music aktuell nicht mehr zu nutzen, wie die New York Post berichtet. Das muss aber nicht heißen, dass diese Leute den Dienst nicht dennoch abonnieren, denn ein anderes Resultat der Befragung besagt, dass es für 64 Prozent der Nutzer ziemlich wahrscheinlich wäre, Apple Music auch weiterhin zu nutzen, wenn die kostenlosen Testmonate vorbei sind.

Allerdings geben 61 Prozent der Umfrage-Teilnehmer auch an, dass sie das automatische Verlängern des Abos zunächst mal deaktiviert haben – man will wohl selbst entscheiden, wann man Apple Music kostenpflichtig nutzen möchte. Apple selbst dementiert die 48 Prozent übrigens und erklärt, dass nach eigenen Erkenntnissen 79 Prozent der Nutzer auch weiterhin noch Apple Music verwenden. So oder so: Der Umfrage zufolge haben aktuell lediglich 11 Prozent der iOS-Nutzer Apple Music ausprobiert, so dass Apple noch massig Potenzial hat, die Nutzerzahlen in für Konkurrenten unerreichbare Höhen zu treiben. (via)

Update vom 06. August 2015:

We’re thrilled with the numbers so far Eddy Cue, Senior Vice President of Internet Software and Services bei Apple

In einem Interview mit der USA Today verriet Apples Eddy Cue, dass man im Unternehmen sehr glücklich sei damit, wie sich Apple Music im ersten Monat entwickelt habe. Die Rede ist nun von 11 Millionen Nutzern, die Apple Music ausprobieren. 2 Millionen davon hätten sich für das Familien-Angebot entschieden, welches mit 15 Euro monatlich zubuche schlägt. Spannend wird es natürlich erst, wenn die ersten drei Probe-Monate abgelaufen sind und man sieht, wer alles an Bord bleibt, sobald Apple Music kostenpflichtig ist.

Zum Vergleich: Spotify kommt aktuell auf etwa 75 Millionen aktive Nutzer und hat die Zahl der zahlenden User binnen eines Jahres von 10 Millionen auf 20 Millionen verdoppeln können. Mehr als die Hälfte bei den zahlenden Kunden hat Apple also schon gut machen können.

Artikel vom 04. August 2015:

Wenn man die Wörter „Apple“ und „Flop“ in einem Blog-Artikel in einen Kontext setzt und sie dann – wie oben geschehen – auch noch prominent in die Headline packt, kann man als Tech-Blogger schon mal den Schirm aufspannen, denn voraussichtlich wird ein Sturm aufziehen. Von „Clickbait“ über „Apple-Hasser“ bis „schlecht recherchiert“ lauten die Vorwürfe, auf die man sich schon mal innerlich einstellen muss. Aber der Reihe nach:

Gab es je einen wirklichen Flop unter Tim Cook?

Bevor wir uns über Apple Music unterhalten, müssen wir vielleicht den Begriff „Flop“ ein wenig definieren. Machen wir uns nichts vor: Selbst, wenn aus Cupertino ein Produkt kommt, welches nicht hundertprozentig so einschlägt, wie das Unternehmen es vorher erwartet hat, liegen die Absatzzahlen zumeist in Sphären, bei denen die Konkurrenz neidisch mit den Ohren schlackert.

„Flop“ ist in diesem Fall also ein relativer und dehnbarer Begriff. Der Launch von Apple Maps hingegen darf aber wohl zweifellos als Flop bezeichnet werden – immerhin veranlasste die fehlerhafte Karten-Software Tim Cook dazu, sich persönlich offiziell dafür zu entschuldigen, was Apple da fabriziert hatte.

We are extremely sorry for the frustration this has caused our customers and we are doing everything we can to make Maps better. Tim Cook 2012 über Apple Maps

Natürlich muss man auch einem Unternehmen, welches an sich selbst die allerhöchsten Ansprüche stellt, zugestehen, dass ein paar Startschwierigkeiten bei großen Projekten keine Seltenheit sind. Im Falle von Apple Maps kann man aber wohl konstatieren, dass die Nummer deutlich vergeigt worden ist, wenngleich nachträglich selbstverständlich ordentlich nachgebessert worden ist. Der erste Eindruck war dahin und die Blamage perfekt. Zumindest können wir wohl festhalten, dass Tim Cook bei seinem Versuch, in die riesigen Fußstapfen des Vorgängers Steve Jobs zu treten, frühzeitig einen ersten Rückschlag erlitten hat.

…und jetzt Apple Music

Es scheint fast so, als habe Apple tendenziell eher mit seiner Software Probleme als mit seiner vorgestellten Hardware. Die Apple Watch als erste neue Produktklasse in der Ära Cook lasse ich mal bewusst außen vor, dazu hat sich Sascha ja bereits umfassend geäußert im Artikel zu den Apple Watch Verkaufszahlen. Überspringen wir auch andere wenig erfolgreiche Dienste wie Ping oder MobileMe und beschäftigen uns stattdessen mit Apple Music. Auch dazu haben wir uns schon ausgelassen, direkt bei der Vorstellung der Plattform, die Spotify das Fürchten lehren soll.

Wenn Prinz Valium eine Featureliste fuer einen Musikservice erstellen muesste, herausgekommen waere Apple Music. Eine langweilige Kopie von Spotify mit vermeintlich spannenden Features, die eher wie ein kreativer Offenbarungseid der Macher anmuten. Sascha Pallenberg

Sascha zeigte sich direkt wenig beeindruckt, wie ihr im Beitrag Apple Music als lahmer Spotify Klon nachlesen könnt. Dazu kamen dann unschöne Nebengeräusche, was das Honorieren der Musik angeht in der dreimonatigen, kostenlosen Testphase, bevor man dann diesbezüglich doch noch einknickte.

Drei Monate geht die kostenlose Testphase, außerdem kann Apple auf 800 Millionen iTunes-Accounts weltweit verweisen – die denkbar beste Ausgangsvoraussetzung, um gleich kräftig durchzustarten. 10 Millionen Kunden will man für Apple Music dann auch angeblich bereits gefunden haben. Das ist für die kurze Zeit eine mächtige Ansage, aber weder holt man den Konkurrenten Spotify damit ein, noch wird das den vielen potenziellen Nutzern gerecht, die man via iTunes erreichen kann.

Mich hat Apple mit Blick auf die Features auch nicht wirklich abholen können, so dass ich weiterhin Spotify Apple Music vorziehen werde, aber die Fairness gebietet es, dass man diejenigen zu Wort kommen lässt, die Apple Music wirklich schon intensiv angetestet haben. Die Meinungen gehen dabei auseinander – logischerweise – aber für viele Nutzer scheinen die Probleme schon damit anzufangen, dass das Interface der App zu unübersichtlich geraten ist.

Apple Music is shaping up to be Apple’s worst received product launch since Apple Maps in 2012. Matt Rosoff, Business Insider

Im Business Insider heißt es beispielsweise, dass man bei Apple exakt einen Versuch für einen guten ersten Eindruck hatte – und die Chance habe man wohl verpasst, ist dort sinngemäß zu lesen. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass Apple Music sich ähnlich desaströs präsentiert wie Apple Maps seinerzeit – die Klagen vieler Fans, die die UI unübersichtlich finden und die ihre Songs nicht vernünftig organisiert bekommen (mal sind Songs verschwunden, mal sind gekaufte Songs nicht auswählbar, mal sind die Lieder einfach doppelt vorhanden) nehmen jedenfalls zu. Unter den Kritikern finden sich auch ausgesprochene Apple-Freunde wie John Gruber (Daring Fireball) oder Jim Dalrympe von The Loop.

Matt Drance, Blogger bei Appleoutsider.com und selbst ehemaliger Apple-Mitarbeiter haut in die selbe Kerbe:

Während Gruber und Drance sich mehr darauf fokussieren, dass Apple das Business speziell bei Music mehr im Blick hat als die User, fallen Darymple vor allem die technischen Mängel auf: Über Nacht sind bei ihm etwa 4.700 Songs spurlos aus der Library verschwunden. Songs, die vor Apple Music bereits in seinem Besitz waren und die von Apple (bei einem persönlichen Besuch Darymples bei Apple) bislang nicht komplett wiederhergestellt werden konnten.

Dylan-Playlist bei Apple Music mit doppelten SongsDazu kommt, dass Lieder – beispielsweise aus Compilations – nicht in der Library auftauchen, wenn die selben Songs bereits auf einem anderen Album in seiner Sammlung vorhanden sind. Wieder andere Stücke tauchen in seinen Playlists dafür wiederum doppelt auf.

Lest euch unbedingt seinen ganzen Beitrag durch, in welchem er haufenweise Beispiele dafür findet, dass Apple Music nicht sauber arbeitet bis dato und zudem noch weit davon entfernt ist, die Musik über mehrere Devices hinweg synchron zu halten. Sein ernüchterndes Fazit: Apple Music is a nightmare and I’m done with it!

Fairerweise sollte man auch auf den Folge-Artikel bei The Loop hinweisen von Dave Mark, dem zwar auch so manches unangenehm aufgefallen ist, der aber Apple Music dennoch treu bleibt in der Hoffnung, dass Apple entsprechend nachbessern wird. Selbst bei The Verge findet man neben einigen absolut positiven Ansätzen deutliche Worte der Kritik:

There’s no doubt that Apple Music arrived in the world not quite ready for prime time — the UI is far more confusing than I’d have hoped for, there’s a host of weird bugs, and it’s reliant on iTunes for desktop listening. Nathan Ingraham, The Verge

Vor allem tut man sich schwer damit, dass die von Menschen kuratierten Listen vielfach Songs enthalten, die dann da zwar gelistet, aber nicht abspielbar sind. Wie man es dreht und wendet: Apple Music scheint auch für so manchen Experten und Apple-Liebhaber eine Plattform mit guten Ansätzen zu sein, die aber einfach zu früh und unfertig auf die Leute losgelassen wurde.

Apple Music: Versuch eines Ausblicks

Schwierig, an diesem Punkt zu sagen, wo die Reise hingeht für Apple Music. Sollte Apple die aktuell 10 Millionen Nutzer in nur einem Monat bestätigen, können wir uns überlegen, ob vielleicht im nächsten Monat (zumindest circa) weitere 10 Millionen User dazukommen und man somit kontinuierlich den Vorsprung von Spotify wegknabbert – oder ob das Wachstum spätestens nach den Probe-Monaten deutlich abnimmt, weil die ersten wieder zu ihren vorherigen Diensten zurückkehren.

Ich bin nach wie vor auf der Suche nach dem Mehrwert, der klar für Apple Music spricht und muss erneut feststellen, dass ich nicht die Art Musik-Fan zu sein scheine, die man über die kuratierten Playlists bekommt. Sorry, ich sehe den Vorteil einfach nicht. Seit 20 Jahren wühle ich mich durchs Internet und habe in dieser Zeit unfassbar viel neue Musik entdeckt, unabhängig davon, ob ich Ordner bei Soulseek durchwühlt, Internet-Radio gehört, auf Empfehlungen von Freunden bei MySpace und später Facebook geachtet, oder in Listen bei Spotify reingehört habe – Apple kann mich da einfach nicht abholen, weil ich sowieso jeden Tag über neue Musik stolpere.

Halten wir also fest, dass man bei den Nutzerzahlen ausgehend von den 10 Millionen derzeit nicht so ohne weiteres einen Trend ableiten kann – zumindest nicht, bevor für die ersten die drei Testmonate vorbei sind. Wie sieht es aber mit der technischen Seite aus? Selbst, wenn Apple die User Experience vernachlässigt hat beim Launch eines Produkts, von welchem man das Gefühl hat, dass Apple es veröffentlichen musste – und nicht etwa startete, weil man mit dem Herzen dran hängt: Spätestens, wenn die Kritik noch lauter wird, wird man auch in Cupertino gegensteuern. Aktuell auftauchende Bugs wird man eh mit der Zeit und weiteren Updates ausgeräumt bekommen, ähnlich dürfte es auch mit der Verzahnung zwischen Apple Music und eurer Musik-Bibliothek vorangehen.

Fakt ist aber, dass Apple mit seinem Musik-Service einen ziemlich halbgaren Start hingelegt hat und Tim Cook – der CEO, gefangen im Körper eines Buchhalters – weiter darauf wartet, dass Apple diesen ultimativen Hit raushaut, den man ihm persönlich später zuschreiben kann. Da sehe ich aktuell das Problem des Apple-Chefs: Auch, wenn Apple Maps mittlerweile deutlich verbessert aussieht als zum Start, die Apple Watch mehr Exemplare verkauft als die versammelte Smartwatch-Konkurrenz und irgendwann Apple Music – aus welchen Gründen auch immer – mehr User vorweisen kann als Spotify: Einen Traumstart kann man allen Produkten auch nachträglich nicht bescheinigen und es wird interessant sein zu sehen, wie sich Cook und sein Unternehmen dort herauswühlen.

Bevor ihr euch jetzt in den Kommentaren auf mich stürzt und mir erklärt, wieso ich die Dinge aus eurer Sicht zu schwarz einordne, noch eine abschließende These dazu: Vielleicht ist es exakt dieses Buchhalter-Gen des Tim Cook, welches dafür sorgt, dass sowohl neue Produkte als auch die dazugehörigen Präsentationen eher spröde geraten und man sich bei Apple schlicht nicht darum schert, weil die Zahlen, die Cook erarbeitet, schließlich über jeden Zweifel erhaben sind. Oder kürzer formuliert: Opfert man diese typische Apple-Magie dem Business und den überragenden Bilanzen? Teilt uns eure Gedanken mit – Feuer frei: