Ascension

Neue Netflix Serie
Mini-Serie Ascension: Ein Generationsraumschiff auf Kurs

Die auf Netflix neu verfügbare Miniserie "Ascension" entführt den Zuschauer auf eine Reise in den Weltraum, irren Geschichten aus den 60ern und ein Experiment, das es so noch nie gab.
von Jessica Mancuso am 18. März 2016

Die kanadisch-amerikanische Mini-Serie Ascension aus dem Jahr 2014 ist jetzt auch im deutschen Netflix Sortiment verfügbar. Es geht um das Weltall, ein Experiment und verrückte Wissenschaftler, Science-Fiction also. Grund genug für mich, sie direkt zu schauen und mir eine Meinung dazu zu bilden.

Die Science-Fiction Serie mit dem Titel Ascension (auf deutsch „Himmelfahrt“) wurde am 15. Dezember 2014 in den USA auf dem SciFi-Sender Syfy ausgestrahlt. Da sie aus gerade mal 6 Folgen besteht, wird sie als Miniserie vorgestellt, die ein offenes Ende für eine eventuelle Fortsetzung bereithält. Ob daraus eines Tages eine umfangreichere Serie gedreht werden wird, bleibt abzuwarten.

Da bereits großartige Serien wie beispielsweise „Flash Forward“ ohne 2. Staffel auskommen mussten, gehe ich stark davon aus, dass auch Ascension keine Fortsetzung bekommen wird, obwohl das offene Ende sehr viele Möglichkeiten dafür bietet.

Ascension – ein Generationsraumschiff erobert das All

In den 60er Jahren werden ausgewählte Menschen, die sogenannten „Helden“, in einer Geheimmission des US-Militärs ins Weltall befördert, um einen neuen Planeten zu besiedeln. 100 Jahre soll ihre Reise dauern, was heißt, dass mittlerweile neue Generationen auf dem Schiff leben, die die Erde nur vom Hörensagen oder aus alten Büchern und Filmen kennen. Diese Operation unterliegt absoluter Geheimhaltung, weswegen die Menschen auf der Erde nichts davon erfahren dürfen. Der menschlichen Spezies soll damit eine Zukunft garantiert werden, weswegen insgesamt 600 Helden sich noch auf ihrer Reise befinden.

Das Faszinierende ist von Anfang an der soziale Aspekt: 600 Menschen, ein Raumschiff, stets umgeben von denselben weißen, kahlen Wänden und kein neues Gesicht, kein neues Gericht – ein Leben lang. Die erste Folge überrascht daher mit dem ersten Mord innerhalb von 52 Jahren. Überraschend, da man annehmen könnte, es wären sich in den ganzen Jahren zuvor schon andere an die Gurgel gegangen – aber nein. Der erste Mord, die erste Folge, eine ganz neue Welt.

Da ich aber nicht den ganzen Inhalt spoilern möchte, habe ich nachfolgend einige Fakten zum geschichtlichen Kontext zusammengetragen, der die Hintergrundstory der Serie darstellt.

Achtung: Im letzten Absatz dieses Artikels erfolgt ein Spoiler der 2. Folge für all jene, die zu neugierig sind, um selbst auf Entdeckerreise durch die Ascension zu gehen.

Faszination für die Sterne, das Universum und alles andere

Die 50er und 60er Jahre gelten als der Zeitraum in der Menschheitsgeschichte, in der die Faszination für das Weltall ihren Zenit erreichte. Gerade für die USA und die Sowjetunion begann zu dieser Zeit ein Wettkampf um den Vorstoß ins All. Beide Parteien wollten anhand dieses Wettrüstens die Überlegenheit des eigenen Systems beweisen. Wer den technischen Vorsprung hatte, und daran hat sich bis heute nichts geändert, konnte den Feind in die Ecke drängen. Auch vor den 50ern war es nicht großartig anders, nur wurde ab den 50ern der Schauplatz dieses Kräftemessens vor eine andere Kulisse gesetzt: dem Weltraum.

Das Orion-Projekt

Es darf also nicht wundern, dass die Serie Ascension von einem Projekt inspiriert wurde, dass es damals unter dem Präsidenten J.F. Kennedy tatsächlich gab: dem Orion-Projekt. Dabei handelt es sich um eine von 1957 bis 1965 laufende Operation. Sie hatte zum Ziel, ein Triebwerk zu entwickeln, das mit einem nuklearen Antrieb Raumschiffe in die Höhe befördern sollte. Dabei sollte die Rakete auf den Schubwellen der jeweiligen Explosion reiten. Klingt funny, musste aber 1963 abgebrochen werden, als der Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffentests in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser (NTBT) geschlossen wurde – Phew! 

OrionProject

Weswegen dieses Projekt dennoch nie ganz aus den NASA-Archiven verschwunden ist, sind die Zahlen, die viel mehr Spielraum zulassen als bei einem Schiff ohne diesen Atombomben-Triebwerk:

Der Orion-Antrieb verbindet einen hohen spezifischen mit einem hohen Schub, was einzigartig für einen Raumschiffantrieb ist.

Der spezifische Impuls (Impuls pro Masseneinheit oder Gewichtseinheit des Treibstoffs) für ein einfaches Orion-Raumschiff wurde auf bis zu 20.000 s errechnet – weit höher als bei derzeit genutzten chemischen Triebwerken (ca. 450 s). Die Atombomben und damit auch die Prallplatte, die den Impuls aufnimmt, können nicht beliebig klein gebaut werden. Da die Nutzlast gegen die bei der Explosion entstehende Strahlung geschützt sein muss, haben Entwürfe für Orion-Raumschiffe meist vergleichsweise große Massen von mindestens 300 Tonnen.

Mit steigender Größe der Prallplatte und damit steigender Raumschiffmasse steigt sogar der Wirkungsgrad des Antriebes. (mehr auf Wikipedia)

In Zukunft könnte es also doch noch denkbar sein, dass dieses Projekt wieder auflebt, um beispielsweise interplanetare Reisen vornehmen zu können [schneller, flexibler, mehr Nutzlast], aber auch zur Abwehr von Kometen oder Asteroiden mit Kollisionskurs Erde. Faszinierend, nicht?

Wenn man ganz genau aufpasst, wird man merken, dass das Orion-Projekt immer mal wieder als Motiv für diverse Science-Fiction Filme fungiert: Im Film „Deep Impact“ ist vom Orion-Antrieb die Rede, obwohl er letztendlich den geläufigen Raketendüsen weichen musste. In Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ war ebenfalls diese Art von Antrieb geplant, doch hatte er keine Lust, wieder einen Film mit Atombomben zu drehen. Übrig blieb letztendlich bloß der Name Orion für das Shuttle. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte oder allgemein eine realistische Auseinandersetzung mit dem Orion-Projekt wünscht, der muss zum Buch greifen. Hier einige ausgewählte Stücke:

  • Larry Niven & Jerry Pournelle „Fußfall“ (Footfall)
  • Dan Simmons „Illium“
  • Stephan Baxters „Die letzte Arche“ (Ark)

Achtung Spoiler: ab Folge 2 wird’s schräg

Wenn du wirklich nichts über die Story wissen möchtest, dann höre JETZT auf zu lesen!!! (es folgt ein Sicherheitsabstand ;) ) Sprung zu den Kommentaren

Erst war es nur eine Serie über die Knalleridee eines Pioniers aus den 60ern, der die Spezies der Menschheit gesichert wissen wollte. Ab Folge 2 wird aber diese Knallidee zum Knaller schlechthin, denn die ominöse Raumstation ist bloß ein Konstrukt, wie es in den Babelsberger Studios stehen könnte: eine waschechte Attrappe.

Richtig gelesen. Das Schiff hat niemals seinen Mutterhafen verlassen und 600 Menschen leben zum Teil seit über 50 Jahren in einem Hochhaus, das auf einem geheimen Stützpunkt des Militärs steht und als soziales Experiment fingiert. Schräger Shit! Da wird einem erst bewusst, wie krank manche Serien sind und wie sehr man sie genau dafür mögen muss. Im weiteren Verlauf der Serie wird auch klar, dass die Gefangenen, wie man sie durchaus nennen kann, nicht nur als intersoziale Experimentiermäuse gehalten werden, sondern darüber hinaus ihr Genpool in zweiter und dritter Generation gezielt vermischt wird. Das alles, um „Übermenschen“ zu erschaffen, die paranormale Fähigkeiten entwickeln sollen.

Ob dieser Plan tatsächlich aufgeht und ob die sogenannten Helden jemals erfahren, dass sie nie die Erde verlassen haben, müsst ihr selbst herausfinden.