Audi h-tron quattro 19

Audi h-tron quattro – 600km Reichweite durch Brennstoffzelle

600 Kilometer Reichweite, eine Brennstoffzelle mit 110 kW und ein Akku mit weiteren 100 kW fuer den schnellen Kick! Die Konzeptstudie Audi h-tron quattro concept zeigt, wie breit die Ingolstaedter ihr Antriebskonzepte Portfolio aufstellen.

Ich mag Konzepte, ich liebe Studien. Warum? All dies gibt es in der CE- und IT-Welt nur von ein paar Designern und Liebhabern. Die Entwicklungszyklen in der Unterhaltungselektronik-Industrie sind derartig rasant, dass „unsere“ Studien praktisch die ersten Leaks von Gehaeusen oder Rueckseiten irgendwelcher zukuenftiger Smartphones sind. Was angesichts der recht eindimensionalen Designs und limitierten Features alles andere als ueberraschend ist.

In der Automobil-Industrie sieht da ein wenig anders aus. CES, Detroit, Genf, IAA… sobald fuer die Branche eines dieser Grossevents ansteht, muss aufgefahren werden. Und hier stellt die Marke mit den vier Ringen keine Ausnahme dar, sondern stellte zur NAIAS in Detroit den Audi h-tron quattro SUV vor, der in der Kombination aus Brennstoffzelle und Akkus eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern erzielen soll.

Audi h-tron quattro 1

Ein SUV – Aber was fuer einer!

Audi und die SUV-Konzepte. Dass dies funktioniert, haben die Ingolstaedter bereits auf der IAA 2016 gezeigt, als der Audi e-tron quattro vorgestellt wurde. Diese Studie war wohlgemerkt ein rein elektrisch angetriebener SUV, hat aber mit dem neuen h-tron quattro die nahezu identische Bodengruppe gemeinsam, den sogenannten Modularen Laengsbaukasten. In diesem Falle die 2. Generation aka MLB evo.

Der groesste Unterschied liegt jedoch im Antriebskonzept, denn im h-tron quattro sorgt die 5. Generation der VAG Brennstoffzellentechnologie fuer die entsprechende Energie, um das Fahrzeug von A nach B zu bewegen. Der aus 330 Zellen bestehende Stack soll dabei einen Wirkungsgrad von ueber 60% erzielen und laesst damit jeden Verbrenner hinter sich. Der mit 700 bar Druck gespeicherte Wasserstoff soll dann fuer Reichweiten von bis zu 600 Kilometern gut sein und kann in die 3 unter der Passagierzelle angeordneten Tanks in etwa 4 Minuten eingefuellt werden. Das entspricht damit einem ganz „normalen Tankvorgang“ eines Verbrennermotors, auch wenn dies natuerlich von der Groesse des Tanks abhaengt.

Audi h-tron quattro 8

Akkus liefern zusaetzliche 100 kW Leistung

Der 110 kW starken Brennstoffzelle steht ein 100 kW starker Li-Ion Akku zur Seite, der weniger als 60 Kilogramm wiegen soll und bei der Beschleunigung des h-tron quattro fuer einen zusaetzlichen Schub sorgt. Bremst der SUV ab, fuehlt man sich an ein KERS-System wie in der Formel 1 eingesetzt wird, erinnert. Die dann rekuperierte Energie, wird in dem unter der Fahrgastzelle angeordneten Akku gespeichert. So stelle ich mir das vor, wobei dies doch bitteschoen auch Standard sein muss, oder? Anmerkung am Rande: Noch nicht Standard in der Branche ist das Solardach, welches mit 320 Watt Leistung bis zu 1000km zusaetzliche Reichweite generiert. Wohlgemerkt uebers Jahr gerechnet. Immerhin!

Audi h-tron quattro 8

Brennstoffzelle und Akku treiben dann zwei Elektromotoren an, einen mit 90 kW, der an der Vorderachse und einen mit 140 kW an der Hinterachse. Diese Elektro-Quattro-Kombi bringt es auf 550Nm Drehmoment, welche gut genug sind den Sprint von 0 auf 100 km/h in unter 7 Sekunden zu meistern. Hoechstgeschwindigkeit? 200 km/h. Also kuenstlich begrenzt.

Wasserstoff aus regenerativen Quellen

Audi E-Gas AnlageCa. 1 Kilogramm Wasserstoff verbraucht der h-tron pro 100 Kilometer und wenn er dann auch noch in der Audi e-gas Anlage in Werlte aufgetankt wird, dann auch komplett emissionsfrei. Die Ingolstaedter betreiben in Norddeutschland naemlich die weltweit erste Power-to-Gas Anlage, die Wasser per Elektrolyse in seine Bestandteile zerlegt. Neben Sauerstoff bleibt dann natuerlich … na, wer hat in Chemie aufgepasst? Richtig, Wasserstoff uebrig! Der Strom fuer diesen Prozess wird uebrigens via Windkraft generiert und man sollte unbedingt noch erwaehnen, dass von dieser Anlage auch Kaeufer des A3 g-tron und A4 g-tron profitieren:

Derzeit entsteht aus diesem Gas in einem weiteren Schritt durch die
Reaktion mit CO2 das Audi e-gas, synthetisches Methan für den A3 g-tron* und
den A4 g-tron* mit CNG-Antrieb. Mit der e-gas Tankkarte beziehen schon heute viele Kunden Audi e-gas über das existierende Erdgasnetz an ganz normalen CNG-Tankstellen und fahren somit nahezu CO2-neutral. Künftig aber kann bereits der Wasserstoff abgezweigt werden, um Brennstoffzellenautos klimaschonend anzutreiben.

zFAS – Pilotiertes Fahren aus Ingolstadt

Autonomes Fahren, das nennt sich bei Audi „pilotiertes Fahren“ und basiert auf dem Herzstueck zFAS. Das Zentrale Fahrerassistenzsteuergeraet verarbeitet all die Daten der Radar- und UItraschall-Sensoren, einem Laserscanner und einer neu entwickelten Videokamera. Dabei werden, wie bei den Plattformen der Konkurrenz, in Echtzeit Umgebungsmodelle errechnet, analysiert und den Assistenzsystemen zur Verfuegung gestellt. Eine Systemplattform, die uebrigens 2017 in der naechsten Generation des Audi A8 Einzug halten wird.

Design: cw-Wert von 0,27

Nur 1,54 Meter hoch? Ehrlich, ich habe fest gedacht, dass es sich dabei um einen Schreibfehler handelte, aber der h-tron quattro ist wirklich ein Flachmann unter den SUVs, der durchaus coupéhafte Zuege aufweist. Was mich aber noch viel mehr interessiert sind all die kleinen aerodynamischen Helferlein, die fuer einen cw-Wert von 0,27 sorgen. Kleine Wings hier, ein Flap da, Elemente am Unterboden und Heck plus Kamera, die die Aussenspiegel ersetzen. Die Audi Techniker und Designer konnten sich hier ordentlich austoben, ohne es jedoch zu uebertreiben. Der h-tron sieht so aus, als koennte man ihn gleich beim Haendler des Vertrauens vorbestellen.

Freunde des Lichts werden sich besonders ueber OLED- und LED-Elemente freuen, die uebrigens auch gleich noch den „Fahrzustand“ des h-tron anzeigen:

Die Schweller integrieren eine Lichtleiste in Matrix-LED-Technologie, die gleichfalls weißes Licht aussendet, wenn der Fahrer mit dem Funkschlüssel auf die Technikstudie zugeht. Wenn das Auto pilotiert fährt, leuchten seitlich blaue horizontale Linien als Erkennungsmerkmal. Korrespondierend zur Front setzen sich auch die Heckleuchten aus zwei Elementen zusammen. Die oberen Zonen integrieren je neun rote OLED-Einheiten, die die Schlusslicht-Funktion übernehmen, drei weitere liegen darunter.

Aber nicht nur hier kommen OLED Panels zum Einsatz, auch der Innenraum hat ordentlich was zu bieten:

Drei grosse OLED-Panels wurden verbaut, wobei das zentrale curved Display durch 2 Touchscreens ergaenzt wird. Der linke Screen steuert Lich und die Systeme fuer das autonome Fahren, waehrend man ueber das groessere rechte Display Medien, Navi und Informationen zum Betriebszustand des Antriebs abruft. Stichwort Touch: Auch das Lenkrad bietet hier zwei entsprechende Flaechen, mit denen navigiert werden kann.

Wer im Fond Platz nehmen muss, dem fallen sofort die beiden Audi Tablets auf. Kein „wann sind wir denn endlich da“-Gejammere der Kids mehr. So stelle ich mir das Connected Car der Zukunft vor. Wobei diese doch schon laengst begonnen hat, denn schliesslich gibt es dieses Tablet zu jedem Audi Q7 dazu.

Audi h-tron quattro 12

Audi h-tron quattro Specs

Technik

  • Brennstoffzellenantrieb mit zusätzlicher Lithium-Ionen-Batterie zum Boosten
    und Rekuperieren
  • Brennstoffzelle der fünften Generation, neue Materialien für zusätzlich
    verbesserten Wirkungsgrad
  • Bis zu 600 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung, Verbrauch rund ein
    Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer, Volltanken in etwa vier Minuten
  • Brennstoffzellenleistung: bis zu 110 kW, kurzzeitiger zusätzlicher Boost bis zu
    100 kW, Systemdrehmoment mehr als 550 Nm
  • Von 0 auf 100 km/h in weniger als 7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit bei
    200 km/h elektronisch abgeregelt
  • Aufbau als elektrifizierter quattro: je eine E-Maschine vorn und hinten,
    intelligente Regelungsstrategie für das Zusammenspiel der Aggregate
  • Drei Wasserstoff-Tanks mit etwa sechs Kilogramm Gesamtvolumen bei 700 bar
  • Fahrwerk mit adaptive air suspension sport und 22-Zoll-Rädern
  • Technologien für das pilotierte Fahren und Parken, zentrales Fahrerassistenzsteuergerät
    (zFAS)

Aerodynamik und Design

  • Länge 4,88 Meter, Breite 1,93 Meter, Höhe 1,54 Meter, fünf Türen
  • cw-Wert 0,27, aufwendige Detailmaßnahmen wie Kameras als Außenspiegelersatz
    und bewegliche Aerodynamik-Elemente an Boden, Seiten und Heck
  • Lichtdesign mit OLED-Elementen an Front und Heck, Scheinwerfer in Matrix
    Laser-Technologie
  • Weltweit größtes Solardach in einem Auto, bis zu 320 Watt Leistung oder bis zu
    1.000 km zusätzliche Reichweite pro Jahr

Innenraum

  • Optimiertes Package: viel Platz für vier Personen, großer Gepäckraum mit
    500 Liter Volumen, „Gepäckraum-Butler“ zum optimierten und schnellen
    Verstauen des Gepäcks
  • Wärmepumpe für hocheffiziente Klimatisierung
  • Progressives Interieurdesign, Fusion mit Bedien- und Anzeigenkonzept
  • Audi virtual cockpit curved OLED als Kombiinstrument
  • Mobiles Rear Seat Entertainment mit OLED-Audi tablets
  • Lenkrad mit Touch-Flächen in den Speichen
  • Online-Vernetzung via LTE, breites Angebot an Connectivity-Funktionen