Autojahr 2015 Titel

Autojahr 2015 – Kampf in der Mittelklasse

Mehr Platz, weniger Verbrauch, mehr Sicherheit. Das Tryptychon aller Verkaufsprospekte wird auch 2015 dem Kunden wieder vorgebetet. Seit den 70er Jahren, spielen diese drei Argumente beim Verkauf eines neues Autos eine entscheidende Rolle. In diesem Jahr wird man die Litanei vor allem in der Mittelklasse zu lesen und zu hören bekommen. Schuld daran ist der VW-Konzern, der quer durch alle Marken neue Mittelklassemodelle auf den Markt wirft. Der neue Passat ist schon im November 2014 erschienen und hat VW ausschließlich Lob eingebracht. Doch spannend wird es dann im späten Frühjahr, wenn Audi die neue A4-Reihe präsentieren wird.

Die stellt sich komplett gegen die 3er und 4er Reihe von BMW, die C-Klasse von Mercedes und den ganzen Mittelklasse-Rest. Von der man mittlerweile ja schon gar nicht mehr weiß, wo sie anfängt und wo sie aufhört. Ist der Golf noch Mittelklasse? Angesichts der Preise schon, verglichen mit dem Platzangebot im neuen Passat, ist der Golf eine Sardinendose. Eine gräumige, zugegeben. Audi macht es sich da leichter und spricht sowieso nur von „Premium-Klasse“ da ist es dann auch egal, ob Klein oder Mittel.

Wo ist sie denn, die Mittelklasse?

BMW Active TourerAlso irgendwo zwischen 20.000 und 50.000 Euro, da liegt sie, die Mittelklasse. Hier finden sich die Volumenmodelle, die Cash-Cows der Hersteller. Einzelne Modelle sind für 30% des Umsatzes mancher Hersteller verantwortlich. Kein Wunder, dass alle die Mittelklasse um weitere Modellreihen aufblähen. BMW ist da der Vorreiter. Blickt irgendjemand noch durch die Modellreihen bei den Münchner durch? 1er, 2er, 3er, 4er, 5er, Coupé, GT, X und dann dieser Van. Oder was das ist. Und die anderen Hersteller ziehen nach. Wer sich heute in der Mittelklasse ein Auto kaufen will, steht leicht überfordert wie vor dem Tiefkühlregal mit den Joghurts im Supermarkt, wenn man eigentlich nur einen schnöden Erdbeer-Joghurt haben möchte.

Die Hersteller können sich das erlauben, weil natürlich alles im Baukasten Prinzip zusammengestöpselt wird. Baugruppensysteme nennt man das. Sieht zwar alles nach neuen Autos aus, im Grunde nutzt man ein Lego-System. Das spart Kosten und man kann die Modellpalette weiter ausbauen. Den Kunden freut es, bekommt er doch mehr Auswahl. Zumindest, was die äußere Hülle angeht.

Garstig veranlagte Autojournalisten raunen gerne mal auf Veranstaltungen, dass man immer die gleiche Wurst bekommt, nur die Verpackung sei halt anders. Was insofern stimmt, weil Motoren und die verbaute Elektronik in allen Baugruppen der Mittelklasse meist identisch sind.

Wichtiger als der Motor: Die Elektronik

Überhaupt: die Elektronik. Die deutschen Autohersteller haben in den letzten Jahren in Sachen Fahrassistenz und autonomes Fahren jede Menge Geld investiert. Was sich langsam aber sicher rechnet, denn nur wenig Hersteller können bei diesem Investitionsfeuerwerk mithalten.

Die Entwicklung von Fahrassisstenzsystemen ist teuer, aber lohnenswert, denn diese Ausstattungs- und Sicherheitsmerkmale dürften die nächten Jahre entscheidend sein, wenn es um die Verkaufszahlen in der Mittelklasse geht. Vor allem das teilautonome Fahren wird von der Industrie heftig voran getrieben. Abhängig ist die Entwicklung aber von der weltweiten Gesetzgebung, die einen Einsatz von autonomen Fahrzeugen meist noch verbietet und den Preisen für teuren Sensoren.

Doch die befinden sich im Sinkflug. Kostete vor zwei Jahren ein Laserscanner noch gut 30.000 Euro, liegt der Preis mittlerweile unter 10.000 Euro. Das sei, wie Audi im Herbst bei einer Vorführung eines selbstparkenden Autos bekannt gab, noch etwas viel für den Endkunden, man hoffe aber den Preis für die Serienproduktion noch weiter drücken zu können.

Connected Car: Immer noch eine Vision

Audi_TTDoch was den Kunden der Mittelklasse vermutlich mehr interessieren wird, ist das Thema „Connected Cars“. Und hier haben alle Hersteller so ihre Probleme. Die komplexen Entertainmentsysteme in den Fahrzeugen überfordern immer noch mit einer verwirrenden Bedienung, bieten wenig und sind zudem zu teuer. Jedes Smartphone kann mittlerweile mehr, als das, was da für fünfstellige Summen im Zubehörkatalog angeboten wird. Das ärgert die Kunden, aber die Hersteller stehen vor dem Problem, die verschiedenen Bordsyteme und Anforderungen überhaupt unter einen Hut zu bekommen. Und zwar so, dass das System auch nicht abstürzt. Ein Smartphone kann man schnell neustarten, ein Auto sollte den Fahrer bei 200 km/h eher nicht mit einem „blue screen“ überraschen.

2015 wird also ein Jahr, in dem die Hersteller jede Menge Mittelklasse Modelle auf den Markt bringen werden. Große Flops sind dabei nicht zu erwarten, die Industrie ist viel zu sehr damit beschäftigt, die Messlatten in Sachen Qualität und Ausstattung weiter hoch zu legen. Nur in Sachen Bordelektronik gibt es noch deutlich Luft nach oben. Das wird sich auch 2015 nicht ändern.