Smartphone Zombies

Einfach mal abschalten!
Entschleunigung 2.0 – Warum ich den Benachrichtigungs-Wahn nicht mehr mitmache

Wie ich mich vom Diktakt der digitalen Netzwerke loesen konnte und warum dies auch so wichtig fuer den Content auf Mobile Geeks ist.

Schluss. Aus. Vorbei! Ich hab den Stecker final gezogen und mich zur selbstauferlegten digitalen Langsamkeit verdonnert. Und wisst ihr was? Es tut verdammt gut.

Vor knapp 2 Monaten habe ich den Entschluss gefasst den Benachrichtigungs-Wahnsinn der digitalen Netzwerke nicht mehr mitzumachen, mich mehr oder weniger auszuklinken und nicht mehr auf jeden Quatsch zu reagieren. Das heisst nicht, dass ich nicht mehr auf Twitter, Facebook oder Google+ aktiv bin, im Gegenteil. Ich habe da meine „Posting-Frequenz“ nicht mal ansatzweise veraendert, sondern bin da immer noch so haeufig unterwegs und so praesent wie in all den Jahren zuvor. Aber dann, wenn ich das will! 

Der Zeintralrat der Smartphone-Zombies tagt.
Der Zeintralrat der Smartphone-Zombies tagt

Auf meinem Smartphone sind saemtliche Benachrichtungen der Netzwerke abgeschaltet. Keine Facebook Nachricht mehr, die mich tagsueber unterbrechen kann. Kein Tweet, der um meine Aufmerksamkeit bettelt und kein Kommentar auf Google+, der eine vermeintich direkte Antwort verlangt. Schluss mit dem Diktat dieser Parallelwelt und rein ins Universum „Sascha“, in dem ich bestimme, wann ich etwas konsumiere und wie und wo ich darauf reagiere. Ich habe das Ruder wieder uebernommen und die Ironie dieser Geschichte ist, dass mich Smartwatches darauf gebracht haben.

Ich hab und hatte sie alle. Die Dinger von Pebble, Samsung, LG, ASUS, Apple, OMATE, Peak und und und… Smartwatches hingen ueber 2 Jahre an meinem linken Handgelenk und ich habe sie geliebt. Hauptsaechlich uebrigens die richtig schicken von ASUS und LG. Also genau die vermeintlich intelligenten Uhren, die vom Design her am ehesten wie ein hochwertiges Zeiteisen aussahen. Wobei die Pebble mit Abstand die Smartwatch war/ist, die ich am liebsten genutzt habe. Das lag zu gleichen Teilen am simplen Benachrichtigungssystem, wie auch an der Akkulaufzeit von einer knappen Woche.

Ich hab mir eingeredet erreichbar sein zu muessen

Als wuerde ein Alkoholiker sich ueber die neue 0.2 Liter Flasche Wodka freuen, weil die so gut in die Hosentasche passt

Wer unser Neuland Podcast verfolgt bzw. auch die diversen Kommentare von mir zum Thema, hat bestimmt mitbekommen, wie ich all diese tollen Benachrichtigungsfunktionen immer und immer wieder hochgelobt habe. Ja wie ich davon sprach, dass die Pebble oder eine Android Wear Smartwatch meine „Handset aus der Tasche holen und draufschauen“ Frequenz halbierte und ich das auch noch als wahnsinnige technische Revolution abfeierte. Was ein Hohn! Als wuerde ein Alkoholiker sich ueber die neue 0.2 Liter Flasche Wodka freuen, weil die so gut in die Hosentasche passt.

Ich hab mich sowas von einlullen lassen. Von der Industrie, vom Marketing, vom Druck der Netzwerke und vor allen Dingen von mir selbst. Du brauchst das. Du musst erreichbar sein. Du koenntest was verpassen. Was ist denn wenn…? Ja was denn? Dann war ich halt nicht am Start! Meine ausgepraegten diplomatischen Faehigkeiten werden Nord-Korea wohl kaum davon abhalten auf irgendwelche Knoeppe zu druecken und wenn wirklich mal die Huette brennt, dann sollen die mich gefaelligst anrufen. Man muss doch auch mal zur Ruhe kommen!

In der Ruhe liegt die Kraft

Und wie hat sich das alles auf mich und vor allen Dingen auf Mobile Geeks ausgewirkt? Ihr seht, dass in den letzten Wochen viel haeufiger lange Artikel, Testberichte und Analysen von uns veroeffentlicht werden. Wir erzaehlen wieder haeufiger Geschichten, veroeffentlichen in unserer „Vimeo Video der Woche„-Reihe Content, der ein wenig zum „innehalten“ anregen soll und das gesamte Team ist da viel viel gluecklicher und ausgeglichener mit. Nicht mehr jeder Mini-News nachrennen, die eh schon auf 500 Seiten steht und einfach nicht mehr jeden Trend mitmachen muessen, bzw. diese kritischer hinterfragen. Ker vielleicht sind wir auch einfach nur richtig alte Saecke geworden und uns wurde das alles ein wenig zu viel? Eines ist aber klar, die besseren und schickeren Uhren trage ich eh. Und die muss man noch nicht einmal aufladen.

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P.S. Ende des Jahre kommt uebrigens die erste Smartwatch von TAG Heuer und wenn die auch nur ansatzweise so aussieht, wie ich es von einer „Carrera“ erwarte, dann gehoert sie mir. Natuerlich mit abgeschalteten „Notifications“.

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