Bios Incube 09

Crowdfunding der Woche
Bios Incube – verwandelt eure Asche in einen Baum

Bios Incube nennt sich ein ungewöhnliches Kickstarter-Projekt. Eine Bio-Urne samt App sorgt dafür, dass aus der Asche eines Verstorbenen ein Baum wächst - ein Friedhof für die eigenen vier Wände, sozusagen. 

Wie nähert man sich einem Thema, von dem man schon weiß, dass in Grunde niemand gerne drüber spricht? Vielleicht am besten mit der Holzhammer-Methode: Schon mal drüber nachgedacht, wie mit euch nach eurem Ableben verfahren werden soll? Sprich: Wollt ihr klassisch in einem Sarg beigesetzt werden, lasst ihr euch in einer Urne beisetzen oder entscheidet ihr euch vielleicht sogar für eine alternative Methode, beispielsweise in einem Wald oder auf See?

Ich erzähle Freunden scherzhaft gern, dass sie meine Überreste meinetwegen in die Biotonne oder in den Restmüll schmeißen können – je nachdem, was sie für angemessen halten. Der ernste Kern dahinter ist aber, dass ich nicht möchte, dass irgendjemand viele Jahre dafür löhnen soll, dass ich in irgendeinem Grab verrotte, auf dem möglichst schöne, frische Blümchen wachsen. Was ich mir dann selbst tatsächlich als letzte Ruhestätte vorstelle, hab ich mir dann konkret noch gar nicht überlegt.

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Faktisch wäre aber Bios Incube von Bios Urn aus Spanien eine wirklich interessante Möglichkeit. Bios Incube findet ihr derzeit auf Kickstarter, wo bereits lange vor Ablauf der Frist die gewünschten 60.000 Euro bereits erreicht wurden. Bios Incube ist eine biologisch abbaubare Urne nebst Inkubator und passender Smartphone-App. Mit Bios Incube wächst aus der Asche des Verstorbenen eine Pflanze, wobei ihr mittels der App das korrekte Wachstum verfolgen könnt.

Die eigentliche Urne besteht aus einer Kokosnussschale, in der sich oben der Samen einer wählbaren Pflanze befindet, darunter dann die Asche des Verblichenen. Erst, wenn dieser Samen keimt, arbeitet er sich zu der Schicht durch, in der sich die Asche befindet. Die Urne versenkt ihr in einem Kunststoffgefäß, dem Inkubator, der bis zu elf Liter Wasser aufnehmen kann.

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Die Spanier haben ihrem Inkubator Sensoren verpasst, die das ganze Gefäß „smart“ machen und das Pflanzenwachstum begleiten. So wird berücksichtigt, wie viel Licht einfällt, Luftfeuchtigkeit, Feuchtigkeit in der Erde, Bodentemperatur und auch die elektrische Leitfähigkeit wird erfasst und all das könnt ihr jederzeit mittels App tracken. Die Wasserzufuhr wird  dabei ebenfalls kontrolliert, so dass ihr den Wassertank komplett auffüllen könnt und nie Gefahr lauft, dass die Pflanze zu viel oder zu wenig Wasser bekommt.

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Die App ist übrigens per WLAN mit eurer Pflanze verbunden und ihr bekommt auch Hinweise, wann wieder Wasser oder Dünger nötig ist. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass auch Pflanzen-Stümper wie ich (ich hab eher das, was man umgangssprachlich wohl sowas wie einen schwarzen Daumen nennt ^^) nichts verkehrt machen, denn gerade bei einer solchen Geschichte, bei der es um einen geliebten Hinterbliebenen geht, soll natürlich alles seinen natürlichen Lauf nehmen.

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Apropos natürlich: Das ist im Grunde auch der philosophische Ansatz hinter dem ganzen Projekt: Am Tod an sich können wir nichts ändern, aber wir können ihn vielleicht anders betrachten – eben als einen natürlichen Vorgang: Dadurch, dass aus der Asche eine Pflanze, also quasi neues Leben, erwächst, ist dieser Tod nicht nur das Ende, sondern gleichzeitig auch ein neuer Anfang.

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Ehrlich gesagt mag ich die Idee, kann mir aber auch vorstellen, dass sich der ein oder andere eher damit schwer tut, seine Oma auf die Fensterbank oder auf den Balkon zu packen. Auf Kickstarter kommt die Idee an, wie bereits weiter oben erwähnt, denn das Ziel wurde erreicht und die Early Bird-Preise sind schon allesamt vergriffen.

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Wer jetzt noch zuschlagen will, bezahlt für die kompletten Incubes 450 Euro, allerdings könnt ihr auch für 120 Euro lediglich die Urne erwerben plus frei wählbarem Samen. Den Prototypen hat man bereits fertig gestellt und nachdem im Juli letzte Tests erfolgen sollen, wird die Massenproduktion im August anlaufen. Die erste Rutsche für die Early Bird-Vorbesteller geht dann bereits im September raus, später folgen dann die nächsten.

Mich würde interessieren, wie ihr darüber denkt: Könnt ihr euch vorstellen, dass einer eurer Liebsten auf eurer Fensterbank in einem Blumenkübel zu einer Pflanze heranwächst, deren Wachstum ihr per Smartphone-App verfolgt? Oder ist euch so ein Friedhof in den eigenen vier Wänden dann doch ein bisschen zu viel „Smart Home“?  Ich mag die Idee wie gesagt – mich könnte man jedenfalls gern in so ein Ding reinkippen. Wer eine Alternative zur klassischen Beisetzung sucht, oder wer vielleicht einfach nur das Gefühl mag, dass einem ein geliebter Mensch auch nach dem Ableben nahe ist, dürfte bei diesem Projekt fündig werden.

Quelle: Kickstarter via n-tv