Macnotes-under-new-and-awful-management

Blog-Finanzierung, wie man es nicht machen sollte

Am Beispiel Macnotes kann man derzeit deutlich sehen, wohin es führt, wenn man aus einer Website jeden Cent herauspressen will. Hier der Bericht eines persönlich betroffenen Augenzeugen.

Gleich vorweg: Ja, ich bin bei diesem Beitrag persönlich betroffen. Es geht hier um Macnotes, früher mal ein kleines, kuscheliges Weblog rund um Apple-Produkte aus einer Zeit, als das Hauptprodukt von Apple noch „Macintosh“ hies und zwischenzeitlich ist es wohl auf dem Weg zu einer Seite, auf der Leser um des lieben Geldes willen gnadenlos verarscht werden. Ich habe früher selbst für Macnotes geschrieben, als es noch dem Gründer selbst und später der Fliks GmbH gehörte. Aufgehört dort zu schreiben habe ich schon während das Weblog noch der Fliks GmbH gehörte. Zwischenzeitlich wurde Macnotes an die BeautyMedical GbR verkauft, die scheinbar keinerlei Skrupel kennen, wenn es darum geht ein paar Euro zu verdienen. Und auch wenn ich seit einigen Jahren nicht mehr dabei bin, irgendwie blutet einem da schon das Herz…

Kurz die Geschichte von Macnotes: Gegründet wurde das Weblog von Hendrik Auf’mkolk. Es war ein Hobbyprojekt, welches immer mehr wuchs. Besonders beliebt waren damals die morgendlichen „Notizen aus Macosphäre“, mehr oder weniger eine kurze, tägliche Zusammenfassung der US-News aus der Nacht. War praktisch und für viele Apple-Fans eine schöne morgendliche Anlaufstelle – auch für mich. So bekam ich dann mit, dass Hendrik weitere Autoren suchte und plötzlich war ich Redakteur bei Macnotes. Später wollte sich Hendrik anderen Projekten widmen und von verschiedenen möglichen Wegen für Macnotes wählte er den Verkauf an die Fliks Gmbh, an dem ich nicht ganz unschuldig bin. Da ich damals auch IT-Systeme für die Fliks GmbH betreut habe und Randolf Jorberg, der Chef von Fliks, nach dem Verkauf von Gulli auf der Suche nach neuen Projekten war, stellte ich den Kontakt her. So wanderte Macnotes zu Fliks und veränderte sich dort natürlich. Die Redaktion wurde professioneller und größer und es gab natürlich auch vermehrt Kritik, wie es immer passiert, wenn ein Projekt sich stark verändert. Mehr oder weniger aus Macnotes heraus, auf jeden Fall aber intensiv von Macnotes begleitet, entwickelte sich der 3Gstore. Dieser Shop importierte damals simlock-freie iPhones nach Deutschland (was der Telekom gar nicht schmeckte). Diese Kombination war natürlich regelmäßig Anlass zur Kritik, manchen Nutzern war es zu viel 3Gstore bei Macnotes und überhaupt.

Randolf konzentriert sich inzwischen auf das Geschäft mit Bier und hat seinen Lebensmittelpunkt in Südafrika, so war es nachvollziehbar, dass er nach der Einstellung und dem Verkauf der Marke 3Gstore dann 2014 auch Macnotes verkaufte. An eben oben genannte BeautyMedical GbR. Ein Verkauf an Alexander Trust, den damaligen Chefredakteur, kam nicht zustande – was Alexander im wahrscheinlich letzten „Nähkästchen“ auf Macnotes verriet. Zusammen mit der Ankündigung, dass seine Tätigkeit bei Macnotes zum 30.4.2016 dort endet. Und wenn man sich anschaut, was gestern bei Macnotes von einem User „Redaktion Macnotes“ auf der Seite in der Kategorie „News & Rumors“ gepostet wurde, dann bekommt man eine Idee, was Alexander wohl im Januar meinte, als er schrieb:

Die langfristige Strategie ist es aber, die dazu führt, dass ich Macnotes Lebewohl sage. Meine Idee von einer Webseite sieht anders aus, aber in meiner Funktion, hatte ich nicht genügend Mitspracherecht, um daran etwas zu ändern. Alexander Trust

Ganz konkret waren es zwei Beiträge, bei denen ich nur mit einem ungläubigen WTF?!-Gesicht auf den Bildschirm starren konnte. Es handelt sich hier meiner Meinung nach nicht um „News & Rumors“, sondern ganz klar um Advertorials, bezahlte Beiträge, die auch in die entsprechende Kategorie bei Macnotes gehören würden bzw. als Werbung gekennzeichnet. Dabei könnte man den Beitrag zu einer iPhone-Hülle mit Aufsatz-Linsen vielleicht noch in die Kategorie „Grottenschlecht geschrieben“ einordnen, aber ein Test – wie im Text behauptet – ist das Ding auf keinen Fall. Das ist nur eine Sammlung von Keywords mit etwas Text drumrum, die dazu dienen sollen „iPhone Gadget“ per Link mit einem Shop für eben solche Dinge zu verknüpfen. Übrigens: Ich habe die Links zu Macnotes nicht ohne Grund mit rel=“nofollow“ versehen.

Aber endgültig knallte meine Kinnlade auf den Schreibtisch, als ich den Beitrag „iPhone Spionage App, der Retter für reisende Mütter“ gelesen hatte. Mal abgesehen davon, dass sich dieser „Bericht“ einer „reisenden Mutter“ liest wie ein typischer Werbetext, habe ich so meine Zweifel, dass die Software bzw. die angepriesene Art der heimlichen Nutzung gegen die eigenen Kinder (ja, gegen) in Deutschland legal ist. Denn auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre und den Schutz ihrer Daten. Eine heimliche Komplettüberwachung, wie sie dort angepriesen wird, ist damit meiner Meinung nach absolut nicht vereinbar. Denn die anonyme Autorin gibt an, sie könne mit der Software ihre Tochter rundum überwachen, sie könne

  • über GPS wissen, wohin sie geht
  • über Internetüberwachung wissen, wohin sie surft
  • ihre iMessages lesen
  • und alle ihre Anrufe abhören.

Na super, die eigenen Kinder heimlich und umfassend überwachen. Sagt wohl mehr über die Eltern aus, die so etwas tun, als über ihre Kinder. Und bei solchen Absätzen fragt man sich dann schon, ob es wirklich Eltern gibt, die so denken und wenn ja, warum man zwar einen Führerschein braucht, um ein Kraftfahrzeug zu führen, aber ohne jeden Eignungstest Kinder großziehen darf:

Ich muss gestehen, dass die Installation der iPhone Überwachungs-App der schwierigste Part war. Weil ich sicherstellen musste, dass sie mich nicht dabei beobachtet, wenn ich ihr Telefon nehme – und fragen Sie mich bitte nicht, wie ich es geschafft habe, ihren PIN zu bekommen. Aber wenn die App einmal da ist, sind ihre Probleme verschwunden. Warum? Weil die App unsichtbar und leise läuft! Ihre Kinder wissen nicht einmal, dass sie da ist und können sie daher auch nicht deinstallieren. „Besorgte Mutter“

Ich hatte auch Udo Vetter um eine kurze Einschätzung gebeten. Natürlich ist es immer eine Frage des Einzelfalls und das elterliche Sorge- und Erziehungsrecht relativeren in gewissem Umfang auch die Rechte der Kinder, aber deswegen sind Kinder nicht rechtlos ihren Eltern ausgeliefert. Maßgeblich ist nämlich immer das Kindeswohl und daraus leiten sich natürlich Einschränkungen beim Einsatz solcher Software ab. Übrigens ein Thema, das offensichtlich häufiger angefragt wird.

Aber darum geht es ja in erster Linie auch gar nicht, eigentlich ging es ja um mein irgendwie blutendes Herz, wenn ich mir anschaue, wie aus einem ambitionierten Projekt eine billige (und ja, wirklich billig, wie ich aus SEO-Kreisen erfahren habe, in denen einschlägige Linkkaufpreislisten umgehen) Werbelinkschleuder wird. Und damit dürften die Betreiber zumindest eine gewisse Zeit durchaus Erfolg haben, denn Macnotes hat immer noch einen gewissen Ruf und ein Maß an Glaubwürdigkeit, die das Ergebnis langer Arbeit sind. Von den vielen Backlinks und in anderen Seiten eingebundenen Feeds mal abgesehen. Und egal wie sehr der Ruf auch mal gelitten haben mag, zumindest eines war bei Macnotes früher nie ein Thema: Lasst uns die Leser verarschen, um ein paar Cent zu verdienen. Und nichts anderes ist es, wenn den Lesern solche Werbebeiträge ungekennzeichnet untergejubelt werden, vor allem, wenn es eigentlich eine Kennzeichnung für andere Werbebeiträge auf der Seite gibt. Aber offensichtlich merken zumindest einige Leser sehr gut, wenn sie verarscht werden:

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