Raif-Badawi-Arab-Saudi

Kommentar
Blogger, Peitschenhiebe und der FC Bayern

Mit seinem Testspiel im saudi-arabischen Riad, hat der FC Bayern sich wahrlich keinen Gefallen getan. Richtig peinlich wird es nun aber, wie unbeholfen Rolex-Kalle sich nun fuer die Muenchener positioniert.

Sport ist Sport und Politik ist Politik. Ich kann dieses Gesuelze nicht mehr hoeren. Wer meint diesen Schwachsinn vertreten zu muessen, sollte genau die Instanzen konsultieren, welcher der „Saebener Sigi“ in seiner Kolumne auf der FC Bayern Homepage dem ehemaligen DFB-Praesidenten Theo Zwanziger empfiehlt. Wer die dortigen Zeilen liest, muss unweigerlich an den von Weissbier betaeubten Dorfdeppen denken, der mit Zipfelmuetze vor der Tastatur sitzt und im Zweifinger-System sich all den kleingeistigen Frust von der Seele schreibt, der sich in seiner ach so heilen Welt aufgestaut hat.

Ich koennte kotzen und zwar in einem Strahl, der die klassische „Stand by me“ Szene verblassen lassen wuerde.

Was ist passiert?

Nachdem der FC Bayern sein Winter Trainingslager in Katar durchgezogen…. halt auch hier muss man gleich reingraetschen, sorry dass ich gleich den Pfad des strukturierten Rants verlasse. Katar? Das ist doch dieser lustige Staat der nicht nur den Welt-Handball in neue Galaxien schiesst, der nicht nur die Fussball WM erhalten hat, nein es ist auch das Land aus dem Bayern Chef Karl-Heinz Rummenigge kam, als er am Zoll mit einem Paar unversteuerter Luxus-Uhren erwischt wurde. Katar, dieser schnuckelige Staat, der noch weiss wie man Migranten sinnvoll einsetzt und von der Einhaltung fundmantaler Menschenrechte aehnlich weit entfernt ist, wie der FC Schalke (der uebrigens auch im Wintertrainingslager in Katar zeigt, wie sehr sie sich mit der Thematik beschaeftigen. Nicht!) vom Gewinn einer erneuten Meisterschaft. Hier also halten die Bayern ihr Trainingslager ab.

Um der erfolgreichen „Tour de Despot“ Ausgabe des Jahres 2015 aber noch die Krone aufzusetzen, entschieden sich die Verantwortlichen des Rekordmeisters noch fuer einen moralischen Leckerbissen, der an Taktlosigkeit und selbstherrlicher Ignoranz so ziemlich alles schlaegt, was man sich ausmalen kann. Halt, die Nummer kann man sich nicht ausdenken. Das macht man, oder man laesst es bleiben. Warum die Bayern sich fuer diese Fingerspitzengefuehl-Combo aus Katar und Saudi Arabien entschieden haben, das kann man wohl an zwei noch nicht Rolex tragenden Handgelenken abzaehlen, oder etwa nicht Karl-Heinz?

Was hat das denn auf Mobile Geeks zu suchen?

Erspart mir das Geseiere in den Kommentaren. Ich flehe euch an! In Saudi Arabien ist ein junger Blogger zu 1000 Peitschenhieben wegen der Kritik an der dortigen Religionspolizei verurteilt worden. Ich bin ebenfalls ein Blogger, auch wenn es fast beschaemend ist fuer mich die gleiche „Berufs-Definition“ zu nutzen, wie der Kollege aus Saudi Arabien. Ein junger Familienvater, der sich trotz der taeglichen und oeffentlichen Enthauptungen nicht einschuechtern liess. Der in voller Ueberzeugung seine Gedanken und Standpunkte veroeffentlichte, weil er an eine bessere, tolerantere und demokratischere Gesellschaft in seinem Land glaubt. Einer der ueber sein Blog die Welt veraendern wollte. Mit Leidenschaft, Idealismus und der hierfuer noetigen Naivitaet. Ein Held.

Dieser junge Mann wird diese Strafe wohl kaum ueberleben, sollte sie den komplett vollzogen werden und genau deshalb ist es auch fuer uns wichtig, darauf hinzuweisen. Auch wir bei Mobile Geeks haben indirekt erlebt was es bedeutet, wenn man fuer seine freie Meinungsaeusserung in den Konflikt mit einem System geraet. Die Schwester von Raul, unserem indischen Mitarbeiter auf Mobilegeeks.com, wurde aufgrund eines Facebook Likes verhaftet. Das ist natuerlich nicht ansatzweise mit der Situation in Saudi Arabien zu vergleichen, aber ich weiss noch genau ob der Angst und die Ungewissheit, die unser Kollege in diesen Tagen durchleben musste.

Nicht nur deshalb ist es wichtig sich zu solidarisieren. Ob Blogger oder Vorstand eines der erfolgreichsten Sportvereine der Welt!

Ich schaeme mich fuer dich Karl-Heinz

Kommen wir zurueck zum Ausgangspunkt. Sport und Politik haetten nichts miteinerander zu tun. Bullshit. Huehnerkacke. Schwachsinn! Und genau letzteres unterstelle ich dem Chef des FC B. Seine vermeintlich demuetige und selbstreflektierende Erklaerung zum Testspiel in Riad, ist nicht mehr und nicht weniger als ein  Armutszeugnis fuer jede gesellschaftliche Verantwortung.

Der FC Bayern München als Verein verurteilt jede Form von grausamer Bestrafung, die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht, wie im aktuellen Fall mit dem islamkritischen Blogger Raif Badawi. Es wäre besser gewesen, das im Rahmen unseres Spieles in Saudi-Arabien deutlich anzusprechen

Die Politik hat grundsätzlich in diesen Fragen die Richtlinienkompetenz. Wir sind ein Fußballverein und keine politischen Entscheidungsträger, aber natürlich tragen am Ende alle, also auch wir, dafür Verantwortung, dass Menschenrechte eingehalten werden

Gerade unser Klub hat sich immer gegen jegliche Diskriminierung, gegen Gewalt und gegen Rassismus bekannt. Und wir machten und machen uns stets für Toleranz stark

Kalle, jetzt mal unter uns Ascheplatzpoehlern… Wusstet ihr denn erst nach dem Spiel in Saudi Arabien was da abgeht? Die Nummer wurde doch wirklich durch saemtliche euch zur Verfuegung stehenden Nachrichtenkanaele geschossen und ihr heuchelt nun rum, dass ihr euch gegen Gewalt und Diskriminierung bekennt. Einen Scheiss macht ihr!

Ihr haettet ein klares Zeichen setzen koennen, nein muessen. Eine Pressekonferenz mit der klaren Ansage, dass man nicht in Riad spielen wird, aufgrund der dortigen Zustaende. DAS ist dann ein Bekenntnis gegen Diskreminierung und Gewalt und nicht an der Saebener Strasse einen auf dicke Menschenrechts-Hose machen, waehrend in Saudi Arabien jemand zu Tode gepeitscht wird, der genau das ist. Ein Mann, der sich fuer Menschenrechte und Toleranz einsetzt.

P.S. Ich bitte von Kommentaren in Richtung „aber unsere Politiker, aber unserer Exporte, aber unsere Waffen“ abzusehen. Sorry, das wissen wir alle und es aendert nichts an unserer aller Verantwortung sich hier zu positionieren.