Angeschaut: Brave, der Browser mit integriertem AdBlocker

Kein Test, nur ein erster Blick auf den kommenden Browser Brave, der in Zukunft Werbung nicht nur filtern, sondern sie durch eigene ersetzen soll.

Spätestens seit einige sehr kritische Blicke auf das Geschäftsmodell hinter AdBlock Plus geworfen wurden, kann man mit der Ankündigung eines Browsers mit eingebautem Werbefilter durchaus auf sich aufmerksam machen. Wenn so eine Ankündigung dann noch vom früheren Chef der Mozilla Foundation Brendan Eich kommt und beinhaltet, dass die Werbung nicht nur gefiltert, sondern auch ausgetauscht werden soll, werden mindestens die Publisher hellhörig, deren Geschäftsmodell auf klassischer Onlinewerbung aufbaut.

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Brave soll Werbung aber nicht einfach nur austauschen. An den Einnahmen aus der Werbung sollen Nutzer und Seitenbetreiber gleichzeitig beteiligt werden, was ja erst einmal nach einem ganz fairen Deal klingt. Andererseits klingen Whitelists für unaufdringliche Werbung auch erstmal ganz gut – ist alles eine Frage der Umsetzung. Die Filter in Brave sollen ebenfalls auf Listen basieren, anhand derer gefiltert wird was stört und was trackt. Es soll hier aber keine Möglichkeit für Unternehmen geben, sich auf eine Whiteliste einzukaufen: wenn Werbung ersetzt wird, dann durch solche eines eigenen Werbenetzwerkes, das auf Tracking verzichten soll.

Als Nutzer soll man aber auch die Ersatz-Werbung ausschalten können – erhält dann aber eben keine Beteiligung an den Umsätzen.

Aber so weit ist man mit dem Projekt längst nicht. Immerhin wurde jetzt ein erster Developer-Build des neuen Browsers verteilt, den wir uns mal in der Version für Mac OS X angeschaut haben. Es war aber dann doch ein recht kurzer Blick, denn es gibt nicht wirklich viel zu sehen. Der Browser basiert auf Chromium, hat aber bislang weder Einstellungen noch Erweiterungen zu bieten. Die einzigen Einstellungsmöglichkeiten ist das An- bzw. Abschalten der Ersatzwerbung des Ad Blockers (welche derzeit sowieso noch nicht ausgeliefert wird), sowie des Tracking Blockers und von https Everywhere. Ein Bookmark-Menü gibt es auch schon, anlegen lassen sich aber keine Bookmarks.

Was also bleibt für den Anfang? Ein Werbung blockierender Chromium-Fork, der auf absoluten Minimalismus setzt. Natürlich hat niemand in dieser Version schon einen komplett fertigen Browser erwartet, warum jedoch nicht mal ein Minimum der Funktionen von Chromium geliefert wird? Immerhin ist der Browser schnell, andererseits war das bei der verwendeten Basis durchaus zu erwarten. Bis jetzt lohnt sich ein näherer Blick nicht wirklich und tatsächlich wage ich keine Prognose, ob was aus dem Projekt wird und wie lange es wohl dauert. Mich würde es nicht überraschen, wenn es im Sommer einen fertigen Browser gibt – aber auch nicht, wenn in 6 Monaten das Projekt irgendwo wieder sang- und klanglos im digitalen Nichts verschwinden würde.

Die Development Timeline verspricht zumindest für Ende Februar einen zumindest rudimentär nutzbaren Browser, ab April soll es dann auch eine Version mit Passwort Manager geben. Eine stabile 1.0 Version ist für Ende August vorgesehen. Bleibt abzuwarten, ob nicht nur der Browser fertig wird, sondern vor allem das eigene Werbenetzwerk bis dahin läuft und Kunden gewinnt. Dann könnte es für einige User durchaus eine alternative sein, sich für das Einblenden trackingfreier Werbung beim Surfen „bezahlen“ zu lassen, auch wenn die Einnahmen hier wohl nicht sonderlich hoch ausfallen dürften.