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CES 2015 – Die große Wüste

Grosse Stände, viel Tamtam - doch was die meisten Hersteller auf der CES in Las Vegas zeigten war eher enttäuschend. Große Teile der Industrie haben in Sachen Zukunftvision weiterhin nur größere Autos im Sinn. Das gilt allerdings nicht für die Hersteller aus Deutschland, die als einzige Highlights setzen konnten.

Sieben Automobil Hersteller, so viele wie noch nie, versammelten sich in diesem Jahr auf der CES in Las Vegas, eine Keynote wurde vom Daimler AG CEO Dr. Zetsche gesprochen. Die CES hat verstanden das die Autoindustrie nicht nur große und teure Stände mietet, sondern auch an der Spitze der technologischen Innovationen steht. Oder stehen könnte. Denn viele Hersteller haben offenbar immer noch nicht verstanden, wie wichtig die Technologie für ihre eigene Zukunft sein wird.

Ein schneller Überblick auf der Messe zeigte, dass ein großer Messestand nicht zwingend dafür steht, dass man auch viel zu zeigen hatte. Gerade die US-Hersteller enttäuschten. Ford zeigte mit „Sync3“, eine neue Version ihres Connect- und Entertainmentsystems, dass allerdings auch in der aufgefrischten Version nicht an die Konkurrenz heranreicht. Schon gar nicht in Europa, denn Ford entwickelt Sync fast ausschließlich für den US-Markt.

GM zeigte in Las Vegas zwar den neuen Chevrolet Volt, aber nur auf einer kleinen Präsentation am Vorabend der CES. Auf dem Messestand war vom neuen E-Mobil nichts zu sehen, dafür präsentierte man stolz den Pickup-Truck „Colorado“, ein, für US-Verhältnisse, kleiner SUV. In dessen Schatten hatte man immerhin die Elektro-Version des „Spark“ versteckt. Ansonsten: keine neuen Gadgets. Aus dem gesamten GM-Universum.

Disp2_Fotor_CollageDie Koreaner von Hyundai hatten ein interessantes Konzept in Sachen Display vor Ort, ansonsten beschränkte man sich auf altbekanntes. Bei Fiat/Chrysler muss die Devise gelautet haben „Lass uns irgendwas mit Musik und „Connectivity“ machen, egal was.“ Sonst gab es vom angeschlagenen Konzern nichts zu sehen. Ach doch, den Jeep Rubicon, ein ca. 60 Jahre altes Automobilkonzept. So kann man natürlich auch die Zukunft begrüßen.

Die deutschen Hersteller zeigten da schon etwas mehr. Bei Audi gab es immerhin die Studie „Prologue“, den neuen TT-Roadster und das Interieur des neuen Q7 zu sehen. Dazu ein Tablet, das Audi in kompletter Eigenregie gebaut hat und demnächst dann im Q7 und A8 zu haben sein wird.

Merkwürdigerweise spielte Audi eine PR-Karte auf der CES kaum aus. Immerhin war man mit einem A7 fast die gesamte Strecke von San Francisco bis Las Vegas autonom gefahren. Neu war so eine Fahrt jetzt nicht, aber eine gute Gelegenheit vor der internationalen Presse auf die Pauke zu hauen, war es schon.

VW zeigte (oder auch nicht) ebenso wie BMW ein zumindest interessantes Konzept der Gestensteuerung. Beide scheinen noch nicht zu 100% ausgereift zu sein, zeigen aber an, dass die Reise in Richtung „Knopfloses Cockpit“ gehen kann. Zusätzlich ließ BMW den i3 alleine ein- und wieder ausparken. Ich glaube auf der Weltaustelltung 1964 in New York hatte GM mal was ähnliches präsentiert.

VW_Golf_R_Touch_CES_2015

Was es also zu sehen gab, war alles sehr nett, aber bei weitem nicht neu. Und echte Zukunftsvisionen oder technologische Neuentwicklungen in Sachen Smartphone-, Wearables-Integration gab es nirgendwo zu sehen.

Aggressiver war die Daimler AG unterwegs. Mit dem Mercedes F015 zeigte man eine neue tatsächlich fahrende Designstudie, die vor allem zeigen sollte, was technisch machbar ist. Die Stuttgarter haben sich dabei auf die Punkte „Autonomes Fahren“, „Vernetzter Innenraum“ und „Kommunikation“ konzentriert. Die Überraschung war aber nicht mal die Studie als solche, sondern die Tatsache, dass Mercedes sich dazu entschlossen hatte, den Wagen nicht auf der Messe in Detroit oder in Genf zu zeigen, sondern auf einer Technologiemesse. Das zeigt, wie wichtig dem Konzern das Thema Technologie ist. Und es weist darauf hin, dass man verstanden hat, dass zukünftige Käufer sehr auf diesem Thema achten werden.

Zu wenig von allem

Die CES zeigte, dass es vielen Herstellen schwer fällt, sich der veränderten Bedeutung des Automobils bewusst zu werden. Denn das Problem der Autoindustrie liegt auch darin begründet, dass sie technologische Innovationen im Innenraum und sogar teilweise bei der Sicherheit immer noch als „Add-On“ verstehen. Das Auto ist ein Massenprodukt, das mit einem Jahrzehnte alten Marketingkonzept vertrieben wird. Doch die Vernetzung und die Technologie werden das Auto und die Ansprüche der Käufer nachhaltiger verändern, als viele Hersteller das offenbar erkennen wollen.

In Städten wird das Auto zum einem „Shared-Object“, die zunehmende Automation der Fahrzeuge führt dazu, dass Fahrer und Beifahrer sich fragen, was sie denn sonst so machen sollen, wenn das Auto schon alleine fährt. Auf einem 6-Zoll Display, dessen Auflösung nicht mal an Billig-Handys heranreicht, einen Film zu schauen, ist sicher nicht die Lösung. Und auch nicht, dass man „Spotify“ übers Radio streamen kann.

Überhaupt wurden komplette Technologiebereiche komplett vermisst. Das Thema „Car 2 Car Communication“ glänzte bei allen Car to Car 2Herstellern mit Abwesenheit, obwohl die Zukunft des autonomes Fahren gerade davon abhängen wird. Auch der Bereich „Smart City“ kam auf den Ständen der Autoindustrie nicht vor. Aber ohne eine stärkere Vernetzung von Verkehrsleitsystemen mit dem Auto wird sich kein Fahrzeug autonom bewegen können. Und dann wäre noch der rosa Elefant namens „Daten und Datensicherheit“, der komplett ignoriert wurde. Und von technischen Innovationen wie aus dem Bereich „User Predictive Behavior“ im Bereich Sicherheit und Entertainment gab es nichts zu sehen. Obwohl dazu einiges in den Schubladen der Hersteller liegt. Zu sehen war davon auf der CES 2015 nichts.

Scott Keogh, CEO von Audi North America, erwähnte in seiner Pressekonferenz, dass Audi in den USA mit den neuen Technologien schon 90 Millionen Dollar Umsatz machen würde. Es geht also nicht nur um Investitionen, sondern schon jetzt um sehr viel Geld. Und darum, dass die Entwicklung neuer Technologien ein integraler Bestandteil der Konzernphilophie sein muss. Davon sind einige Hersteller noch sehr weit entfernt, wie sie auf der CES in Las Vegas eindrucksvoll unter Beweis stellten.