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02 - New Kids On The Blog
JE SUIS CHARLIE

Manchmal möchte man einfach schreien. Man möchte hinaus gehen auf die Strasse und die dunkle Stadt und die beschissene Welt anschreien, was das soll. Man fühlt sich wie ein vierjähriges Mädchen, das die Welt nicht versteht und dem es das Herz zerreisst, weil es einfach nicht begreift, was um sie herum passiert. Und wie mit 4 Jahren, ist man letztendlich sprachlos. Ich kann nicht in Worte fassen, was ich momentan empfinde. Die Stadt, die ich so liebe, ist im Terrormodus. Ein Boulevard, auf dem ich noch im Dezember flanierte, ist gesäumt von Spezialeinheiten, die bis unter die Haarspitzen bewaffnet sind. Szenen, wie aus einem amerikanischen Blockbuster-Film. Aber heute wird nicht GI Joe gedreht. Heute wurden Menschen getötet in einem sinnlosen Anfall von Wahnsinn, und das auch noch unter dem Deckmantel einer Religion.

 

Das haben wir Euch zu verdanken, Ihr Wahnsinnigen. Ihr Feigen Arschlöcher. Ihr tötet Menschen und verwandelt die schönste Stadt der Welt in ein Szenario wie aus einer Kriegs-Doku oder einem dieser bescheuerten Videospiele. Ihr tragt mir die hässliche Fratze Eurer Unmenschlichkeit direkt ins Wohnzimmer. Ich hasse Euch mit jeder Faser meines Körpers. Ihr missbraucht eine Religion, der Milliarden von friedlichen Menschen angehören und verwandelt jeden bärtigen Mann in eine potenzielle Gefahr. Ihr tragt Schuld daran, dass die Welt nicht zur Ruhe kommt. An jedem Vorurteil und allem, was nun an schändlichem Gedankengut in die Köpfe der Menschen gespült wird, verdreht von „Experten“, die Muslime nicht von radikalen Islamisten unterscheiden können. Schämt Euch. Schämt Euch für 12 unschuldige Tote und für jedes Kind, das heute Nacht Angst haben wird. Und für jeden Moslem, der darunter leiden wird, dass Ihr eine Religion dafür vergewaltigt, die Euch Nächstenliebe gelehrt hat. Schämt Euch.

 

Und ich sage Euch noch was: Ich glaube nicht an viel, aber ich glaube fest daran, dass Ihr bezahlen werdet. Einen viel höheren Preis als die Kugel aus einem Polizei-Gewehr, die Euch vielleicht treffen wird. Viel höher als die Jahre im Gefängnis, die Euch vielleicht drohen. Viel höher als die Angst, erwischt zu werden, die Euch täglich in irgendwelche Höhlen verfolgt, wenn Ihr es doch schaffen solltet, zu entfliehen. Das ist alles nur ein Vorspiel für das, was Euch erwartet, wenn Ihr Rechenschaft ablegen müsst für das, was Ihr heute um 11:30 Uhr in Paris getan habt. Eines Tages …

 

 

Ich bin fassungslos. Ich wünschte, ich könnte irgendwas sagen oder schreiben, um meine Trauer zum Ausdruck zu bringen oder wenigstens mein Mitgefühl mit den Angehörigen der Menschen bei „Charlie Hebdo“. Aber das kann ich nicht.

 

Der Schmerz meiner Hilflosigkeit sprengt jede Dimension. Ich kann Euch nichts weiter entgegen setzen. Aber andere können. Und sie haben es bereits getan. Danke für diese Tweets, für diese Zeichnungen, an einem Tag wie heute:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin nicht sehr politisch. Aber heute bin ich Charlie.

 

07.01.2015