App-Annie-2015-Retrospective-Titel

App Annie Retrospective 2015
Analyse: Die App Trends 2015 – Mobile, Wearables & TV

Auch 2015 haben die App-Experten von App Annie mit ihrem Retrospective-Report einen Strich unter das letzte Jahr gemacht und dabei beleuchtet, wie sich Android und iOS entwickelt haben, welche neuen Trends zu vermelden waren und in welchen Regionen es boomt.
von Carsten Drees am 20. Januar 2016

Es ist wieder soweit: App Annie blickt aufs vergangene Jahr zurück, hat dabei selbstverständlich die Entwicklung in der Welt der Apps im Blick und packt die gewonnenen Erkenntnisse in einen ausführlichen Report, der App Annie 2015 Retrospective! Wie schon vor ziemlich genau einem Jahr wollen wir auch dieses Jahr wieder einen ausführlichen Blick drauf werfen, was die Killer-Applikationen der letzten 12 Monate waren, welche Märkte in dem Zeitraum sich besonders entwickelt haben und wie sich die Kräfteverhältnisse zwischen Android und iOS verlagert haben.

Fangen wir also so an wie im letzten Jahr – mit einer Betrachtung dessen, was sich bei Android und iOS an der App-Front getan hat.

Android vs iOS: Kampf der App-Giganten

So viel vorweg: Beide Systeme marschieren! Das kann man zweifellos sowohl für das mobile OS aus Cupertino festhalten als auch für das System, welches Google dem ewigen Konkurrenten entgegenzusetzen hat. Für beide ging es aufwärts, dennoch verliefen die Entwicklungen unterschiedlich: Beim Umsatz geht iOS nach wie vor durch die Decke, bei den Downloadzahlen wiederum kann Google niemand das Wasser reichen.

Wie schlägt sich das in Zahlen nieder? Durch massig neue Hardware-Verkäufe sind bei Android auch massig neue Downloads von Anwendungen zu verzeichnen gewesen. Waren das im Vorjahr schon 60 Prozent mehr als bei iOS, liegt man jetzt sogar bei 100 Prozent mehr! Die Hälfte des Zuwachses verdankt Google dabei den Märkten in Brasilien, Indien, Indonesien, die Türkei und Mexiko.

Auch beim Umsatz konnte Android ordentlich zulegen, allerdings nicht auf dem hohen Niveau, auf dem das Apple gelungen ist. China ist hier die treibende Kraft unter den Nationen, zusammen mit den USA und Japan. Die Nutzer dieser Länder sorgten sogar für 90 Prozent des Zuwachses im letzten Jahr.

Wie im letzten Jahr wird auf Android-Geräten scheinbar mehr gezockt als bei iOS – zumindest, wenn man die Umsätze zugrunde legt: 90 Prozent der Umsätze bei Android wurden mit Spielen gemacht, bei iOS hingegen „nur“ 75 Prozent. Grafisch aufbereitet und mit Zahlen versehen sieht das dann so aus – zunächst die Downloads:

Jährliche weltweite App-Downloads
…und hier die Umsätze:
Jährliche weltweite App-Umsätze

In den USA konnte sich Google Play bei den Downloads mit einem Anteil von nun 55 Prozent mittlerweile auch vor iOS platzieren – auch das könnt ihr euch in einer Tabelle ansehen:

Anteil der Downloads in den USA auf iOS App Store

Tinder, Taxi-Apps und mehr: Diese Sparten räumten 2015 ab

Unterschiedliche App-Sparten stehen für unterschiedlich viel Umsatz – das ist nicht neu. Bei Spielen greift der Smartphone-Nutzer nun mal lieber in die Kasse als bei Messengern und so lohnt es sich, darauf zu schauen, was 2015 die Umsatz-Zugpferde waren. Will man das ganz knapp auf ein paar Bereiche herunterbrechen, dann könnte man Apps hervorheben, in denen es um Dating, Taxi-Fahrten oder um Streaming geht.

2015 war das Jahr für Anbieter wie Uber, Lyft und wie die Mitfahr- und Taxi-Apps sonst alle heißen. Auch hier gibt es durchbar erkennbare Unterschiede zwischen den beiden großen Systemen:

Prozent der iPhone- und Android Nutzer, die mindestens eine große Mitfahr-Taxi-App nutzen

Die Zahlen der Nutzer sind 2015 phänomenal gestiegen, was natürlich nach sich zieht, dass immer mehr Anbieter auf den Markt drängen – in Indien sogar ein Service für Rikscha-Fahrten! Das bedeutet für die Zukunft, dass bereits 2016 eine Konsolidierung einsetzen könnte – noch bevor dieser Trend bei der breiten Masse der deutschen Bevölkerung überhaupt angekommen ist: Sowohl bei iOS als auch bei Android hat nicht einmal jeder zehnte Smartphone-Nutzer wenigstens eine der großen Mitfahr-Anwendungen installiert bis dato.

Dating-Apps sind ein weiterer treibender Faktor bei den Umsätzen. Stellvertretend dafür sei Tinder genannt, das mit seinem Hui-oder-Pfui-Wisch-Prinzip nicht nur einer ganzen Reihe ähnlichen Apps den Weg geebnet hat, sondern mit Tinder Plus auch einen Weg zur Monetarisierung gefunden hat. Auch in Deutschland tragen Dating-Apps entschieden zum Umsatz bei – Lovoo belegt hierzulande sogar den Platz 1 bei den umsatzstärksten Apps, wenn man iOS und Android zusammen betrachtet!

Eine weitere Boom-Branche ist das Streaming sowohl von Video- als auch Musik-Inhalten. Hier müssen wir die USA aber gesondert betrachten, weil viele der Dienste hierzulande nicht verfügbar sind. Spotify und Netflix spielen selbstverständlich eine Rolle, vor allem aber auch das hier nicht nutzbare Pandora und neue per App nutzbare Video-Angebote wie HBO Now oder YouTube Red. In der Grafik ist schön zu erkennen, wie speziell der Video-Markt in den Staaten förrmlich explodiert auf mobilen Endgeräten:

Top 10 der Videostreaming-Apps nach Ländern

Ähnlich erfolgreich lief das Jahr auch beim Musik-Streaming: Der weltweite Umsatz für die besten 10 Musikstreaming-Apps hat sich von 2014 bis 2015 immerhin mehr als verdoppeln können. Auch hier ist festzustellen, dass die Unterschiede regional sehr groß sein können, so ist beispielsweise Europa fast durchgängig Spotify-Land mit Ausnahme von Frankreich, wo Deezer die große Nummer ist.

Top-Musikstreaming-Apps nach Nutzern

Die Evolution des Mobile Gaming

Wie nicht anders zu erwarten, ist auch 2015 das Gaming auf mobilen Endgeräten von elementarer Bedeutung gewesen. Auch hier sind große Veränderungen zu verzeichnen, bei denen der Faktor „Zeit“ eine wesentliche Rolle spielt. Lag die „Reifezeit“ eines Spiels – also die Zeit, in der ein Spiel 90 Prozent seines geschätzten Marktpotenzials abgerufen hat – im vorletzten Jahr noch bei 50 Wochen, sind wir 2015 bei einem Durchschnitt von lediglich noch 17 Wochen angekommen. Bedeutet, die Publisher haben deutlich weniger Zeit, um ihre Titel in den Markt zu drücken und die Spiele erfolgreich zu machen.

Dadurch kommt es zu Verschiebungen auf dem Gaming-Markt in mehrerlei Hinsicht: Generell haben wir es mit einer größeren Breite an Unternehmen zu tun, die sich ein Stück  vom mobilen Spiele-Kuchen genehmigen, gleichzeitig schwindet aber auch die Chance, langfristig mit nur einem Titel Geld zu erwirtschaften, so dass flotter nachgelegt werden muss.

Der Spiele-Trend berücksichtigt auch, dass die technischen Grundlagen dank immer stärkerer Prozessoren sich rasant verbessern. Vor allem in Asien ist daher 2015 festzustellen gewesen, dass der Anteil der technisch relativ anspruchslosen Casual Games rapide sinkt im Vergleich zum Anteil der Core-Games, zu denen beispielsweise MMORPGs gehören.

Core Games

Wearables und TV – neue wichtige Märkte in Sicht

App Annie berücksichtigt in seinem Report auch, dass mit tvOS und watchOS gleich zwei neue Betriebssysteme von Apple ins Rennen geschickt wurden. Die stehen für zwei Sparten, in denen auch 2016 äußerst viel Bewegung zu erwarten ist: Wearables und Fernsehen!

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Wenig überrascht dabei der Impact, den die Apple Watch für den Wearables-Markt darstellt, obwohl das Unternehmen aus Cupertino sich erst sehr spät auf dieses neue Feld gewagt hat. Binnen eines halben Jahres konnte die Zahl der verfügbaren Apps von 3.000 auf immerhin 14.000 gesteigert werden. Dominant sind bislang Wetter-Apps, was sehr schön verdeutlicht, dass die Wearables nicht 1:1 die Inhalte der Smartphones aufs Smartwatch-Display spiegeln, sondern ein ganz anderes Bild der Nutzung abgeben:

Apps mit Apple Watch-Unterstützung

Im Jahresbericht wird das nicht nur berücksichtigt, dass diese neueren App-Sparten ein Beleg dafür sind, in welchem Maße Apps eine Rolle in unserem Alltag übernehmen. Darüber hinaus hat man auch Virtual Reality, IoT und den Automotive-Sektor im Blick und prognostiziert, dass nicht nur eine Ausweitung der App-Märkte stattfinden wird, sondern auch eine viel größere Vernetzung und Verzahnung untereinander stattfinden wird.

Der Schritt über Smartphones und Tablets hinaus zu Wearables und TV – sowie gerade aufkommenden Möglichkeiten wie VR, Internet der Dinge und Autos – unterstreicht, wie fest Apps im Alltag der Menschen verankert sind. Die Entwicklung von Apps wird weiter voranschreiten, und Nutzer und Entwickler werden neue Wege finden, die Macht der Apps auf anderen bereits verbundenen Gerätekategorien und auf Kategorien einzusetzen, die noch vernetzt werden müssen.

Die Top-Apps und -Unternehmen des Jahres 2015

Wir kommen langsam zum Ende und blicken auf die Top Ten der verschiedenen Kategorien: Welches Spiel war weltweit am angesagtesten, womit wurde der meiste Umsatz gemacht und welche Unternehmen dominieren den App-Markt – das alles könnt ihr den folgenden Tabellen entnehmen. Wir blicken zunächst auf die Top Ten bei den weltweiten Downloads:

Weltweit nach Downloads

Glückwunsch also an Mark Zuckerberg und seine Mannen: Noch vor Google liegt Facebook auf Platz 1 bei den Unternehmen, was die App-Downloads angeht (exklusive Spiele), was daran liegt, dass man bei den erfolgreichsten Apps mit WhatsApp, dem Facebook Messenger, der eigentlichen Facebook-App und Instagram die ersten vier Plätze weltweit belegt. Bei den Spielen liegt das Game Subway Surfers vorne, bei den Unternehmen der Gaming-Riese Electronic Arts vor Gameloft und King. Der Blick auf die Download-Charts für Deutschland enthüllt ein ziemlich ähnliches Bild, wenngleich hierzulande Candy Crush Soda Saga das erfolgreichste Spiel nach Download-Zahlen war:

Deutschland nach Downloads

Wie gewohnt sieht das alles ein wenig anders aus, berücksichtigen wir nicht die Downloads, sondern die erzielten Umsätze. Hier die weltweite Übersicht, bei denen Clash of Clans und das verantwortliche Unternehmen Supercell die Charts dominieren, sowie als App Spotify und als Unternehmen (ohne Spiele) LINE aus Japan: 

Weltweit nach Umsatz

Blicken wir erneut nach Deutschland, dann sieht die Spitze bei den Spielen bzw. Spiele-Unternehmen identisch aus, die Top-Apps präsentieren sich aber komplett anders: Die Dating-App Lovoo befindet sich hier an der Spitze vor Spotify, danach dann folgt die BILD-App. Im letzten Jahr lagen hier Lovoo und Bild vorne, Spotify hat sich da dieses Mal frech dazwischen gedrängt.

Deutschland nach Umsatz

Zum Ende nun blicken wir auf die aktivsten Nutzer pro Monat. Auch da zeige ich euch erst die globale Übersicht, danach kommt zum Vergleich der Blick auf Deutschland. Wie schon in den Download-Charts, dominieren auch bei dieser Betrachtungsweise die Angebote aus dem Hause Facebook:

Weltweit nach aktiven Nutzern
Deutschland nach aktiven Nutzern

Gerade im Vergleich zum Vorjahr ist es interessant zu sehen, dass sich die Trends – Downloads bei Android und Umsätze bei iOS – weiter fortsetzen, sich die Märkte aber generell dennoch verändert haben. Treibende Kräfte sind Länder, in denen der App-Boom mit Verzögerung eingetreten ist, neue Geschäftsmodelle sorgen für neue Boom-Sparten und auch die verfügbare Hardware treibt natürlich die App-Angebote voran. Somit können wir für dieses Jahr mit Sicherheit Trends erkennen, die sich fortsetzen werden, aber wir müssen auch immer Überraschungen einplanen und auch mit Konsolidierungen in verschiedenen Sparten ist zu rechnen.