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Vergesst die Formel 1!
Beeindruckend: die erste Profi-Liga für Drohnen-Rennen

Drohnen-Rennen sind nicht mehr wirklich etwas Neues. Es gibt mittlerweile mehrere dutzend nationale und internationale Wettbewerbe, die im Jahr rund um den Globus ausgetragen werden. Die privaten Treffen von Quadrokopter-Enthusiasten noch gar nicht berücksichtigt. Doch was da momentan im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf die Beine gestellt wird ist wahrlich grandios. Hier schicken sich Drohnen-Rennen an, zur semi-professionellen „Sportart“ zu werden, mit einer echten Liga und national ausgetragenen Wettkämpfen.

Das Prinzip ist allerorten ähnlich. Die Drohnen-Piloten steuern ihre Boliden über ein Headset-Display, das in Real-Time das Kamera-Bild der Drohne überträgt. Bei Spitzengeschwindigkeiten von circa 110 Stundenkilometern geht es dann über einen mehr oder weniger trickreich gestalteten Parcour mit verschiedenen Hindernissen. So müssen z.B. spezielle Konstruktionen durchflogen, andere wiederum umflogen werden.

Schaut euch unbedingt dieses Video an:

Treten mehrere Drohnen gegeneinander an, muss man bei all diesen Manövern natürlich auch den vorausfliegenden oder von hinten herannahenden Konkurrenten „im Auge“ bzw. im Blickfeld der Kamera halten. Im Idealfall hat der Pilot Helfer, die ihm ohne Display über die momentane Situation auf der Rennstrecke auf dem laufenden halten, so dass dieser sich auf den Parcour konzentrieren kann. Dennoch: bei diesen Geschwindigkeiten ist das ein Information-Overkill fürs Auge und Hirn und in diesem Sinne wohl tatsächlich eine sportliche Höchstleistung.

Es gibt verschiedene Events, die mittlerweile die ersten „Superstars“ hervorgebracht haben, welche – in Ansätzen vielleicht nur vergleichbar mit der Skater-Szene der 90er – professionelle Drohnen-Videos drehen und damit entweder als „Sportler“ oder als Auftragsfilmer für z.B. Werbespots regelmäßig Geld verdienen.

Mit der Drone Racing League (DRL) startet nun die nach eigener Auskunft erste richtige Liga in diesem Bereich, und zwar mit hochgesteckten Zielen. Man will, so der Eindruck, die Formel1, NASCAR und MotoGP des internationalen Drohnen-Sports werden – und die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Hinter der Liga stehen einige Venture Capital Firmen und Celebrities, die neben der Publicity und dem Underground-Image wohl vor allen Dingen eines im Sinn haben: Geld. Schaut man sich die ersten Videos an, könnte der Plan aufgehen.

Ein gemietetes Stadion mit einem somit begrenzten Rund bzw. Oval, ein guter Parcour, Hindernisse, die enormen Geschwindigkeiten – das riecht förmlich nach Hype. Wenn hier jetzt noch ein gutes Regie- und Schnitt-Team am Werk ist, die Events live gestreamt werden, dazu Licht und ein paar spektakuläre Crashs (ohne Personenschaden) – das ist eine Cash Cow, 1000%ig.

Technische Probleme bei Drohnen-Rennen

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Momentan sieht man sich allerdings innerhalb der Szene vor allem mit technischen Unzulänglichkeiten konfrontiert. Wir haben im Rahmen der Hyperlapse-Berichterstattung schon einmal kurz angeschnitten, wie schwierig Videos sind, die mehr oder weniger wackelfrei bei hohen Geschwindigkeiten gedreht werden sollen. Nun übertragt diese Problematik auf einen Drohnen-Stream, der in Echtzeit – und dann auch noch per Funksignal – auf dem Display des Piloten angezeigt werden soll. Um das mit den heutzutage möglichen rechenkapazitäten einigermaßen zu schaffen, wird die Videoqualität der Drohnen-Kameras auf ein Mindestmaß reduziert.

Die Drone Racing League (DRL) verfolgt nun einen anderen Ansatz und will ihn vorerst zum Standard machen. Während das Videosignal für den Piloten weiterhin qualitativ reduziert wird und der Mann am Steuerknüppel „da durch muss“, streamt und captured eine zweite HD-Kamera den Flug in hochauflösender Weise. Das Material wird dann ähnlich wie bei der Zusammenfassung einer Sportübertragung aus unterschiedlichen Perspektiven geschnitten und – nicht live, aber zeitnah – aufbereitet übertragen.

Die Nummer wird besonders interessant, wenn man die aktuellen Entwicklungen in puncto Kamera-Technologie im Auge behält. Intels RealSense Technik und damit zusammenhängend kameragestützte Autopiloten und Ausweichmanöver-Assistenten wie bei der Yuneec Typhoon H könnten hier nach strengem Reglement ein Ansatz ein. Dass Intel es hier ernst meint, zeigt auch die kürzlich erfolgte Übernahme des deutschen Drohnen-Spezialisten Ascending Technologies.

Apropos „technische Probleme“: hatten wir Crashs erwähnt? Drohnen-Rennen sind kein billiges Vergnügen, wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt.

Ein besonderer Kick bei solchen Drohnen-Rennen sind die wechselnden Locations. Das o. gezeigte Video entstand im Stadion der Dolphins, das nächste offizielle Rennen soll in einer verlassenen Mall stattfinden. Das sorgt nicht nur für Abwechslung bei den Zuschauern, sondern hebt auch die Ansprüche an die Piloten.

Die DRL ist mit ihren finanzkräftigen Sponsoren bereits der zweite Anlauf für eine solche Liga. Mit den Drone Nationals gibt es weitere Versuche, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen, das wird also noch ein ganz interessantes „Rennen“ auf einer anderen Ebene. Bleibt zu hoffen, dass man sich nicht untereinander bzw. gegenseitig aufreibt und irgendwann ähnlich wie in der Box-Szene mehrere konkurrierende Verbände den Exklusiv-Anspruch auf Weltmeister-Titel oder vergleichbare Trophäen erheben.

Quelle: thedroneracingleague.com via qz.com

Ihr wollt mehr über FPV-Racer wissen? Bei rc-quadrocopter.de findet ihr eine umfangreiche Bauanleitung bzw. Dokumentation, die euch Schritt für Schritt über die benötigten Komponenten informiert.

Auf den Geschmack gekommen? Wir haben noch mehr Videos für euch, z.B. von einem Rennen in einer BBC-Dokumentation:

Wenn ihr völlig Schmerz- und schwindelfrei seid, könnt ihr euch so ein Rennen als Freestyle-Wettbewerb auch mal aus der OnBoard-Perspektive eines Piloten anschauen:

Wenn ihr es zum Abschluß etwas ruhiger, aber nicht weniger dramatisch angehen wollt, dann schaut euch diesen Weltrekord mit 100 Drohnen im Simultanflug bzw. in Synchron-Formation an.

Und woran erinnert uns das alles? Völlig richtig, an das hier:

Was haltet ihr von der Nummer? Könnte das ein Erfolg werden, würdet ihr euch so etwas regelmäßig anschauen? Oder bleibt ihr bei Formel 1, Stock Car Rennen oder evtl. sogar der Formel E? Schreibt es uns in die Kommentare.