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E-Learning in Unternehmen: Von ungenutztem Potenzial und Chancen

Der Hype, der in den letzten zwei bis drei Jahren in Unternehmen rund um das Thema E-Learning gemacht wurde, hat sich gelegt. Zurückgeblieben ist die Erkenntnis: E-Learning bietet Unternehmen für die Fort- und Weiterbildung zahlreiche Chancen und enormes Potenzial - das jedoch nur unzureichend genutzt wird

In den letzten Jahren gingen viele Unternehmen dazu über ihre Mitarbeiter mit Hilfe von E-Learning zu schulen. Allerdings belegen aktuelle Untersuchungen eine unzureichende Akzeptanz im Sinne einer mangelnden Nutzung von E-Learning in Unternehmen.

Mit diesem Statement fassen Oliver Bürg und Heinz Mandl die Ergebnisse Ihres Forschungsberichts zur Akzeptanz von E-Learning in Unternehmen zusammen. Ihr Fazit beschreibt die aktuelle Lage in deutschen Unternehmen – die ich aus eigener Arbeit und aus Gesprächen mit Kollegen ebenfalls kenne – recht treffend..

Der bereits erwähnte Forschungsbericht wertet verschiedene Studien der letzten Jahre aus und zeigt deutlich: Es mangelt in der Regel nicht an technischen Möglichkeiten und Infrastruktur. Doch die vorhandenen Möglichkeiten werden von Mitarbeitern der befragten und analysierten Unternehmen kaum genutzt und werden nur langsam – und teilweise widerwillig – angenommen.

Die Gründe dafür sind – hier stütze ich mich sowohl die Erfahrung von Kollegen, als auch auf Umfragen und meine eigene Erfahrung – vielfältig:

  • Fehlende Einführung und Kommunikation der E-Learning-Systeme in den Unternehmen
  • Zu komplexe Systeme und/oder fehlende Einweisung und Schulung der Mitarbeiter
  • Verordnung der neuen Lernform, keine Einbindung der Mitarbeiter in die Etablierung des E-Learnings
  • Fehlende Vorbildwirkung und fehlendes Engagement der Führungskräfte
  • Keine oder zu geringe Anreize für die Nutzung des E-Learnings

So unterschiedlich diese Aspekte auch sind, eines haben sie alle gemeinsam: Sie haben ihren Ursprung in der – mangelnden – Führungskultur und internen Kommunikation der Unternehmen.

Es gibt gute Ansätze

Dieser Aspekt wird auch im „Leitfaden E-Learning für Unternehmen“ der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. aufgegriffen. Dort heißt es:

Da eine Änderung bzw. der Aufbau einer Lernkultur nicht „verordnet“ werden kann, müssen Unternehmen entsprechende Rahmenbedingungen und Anreizsysteme schaffen die für das selbst gesteuerte, mediengestützte Lernen förderlich sind. Ein hilfreicher Schritt in diese Richtung stellt die frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter in die Planung und Gestaltung der neuen Weiterbildungswelt dar.

Der Leitfaden stammt wohl gemerkt aus dem Jahre 2004! Viel hat sich seit dem leider nicht verändert. Wobei diese Aussage nicht ganz fair ist. Unternehmen wie IBM oder Daimler arbeiten aktiv daran, E-Learning, Blended Learning und andere Lernformen intern für die Weiter- und Fortbildung zu nutzen und die Akzeptanz dieser Lernformen zu erhöhen.

Microsoft könnte mit seinen für Windows 10 vorgestellten Neuerungen – Surface Hub und enge Verknüpfung mit One Note mal als Beispiel genannt – ebenfalls dazu beitragen, dass virtuelle Lernformen in Unternehmen stärker genutzt werden. Bevor es jemand in den Kommentaren erwähnt: Nein, neu sind die Möglichkeiten des Surface Hubs nicht, doch in Kombination mit der neuen Philosophie und Ausrichtung Microsofts, könnten die Neuerungen auch E-Learning in Unternehmen einen entscheidenden Push geben.

Wünschenswert wäre es aus meiner Sicht definitiv. Denn eine stärkere E-Learning-Nutzung in Unternehmen hat das Potenzial, E-Learning auch in Schulen, Hochschulen und Universitäten voranzubringen.

Unternehmen als Turbo für den Bildungsbereich

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Der Grund ist so einfach wie naheliegend: Auch wenn Mitarbeiter des Bildungsbereiches das nicht gerne hören, ist der Einfluss von Wirtschaft und Unternehmen – vor allem auf Hochschulen und weiterführende Bildungseinrichtungen – enorm. Nicht nur beim Bologna-Prozess, sondern auch bei der aktuellen Diskussion um höhere Praxisanteile am Studium – der Deutschlandfunk hatte dazu vor einiger Zeit eine hörenswerte Sendung – spielen wirtschaftliche Interessen eine große Rolle.

Dieser Einfluss ist beileibe nicht immer positiv, könnte für die Entwicklung des E-Learnings jedoch entscheidend sein. Nutzen Unternehmen verstärkt E-Learning-Systeme und Methoden, wird eher früher als später auch die Forderung nach einem stärkeren E-Learning-Einsatz an Hochschulen und Schulen laut werden. Unternehmen werden dann darauf bestehen, dass ihre Mitarbeiter über Erfahrung und Kompetenzen im Umgang mit diesen Lernformen verfügen – und könnten so die Entwicklung des E-Learnings an deutschen Bildungseinrichtungen beschleunigen.

Jetzt kommt ihr: Wird in Eurem Unternehmen E-Learning eingesetzt? Seht ihr noch Potenzial? Wie ließe sich der Einsatz verbessern?

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