apops / fotolia.com

E-Learning für Lehrer: Weiterbildung im Überblick

Tablets, digitale Whiteboards, Laptops, E-Learning-Systeme – die Liste der technischen Hilfsmittel und Ergänzungen für den Unterricht ist lang. Zumindest theoretisch. Praktisch krankt es in vielen deutschen Schulen jedoch nicht nur an der technischen Ausstattung, sondern vor allem auch an der didaktischen Kompetenz der Lehrer beim Einsatz der verschiedenen Möglichkeiten.

Bevor sich jemand aufregt: Das ist kein Vorwurf, sondern lediglich eine Beschreibung der Realität. Eine Beschreibung, die nichts mit der persönlichen Kompetenz des einzelnen Lehrers zu tun hat. Auch Lehrer, die Smartphone, Tablet, Laptop, Videokurse und ähnliche Gadgets und Tools privat intensiv nutzen, können diese deshalb nicht automatisch sinnvoll im Unterricht einsetzen.

Diese Erkenntnis ist auch bei den zuständigen Ämtern und Behörden angekommen. Das Lehramtsstudium geht vielerorts zwar immer noch nicht oder nur sehr ungenügend auf den Einsatz digitaler Medien und Technologien ein – und wenn, dann meist primär im Kontext möglicher Urheberrechtsverletzungen – doch immerhin gibt es Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote für Lehrkräfte.

Weiterbildung für Lehrkräfte: Intrinsische Motivation ist gefragt

In der Praxis haben die meisten Weiterbildungsmöglichkeiten rund um E-Learning und Technikeinsatz für Lehrer jedoch einen gravierenden Nachteil: Sie müssen von Lehrkräften selbstständig und neben ihrer Lehrzeit absolviert werden. Formale Seminare und Fortbildungen gibt es in den verschiedenen Bundesländern und Landkreisen zwar auch, von einem flächendeckenden oder strukturierten Weiterbildungsangebot kann hier allerdings – leider – nicht die Rede sein.

Eine Initiative, die Lehrern den Zugang zu Technik erleichtern soll, ist der MOOC der Universität Hildesheim „Digitales Lernen in der Grundschule„. Der Name sollte Lehrer anderen Schulformen nicht abschrecken: Die vermittelten Inhalte lassen sich durchaus auf Schüler an weiterbildenden Schulen übertragen. Der MOOC endet zwar in absehbarer Zeit, die Inhalte werden jedoch hoffentlich auch im Nachhinein zugänglich sein. Eine Bestätigung dafür steht aktuell noch aus.

Eine gute Übersicht weiterer Fort- und Weiterbildungsangebote rund um das Thema E-Learning bietet auch das LehrCare Blog. Hier werden verschiedene Angebote für Lehrer dargestellt und aufgelistet. Nicht zu vergessen sind auch die Bildungsserver und Bildungsportale der Bundesländer, wie etwa die Seite der Landesakademie Baden-Württemberg, der Niedersächsische Bildungsserver oder der Deutsche Bildungsserver zur Lehrerausbildung.

Die e-Lisa-Academy und das Portal Lehrer-Online verweisen nicht nur auf passende Kurse und Ressourcen, sondern stellen auch selbst Informationen, Tipps und Kurse bereit.

Die Zahl der Informations- und Weiterbildungsangebote ist also durchaus beachtlich, doch sie alle müssen von Lehrern – Stand heute – selbstständig und berufsbegleitend genutzt werden. Und so gut die Angebote teilweise auch aufbereitet sind: Ein angeleitetes Seminar von Lehrern für Lehrer böte sicherlich den größten Lerneffekt und Nutzen.

Weiterbildung für Lehrer: Kompetenz ist unverzichtbar

Das obige Interview – es ist Teil einer Serie, die im Rahmen der 11. Landestagung der InformatiklehrerInnen Mecklenburg-Vorpommerns 2014 entstand – bringt die Bedeutung der Kompetenz von Lehrern wunderbar auf den Punkt. Kompetenz meint dabei nicht nur den Umgang mit Geräten und Systemen, sondern vor allem Sicherheit und Wissen im Blick auf die didaktische Einbindung der technischen Möglichkeiten in den Unterricht.

Natürlich ist das Video – und die gesamte Serie – bis zu einem gewissen Grad auch Werbung für das Projekt Schule-im-Inter.net, einer Software, die für den Einsatz im Unterricht und an Schulen gedacht ist. Doch die Intention und Ausrichtung des Projekts ist meiner Meinung nach unterstützenswert und stellt einen erfrischend praxisnahen Ansatz für die Integration von E-Learning und die Weiterbildung und Informationen von Lehrern dar.

Ja, Lehrer haben auch eine Verpflichtung, sich selbst zu informieren und sich die technischen Grundlagen selbstständig zu erarbeiten. Doch es wäre zu kurz gegriffen, die Verantwortung nur auf sie abzuladen. Auch die Bildungspolitik und das Lehramtsstudium müssen sich der Realität anpassen und die Themen Digitalisierung und Technik Einsatz im Unterricht aktiv angehen. Aktuell hinkt Deutschland hier leider deutlich hinterher.

Bildnachweis: apops by fotolia.com