Wifi Probleme

Digitale Eskalation #2
Fear and loathing in Las WLAN

Drahtlos, grenzenlos, fassunglos. Wenn WLAN-Heimnetzwerke ein Eigenleben entwickeln und Nutzer in den Wahnsinn treiben.
von Achara Rossow am 6. Februar 2015

WLAN. Was hab ich mich gefreut, wie cool fand ich es vor zig Jahren, endlich unabhängig vom Kabel zu sein und ü-ber-all in der Wohnung online sein zu können. Gut, dass meine Leitung damals so schmal war, dass kabelloses Internet meine Frustration in ungeahnte Dimensionen katapultieren würde, hat mir natürlich niemand gesagt – als ich mir stolz wie Bolle den ersten WLAN-Router bestellt habe.

Heute ist das natürlich total anders. Mega-Bandbreiten, High-End-Router und mein Rechner verweigert die Aufnahme eines Netzwerkkabels sowieso schon aus gehäusebaulichem Prinzip.

Kabellos gefesselt

Das muss ja toll werden. Hab ich gedacht. Mein Router hat nämlich keinen Bock. Unauffällig und unschuldig steht er da in meinem Wohnzimmer, tut so, als ob er grenzenlos Daten durchlassen und an meine von ihm abhängigen Endgeräte weitergeben würde. Zumindest solange ich im Wohnzimmer bin. 4 Meter weiter im Schlafzimmer, mit einer offenen Tür dazwischen, bin ich auf meinen Mobilfunkanbieter angewiesen, sofern ich nicht Amok laufen will. Oder auf das Netzwerk meines Nachbarn unter mir. Oder dem darunter. Gehe ich allerdings 4 Etagen runter und auf die Straße (und damit auf die andere Seite einer wirklich wichtigen, ergo auch massiven Wand des Wohnzimmers), bin ich noch ungefähr 500 Meter weiter mit meinem Internet versorgt. In den Wohnungen beider eben angesprochenen Nachbarn übrigens auch. Nur in meinem Schlafzimmer nicht. Dieses Haus ist, wie man unschwer ableiten kann, weder aus Stahlbeton gebaut, noch als faradayscher Käfig konzipiert. Das weiß ich. Der wider besseren Wissens eingesetzte Repeater hat übrigens die beste Arbeit geleistet, als ich ihn wieder abgeschaltet habe, ganz genau wie es sich die Entwickler wohl gedacht haben müssen.

Das wäre ja alleine auch gar nicht so schlimm, wenn es alleine wäre. Ist es aber nicht. Apple TV lässt mich, sofern überhaupt irgendwas geladen wird, nicht länger als 20 Sekunden Netflix gucken. Weil ich dem kleinen schwarzen Kasten nicht eine eigene IP-Adresse im Router zugewiesen habe. Hat mir letztens ein Freund erklärt. Nee, klar. Ich hab ja auch nichts besseres zu tun, als allen Geräten gut zuzureden und es ihnen möglichst bequem zu machen, damit sie funktionieren. Zu viel Last? Ach, ich muss ja auch nicht gleichzeitig fernsehen und surfen, passt schon. Übers Stromnetz wollen wir nicht, weil Devolo stinkt? Kein Problem, ich verlege gerne 50 Meter Kabel GANZ außen rum und bohre Löcher durch Wände. Kann ich sonst noch was für dich tun? STÜCK KUCHEN UND TÄSSCHEN KAFFEE VIELLEICHT?

Aber was jammer ich, es geht ja noch viel schlimmer. Auch in anderen Wohnungen begehren überarbeitete Router auf und versetzen ihre Opfer in Angst und Schrecken. Ein Smartphone surft, ein Tablet versorgt Sonos mit gestreamter Musik, Amazon Fire angeschmissen – plötzlicher WiFi-Tod. R.I.P. Gibt es eigentlich auch Not-WLAN-Aggregate?
Router umgehen und WiFi über die Time Capsule einrichten, Emails abrufen und dann auch noch den Fernseher laufen lassen. SKANDAL! Ab jetzt geht nichts mehr. Für 3 Tage. Mit keinem Endgerät. Und in 3 Tagen nur dann, wenn die Time Capsule für immer abgeschaltet ist und am Router alle Schleusen geöffnet sind. Passwortfrei, versteht sich. Strafe muss sein. Nicht zu vergessen das zuverlässige Versagen des Netzes während der Arbeit – wer da keine kabelgebundene Fallback-Lösung hat, ist selbst schuld.

Es gibt aber auch schöne Dinge, die man mit WLAN machen kann. Zum Beispiel seinem Nachbarn via Airplay den eigenen Desktop auf den Fernseher zu schieben oder versehentlich bei ihm Dokumente auszudrucken. Ohne es zu merken. Also erst wenn das Telefon klingelt und man schallendes Gelächter am anderen Ende hört.

Ok, aber es gibt wirklich schöne Dinge. Zum Beispiel die sonst hartnäckig ignorierte Telefonzelle unten auf der Straße, die 3 Monate lang als Hotspot für die von der Netzwelt abgeschnittenen Anwohner der einzige Weg in die digitale Freiheit war. Oder die poetisch-kreativen Netzwerknamen, die bei einer Fahrt durch ein Neubaugebiet für großartige Unterhaltung sorgen: Hengst33, ErikaundKlausMüllersInternet, Schokofondue, Zuhause, HierSurfenLachenLebenMajaMaxMartinaUndMatthias, DUKOMMSTHIERNETREIN und WorldofLANCraft. Das ist wirklich schön.

Genauso schön wie in eine Plastiktüte zu atmen, während der Router mal wieder neu startet.

Anmerkung von Sascha: Ich denke wir haben bereits die Loesung fuer Acharas Probleme gefunden:

Eero: Smarter Router soll für besseren WLAN-Empfang sorgen