Google IO Titel

Google I/O 2015 – Grosse Langeweile mit 2 Ausnahmen

Die grosse Keynote Parade zur Eroeffnung der Google I/O 2015 brachte vor allen Dingen eines… umfangreiche Langeweile und den ein oder anderen Gaehner im Publikum. Dabei gab es 2 Ausnahmen, die nicht nur sehr smart praesentiert wurden, sondern auch die Welt veraendern koennen.

Android M

Android M kommt erst irgendwann im 3. Quartal und hat dann Features am Start, die wir uns ehrlich gesagt schon ein wenig laenger wuenschen. App Permissions, Chrome Custom Tabs, App Link, Power & Charging und Direct Share. Unser Casi hat das alles mal ein wenig fuer euch aufgelistet und geht dabei eine Ecke mehr ins Detail. Schoene Weiterentwicklungen, aber nichts weltbewegendes.

Da weiss Android Pay in Zusammenarbeit mit einem Fingerabdruck-Sensor schon mehr zu gefallen. Wie bereits Apple Pay, welches im letzten September vorgestellt wurde, hat auch Google ein engmaschiges Netz aus Banken, Retailern, Restaurants und Services wie z.B. Uber geknuepft. Natuerlich erstmal nur in den USA…

Kommt das alles mal nach Deutschland? Sicherlich, fragt sich nur wann.

Der Android Wear Fail

Mal davon abgesehen, dass Sundar Pichai mit einer LG Watch Urbane auf die Buehne kam, so zeigen die beiden anderen Presenter die Moto 360 am Handgelenk und weisen darauf hin, dass es bereits 1500 Watchfaces fuer Android Wear gibt.

Ok und dann…. nun dann zeigen sie den Build von Android Wear den ich auf meiner LG Watch Urbane installiert habe. Da habe ich mir ehrlich gesagt ein wenig mehr erwartet, schade.

Immerhin wurden u.a. mit Foursquare und Uber neue und interessante Apps vorgestellt. „Google call a car“ und schon wird eine Karte mit dem naechsten Uber Taxi eingeblendet. So muss das auch sein und von daher nichts weltbewegendes. Sorry Google, da hauen mich auch die ueber 4000 Apps fuer Android Wear nicht um. Das war sowas von lame, dass ich mich kaum traue, darueber zu schreiben.

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Den Standard fuers Internet of Things setzen

Googles IoT Plattform Brillo ist da schon eine Ecke spannender. Ein minimales Android als OS fuer die IoT Plattformen die da kommen moegen. Dazu Weave als passenden Translator fuer all diese Geraete. Die Kamera, das Tuerschloss, der Sensor zum Messen der Luftfeuchtigkeit. Google moechte hier offenbar einen Standard fuer Entwickler schaffen.

Spannend wird es, wenn eine Plattform auf Brillo basiert oder via Weave kommuniziert. Ein Android Smartphone kann diese dann sofort ansprechen. Das ist gross und vor allen Dingen positioniert sich Google damit gleich mal eben so als Erschaffer einer gemeinsamen Sprache.

„Now on Tap“ – Google Now 2.0

An der Spracherkennung haben sie gefeilt und dabei war diese ja bereits hervorragend. Spracherkennung ist ein fundamentaler Teil der Suche und Google Now und da gibt man nun richtig Gas. Kontext, Kontext und noch ein wenig mehr Kontext. Google Now schiesst da inzwischen den Vogel ab und schiebt mir die passenden Antworten zu, bevor ich ueberhaupt danach gefragt habe. Natural Language Understanding Engine und die Context Engine schaffen hier voellig neue Moeglichkeiten, denn dahinter liegt ja noch der hauseigene Knowledge Graph, der inzwischen 1 Milliarde Dinge und Redewendungen kennt.

Now on Tap“ ist dabei keine neue Bar, die eine hauseigene Biermarke ausschenken will, sondern die Moeglichkeit, direkt aus einer App Google Now aufzurufen und zum Kontext passende Informationen geliefert zu bekommen. Als Beispiel wird eine Email mit dem Film Tomorrowland gezeigt. Ein Druck auf die Hometaste (und halten muss man diese dann auch) werden dann zusaetzliche Informationen zu dem Film eingebunden. Aufgrund des Kontextes der Email hat Now erkannt, dass ich moeglicherweise Infos zum besagten Film benoetige. Wow!

Google Photos, der Flickr Killer

Google Photos sollte es dann ein wenig rausreissen und ganz ehrlich… fuer mich hat es das gemacht. Ich mache Fotos wie ein japanischer Tourist, der „Europa in 7 Tagen“ gebucht hat. Smarte Sortierung, Kontext, Zeitlinie und smarte Suche. Fein, fein, fein Google. Das brauche ich und zwar umgehend!

Dazu noch ein Assistent, der aus Fotos und Videos schicke Filmchen macht. Automatisch und mit Musik unterlegt. Sehr, sehr schick.. Wer die Ergebnisse auch noch teilen moechte, der kann nun ganz einfach einen Link verschicken und der Empfaenger kann all diese Pics in einem schoenen Album anschauen, ohne auch nur eine App zu installieren.

Und das beste daran ist… Google Photos kennt keine Limits und duerfte damit der Konkurrenz richtig einen vor den Bug ballern. User koennen kostenlos bis zu 16MP grosse Fotos und 1080p auf ihrem Google Photos-Konto speichern. Das ist mal ne Ansage!

Das AndroidOne Desaster geht weiter

Und dann kam auch noch AndroidOne. Googles verzweifelter Versuch, sich gegenueber der guenstigen Konkurrenz aus China und Indien zu positionieren. Es hat in den letzten 12 Monaten nicht geklappt und es wird auch in den nächsten 12 nicht geschehen. Das duerfte wohl der Grund sein, warum man diese DOA Plattform noch einmal auf der I/O pitchen muss. Verzeiht mir meine klaren Worte, aber ich bin froh, dass in den sogenannten „emerging markets“ (die es zum groessten Teil gar nicht mehr sind) AndroidOne eher eine untergeordnete Rolle spielt.

Da gefallen mir Anpassungen wie Youtube Offline und die minimalen und kleineren Suchergebnisseiten schon viel besser. Und wie bereits bei Nokia HERE Maps kann man die Google Karten nun auch wirklich offline nutzen, durchsuchen und eine Navigation starten. Alter Hut, aber nun auch bei Google angekommen!

Google Cardboard fuer den Bildungsmarkt

In meinen Augen haben sich die Mountain Viewer das Highlight fuer den Schluss aufbewahrt. Eine neue Version von Google Cardboard und dann auch noch das Cardboard Expedition Kit. Schulen koennen sich eine ganze Ladung der faltbaren VR-Brillen bestellen (die nun Phones bis 6-inch aufnehmen koennen), die dann etwa $20 pro Stueck kosten werden. Dann kann der Lehrer seine Klasse mit auf die „Expedition“ nehmen und die Bilderreihenfolge via Tablet steuern. Richtig schoene Nummer, um den Kids ein „Viewmaster„-Erlebnis aus dem 21. Jahrhundert zu bieten.

cardboard

Die langweiligste I/O Keynote aller Zeiten

Mal davon abgesehen, dass die Mountain Viewer auch eine ganze Menge nuetzlicher Tools fuer ihre Entwickler vorgestellt bzw. angekuendigt haben. Mal fernab der Tatsache, dass Google Photos eine Killer App ist und endlich mal ein Hersteller sich hinstellt und sagt: „Hey, wir wollen einen Standard fuer das Internet der Dinge schaffen“… das war heute alles eine ganz lahme Nummer.

Android Wear war ein schlechter Witz. Android M kaum eine Evolution und schon gar keine Revolution. AndroidOne ist tot bevor es startete und „Now on Tap“ ein schickes Tool, welches man nach einem halben Dutzend Testlaeufen vergessen wird (wobei ich mich da gerne vom Gegenteil ueberraschen lasse).

Jetzt mag der geneigte Android Fanboy fragen, warum ich denn letztes Jahr Apple Pay so abgefeiert habe… Nun, das war halt letztes Jahr und ganz ehrlich, Android Pay musste in der Form kommen. Nahezu ein 1:1 Klon der Infrastruktur aus Cupertino, was ich persoenlich gar nicht so schlecht finde.

Vielleicht bin ich aber auch einfach verwoehnt und haette mir wirklich Loesungen und Ideen im Bereich Automotive, Wearables oder IoT gewuenscht. Ideen, die uns inspirieren. Visionen, die die Tuer in die Zukunft ganz weit aufreissen. Nichts davon hat Google heute wirklich geboten und das war dann letztendlich doch ein wenig enttaeuschend.