IS Propaganda

Google sagt IS den Kampf an: Terror-Propaganda soll verschwinden

Während eine Vortrags vor dem Royal Institute of International Affairs hat sich Googles Direktor Jared Cohen zur Problematik von terroristischem Propaganda-Material im freien Internet geäussert. Cohen sagte, es sei nicht möglich, Organisationen wie den Islamischen Staat daran zu hindern, anonyme Dienste wie TOR oder das sogenannte Dark Web zu nutzen. Man sei aber sehr wohl in der Lage, das verbreitete Material aus dem frei zugänglichen Internet zu verbannen und so die Reichweite erheblich einzuschränken.

Wie viele andere Organisationen hat auch der IS recht früh das Internet für die Verbreitung seiner Botschaften entdeckt. So gibt es nicht nur unzählige Propaganda-Websites im Netz, die das Material der Organisation in Windeseile verbreiten oder entsprechende Inhalte selbst Tag für Tag produzieren – auch die Sozialen Netzwerke wurde in mehreren Wellen gekapert und mit Nachrichten geflutet.

Wer sich länger mit dem Thema beschäftigt, erkennt dahinter ein System. Zum einen erreicht der IS über reichweitenstarke Accounts eine auf der ganzen Welt verteilte Anhängerschaft. Man vernetzt sich untereinander, teilt die Beiträge der anderen und knüpft so ein breit gefächertes Informationsetz, in dem sich neue Nachrichten in Windeseile verbreiten.

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Zum anderen ist man irgendwann dazu übergegangen, populäre – auf den ersten Blick völlig unverfängliche – Themengebiete zu besetzen bzw. zu kapern, um in einem zweiten Schritt die Aufmerksamkeit neuer Anhänger zu gewinnen. In den zurückliegenden Monaten war z.B. bei Twitter zu beobachten, wie tagesaktuell „trendige“ Hashtags von kleinen und großen IS-nahen Accounts aufgegriffen wurden, um im Windschatten dieser sich schnell und in großer Anzahl verbreitenden Beiträge das eigene Propaganda-Material unterzubringen.

Die Organisation macht sich hier ähnlich wie ein klassischer Viagra-Pillen-Spammer technische Unzulänglichkeiten der Social Media Plattformen zu Nutze. Über von der Organisation selbst programmierte Bots wird eine manuell nicht mehr zu kontrollierende Flut an Nachrichten erzeugt, die von Facebook, Twitter & Co. eigentlich aussortiert werden müssten, da sie nichts mit dem ursprünglichen, nun gekaperten Thema zu tun haben. Werden diese eigentlich völlig irrelevanten Nachrichten dann auch noch von den untereinander gut vernetzen „echten“ Accounts verteilt, versagen die Filter endgültig und die Botschaften verbreiten sich völlig ungehindert.

Hinzu kommt, dass sich die us-amerikanischen Internetunternehmen eigentlich allesamt das Thema „Free Speech“ auf die Fahne geschrieben haben und sich weitestgehend aus jeder politischen Diskussion heraushalten wollen. Das betrifft nicht nur das Thema internationale IS-Propaganda, mit dieser grundsätzlichen Position und Rechtsauffassung der Unternehmen durften wir in den vergangenen Monaten auch in Deutschland unsere Erfahrungen machen, wie die nie gelöschten Hass- und Hetz-Kommentare über Flüchtlinge belegen.

Schützenhilfe bekamen die Sozialen Netzwerke in der Zwischenzeit ausgerechnet von ganz unerwarteter Seite. Als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris sagte das Hacker-Kollektiv Anonymous dem IS den Kampf an und greift dabei offenbar auch auf die eigenen Kontakte und Erfahrungen im Dark Net und vergleichbaren geschlossenen Gruppen zurück. Identifizierte IS-Accounts mit Propaganda-Material werden seitdem in Listen gesammelt und z.B. an Twitter gemeldet, die dann – für viele überraschend – recht zügig reagieren und die Benutzer kurzerhand aussperren.

In diese Richtung gehen bemerkenswerterweise auch Cohens Ausführungen. Man müsse, so der Direktor von Google Ideas, dafür sorgen, dass die terroristischen IS-Accounts so schnell entfernt würden wie sie eröffnet wurden, um alle Kontaktversuche der Organisation im öffentlichen Netz zu unterbinden. Nur so sei es möglich, auch dem Mythos von der Größe der Organisation ein Ende zu bereiten. Nach Cohens Ansicht existiere hier nämlich eine Blase, welche den IS wesentlich größer erscheinen lasse als er tatsächlich sei.

Nun wäre Google nicht Google und der Think Tank „Ideas“ seinen Namen nicht wert , wenn man über das Abschalten von Accounts hinaus nicht auch andere Ideen für einen Kampf gegen das verbreitete Propaganda-Material hätte. Eine dieser Ideen könnte so simpel wie effektiv sein: über spezielle Algorithmen könnten z.B. neben als Propaganda identifizierten Tweets, Facebook-Beiträgen oder Google-Suchanfragen „Werbeanzeigen“ für eine alternative Weltanschauung oder für Informationsbroschüren über die Gefahren des IS angezeigt werden. Dann würde man – so die Hoffnung – auch die jetzigen Anhänger der Organisation genau da erreichen, wo man sie am besten trifft – im Netz.

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Quelle: chathamhouse.org via theguardian.com