visu

Smart Home
Hausautomation How-To: KNX & Co. in den eigenen vier Wänden

Wer heute in das Thema Smart Home einsteigen will, hat die Qual der Wahl. Inzwischen gibt es mehr als nur eine Handvoll Hersteller und Systeme. Hat man sich schon vor ein paar Jahren für das Thema interessiert, war es mit den Informationen zu dem Thema im Netz schwierig.

Der folgende Artikel ist von David Zimmermann. David ist Wirtschaftsinformatiker und in seiner Freizeit leidenschaftlicher Hausautomatisierer. Technische Gadgets in jeglichen Ausführungen begeistern Ihn ebenso, wie auch die gesamte Bandbreite an leistungsstarken Autos. In seinem Eigenheim verrichtet eine Lösung aus KNX, enocean und Z-Wave seine Arbeit.

Hausautomation – was ist das, wie funktioniert es und wieviel Komfort ist mit einer intelligenten Gebäudesteuerung erreichbar? Diese Frage stellte ich mir vor ca. 7 Jahren in Verbindung mit dem anstehenden Bau unseres Einfamilienhauses. Vorbelastet durch meinen Beruf und meine Leidenschaft zur Technik und Automatisierung, habe ich eine gewisse Affinität zu „smarten“ bzw. „intelligenten“ Lösungen. Ein „Smarthome“ musste also unbedingt her.

Aller Anfang ist schwer

Total blank auf dem Gebiet der Gebäudeautomation versuchte ich mich über verschiedene Quellen zu informieren. Vor 7-8 Jahren hatten zwar die meisten schon mal von „Homeautomation“ gehört, aber nur wenige hatten es gerade im privaten Sektor im Einsatz. Hier und da mal ein „Geek oder Freak“ bzw. jemand, der das nötige Kleingeld hatte. In der Industrie hingegen wurde es bereits als Standard eingesetzt. Sicher gehen die Anfänge dieser Systeme auf Anfang der 90er zurück, aber wie ihr auch am Umbruch von Mobilegeeks und der ganzen Industrie merkt, geht es erst jetzt in 2014/2015 für den privaten Sektor richtig los. Es wird augenscheinlich immer massentauglicher. Als Begriff bekannt war mir persönlich damals vorwiegend EIB/KNX. Daher lag es auf der Hand, meinen Fokus auf diesen Standard zu richten. Sicherlich auch begründet durch den kompletten Neubau eines Hauses und der damit verbundenen Möglichkeit das Vorhaben kabelgebunden umzusetzen.

Die Recherche im Internet war mein Mittel Nr. 1. Was ist KNX überhaupt? Was kann es und wie funktioniert es? Welche Möglichkeiten bieten sich in der Erweiterung des Systems? Welche Schalterprogramme gibt es? Ich möchte hier nun nicht zu tief einsteigen; das kann man zu genüge u.a. auf knx.org oder Wikipedia nachlesen. Ein kleiner Einblick in den Aufbau bzw. die Technik kann aber nicht schaden.

KNX – die Technik

Ein KNX System zur Gebäudeautomation ist ein vom herkömmlichen Stromnetz physisch abgekoppeltes Steuerungsnetz. Netz ist hierbei in meinen Augen allerdings nicht die ganz richtige Bezeichnung, da es sich um eine Linie bzw. mehrere Bereiche/Linien zusammengeschlossen über Linien- und Bereichskoppler handelt (bei größeren KNX-Systemen). Und mit der Linie verhält es sich wie mit der Wurst – sie hat zwei Enden. O.K., nicht ganz zu vergleichen, da es auf der Hauptlinie auch mehrere Verzweigungen geben kann. Wichtig ist aber, dass es keinerlei Querverbindungen zwischen den einzelnen Verzweigungen gibt.

Quelle: knx.org
Quelle: knx.org

In einer Linie können 256 Geräte bzw. > 65.000 Geräte über alle Linien und Bereiche hinweg in einem KNX-System bestehen. Für ein Standard Einfamilienhaus reicht in der Regel aber eine bzw. zwei Linien völlig aus. So ein System der Gebäudeautomation sieht über alle Systemvarianten hinweg i.d.R. immer gleich aus. Es besteht aus den sogenannten Teilnehmern, den Sensoren und den Aktoren. Hinzu kommt dann ggf. noch eine Art zentraler Verwalter und/oder ein logischer und visueller Umsetzer (= Server).

 

Quelle: knx.org
Quelle: knx.org

Jeder KNX Teilnehmer erhält bei der Installation und Inbetriebnahme eine eindeutige Gruppenadresse. Diese besteht je nach Aufbau des Projekts aus zwei oder drei Teilen. Der Hauptgruppe (0-15) und der Untergruppe (bei zwei Teilen 0-2047 und bei drei Teilen aus 0-255) sowie bei dreiteiligen Gruppenadressen zusätzlich aus der Mittelgruppe (0-7).

Ein Schema zur Einteilung der Gruppen kann also z.B. so aussehen:

  • Hauptgruppe = Geschoss/Etage
  • Mittelgruppe = Gewerk (Heizung, Licht, …)
  • Untergruppe = Funktion für Verbraucher oder Verbrauchergruppen (Licht Küche, Fenster Schlafzimmer usw.)

Diese Aufteilung beruht auf einer von vielen Möglichkeiten, Struktur in sein Projekt zu bringen. Die Einteilung kann völlig frei gewählt werden. Die Adresse eines Temperatursensors könnte also z.B. 1/2/0 sein und die eines beliebigen anderen Teilnehmers 1/3/18. Es gibt dann noch ein paar Besonderheiten, welche Adressen wie vergeben werden dürfen, aber das sprengt eindeutig diesen Artikel.

Quelle: knx.org
Quelle: knx.org

Die Einrichtung eines KNX-Projekts stellt auch schon die erste Hürde dar. Für den Aufbau, die Programmierung und Erfassung der Busteilnehmer ist die Software ETS notwendig. Diese Software erhält man in verschiedenen Lizenzmodellen, wobei je nach Anzahl der einzusetzenden Geräte aktuell bis 1.000 EUR für die Professional Lizenz fällig werden.

Sind schlussendlich alle Busteilnehmer im Projekt erfasst, müssen diese natürlich auch physisch installiert sein. Die Installation bei KNX geschieht über ein zwei- oder vieradriges Kabel, welches die Linie abbildet. Für den Betrieb selbst ist nur ein Adernpaar notwendig. Dafür nutzt man meist die rote und schwarze Ader des KNX-Kabels. Falls vorhanden, kann das andere Paar für eine ggf. notwendige zusätzliche Spannungsversorgung genutzt werden. Die Geräte selbst sind so ausgelegt, dass eine Weiterverkabelung möglich ist. So kann die Linie fortgeführt oder eben eine Abzweigung gebildet werden.

Quelle: knx.org
KNX Kabel
Quelle: knx.org

Nun fehlt noch die Programmierung und somit die softwareseitige Integration in den KNX-Bus. Dazu gibt es einen Programmierknopf o.ä. am Gerät, um dieses in den Installationsmodus versetzen zu können. Anschließend wird über die ETS die Gruppenadresse und das Applikationsprogramm auf den Busteilnehmer gespielt. Das Applikationsprogramm enthält gerätespezifische Parameter. Bei einem Taster sind das die einzelnen Wippen/Taster, die man z.B. als Jalousietaster oder normalen Taster belegen kann. Die ETS kann über verschiedene Wege mit dem Bus gekoppelt sein. Das kann über eine serielle Schnittstelle, eine USB-Schnittstelle oder auch über ein KNX IP Interface geschehen. Auch Softwarelösungen können eine Anbindung zur Verfügung stellen (Homeserver, eibd,…).

Quelle: knx.org
ETS5
Quelle: knx.org

 

Kommunikation zwischen den Busteilnehmern

Busteilnehmer senden definierte KNX-Telegramme. Diese enthalten u.a. die Quell-Gruppenadresse und natürlich den zu übermittelnden Wert. Das Telegramm wird also von einem Teilnehmer abgesandt und jeder weitere angeschlossene Teilnehmer überprüft, ob es von dieser Meldung betroffen ist, d.h. darauf programmiert wurde, auf diese Gruppenadresse zu reagieren. Der erwähnte Temperatursensor sendet nun also die gemessene Temperatur auf die Linie und ein Heizungsaktor nutzt diese Information, um damit dessen Stellgröße für die zuständige Raumheizung zu verändern. Weiter könnte zusätzlich auch ein Raumtemperatur-Controller (RTC) die Temperatur auf dem vorhandenen Display anzeigen. Und weil die Temperaturwerte auch in einem schönen Diagramm visualisiert werden sollen, greift sich auch die Logik- und Visualisierungsinstanz (z.B. ein Gira Homeserver, ein openHAB oder FHEM Server usw.) die Daten ab, speichert die Informationen in einer zugrundeliegenden Datenbank und stellt die gesammelten Werte über eine gewisse Periode in einer Grafik dar.

Diagramm

 

Meine Komponenten

Nach diesem Exkurs möchte ich wieder an meine eigentliche Geschichte anknüpfen. Gerade auf Basis KNX gab es also bereits einige größere Communities, die sich mit Gebäudeautomation beschäftigten. Das KNX-User-Forum war und ist beispielsweise eine gut besuchte und informative Quelle. Es gibt aber noch eine Menge anderer guter Seiten, die heute Informationen zu diesem Thema bereithalten. Des Weiteren hatte ich die Möglichkeit, mich im Vorfeld von einem Vertreter für KNX von Gira direkt beraten zu lassen. Dabei ging es tatsächlich nicht um die von Gira bereitgestellten Produkte, sondern um KNX als Ganzes. Die Summe an neuem Wissen versuchte ich schlussendlich in die Planung meines KNX-Systems einfließen zu lassen. Dies gestaltete sich nicht ganz so einfach, da wir mit einer Fertighausfirma bauten (mit welcher wir übrigens sehr zufrieden waren). Fertighaus bedeutet in vielen Fällen „alles aus einer Hand“. Diesen Grundgedanken wollten wir auch auf die Elektrik ausdehnen. Trotz aller Planung (ich habe sogar ein mehrseitiges Lastenheft geschrieben – dumme berufliche Angewohnheit) und Bemühungen war es ein sehr schwieriges Unterfangen, da die Elektrofirma einige 100 km weiter weg Ihren Sitz hatte. Schnell musste ich erkennen, dass dies nicht die Königslösung war. Ohne persönliche Beratung wird es nur halb so gut funktionieren. Das Schlüsselerlebnis hatte ich dann, in dem ich über das KNX-User-Forum das Angebot eines Users bekam, mir dessen Installation ganz in meiner Nähe anzusehen. Später stellte sich dann heraus, dass derjenige selbst Elektriker ist und sich die letzten Jahre auf KNX-Systeme & Co. spezialisiert hatte.

Ohne dass zu diesem Zeitpunkt einer von uns beiden überhaupt erahnen konnte (alles war ja noch mit dem Elektriker des Fertighausherstellers am Laufen), dass dieses Treffen in einer Zusammenarbeit münden würde, hatte er sich sehr viel Zeit genommen.

Die „Freude am Thema“ reichte hier vollkommen aus. Wenn sich dann zwei Geeks gefunden haben, macht es natürlich noch viel mehr Spaß. All das veranlasste mich schlussendlich, die Reißleine zu ziehen und den Umfang des Elektrikers aus dem Vertrag mit dem Haushersteller rauszunehmen. Neutral betrachtet, hätte es nicht besser laufen können.

Jetzt musste es allerdings Schlag auf Schlag gehen. Der Zeitplan war schon fortgeschritten und wir hatten uns dem Masterplan des Herstellers zu fügen. Wir konnten zwar den Großteil der bisherigen Planung dank meiner Vorbereitungen ganz gut übernehmen, aber hier und da kamen doch noch ein paar Änderungen dazu. Im Fall eines Fertighauses hat man eben nur bedingt die Möglichkeit, während der Rohbauphase noch entsprechend Veränderungen einzubauen. Eine gute Vorbereitung ist da sehr entscheidend. Am Ende kamen folgende KNX-Komponenten für die Erstinstallation zusammen:

  • Lichtsteuerung/Steckdosen
    • 7 x 8-fach Schaltaktoren mit Stromerkennung
    • 1 x 8-fach Binäraktor
    • 4 x 2-fach Dimmaktor
  • Jalousie/Rollos/Markise
    • 2 x 8-fach Jalousieaktor
  • Fenster
    • mehrere Tasterschnittstellen
  • Heizung
    • 2 x Heizungsaktor
    • mehrere Binäreingänge zur Ankopplung von Bodentemperatursensoren
    • 9 x RTC (Raumtemperatur-Controller)
  • 7 x Rauchmelder
  • mehrere sonstige Schaltaktoren
  • Fingerprint/Klingel
  • Wetterstation
  • Spannungsversorgung, Linienkoppler & Co.
  • Gira-Homeserver zur Visualisierung und zur Logikverarbeitung

Das war er also – der Einstieg in die Gebäudeautomation! Klar wurde bei dieser Anzahl an Komponenten der Geldbeutel etwas strapaziert, aber was tut man nicht alles, um sein Technikherz zu begeistern.

In Summe war es aber um einiges günstiger als über den ursprünglich geplanten Elektriker – was vermutlich keinen wirklich wundert. Allerdings möchte ich hier keinen falschen Eindruck vermitteln. Es kommt immer darauf an, welche Ansprüche man verwirklichen möchte. Betrachtet man im Vergleich das Schalten von Licht und Rollos per KNX zu einer herkömmlichen Installation, so wird der Kostenfaktor nicht ausschlaggebend für die Entscheidung sein. Baut man das ganze allerdings aus, kann man dann gut und gerne auch einen Kleinwagen und mehr davon finanzieren.

Die Installation ist wie im Technikteil erkennbar recht einfach, vorausgesetzt man hat die Möglichkeit, die Strippen zu ziehen. Der klassische Aufbau sieht dann also so aus, dass die einzelnen Steckdosen, ein Raum oder die einzelnen Lichter – besser gesagt, alle Stromversorgungsleitungen – in einem zentralen Verteiler zusammenlaufen. Daher ist auch der Deckendurchbruch etwas großzügiger zu planen als bei einer herkömmlichen Elektroinstallation. Dort sitzen dann die Aktoren. Diese schalten auf Anforderung Strom auf die Leitung und es werde Licht. Natürlich können Aktoren auch anderweitig untergebracht werden. Da gibt es natürlich ebenso keine Grenzen. In diesem Fall ist nur wichtig, dass die Stromversorgung immer über einen systemseitig ansprechenden Aktor ausgelöst wird und nicht direkt durch den mechanischen Schalter und einer damit verbundenen Stromüberbrückung.

Deckendurchbruch
Deckendurchbruch
KNX Aktoren
KNX Aktoren

 

Gira Homeserver

Wer jetzt trotz des zwischengeschobenen technischen Exkurses meine Geschichte bis hierher gelesen hat, dem möchte ich noch einen kleinen Einblick in die Arbeit mit dem Gira Homeserver geben.

Gira Homeserver
Gira Homeserver

Der Homeserver selbst ist ein auf 24/7 ausgelegter kleiner Linuxserver zur Erweiterung des KNX-Systems mit einer sehr mächtigen logischen Instanz inkl. der Möglichkeit, verschiedene Visualisierungen darstellen zu können. Diesen Server lässt sich Gira allerdings fürstlich bezahlen. Über die kostenlose „Experten-Software“ lassen sich alle notwendigen Einstellungen, Logiken und Visualisierungen aufbauen und auf den Server übertragen.

Experte
Experte

Homeserver-Funktionalitäten:

  • iETS Zugriff
  • Visualisierungen (http, über Quadclient und Apps für Android und iOS auch nativ)
  • E-Mail-Versand, SMS und Anruf
  • FTP Zugriff
  • eigene Schnittstelle (KO-Gateway) zur Interaktion mit dem Homeserver/KNX-Objekten
  • SNMP
  • ISDN-Schnittstelle und Telefonbedienung
  • AGFEO-Telefonanlagenkopplung und Gira TKS-IP-Gateway
  • IP-Kameraintegration
  • Zeitschaltuhren/Urlaubskalender
  • Diagrammdarstellungen
  • Sprachansagen
  • externe Schaltlisten (per Datei zur Verfügung gestellte Gruppenadressen, die zu bestimmten Zeitpunkten geschaltet werden sollen)
  • Szenenabbildung (Lernen und Ausführen von Teilnehmerzuständen)
  • Sequenzen (Befehlsketten)
  • Anwesenheitssimulation
  • Datenarchive
  • KNX-Monitor (Loggen von Telegrammen)
  • Empfang und Senden von IP-Telegrammen (TCP/UDP)
  • Auswertung von Webseiten (http-Quelltexten)
  • Wake on LAN
  • so ziemlich alle erdenklichen Logiken, die mit der Programmiersprache python erschlagen werden können

Schnittstellen

Der Homeserver selbst besitzt verschiedene physische Schnittstellen. Dazu zählen – wie oben erwähnt – eine ISDN-Karte, die es dem Homeserver ermöglicht, Anrufe zu tätigen bzw. auch über das Telefon Befehle entgegenzunehmen. Weiter dient diese Schnittstelle natürlich auch dem Versand von SMS. Zur Anbindung an den Bus kann die integrierte FT1.2 Schnittstelle, ein USB Interface oder auch ein KNX IP Router verwendet werden.

Kommunikationsobjekte

Zur Steuerung aller genannten Funktionen werden Kommunikationsobjekte (KO) benötigt. Diese können sowohl aus den KNX Teilnehmern – also den Gruppenadressen – bestehen, als auch aus internen Objekten, die nur der Homeserver kennt. Die Gruppenadressen können einfach über einen Export aus der ETS Software in den Homeserver importiert werden. Zur Verarbeitung von logischen Abläufen oder zur Darstellung diverser errechneter Werte und Schaltzustände, müssen diese als internes KO definiert werden.

KO

Visualisierung

Zu einer ausgebauten Gebäudeautomation gehört auch ein Zugriff per PC, Tablet oder Smartphone. Hierfür bietet der Gira Homeserver verschiedene Möglichkeiten. Zum einen eine relativ schnell zusammengebaute Oberfläche mit vier zur Verfügung stehenden Quadranten. Daher auch der Name „Quad-Client“. Hier ist man allerdings bzgl. Visualisierung & Co. etwas eingeschränkt. Die echte „Männervisu“ wie sie umgangssprachlich in der Szene genannt wird, ist eine auf http basierende Visualisierung, welche allerdings auch etwas komplizierter aufzubauen ist (Stichwort xxAPI). Dafür ist der Freiheitsgrad entsprechend hoch.

Quelle: gira.com
Quadclient
Quelle: gira.com

 

visu

 

Grafischer Logikeditor

Zur Verarbeitung von logischen Abläufen stehen dem Homeserver verschiedene Bausteine zur Verfügung. Diese Bausteine bestehen aus Eingangsboxen, dem Logikbaustein und einer Ausgangsbox. Die Eingangsbox enthält daher die KOs, mit dessen Werten man die logische Verarbeitung durchführen möchte bzw. die für diese der Auslöser sind. Die Logikbausteine beinhalten eine ganze Menge bereits vordefinierter Umfänge (mathematische Bausteine, Filter, Zeitfunktionen, Zähler usw.). Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eigene Bausteine zu erstellen bzw. über dritte diese zu kaufen. Viele sind auch kostenlos in den Communities erhältlich. Das Erstellen von eigenen Bausteinen erfordert allerdings die Kenntnis der Bausteinstruktur und auch die der Programmiersprache „python“.

Logik
Logik

Sind die Daten einmal im „Experten“ definiert, können diese an den Homeserver übertragen werden. Das dauert je nach Größe des Projekts ein paar Minuten und der ganze Homeserver wird dafür immer neu gestartet. Das ist ein wenig nervig beim Gira Homeserver. Leider ist auch die nutzbare Speichergröße nicht gerade überdimensioniert. Für mein Projekt nutze ich aktuell ca. 50% der vorhandenen 25 MB(!) meines Homeserver 3.

Was macht eine Logik „smart“ bzw. „intelligent“?

Ich denke, es ist schwierig hier eine klare Definition zu treffen, was eine intelligente Umsetzung ist und was nicht. Für mich persönlich definiert sich „smart“ und „intelligent“ einfach schon dadurch, dass eine gewisse Konstellation von Zuständen der Auslöser für einen anderen Zustand ist. Das können ganz einfache Umstände sein, aber auch sehr komplexe. Hier merkt man schon, dass man es sehr unterschiedlich auslegen kann, in welche Schublade man die Dinge stecken möchte.

Praxisbeispiele

Interessiert man sich für Gebäudeautomation bzw. recherchiert man ein wenig, findet man eine ganze Menge an umsetzbaren Beispielen. Je nach vorhandenen Sensoren und Aktoren sind dem Smarthome so gut wie keine Grenzen gesetzt. Nachfolgend ein paar einfache Beispiele aus meiner Installation.

  • Ich nutze z.B. die regelmäßige Auswertung einer per http erreichbaren Wetterstation in meiner Umgebung, um die dort erfasste Regenmenge auszulesen, da ich selbst keinen Regenmengenmesser an meiner Wetterstation besitze.
  • Steuerung von diversen Geräten mit eigener API:
    • Klingelt jemand unter Abwesenheit an unserer Haustür, fordere ich die Kamera auf, ein Bild zu machen und es mir direkt per Mail zuzusenden. Ich könnte mich auch von der Kamera anrufen lassen und direkt mit dem Besucher kommunizieren.
    • Schalten von Netzwerksteckdosenleisten
    • Schalten von Fritz Dect200 Smart Home Steckdosen
    • Abfragen der Fritz Dect200 Stromwerte
  • Rollos fahren automatisch nach Dämmerungswert runter.
  • Ist eine Terrassentür geöffnet, wird dort der Rollo nicht runtergefahren, da wir vermutlich draußen chillen.
  • Der Dämmerungswert löst zusätzlich aus, dass div. Außenbeleuchtungen eingeschaltet werden, allerdings nur wenn ich diese über die Visualisierung freigegeben habe. D.h. ich kann immer genau festlegen, welche Beleuchtung automatisch schalten soll.
  • Werden die Rollos runtergefahren und der Stromverbrauch am Fernseher zeigt, dass dieser aktiv ist, wird automatisch die Fernsehbeleuchtung eingeschaltet (auch nur, wenn nicht andere umliegende Lichter eingeschaltet sind).
  • Durch das Öffnen der Haustür mit dem Fingerprint schalte ich bei Dunkelheit (Rollos sind unten und sonst ist kein Licht in den umliegenden Räumen an) automatisch das Flurlicht ein.
  • gängige Anwesenheitssimulation mit Urlaubskalender
  • automatischer Upload zu einem FTP der Strom- und Wetterdaten
  • Geöffnete Fenster schalten automatisch die Heizleistung des Raumes nach unten.
  • diverse Alarmsteuerungen (auf die ich nicht näher eingehen werde J)
  • Treppenhauslichtfunktionen (Timer schaltet Licht automatisch nach Ablauf der Zeit aus)
  • Das Betätigen der Klingel und des Fingerprints werden in Meldearchive geschrieben (lässt sich dann immer gut nachvollziehen, wann man heimgekommen ist).
  • Rauchmelder melden entsprechend wenn sie auslösen oder wenn die Batteriespannung zu gering ist.
  • Sind die Rollos geschlossen, gehen diese automatisch hoch, sobald ein Rauchmelder auslöst und das Licht wird eingeschaltet.
  • Werte des Stromzählers (Tages-, Wochen-, Jahresverbrauch) werden mitgeloggt und in Diagrammen dargestellt.
  • Wetterdaten wie Temperatur und Wind werden für Diagramme aufbereitet
  • Pro Tag werden die Regenzeiten und -dauer erfasst

Die Liste könnte man noch ewig weiterführen. NFC, Geotagging usw. können weitere Bestandteile eines Smarthomes sein.

Gegenwart/Zukunft meines Systems

Mittlerweile gibt es einige sehr gute und vor allem kostengünstige Lösungen. In den vergangenen Jahren sind daher ein paar zusätzliche Sensoren und Aktoren in mein Projekt geflossen, die ich nicht mehr ausschließlich per KNX realisieren konnte und wollte. Hierzu zählen Dinge wie Philips hue LED Lampen, die oben erwähnten Netzwerksteckdosen von Energenie und AVM Fritz Dect200, viele Sonos Lautsprecher und die Anbindung der direkten Steuerung der Heizungseinstellungen per Gateway. Weitere batterielose Schalter, Fenster-/Türkontakte und Rauchmelder von enocean, die ich per KNX enocean Gateway mit meinem KNX System verbunden habe. Diverse Z-Wave Geräte wie weitere Türkontakte und Bestandteile der Alarmanlage bis hin zu Bewegungssensoren, Rauchmelder und Garagentorsensoren erweitern zusätzlich das vorhandene Portfolio unseres Eigenheims.

Auch im Bereich der Logikserver habe ich weitere persönliche Versuche unternommen. Angefangen über den Einsatz von FHEM mit eibd, smarthome.py mit der smartVISU, einer Zipabox von Zipato bis hin zu meiner aktuell zusätzlich im Einsatz befindlichen Lösung durch openHAB auf einem Intel NUC. Mit letzterem verbinde ich auch das Z-Wave System mit meinem KNX System.

Persönlich bewundere ich vor allem die kostenlosen Lösungen (openHAB, FHEM, smarthome.py/smartVISU), da in diese viel Energie einer jeweils großartigen Community einfließt. Sicherlich ist hier ein wenig mehr Bastelarbeit notwendig. Sobald die Systeme allerdings aufgesetzt und in Betrieb genommen wurden, ist der Aufwand von neu zu integrierenden Objekten um einiges einfacher als in z.B. dem Homeserver (meine persönliche Meinung). Darüber kann ich – falls gewünscht – bei Gelegenheit in einem weiteren Artikel ein paar Worte verlieren.

Sonstige Erweiterungen von Hardware sind vorerst nicht geplant, aber das ändert sich bei mir immer ganz schnell.

Fazit

KNX ist und bleibt für mich der Klassenprimus innerhalb der Gebäudeautomationslösungen (zumindest aus den Bereichen, die ich bislang testen konnte). Es ist vergleichsweise einfach einzurichten und durch den kabelgebundenen Einsatz extrem robust und stabil. Kabellose Nachrüstlösungen sind allerdings bei vielen Bestandteilen ein wenig günstiger.

Im Bereich der Logik und Visualisierung würde ich persönlich – Stand heute – nicht mehr auf den Gira Homeserver setzen. Hier wäre aktuell openHAB in Verbindung mit einem netten kleinen Mini-PC die Lösung meiner Wahl. Hier sprechen wir dann auch von ca. 1/10 der Anschaffungskosten. Auch wenn die VISU out of the box nicht ganz so mächtig und schön anzusehen ist, ist sie völlig ausreichend.