Prof. Rupert Stadler, Chairman of the Board of Management of AUDI AG.

Ausblick in die Zukunft
Interview: Rupert Stadler gibt Ausblick auf Audis Zukunft

Ein Interview mit Rupert Stadler ganz nach meinem Geschmack. Unter uns? Ich mag den Stadler ganz gerne, er zeigt sich sehr offen, ist umgänglich, scheint keine Starallüren zu kennen und legt auch gerne mal sein Jacket zur Seite. Viel Spaß mit dem Interview:

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der AUDI AG, hat im Rahmen des diesjährigen Genfer Automobilsalons meine Fragen beantwortet. Der sympathische Bayer übernahm dieses Amt im Jahr 2007 von Martin Winterkorn, dem designierten Vorstandschef von Volkswagen. Der Betriebswirt Stadler ist seit 2010 zudem Mitglied des Vorstands von VW und bekleidet darüber hinaus noch weitere Mandate.

So ist Stadler Mitglied des Aufsichtsrats der Porsche Holding, Präsident des Verwaltungsrats von Lamborghini, Mitglied des Verwaltungsrats bei Italdesign, Mitglied des Aufsichtsrats des Rekordmeisters FC Bayern München und hält Vorlesungen als Honorarprofessor an der Universität St. Gallen. Mir ging es aber nicht um eine dieser Firmen, sondern um die Zukunft bei Audi.

Stratmann: Herr Stadler, die Fans liebten und lieben den Audi A2, der zur Zeit mit keinem aktuellen Modell vertreten ist. Jetzt erscheint der Audi Q2. Bedeutet das ein mögliches Comeback für den Audi A2?


Stadler: Unsere Nomenklatur lässt noch Raum für einige interessante Modelle. Seinerzeit war das Fahrzeugkonzept des A2 mit seiner hohen Sitzposition sehr avantgardistisch. Eine solche Sitzposition bietet Audi heute mit seinen SUV. Der Trend zu SUV wird in allen Klassen zunehmen. Für die Zukunft müssen wir beobachten, wie es in den Welt-Metropolen weitergeht. Sollte die Kundschaft vermehrt nach einem Audi A2 und dessen Konzept fragen, müssten wir prüfen, ob so ein Fahrzeug sinnvoll realisierbar ist.

Prof. Rupert Stadler, Chairman of the Board of Management of AUDI AG, in front of the new Audi Q2.

Stratmann: Herr Stadler, welche Wichtigkeit hat die Konnektivität im Auto für Sie?

Stadler: Wissen Sie, was meine erste Handlung morgens ist, wenn ich ins Auto steige? Ich warte darauf, dass sich das Handy mit dem Auto verbindet und das Navi loslegt. Das kann mir gar nicht schnell genug gehen, was jedoch nicht an unserem Infotainmentsystem liegt , sondern ganz einfach daran, dass die Rechenleistung generell noch nicht vorhanden ist. Gemäß des „Moorschen Gesetzes“ verdoppelt sich die Rechenleistung aber Jahr für Jahr, sodass diese Hürde bald überwunden sein dürfte. Für mich ist die Fahrtzeit Arbeitszeit, deshalb ist meine erste Tätigkeit, nachdem das Handy verbunden ist, die Kontaktaufnahme mit meinem Büro. Gibt es neue Termine, hat sich etwas verschoben und so weiter. Dementsprechend ist die Connectivity wichtig und nicht mehr wegzudenken. Besonders die Suche nach entsprechenden POIs wird zunehmen und immer normaler. Aber glauben Sie, ich würde dafür noch einen Dreh-Drücksteller verwenden? Ich mache das per Sprachbefehl. Daran arbeiten wir in Zukunft verstärkt, sodass sogar Slangs und Dialekte erkannt werden können.

Stratmann: Audi steht, wie kaum eine andere Marke, für einen besonderen Premium-Charakter. Für mich sind in jedem Auto, das ich bewege, immer die Verstellräder der Klimaanlage das Zeichen schlechthin für eine entsprechende Premium-Qualität – und bei Audi rasten sie besonders schön und satt ein. Nun frage ich mich, ob in Zukunft alles durch Touch-Elemente ersetzt wird? Man hat sogar schon von Lichtschaltern gehört, die per Touch bedient werden. Wie sieht das in Zukunft bei Audi aus und wie will man den Qualitäts-Eindruck damit halten?

Stadler: Nun, über dieses Thema können wir uns sicherlich stundenlang trefflich unterhalten. Aber man kann ein Premiumgefühl auch anders schaffen als mit Dreh-Rädern oder Tasten. Natürlich ist es ein tolles Erlebnis, wenn ich in einen Audi A8 einsteige und die B&O-Sound-Anlage ausfährt – das ist schon „Premium“. Für mich hat Connectivity immer noch diese „Nightrider“-Verbindung, wenn David Hasselhoff mit K.I.T.T kommuniziert – das war schon toll. Aber bezüglich der Touch-Thematik gibt es noch andere Möglichkeiten, dieses berühmte Audi-Premium-Gefühl zu schaffen. Bildschirme liefern mittlerweile die Möglichkeit ein haptisches Feedback zu geben. Diese Technologie haben wir beim wegweisenden Interieur unserer Studie Audi e-tron quattro concept bereits vorgestellt, und sie wird beim neuen Audi A8 erstmals in Serie gehen. Damit können wir einen ebenso hohen Qualitätseindruck schaffen. Also: Don´t worry.

Stratmann: Herr Stadler, sie selbst haben drei Kinder und wissen so gut wie ich, dass wir die Welt nur von unseren eigenen Erben geliehen haben. Nun ist mir das Jahr 2020 nicht mehr weit genug weg, aber was sagen Sie: Wie fahren wir im Jahr 2025?

Stadler: Ich bin auf dem Land aufgewachsen und glaube, dass es in Zukunft in diesem Umfeld auch weiterhin Diesel und Verbrenner geben wird. Allerhöchstens werden dort Plug-In-Hybride gefahren. In urbanen Gegenden hingegen könnte es in Zukunft stärkere Einschränkungen für Autos mit Verbrennungsmotoren geben. Dort wird dann der Bedarf an Elektro-Fahrzeugen weiter steigen. „Roboter-Autos“, also Autos die völlig ohne Fahrer auskommen, halte ich 2025 für unwahrscheinlich. Ich glaube aber, dass das pilotierte Fahren auf den Highways stark zunehmen wird. Die Technologie und Rechnerleistung wird aus heutiger Sicht überragend sein und es wird ein hoher Grad an künstlicher Intelligenz sowie selbstlernender Systeme in Gebrauch sein. Zudem wird es eine andere Vernetzungskomplexität geben. So wird das Garagentor bereit 200 Meter, bevor ich vorfahre, öffnen. Auch die Verkehrsinfrastruktur wird sich signifikant verändern. In Zukunft werden wir uns immer mehr mit Partnern erfolgreich und intelligente vernetzen.. Deshalb hat Audi gemeinsam mit den Wettbewerbern BMW Group und Daimler AG das Unternehmen HERE, den Marktführer für hochpräzise Kartendaten, gekauft.

Stratmann: Zum Abschluss: Sie Sind Baujahr 1963 – was war Ihr erstes Fahrzeug und Ihr schönstes Automobiles Erlebnis?

Stadler: Das ist ein 1A Jahrgang, nicht wahr? (lacht) Das erste Automobil, das ich gefahren bin, noch bevor ich einen Führerschein hatte, war ein Volkswagen Käfer. Mein Vater hatte einen orange-farbenen Audi 100 mit grünen Sitzen. Mein erstes eigenes Auto war dann ein Golf I Cabriolet, weil ich kein Moped besitzen durfte – das hatte mein Vater nicht erlaubt. Es war Weinrot mit hellgrauem Verdeck – ein GLS – und damals ein richtig cooler Gebrauchtwagendeal. (lacht)

Anmerkung der Redaktion: Für das schönste Erlebnis muss Rupert Stadler nicht lange überlegen!

Das war die Hochzeitsreise mit meiner Frau im Golf I Cabrio. Mit der Gitarre auf der Rücksitzbank sind wir nach Griechenland gefahren. Da habe ich mir einen heftigen Sonnenbrand geholt.