Best of 2015 Titelbild

Der ultimative Jahresrückblick – 2015 aus der Sicht der Geeks

Meine lieben Jahresrückblick-Leserinnen und -Leser,

so schnell ist wieder ein Jahr rum und es ist wieder ne Menge passiert, über das ich schreiben möchte.

Schon lange berichten wir auf mobilegeeks.de nicht mehr nur über die mobilen Begleiter wie Smartphones, Tablets und Notebooks, sondern schauen immer wieder über den Tellerrand: Themenfelder wie Smart Home/Internet of Things, Automobile, Virtual/Augmented Reality oder auch UAVs (Unmanned Aerial Vehicle) haben wir ebenso auf dem Schirm wie Entwicklungen im Web und im Bereich Software.

Dementsprechend ausführlich fällt mein Rückblick auf das Jahr 2015 aus. Macht es euch also in der Couch-Ecke bequem, stellt euch Snacks und was zu trinken zur Seite und dann kann es losgehen. Viel Spaß mit meinem ganz persönlichen Blick auf das abgelaufene Jahr 2015!

Meinen Technoradar Twitterfeed gibts auch weiterhin. Ich bin nach wie vor dabei, dort lesenswerte Artikel zu verlinken und euch tagesaktuell auf dem Laufenden zu halten. Die Reichweite ist zwar immer noch überschaubar, aber es geht kontinuierlich aufwärts. Ich habe in den letzten Jahren eine Art Kapitelstruktur entwickelt, die ich auch in diesem Jahr wieder einsetzen werde, um euch lieben Leserinnen und Lesern auch den Überflug über meinen Rückblick zu erleichtern. Für Leser, die lieber das PDF dazu runterladen wollen, das habe ich hier verlinkt.

Die Kommunikation in Deutschland – Carrier, Netze und Politik International

Die Lage der Breitbandversorgung hat sich in Deutschland weiter verbessert. Die Telekom baut konsequent auf Vectoring und ihre neuen Hybridanschlüsse, die gemäß Quartalsbericht im Herbst bereits in über 100-tausend Haushalten stehen.

Das Problem beim Vectoring ist nach wie vor, dass die dafür genutzten Kabel immer nur von einem Betreiber nutzbar sind, da das Kabel nur mit allen Leitungen im Bündel effektiv entzerrt werden kann. Bislang ging der Ausbau in den Kabelverzeigern los, da VDSL und Vectoring nur auf der „letzten Meile“ bzw. dem letzten Netzabschnitt wirken.

Nun will die Telekom aber auch die rund 7900 Standorte, an denen Kunden vom Hauptverteiler (den klassichen Vermittlungsstellen) direkt angeschlossen sind, ebenfalls mit Vectoring aufwerten. Das führte zu Protesten seitens der Mitbewerber, da auch diese Kabel mit allen Aderpaaren nur noch von der Telekom betrieben werden können. Die Bundesnetzagentur hat im November einen ersten Entwurf vorgestellt, um diesen weiteren Vectoring-Ausbau unter gewissen Auflagen zu genehmigen.

„Die CDU will, dass auch in Deutschland WLAN überall eine Selbstverständlichkeit ist. Wir wollen die gesetzlichen Grundlagen für die Nutzung dieser offenen Netze und deren Anbieter schaffen. Denn Rechtssicherheit für WLAN-Betreiber ist dringend geboten.“ Abschlussbericht der CDU-Programmkommission, 07/2015

Von diesem Entwurf sind nun alle Parteien erstmal eher enttäuscht, da er weder der Telekom so richtig passt, noch den Mitbewerbern. Da werden die Argumente im Moment noch kräftig ausgetauscht. Entschieden ist leider noch nichts, da die Telekom bereits angekündigt hat, dass sie den Vollausbau aller Hauptverteiler nun nicht mehr wirtschaftlich angehen könne. Da ist mal wieder „Dampf in der Hütte“ und die Verbände und Netzbetreiber betreiben massives Lobbying, um möglichst gut dabei zu sein. Entschieden werden soll im Januar 2016. Ob das alles immer im Sinne der betroffenen Kunden läuft, ist dabei nicht so ganz klar …

CDU Schnelles Internet Rechtsanspruch

Das politische Ziel, bis 2018 mindestens 50 Mbit/s für alle zu haben, scheint machbar, auch wenn zwischen Wunsch und Wirklichkeit immer wieder Unterschiede festzustellen sind. Denn 50 Mbit/s sind nicht immer der gleiche Speed für die Betroffenen. Je nach Anbindung über Festnetz, Hybrid oder drahtlos über LTE, kann der Durchsatz schon mal mehr oder weniger stark schwanken. Aus dem politischen Willen der digitalen Agenda der schwarz-roten Koalition, die erst im Herbst 2014 ein Programm zur Förderung des Breitbandausbaus verabschiedet hatte, machen die Grünen im November 2015 nun einen viel weitergehenden Vorschlag, der den Glasfaserausbau für 75 % der Bevölkerung bis Ende 2021 fordert. Für den Rest sollen dann die 50 Mbit/s als Minimum gelten. Dazu soll der Bund seine Anteile an der Telekom komplett verkaufen und den Erlös in zusätzliche Fiber-Investitionsprogramme stecken.

Ob uns nun konsequentes VDSL-Turbo-Vectoring oder echte Fiber-Anschlüsse eher zum Ziel führen, bleibt irgendwie unklar. Auf lange Sicht sind natürlich nur Fiber-Anschlüsse in der Lage, sicher Gigabit-Geschwindigkeiten zu erlauben. Allerdings wollen auch die Kabel-Provider mit ihren Koax-Kabelinfrastrukturen bis in den Gigabit-Bereich vorstoßen. Es gibt dazu bereits erweiterte Standards der Docsis-Reihe, die in der Version 3.1 wohl bis zu 10 Gbit/s im Downstream und 1 Gbit/s im Upstream ermöglichen sollen.

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Wo wir schon beim Kabel sind: Seit September 2015 wird aus Kabel Deutschland nun endgültig Vodafone. Das von vielen als „Spiegelei“ bekannte gelbe Logo wird verschwinden. Ein weiterer Schritt der Konsolidierung, der sich auch weltweit an vielen Stellen zeigt.

Die Erträge im Mobilfunk- und Festnetzbereich sind weiter unter Druck. Die Balance zwischen Netzleistung und der durch die neuen Netztechnologien immer weiter nötigen Investitionen in die Netze ist nicht einfach zu halten und zu managen. Das hat schon so manchen Carrier in den letzten Jahren überfordert. Es gibt zunehmend auch völlig andere Ansätze, Infrastrukturen bereitzustellen.

Ein neuer Breitband-Player in Asien und Australien geht da ganz aggressiv vor. Unter dem blumigen Namen „MyRepublic“ will das Startup schnell Boden gewinnen. Man konzentriert sich auf ein möglichst schlankes Datennetz mit mindestens 100 Mbit/s bis 1 Gbit/s pro Anschluss bei möglichst günstigen Anschlusspreisen. Letztlich kann dieser „dump pipe“-Ansatz aggressiv kalkuliert werden. Selbst bei Fiber to the Home-Architekturen sind relativ günstige Anschlusspreise möglich, wenn man auf jeden „Schnickschnack“ an Services verzichtet. Hier liegt die große Gefahr, dass sich die etablierten Provider zu sehr an diesen Services festklammern und zu wenig beachten, dass sich durch den fortwährenden Preisverfall bei Netztechnologien radikal einfache Lösungen umsetzen lassen, wenn man sich pur auf den Datentransfer ohne Kompromisse konzentriert. Ähnlich hat auch iliad in Frankreich den Markt als Preisbrecher bei Breitband- und Mobilfunkangeboten deutlich aufgemischt.

Nachdem sich im letzten Jahr selbst Barack Obama eingeschaltet und für die Netzneutralität eingesetzt hatte, ist das Thema in den USA weiter in Bewegung und lange noch nicht ausdiskutiert. Eine Initiative von Comcast bringt die Szene in Aufruhr: Comcast hat sich entschieden, den Streaming-Traffic ihrer eigenen Videoangebote nicht auf das mittlerweile limitierte Flat-Datenvolumen von 300 GB/Monat anzurechnen. Das ist so ähnlich, wie bei uns in Deutschland das Telekom-Angebot von Spotify für Mobilfunktarife, aber mit erheblich weiteren Auswirkungen, da in den USA Netflix und Amazon Video als OTT-Videoservices sehr beliebt sind und da bei intensivem Konsum die Volumenbegrenzungen von Comcast im Kabel durchaus erreicht werden können. Und dass Comcast nun seine eigenen Streaming-Angebote davon ausnehmen will, dass stößt den anderen VoD-Anbietern und auch den Video-Affinen Kunden kräftig auf. Es bleibt mal wieder alles in Bewegung, da „zero-rating-schemes“ vom FCC untersucht und ggf. unterbunden werden können.

Wenn wir schon bei Netzfragen in den USA sind, dort gibt es ein erstes Angebot für Video-Streaming im Flugzeug. Nicht nur so ein bisserl mobile Data, sondern individuelles Videostreaming soll im Flugzeug nutzbar werden. Gogo ist der Anbieter, der mithilfe einer neuen Zwei-Antennen-Technologie bis zu 70 Mbit/s ins Flugzeug bringen will. Erste Tests mit gleichzeitiger Nutzung von vierzig Fluggästen verliefen erfolgreich. Die Technologie dazu ist noch etwas aufwändig. Aber es ist wohl mittlerweile doch etwas mehr Breitband im Flieger möglich, als man denkt und die ersten US-Fluggesellschaften sind wohl schon mit im Boot.

Quelle: The Verge
Quelle: The Verge

Die EU hat auch wieder mal von sich Reden gemacht und sich in einer Konkretisierung zum Thema Netzneutralität versucht. In einer neuen EU-Verordnung hat sie auf den ersten Blick dabei eher die Netzneutralität abgeschafft, statt sie zu festigen. Durch die in der Entscheidung bestimmten Möglichkeit, für Spezialdienste eine Bevorzugung in Netzen zu ermöglichen, kommt es nun zu intensiven Diskussionen, was denn ein solcher Sonderdienst nun sei. Selbst die FAZ veröffentlich hierzu einen recht kritischen Kommentar. Schnell prescht die Telekom zum Thema vor und meint, im Rahmen von Kooperationen mit Startups über diesen Weg – natürlich gegen Geld – eine bessere Netzpräsenz schaffen zu können. Zur Vertiefung hier ein interessanter Artikel des Deutschlandfunks.

Die Folgen der unklaren Lage sind nun in den einzelnen Ländern in Landesrecht umzusetzen. Na, das wird sicher kein Spaß.

Das Thema Routerzwang scheint sich endlich im Sinne einer freien Routerwahl für alle Breitbandkunden aufzulösen. Der Bundestag hat im Oktober einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der den Routerzwang beendet und es dem Breitbandkunden ermöglicht, sich selbst einen Router zu kaufen und ihn entsprechend zu konfigurieren. Die Betreiber werden künftig verpflichtet, die nötigen Einwahldaten und Konfigurationsoptionen dem Kunden mitzuteilen. Allerdings sind auch Übergangsfristen geplant, so dass das Ganze wohl erst zur Mitte 2016 wirksam wird. Dass das Thema schon eine Weile am Kochen ist, sieht man auch auf der Website routerzwang.de.

Aber nun mal was „fast“ Gutes zum Schluss: Zur Störerhaftung gab es in diesem Jahr auch endlich mal eine neue Initiative der Politik, die aber in der Verabschiedung eines Entwurfs endete, der bei weitem nicht das hält, was mancher sich darunter versprochen hatte. Zwar hat der Bundestag den Gesetzentwurf verabschiedet, der Bundesrat hat jedoch erhebliche Einsprüche formuliert, die wohl zumindest eine weitere Beratung im Bundestag bewirken wird, bevor das Gesetz in Kraft tritt. Das klingt zwar alles recht trocken, aber letztlich geht es um die Frage, ob nur kommerzielle Betreiber offene W-LAN-Hotspots betreiben dürfen, oder ob eben auch Privatpersonen oder an freier Kommunikation interessierte Verbände – wie z.B. Freifunk – auf einfache Art und Weise einen offenen Internetzugang bereitstellen können.

Es gibt weiterhin keinen wirklich vernünftigen gesetzeskonformen Weg für einfache Hotspots. Mittlerweile gibt es gerade dafür von Devolo mit „dLAn Hotspot“ eine spezielle vorkonfigurierte Lösung für kleinere Gewerbetreibende, die sich ganz simpel und sicher in Betrieb nehmen lässt, aber trotzdem zeigt, wie komplex die immer noch bestehende Situation ist.

Dabei wird das WLAN über einen VPN-Tunnel zu einem „kompatiblen Operator“ verbunden. Was das letztlich für die Performance des WiFi-Zugangs bedeutet, bleibt abzuwarten. Auch der bei den aktuellen Telekom-Routern unterstützte WLAN TO GO-Modus funktioniert sehr ähnlich, ist aber auch eher für die Nutzung von einigen wenigen Nutzern parallel vorgesehen.

Wenigstens scheint es beim Thema Flüchtlinge in Deutschland trotz allem Initiativen zu geben, den Flüchtlingen in den großen Lagern freien Internetzugang per WLAN zu ermöglichen. Neben dem eben schon genannten Freifunk-Verband hat wohl auch die Telekom neben den anderen großen Carriern Vodafone und Telefonica in Deutschland mittlerweile die Initiative ergriffen, hier mitzuhelfen, damit Flüchtlinge den Kontakt mit ihren Angehörigen halten können, ohne dafür zur Kasse gebeten zu werden. Details dazu in der Zeit und dem Handelsblatt.

EU Roaming Gebühren 2017Die Abschaffung der EU-Roaming-Gebühren ab 2017 ist eine Mogelpackung

Freie Hotspots sind aber auch schon jetzt massiv auf dem Vormarsch, seit die Telekom und auch Vodafone ihre Router um eine Private-Public Hotspot-Funktion erweitert haben. So kann man einfacher als „Gast“ auf vielen privaten WiFi Access Points mitsurfen. Vodafone spricht vom „größten WLAN-Hotspot-Netz in Deutschland mit über 1 Million aktiver Anschlüsse“, die Telekom bezeichnet ihr WLAN TO GO-Produkt als „Teil des größten Hotspot-Netzes der Welt“ mit über 14 Millionen Anschlüssen. Wie viele es bislang in Deutschland sind, bleibt leider offen.

Noch eine persönliche Erfahrung mit mobilen Netzen: Als ich letztens mal wieder im Flieger saß und noch schnell den letzten Spiegel auf mein Handy laden wollte, war ich wirklich verblüfft, wie schnell LTE mittlerweile sein kann. Die fast 30 Megabyte waren in Sekunden einfach zack auf dem Handy. Das war definitiv schneller, als ich es vom Festnetzanschluss daheim gewohnt bin. Leider hat man dieses Gefühl bei weitem nicht immer, wenn man unterwegs ist. Aber immerhin, technisch geht doch immer mehr auch unterwegs.

Doch statt nur immer mehr Speed gibt es mittlerweile auch einen anderen Trend: Weniger Durchsatz zugunsten besserer Reichweite und erheblich geringerer Netz- und Gerätekosten: Neue Mobilfunknetze für IoT.

Low-Speed LTE für das Internet of Things

Um die Kostenstrukturen für IoT-Netze massiv zu verändern, geht Verizon neue Wege: Statt auf 5G zu warten, das auch erheblich mehr verbundene Geräte einfacher managen soll, will Verizon ein spezielles Netz auf LTE-Basis schon im März 2016 verfügbar machen. Es soll Geräte ohne monatliche Basiskosten preiswert und für geringe Datenmengen zur Verfügung stellen. Auch die LTE-Module auf Device-Seite sollen erheblich günstiger werden. zunächst zum halben Preis mit Potenzial zur Verringerung der Modulkosten um nochmals die Hälfte. Ein erster Referenzkunde ist ein Weinbau-Betrieb an der kalifornischen Küste.

Hahn Family Wines
Hahn Family Wines

Schön, wenn so etwas so klassisches durch modernste Technologien noch besser werden kann. Aber auch die Telekom forscht zusammen mit Huawei an „low speed LTE“ für das Internet of Things. Details dazu hat Heise.

Smart Cities

Zum Thema neue Ideen bei der Mobilfunkversorgung hier ein interessanter Beitrag zu neuen Lichtmasten in LA. Da trägt jeder Mast an der Spitze eine 4G-Antenne. Das Ganze wurde von Philips zusammen mit Ericsson entwickelt und nennt sich „Smart Street Lightning„.

Quelle: Philips
Quelle: Philips

An über 600 Straßenleuchten sollen nun kleine 4G-Antennen die Mobilfunkversorgung verbessern und auch im Falle von den häufiger auftretenden Erdbeben sicherer machen. Die Lichtmasten tragen dabei auch neueste LED-Technologie, die über 50% Energie spart und ein natürlich weißes Licht abgibt, ganz im Gegensatz zum stark gelblichen Licht der bislang oft eingesetzten Natriumdampflampen.