Messenger.com: Facebooks unbekannte Chat-Plattform

Seit letztem Jahr könnt ihr auch im Web den Facebook Messenger losgelöst vom sozialen Netzwerk nutzen. Die meisten Facebook-Nutzer kennen die Seite aber gar nicht, was sie zu einem bemerkenswert wenig genutzten Facebook-Angebot macht.
von Carsten Drees am 1. Februar 2016

Stell Dir vor, Facebook startet ’ne neue Seite – und keiner kriegt’s mit! Klingt komisch, ist aber so – na ja, zumindest fast: Im letzten Jahr nämlich ging die Seite messenger.com an den Start, bei der es sich dem Namen entsprechend um eine Messenger-Plattform handelt – und zwar um das gleichnamige Chat-Tool von Facebook.

Wer Facebook auf dem Smartphone nutzt – und das sind bekanntlich jeden Monat 1,4 Milliarden Facebook-User – der wird auch wissen, dass es separate Apps für die Social Network-Plattform und den Messenger gibt. Ich kenne persönlich so manche Person, die damit alles andere als glücklich ist, weil sich die Notwendigkeit zweier Apps nicht jedem erschließt. Vermutlich liegt das aber auch immer daran, wie man selbst die Plattform nutzt – mir persönlich nämlich gefällt diese Lösung ausgesprochen gut.

  • Die Facebook-App saugt sowohl ordentlich an der Performance als auch am Akku eures Smartphones, so dass es durchaus eine elegante Lösung ist, mit den Kontakten ohne diese App chatten zu können.
  • Durch die Chat Heads kann ich mit meinen Freunden schreiben, ohne aus einer App oder aus einem Spiel heraus zu müssen.

Mobil ist es also je nach persönlichem Nutzungsverhalten durchaus nachvollziehbar, wieso sich Facebook für die Strategie mit zwei unabhängigen Apps entschieden hat. Was ist aber mit der Web-Version Facebooks? Auch in diesem Fall gibt es ja Nutzer, die den Chat tagtäglich einsetzen, sich vielleicht aber nicht ständig von den Kommentaren, Fotos und Videos der FB-Freunde berieseln lassen wollen. Der Business Insider hat ein sehr treffendes Bild von dem Chaos veröffentlicht, welches uns erwartet, wenn wir die Facebook-Seite aufrufen:

Aufbau der Facebook-Seite im Browser

Was scheinbar sehr Viele nicht wissen: Auch im Browser eures heimischen Rechners oder Notebooks könnt ihr alternativ zur Facebook-Seite auch die oben bereits erwähnte Messenger-Seite aufrufen und den Chat somit als Standalone-Plattform nutzen und auf all das verzichten, was oben im Bild mit einem Daumen nach unten gekennzeichnet ist. Letztes Jahr im April startete der Rollout in den USA für die ersten User und mittlerweile kann es längst auch bei uns aufgerufen und genutzt werden. Unter der simplen Adresse messenger.com findet ihr den Facebook-Messenger – und sonst absolut nichts! In der normalen Ansicht, die euch dort erwartet, findet ihr einen Aufbau aus drei verschiedenen Spalten:

messenger com

Links seht ihr die Leiste mit euren Kontakten, die breiteste Spalte befindet sich in der Mitte und ist euer Dialog-Fenster, in welchem ihr mit dem gewünschten Kontakt bzw. der gewünschten Gruppe chattet. Auf der rechten Seite schließlich seht ihr die Infos zu dem Menschen, mit dem ihr gerade schreibt – Name sowie Link zur Profilseite, dazu die zuletzt geteilten Bilder.

Wer also nicht den Plan verfolgt, sich durch seinen News Feed zu scrollen und stattdessen ausschließlich auf das praktische Chat-Tool Facebooks zugreifen will, ist auf dieser Seite goldrichtig. Ihr könnt alle Funktionen des Messengers nutzen, ohne den ganzen unnötigen Facebook-Krempel ertragen zu müssen. Ihr könnt also chatten, auch Anrufe oder Video-Anrufe tätigen und natürlich auch Dateien mit euren Kontakten teilen. Das Ganze ist natürlich ebenso wie die mobile Lösung jederzeit synchron mit der Facebook-Seite, so dass ihr auch auf alle Chat-Histories Zugriff habt.

Wem das obige Design noch nicht simpel genug ist – die rechte Spalte könnt ihr ausknipsen, so dass ihr nur noch die linke Spalte mit euren Kontakten übrig behaltet und ein nun nochmals breiteres Chat-Fenster:

messenger com 02

Weiterer Vorteil, der für den ein oder anderen vielleicht interessant sein könnte, gerade im Büro mit mehreren Kollegen – und einem neugierigen Boss: Das Design lässt nicht auf Anhieb darauf schließen, dass ihr gerade den Facebook-Chat nutzt, weil es sich vom typischen Facebook-Design deutlich abhebt mit seinem weißen Hintergrund und dem nicht existenten blauen Balken oben.

Facebooks kleines, unfreiwilliges Geheimnis

Wieso weise ich euch nun darauf hin, dass ihr den Messenger auch auf diese Weise nutzen könnt? Ganz einfach: Weil sich nun herausgestellt hat, dass scheinbar so gut wie niemand von dieser Seite weiß. Wie der Business Insider erklärt, wird diese Seite monatlich lediglich von 70 Millionen Menschen genutzt. Klingt vielleicht durchaus viel, im Vergleich zu 1,6 Milliarden Menschen, die Facebook im Monat nutzen, ist es erstaunlich wenig.

Es gibt vermutlich verschiedene Ansätze dafür, wieso es so wenig genutzt wird. Mag sein, dass die meisten, die im Browser chatten, vielleicht doch lieber nebenher durch den News Feed scrollen möchten. Ich persönlich halte es aber für wahrscheinlicher, dass es die meisten Einwohner im 1,6 Milliarden großen Facebook-Land schlicht nicht wissen, dass es diese Möglichkeit gibt.

Wenn ihr die Seite aufruft, werdet ihr feststellen, dass ihr dort auch komplett von Werbung verschont bleibt – vielleicht ein Grund dafür, wieso Facebook selbst keine Anstalten macht, uns auf diese Seite hinzuweisen: Die Mannen um Mark Zuckerberg sehen es sicher lieber, dass wir uns dort herumtreiben, wo uns auch die Werbung erreicht.

Ihr könnt uns in den Kommentaren ja mal mitteilen, ob ihr a) generell den Messenger losgelöst von Facebook nutzt und ob ihr das b) auch im Browser tut (ab jetzt tun werdet) oder nur auf dem Smartphone bzw. Tablet.

Quelle: Business Insider