Weißer Hai

Mit Haien tauchen – Ist das nicht lebensgefährlich?

Hi, ich bin Yvonne. Und ich bin süchtig nach Tauchen. Zwei der schönsten Dinge, die mir je passiert sind, waren: einen Walhai vor der Küste Curacaos zu sehen und mit ganz vielen Riffhaien in Costa Rica tauchen zu gehen. Wenn ich das Menschen erzähle, dann bekommen viele ganz große Augen und fragen mich: Ist das denn nicht lebensgefährlich?

Ahhhhhh, ein GETRÄNKEAUTOMAT! Hilfe, was mach ich denn jetzt nur? Oh Gott, oh Gott, ich werde sterben.

Oder NOCH SCHLIMMER! Betten! Wenn ich nur an ein Bett denke, läuft es mir schon kalt den Rücken runter!

Und dann ist da noch die Sache mit den Kühen. Die schauen immer so treudoof drein, dabei sind es gefährliche Killer! GEFÄHRLICH!

Hilfe, Mama, ich hab Angst.

Kommt euch bekannt vor? Ja, mir auch nicht.

Ein HAI? Was, wie wo? Um Himmels willen!

Das fühlt sich dann doch schon vetrauter an, nicht wahr?

Ist aber eigentlich Quatsch! Wirklich! Manche sagen, die Angst vor Haien sei evolutionär bedingt, so aus den Zeiten als wir noch gegen Säbelzahntiger gekämpft haben. Andere sagen, Steven Spielberg sei alleine daran schuld.

Und ich muss zugeben, dass ich bis vor zwei Jahren auch tierisch Schiss vor Haien hatte. Brrrhh. Haie. (Okay, eigentlich hatte ich furchtbar Schiss schon vorm Tauchen allein. Hier könnt ihr nachlesen, wie das so war, als ich auf Borneo Tauchen gelernt habe)

Aber, und das ist Fakt, pro Jahr sterben weltweit zwischen 5 (FÜNF) und 10 (ZEHN) Menschen aufgrund einer Haiattacke. Also, ja, Haiattacken können tödlich enden. Verkehrsunfälle auch. Trotzdem haben mehr Menschen Angst vor Haien als vor Verkehrsunfällen und das obwohl die meisten noch nie einen Hai im echten Leben gesehen haben. Halten wir also mal fest, dass es an sich völlig irrational ist Angst vor Haien zu haben. Dabei sollten wir vor anderen Dingen viel mehr Angst haben. Vor Betten zum Beispiel. Ja, ihr habt richtig gelesen.

Dinge, die gefährlicher sind als ein Hai

Allein in den USA sterben pro Jahr 450 Menschen weil sie aus dem Bett fallen. In Deutschland sind es wohl 198 pro Jahr. Ich hab keine Ahnung, wie das passieren kann, aber es ist wohl so. Vielleicht weil man sie von der Bettkante geschubst hat. Man weiß es nicht.

Das hört sich jetzt vielleicht im ersten Moment erstmal komisch an, falls ihr das noch nie gehört hab, aber es ist einfach Fakt, dass es ganz viele Dinge im Leben gibt, die sehr viel gefährlicher als Haie sind.

Getränkeautomaten zum Beispiel. Ja. Pro Jahr sterben weltweit mehr Menschen weil sie von Getränkeautomaten erschlagen werden.

Oder Kühe. Auch durch Kuhtritte sterben pro Jahr mehr Menschen.

Und diese Kokosnüsse, ihr wisst schon. Auch von denen werden mehr Menschen auf dem Kopf getroffen und sind dann tot.

Alles Dinge bei denen mehr Menschen ums Leben kommen als durch Haie.

Und das nicht zusammengerechnet, sondern je einzeln gesehen.

Vielleicht sagt ihr jetzt, ja, vielleicht ist ein Haiangriff nicht immer tödlich, aber was, wenn der mir ein Bein abbeißt? Auch das passiert äußerst selten. 2013 gab es 62 Haiattacken, die nicht tödlich endeten. Die Chance einen Sechser im Lotto zu haben ist damit SIEBEN MAL höher als von einem Hai angegriffen zu werden.

Haie sind nicht gefährlich

So ganz generell gesehen, sind Haie an sich nicht aggresiv. Und Hai ist auch nicht gleich Hai. Es gibt insgesamt 460 Haiarten, die meisten davon würden keiner Fliege etwas zuleide tun. Walhaie zum Beispiel, die größte Haiart (und auch die größten Fische der Welt), ernähren sich von – Plankton (Allerdings ja, wenn er auf einen Menschen drauffallen würde, dann könnte das gefährlich sein, schließlich wiegen Walhaie bis zu 12 Tonnen, aber es passiert äußerst selten dass Walhaie vom Himmel fallen). Letztendlich sind es vor allem drei Haiarten, die in den Statistiken besonders häufig auftauchen: der Weiße Hai, der Bullenhai und der Tigerhai.

Wenn etwas passiert, dann oft, weil Haie den Menschen als etwas sehen, das sie nicht einordnen können und dann schaut er eben mal vorbei und versucht mal daran zu knabbern (und ja, wenn ein Hai knabbert, dann kann das eben gefährlich werden) oder es passiert etwas, weil der Hai sich provoziert fühlt. Meistens ist es wohl eine Kombination aus beidem. Da Haie an sich nämlich auch nicht doof sind und den Mensch auch sicherlich als potentielle Gefahr wahrnehmen und daher eher instinktiv auf Abstand gehen. Unabhängig davon sind im übrigen Surfer, Schnorchler und Schwimmer viel mehr gefährdet von einem Hai angegriffen zu werden als Taucher.

Hai Attacken weltweit Infografik
Quelle: mnn.com

Anstatt also Haie zu fürchten und sie aus völlig irrationalen Gründen zu töten, sollten wir Menschen lieber das Privileg achten, dass wir manchmal das Glück haben mit Haien in Berührung zu kommen. Denn diese Momente sind selten und etwas ganz einzigartiges. Ich hatte das besondere Glück im November in Costa Rica mit Haien tauchen zu können und bin heute noch ganz high davon.

Wie kann ich die geringe Chance, von einem Hai angegriffen zu werden, nochmals minimieren?

Es ist Tatsache so, dass es zu wenig Haiunfälle gibt um das wissenschaftlich wirklich fundiert zu beantworten. Aber natürlich gibt es so ein paar Punkte, die sicherlich nicht schaden können.

  • 100% sicher sein, dass nichts passiert kann man nur, indem man nie, nie, nie ins Wasser geht (quasi ähnlich wie die Sache mit der ungewollten Schwangerschaft und so. Wenn man auf Nummer Sicher gehen will, hilft nur Abstinenz)
  • Wenn man auf einen Hai trifft, immer mit gebührendem Respekt behandeln (anfassen ist tabu, aber das sollte ja wohl klar sein), ruhig bleiben und einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten
  • Bleib möglichst nahe bei deinem Tauchbuddy und deiner Gruppe (Robben nutzen die gleiche Taktik um sich vor Haiangriffen zu schützen)
  • Auch wenn bisher kein unmittelbarer Zusammenhang nachgewiesen werden konnte, ist es sicherlich ratsam in Gebieten, in denen es Weiße Haie, Tigerhaie oder Bullenhaie gibt, nich im trüben Wasser, bei Dämmerung oder nachts zu tauchen.
  • Und sollte es Tatsache mal passieren, dass ein Hai an dir knabbern will – Ruhe bewahren! Ich weiß, das wird keiner machen, aber tatsächlich könnten die meisten Haiangriffe weit weniger schlimm enden, wenn sich die Betroffenen in dem Fall einfach „tot“ gestellt hätten, anstatt wild rumzuzappeln.

Haie sind Freunde, kein Futter

Vor der Küste Australiens wurden in der Vergangeheit immer wieder Haie „vorsorglich“ getötet, um Menschen zu schützen, obwohl sie in keinster Weise auffällig geworden sind. Und irgendwo zwischen dieser absurden Angst vor Haien und Erinnerungen an Spielbergs Film wird sich bei einigen von euch jetzt ein leises Stimmchen gemeldet haben: „Das ist doch auch gut so“.

Ist es nicht.

Dann müsste man quasi auch Getränkeautomaten abschaffen und so. Wäre genau diesselbe Logik.

73% aller Haie werden allerdings getötet um Haifischflossensuppe zu machen, dabei werden die Rückenflossen den Haien teilweise beim lebendigen Leib abgeschnitten und die Körper werden danach einfach zurück ins Wasser geworfen, wo die Haie einen langsamen und qualvollen Tod sterben.

Wenn es so weiter geht wie bisher wird es in zehn bis zwanzig Jahren keine Haie mehr geben.

Shark-Attack-Stop-Finning-Infographic.jpg (JPEG-Grafik, 590 × 8583 Pixel)
Ihr denkt die Liste ist aber ganz schön lang? Dann klickt mal auf das Bild! So lang ist die nämlich WIRKLICH!

Und falls ihr euch jetzt wundert, wie ich wohl über Cage-Diving mit Haien denke… Andrew Evans, den ich euch schon im Artikel über meine liebsten Instagram Accounts zum Thema Reise vorgestellt habe, hat das hier mal ganz schön erklärt, warum man das nicht machen sollte.

Und jetzt denkt doch bitte nochmal über das Ganze nach. Und wenn ihr eine Meinung zu dem Thema habt, dann freu ich mich über eure Kommentare!

P.S. Treffen sich zwei Fische im Wasser. Sagt der eine: „Hi!“. Sagt der andere: „Wo?“.

P.P.S. Wenn ihr euch engagieren wollt, dann helft mit die Vorurteile über Haie abzubauen und schaut auch mal bei Sharkprojekt vorbei, dort erhaltet ihr weiterführende Informationen und erfahrt auch wie ihr das Projekt unterstützen könnt.