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Netflix
Drei Netflix-Eigenproduktionen für ein Probeabo

Drei Eigenproduktionen aus dem Hause Netflix, für die es sich lohnt, den kostenlosen Probemonat in Anspruch zu nehmen: Action, Comedy, Doku – Netflix macht sie alle.
von Jessica Mancuso am 4. Februar 2016

Ich selbst kam im Juni letzten Jahres nicht umher, mir einen Netflix-Account zuzulegen, denn einige Leute, deren Film- und Seriengeschmack ich sehr schätze, empfahlen mir Daredevil. Und obwohl ich nicht glauben konnte, dass es jemandem gelungen sein sollte, Daredevil von seinem schlechten, filmischen Ruf zu befreien, konnte ich die Augen nicht länger davor verschließen. Ein Probeabo musste her und zugegeben, ich gehöre zu den Menschen, die nach dem kostenlosen Monat nicht mehr auf Netflix verzichten konnten.
Also habe ich für all jene, die bisher noch nicht auf den Geschmack gekommen sind, drei Netflix Eigenproduktionen rausgesucht, für die sich ein Probemonat gleich dreifach lohnt.

Daredevil – der blinde Rächer

Er ist der wohl zerbrechlichste unter den Marvel Superhelden und der bisher missverstandenste von allen – woran Hollywood mit der Ben Affleck Verfilmung (2003) nicht ganz unschuldig sein mag. Wobei Fairness halber auch erwähnt sein sollte, dass ein Film nicht so sehr ins Detail gehen kann wie eine Serie… aber dennoch. Böser Ben Affleck! Zum Glück sprengte Netflix aber die Marvel-Reihe und mischte ihren ganz eigenen Stil dazu. Heraus kam eine bemerkenswerte Inszenierung, die an alte Filmzeiten erinnert.

Der, seit einem Unfall in seiner Kindheit, blinde Anwalt Matt Murdock gründet mit seinem Freund Foggy Nelson eine Anwaltskanzlei in Hell’s Kitchen und sagt damit den Kriminellen in seiner alten Hood den Kampf vor Gericht an, während er sich nachts in Selbstjustiz übt.

Aus der Schlagzeile „The Devil from Hell’s Kitchen“ wird in Staffel 1 Daredevil (Draufgänger) geboren.

Ganz modern, in schwarzem Sweater und mit schwarzer Mütze, parcourt er über die Dächer der Stadt und kloppt jeden windelweich, der sich der Sicherheit seiner Nachbarschaft in den Weg stellt. Und das Kloppen hat der Hauptdarsteller drauf wie kein anderer! Das betone ich an dieser Stelle nicht etwa, weil ich ein aggressiver Mensch mit einem Hang zu Gewalttaten bin, sondern weil Daredevil hier mit Kampfkunst beeindruckt, wo andere Figuren nur allzu gerne schwere Geschütze auffahren und die Hälfte der Zeit ein ohrenbetäubendes Pew Pew von sich geben. Aber nicht hier. Hier wird noch ganz oldschool mit den Fäusten gekämpft, was sich wunderbar mit dieser Atmosphäre vergangener Tage vereinigt und den Zuschauer in eine Zeit entführt, in der düstere Noir-Filme diesen gewissen Ermittlercharme transportierten und in denen hübsche Frauen ganz lasziv mit Hut und High-Heels und einer Zigarette zwischen den Fingern eine Detektei aufsuchten.

An dieser Stelle sei auch der beste Antagonist erwähnt, den die Welt gesehen hat: The Kingpin Wilson Fisk, der von dem großartigen Vincent D’Onofrio gespielt wird und der Comicfigur in nichts nachsteht; sie zur Gänze einnimmt.
Er ist der Gangster, der die Fäden in Hell’s Kitchen hält und gegen den Daredevil in der ersten Staffel kämpfen muss. Diese Figur bringt aber nicht nur das Böse mit in die Serie, sondern auch wunderschöne Opern, die die Szenerie aufgreifen und diese Atmosphäre direkt durch die Venen fließen lässt.

„A woman that can be bought isn’t worth having.“ (Wilson Fisk)

Seit »Der Pate« habe zumindest ich keine Figur erlebt, die einem mit dem bloßen Klang ihrer Stimme, einer kleinen Bewegung, einer winzigen Mimik den Atem rauben kann.

Eine durch und durch gelungene, fast schon romantische Serie, auf deren Fortsetzung wir zum Glück nicht mehr lange warten müssen! Und der Glaube an Comicverfilmungen kann nach dieser brillanten Adaption getrost weiter leben, yeah!

Unbreakable Kimmy Schmidt – ein Huiiiiiiii ist nicht genug

Was würdest du tun, wenn du nach 15 Jahren Gefangenschaft in einem Bunker plötzlich befreit wirst? Du kaufst dir natürlich lustige Blinke-Schühchen, schnappst dir deinen niedlichen lila Rucksack und hüpfst in die große, weite Welt!

Oder nicht? Dann solltest du erst recht Unbreakable Kimmy Schmidt schauen und dir zeigen lassen, wie Feminismus mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht funktionieren kann, ohne alles zu ernst zu nehmen.

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Unbreakable Kimmy Schmidt wurde u.a. von Tina Fey eigens für Netflix produziert und sorgte 2015 für eine humoristische Überraschung in Sachen weibliche Comedy. Dafür hat Fey ein tolles Ensemble zusammengestellt, das hauptsächlich aus Frauen besteht und ok, dem homosexuellen Mitbewohner Titus.
Die Serie, zu der 2016 ebenfalls eine 2. Staffel folgt, skizziert Kimmy’s erste Schritte als erwachsene Frau in Freiheit. Das Erste, was sie macht: Eine Wohnung und einen Job in New York suchen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Nebst dem Intro Song »They alive dammit! It’s a miracle! Unbreakable! Females are strong as hell!« stürzt sich die Perspektive direkt auf Vorurteile, mit denen Frauen konfrontiert werden, und nimmt diese wunderbar auf’s Korn. Wer die Pilotfolge mit einem Schmunzeln erträgt, wird der 1. Staffel einiges abgewinnen können. Ich persönlich kenne keine andere Serie, die 2015 so bunt, abgedreht irre und gleichzeitig so Zucker war!

 

Making a murderer – true crime will catch you

Die ergreifende 10-teilige Dokumentation beläuft sich über 10 Stunden und beschäftigt sich einzig mit dem Fall von Steven Avery, der für 18 Jahre unschuldig im Gefängnis saß und nur durch eine neue Methode der DNA-Analyse freikommen konnte. Damals wurde er für eine Vergewaltigung eingesperrt, die er nie begangen hat. Soviel erfährt man in der ersten Folge und fragt sich erstmal, inwiefern das Gesehene mit dem Titel zusammenhängt. Wo bleibt denn der Mörder, der versprochen wurde?

2003 kommt Avery frei: Fortan werden er und seine Familie von einem Kamerateam begleitet, das dem Zuschauer 10 Jahre Filmmaterial liefern wird, wovon zu dem Zeitpunkt aber nicht die Rede sein kann. Schließlich ist der Mann frei. Bis 2005. Dann wird er für einen Mord festgenommen und bekommt sogar lebenslänglich.

Um nicht zu viel zu verraten, nur noch so viel: Making a Murderer ist vielleicht die Doku-Sensation des letzten Jahres, da sie durch den zehnjährigen Geleit des Teams detaillierte und persönliche Einblicke im Fall Avery verspricht. So wurden die Mosaiksteine aus Telefongesprächen, Pressekonferenzen, Gerichtsterminen und Interviews zu einem großen Bild zusammengefügt, die den Zuschauer nur unverständlich mit offenem Mund zurücklassen können.

Seit der Ausstrahlung der Doku auf Netflix wurden zwei Petitionen ins Leben gerufen, die Steven Avery begnadigen sollen, u.a. auf change.org. Das zeigt, wie viele Menschen von diesem einen Fall berührt wurden. Empfehlenswert für alle, die auf Reality-Formate stehen, da die Doku genau diesen Eindruck vermittelt: als sei man die ganze Zeit live am Geschehen beteiligt.

Das waren sie, die drei Netflix-Eigenproduktionen, die man sich während des kostenlosen Probemonats anschauen sollte, um das Beste aus daraus mitzunehmen!