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Netflix: Fuller House und LOVE – mein Serien-Top und -Flop

Zu den Neuerscheinungen und Eigenproduktionen wie LOVE und Fuller House: Doch auch als eingefleischter Netflix-Fan muss man nicht alles gut finden.
von Jessica Mancuso am 6. März 2016

Eins muss man Netflix lassen: Zurzeit werden so viele Eigenproduktionen wie noch nie zuvor bereitgestellt. Im Monat Februar waren es LOVE (19.2.) und Fuller House (26.2.). Beide Serien hielten gute Gründe bereit, um sich darauf zu freuen. So war es bei LOVE der Trailer, der mich gepackt hatte und bei Fuller House einfach dieses Retro-Gefühl, wie bei AkteX, dass etwas Altes wieder kommt. So viel sei schon mal verraten: Nur eine der beiden Serien hat mich überzeugt und mir damit einige schöne Stunden beschert, die andere hingegen tat fast schon weh, so mies fand ich sie.

LOVE – Steht Liebe drauf, ist Liebe drin

In der Netflix Eigenproduktion LOVE geht es um Mickey und Gus, zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie, der wilde, dreiste Typ Frau und er, der schüchterne Nerd, der einem zwischenzeitlich fast schon leid tut, weil er ein zu großes Herz hat. Aber wie es nun mal so ist, wenn zwei so unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen, nehmen sie jeweils Einfluss auf den anderen. So wird bereits in der ersten Folge der schüchterne Gus mit Mickeys Graspfeife konfrontiert, woraufhin er einen ziemlich feinen Trip erlebt und unter dem Einfluss der Droge seiner Ex-Freundin sagen kann, wie scheiße sie sich ihm gegenüber verhalten hat. Hach.

Graspfeife? Ein wildes Mädchen? Ein braver Nerd? Das klingt nicht nur nach Klischee, das ist es auch. Und genau so zeigt sich die erste Folge von LOVE: mit lauter Musik, Drogen und viel verbalisiertem FuckFuckFuck! Und wäre ich nicht ich, hätte ich es bestimmt bei dieser einen Folge belassen, eben weil es zu viel des Klischees war. Es wirkt so unfassbar gewollt und nichts bringt das Zuschauerherz mehr zum Bluten, als wenn man genau hinter die Kulissen blicken und absehen kann, was das Produktionsteam sich dabei gedacht hat.

Nach den Klischees geht’s los

Aber ich ließ mich nicht abwimmeln, nicht nach einer Folge! Und so ging das Binge-watching fröhlich weiter, bis mir bei Folge 3 die großartige Musik auffiel, die die Serie begleitet. Daher schon mal vorab: Ich habe mir und uns eine kleine Playlist auf YouTube erstellt, wo zumindest die Songs gelistet sind, die nach den jeweiligen Folgen im Abspann liefen. Wer die ganze Musik aus der Serie haben will, der wird bei Spotify schnell fündig. Denn scheinbar scheinen alle, die LOVE gesehen haben, zwar unterschiedlicher Meinung zu sein, was den Inhalt angeht, doch in Sachen Musik sind wir uns einig: Die kann was!

Zum Glück habe ich weitergeschaut, denn das Klischee verschwamm im Laufe der Zeit. Nicht, dass Drogen und laute Musik da keine zentrale Rolle mehr spielen würden, aber es geht auch durchaus um die feineren Nuancen der Figuren und ihrer Geschichte. Und so kam es, dass mich diese Serie dann doch recht schnell in ihren Bann gezogen hatte und ich jetzt, keine 2 Wochen danach, schon wieder überlege, sie noch einmal anzuschauen.

Nur noch ein Satz, frei von Spoilern: Gus ist der Typ Nerd, den so manche Frau sich wünscht. Er spielt nicht nur Gitarre und hat einen illustren Freundeskreis, nein; die Musik, die er mit seinen Freunden macht, ist etwas ganz besonderes und ließ zumindest mir das Herzchen aufgehen. Weil sie so wunderbar schräg ist und von Grund auf nerdy as hell.

Fuller House – Full ist nicht full genug

Die Katze ist schon längst aus dem Sack: LOVE fand ich Top und Fuller House eher Flop. Aber von vorn: In Fuller House steht DJ, die damals älteste Tochter der Tanner Familie in Full House, im Mittelpunkt des Geschehens. 

DJ Tanner hat geheiratet und heißt seitdem DJ Fuller. Das ist auch schon die Erklärung zu dem neuen Titel der Serie.

Sie hat mittlerweile 3 Söhne, wovon einer noch ein Baby ist, die sie alleine großziehen muss, da ihr Mann, ein Feuerwehrmann, ums Leben gekommen ist. Wie ihr Vater in der Originalserie benötigt auch DJ die Unterstützung ihrer Familie, um Job und Kinder unter einen Hut zu bekommen. Dafür bieten sich Stephanie, ihre jüngere Schwester, und Kimmy Gibbler, ihre beste Freundin seit den 80ern, an. Gibbler bringt dabei ihre eigene Tochter mit und so wohnen fortan alle unter einem Dach – aber das ist eine andere Serie.

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Nur etwas für echte Fans

Auch hier war die erste Folge eher schwierig bis schmerzhaft, was nur dadurch einigermaßen gerettet wurde, dass man die Ursprungsserie und die Figuren bereits kannte und sich irgendwie auf ein Wiedersehen freute. Die Witze waren flach bis schlecht und keinesfalls witzig. Die Figuren haben sich, so will man es uns wohl verkaufen, keinen Deut verändert, geschweige denn weiterentwickelt. Was wirklich traurig ist, wenn man bedenkt, dass gut 20 Jahre dazwischen liegen. Insgesamt hatte ich den Eindruck, als hätte man alles daran gesetzt, diese Sitcom genau so zu lassen, wie sie damals funktionierte. Nur funktioniert sie heute nicht mehr. Nicht für mich.

Auch nur was für echte Fans: Was die Produzenten aus Stephanie, der jüngeren Schwester, gemacht haben. Klar, natürlich ist sie in den vergangen Jahren gewachsen und nun eine richtige Frau, so richtig mit Brüsten und allem, was dazu gehört. Dass man die Hupen aber durch das (leicht nuttige) Styling nonstop in den Mittelpunkt setzt, sodass man nirgendwo anders sonst hinschauen kann, mag ok sein, aber vielleicht weniger Familienfreundlich als damals noch. Außer es war der Sinn, dass Stephanie von Kindern nur noch als Milchbar auf zwei Beinen gesehen werden soll. Dann will ich nichts gesagt haben.

Einige Momente konnten mir immerhin ein kurzes Lächeln auf den Lippen zaubern, aber auch nur, weil ich die Serie damals schon gesehen habe und heute sehr viel Klatsch und Tratsch verfolge, sodass ich den Beef zwischen den Olsen-Zwillingen mit dem alten Cast von Full House mitkommen hatte.

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Und genau das sind auch die etwas witzigen Momente, wenn die alten Gags ausgepackt werden und Stephanie ein »Wie unhöflich!« von sich gibt, wobei man da auch immer an Michelles niedlichen Worten »So ein Käse!« denken muss, was aufgrund der zwei fehlenden Castmitglieder aber nie ausgesprochen wird.

Ansonsten ist man mit diversen Gifs und Zusammenschnitten aus der Serie schon gut aufgehoben, verpasst nichts und kann sich die Lebenszeit für etwas wertvolleres aufheben. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Revival der Sitcom »Alle unter einem Dach«? Mehr Steve Urkel und weniger Bieber-Handpuppe, die, wenn es nach mir ginge, schon damals verbrannt worden wäre.