Netflix: VPN in Deutschland geblockt? So umgeht ihr die Sperre!

Wie angekündigt, will Netflix verstärkt das Geoblocking unterbinden, indem es Proxies und VPNs blockiert. Nach Sperren in Australien melden sich jetzt auch erste Netflix-Kunden in Deutschland mit Schwierigkeiten. Zum Glück gibt es VPN-Services wie Hola, über die der Zugriff dennoch weiterhin möglich ist. 
von Carsten Drees am 29. Februar 2016

Darüber, wie großartig Netflix für Serien- und Filmfans ist, brauchen wir nicht diskutieren. Das gilt auch für uns hier in Deutschland, wenngleich wir uns mit einem etwas abgespeckten Programm begnügen müssen gegenüber den USA. Generell weichen in den verschiedenen Ländern, in denen Netflix verfügbar ist, die Angebote voneinander ab. Netflix hätte gerne global einheitliche Regelungen – die Content-Anbieter sträuben sich aber eifrig.

Netflix US

Diese Partner von Netflix sind es auch, die es nicht gerne sehen, wenn Netflix-Kunden diese Sperren umgehen, indem sie per Smart DNS- oder VPN-Lösungen doch auf das gewünschte Angebot beispielsweise in den Vereinigten Staaten zugreifen können. Wir berichteten darüber, dass Netflix die Möglichkeiten unterbinden will und vereinzelt auch bereits tätig geworden ist.

Das geschieht allerdings bis dato noch nicht flächendeckend und wirkt eher halbherzig. Dahinter dürfte der Gedanke stecken, den Partnern zu signalisieren: „Seht ihr – wir unternehmen was!“ Netflix versucht sich dabei an einem Spagat, denn man muss nicht nur die Content-Industrie bedienen, sondern will es sich natürlich auch gleichzeitig nicht mit seinen Kunden verderben. Für viele ist eben nicht ersichtlich, dass man in eine kriminelle Ecke gedrängt werden könnte, nur weil man die neuen House of Cards-Folgen – immerhin eine Netflix-Eigenproduktion – auch in Deutschland direkt zum Staffel-Start sehen möchte, oder das Angebot während es Urlaubs im Ausland nutzen möchte.

Netflix-Fernseher

Und auch, wenn Netflix mit seinem Geo-Blocking bislang noch sporadisch vorgeht, hat es nun auch die deutschen Kunden erwischt – oder zumindest einige davon. Caschy berichtet auf Stadt-Bremerhaven.de von Fällen, bei denen ZenMate als VPN-Service diente und in denen nun nur noch auf das deutsche Netflix-Angebot zugegriffen werden kann.

Von uFlix – einem der Dienste, die Zugang zu allen regionalen Angeboten von Netflix anbieten – hörten wir bereits vor einigen Wochen, dass Netflix sich damit auf ein Katz- und Maus-Spiel einlasse, welches uFlix gerne mitspielen will: Netflix lässt sperren, Anbieter wie uFlix finden einen neuen Weg. Auch, wenn es über ZenMate aus Deutschland nicht mehr für jedermann funktioniert, gibt es natürlich massig andere Dienste, die ihr ausprobieren könnt und bei denen es mitunter noch klappt mit dem Netflix-Zugriff.

uFlix und auch Getflix – beides australische Angebote – lassen uns derzeit wissen, dass man die Sperren in den Griff bekommen habe, bzw. die Blockade bereits wieder umgehen kann. Beide sind kostenpflichtig, ihr könnt sie aber kostenlos 14 Tage lang testen. Das macht dann Sinn, wenn ihr tatsächlich ausprobieren wollt, ob ihr diesen Service langfristig nutzen wollt – oder aber vielleicht einfach nur zwei Wochen im Urlaub aus dem Ausland auf das gewohnte Angebot zurückgreifen wollt.

Es gibt aber auch kostenlose Angebote wie beispielsweise das von Hola, welches als Chrome-Erweiterung und für Android erhältlich ist. Ihr könnt dort auch den kostenpflichtigen Premiumzugang buchen, aber auf einer Peer-to-Peer-Basis bezahlt ihr eben keinen Cent, volle Sicherheit gewährt man euch natürlich dennoch. Um Hola einzurichten, genügen wenige kinderleichte Schritte, bis ihr wieder auf das gewünschte Netflix-Portfolio zugreifen könnt – oder auch auf andere ausländische Angebote wie Hulu, Pandora, Fox oder BBC.

Zugriff auf das US-Netflix: VPN à la Hola

Geht auf Hola.org und klickt auf „Starten“ um den Download zu initiieren. Beim ersten Schritt der Installation könnt ihr euch entscheiden, ob ihr den kostenlosen oder den „Subscription“-Service nutzen möchtet und ihr Hola als Peer nutzt oder eben nicht. Bei der kostenlosen P2P-Option wird dabei eure Bandbreite angezapft, wobei Hola natürlich erwähnt, dass nicht etwa gleichzeitig auf irgendwelche Daten oder Informationen eures Rechners zugegriffen wird.

Hola built a peer to peer overlay network for HTTP, which securely routes the sites you choose through other Hola users‘ devices and not through expensive servers. Hola never takes up valuable resources from these users, since it only uses a user as a proxy if that users‘ device is completely idle (meaning device is connected to electric power (not on battery), no mouse or keyboard activity is detected, and device is connected to the local network or Wifi (not on cellular)). This makes Hola the first VPN service without underlying operational costs.

Hola 01

Habt ihr den Download beendet, installiert ihr den Spaß einfach.

Hola 02

Abgeschlossen wird die Installation genau so wie bei anderen Chrome-Erweiterungen auch und mit einem Klick ist die Extension dann auch in eurem Chrome-Browser aktiv.

Hola 03

Wie bei anderen VPN-Diensten wie beispielsweise ZenMate könnt ihr nun über das entsprechende Icon im Browser die Erweiterung aufrufen und euch für das gewünschte Land entscheiden, welches ihr als eure Heimat vorgaukeln wollt.

Hola 05

Alternativ könnt ihr auch über diese Seite einfach das gewünschte Angebot/den gewünschten Sender auswählen und anklicken:

Hola 07

Über euer Hola-Icon könnt ihr natürlich jederzeit entweder das Land ändern, oder aber auch Hola komplett abschalten. Das Switchen – in diesem Beispiel in die USA – klappt bei Netflix, funktioniert aber auch, wenn ich auf US-Sendestationen wie CBS oder Fox die neuesten Folgen von Shows wie 2 Broke Girls, Akte X oder die Simpsons sehen möchte.

uNoGS: Die internationale Netflix-Suchmaschine

Damit ihr nun dem ungestörten Netflix-Genuss frönen könnt, fehlt euch jetzt nur noch die passende Suchmaschine, die euch verklickert, was gerade in welcher lokalen Netflix-Version gesendet wird. Mit “uNoGS” – kurz für unofficial Netflix online Global Search – gibt es so eine Suchmaschine auch bereits. Vielleicht auch noch einen Blick wert ist die Seite Netflixable, auf der ihr euch ebenfalls informieren könnt, was die neusten Inhalte in einem beliebigen Land angeht.

Bei all der Geo-Trickserei müsst ihr aber bedenken, dass damit gegen Netflix‘ neue AGB verstoßen wird. Schlimmstenfalls könnte euch Netflix dafür also sogar den Account sperren:

Netflix AGB

Wir werden das gespannt weiter verfolgen, wie Netflix weiter verfährt: Zieht man die Daumenschrauben bei den Nutzern an, oder werden sie weiterhin eher symbolisch geblockt? Ich verstehe das, dass man den großen Content-Anbietern, die auf ihre Rechte pochen, irgendwelche Happen hinwerfen und Zugeständnisse machen muss – dennoch würde ich mir wünschen, dass man dazu nicht seine Nutzer kriminalisiert und stattdessen die Bestrebungen forciert, länderübergreifend die gleichen Shows und Filme anbieten zu können.

Einrichten dürfen wir uns wohl darauf, dass es noch den ein oder anderen VPN-Service erwischen wird, andere wiederum einen Weg finden, die Geo-Sperre zu umgehen. Für uns bedeutet das, dass wir vielleicht hin und wieder den VPN-Dienst wechseln oder ausprobieren müssen, für Netflix und besagte VPN-Dienste bedeutet es hingegen, dass das jetzt begonnene Katz-und-Maus-Spiel weitergehen wird.

via heise.de