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Kommentar
Neue Facebook-AGB: (Wieder einmal) der Untergang des Abendlandes

30. Januar 2015 - der Tag, an dem Facebook (mal wieder) seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen anpasst. Damit einher geht immer große Besorgnis von den Medien über die Datenschützer bis zu den Nutzern, die dann regelmäßig für reichlich Abwanderungswillige sorgt. Aber was ändert sich nun wirklich bei Facebook und was kann man als Nutzer tun?
von Carsten Drees am 30. Januar 2015

Habt ihr euch heute schon bei Facebook eingeloggt? Ja? Verdammt, dann seid ihr Mark Zuckerberg und seinen Spießgesellen allesamt in die Falle gelaufen. Das Unternehmen hat nämlich sorgfältig die Anpassung seiner AGB geplant, die mit dem heutigen Tag in Kraft tritt. Dazu müsst ihr nichts unternehmen oder unterschreiben oder irgendwo einen virtuellen Haken machen – wer Facebook nutzt, stimmt stillschweigend den neuen Regularien zu.

Das klingt jetzt natürlich frech, aber so kann es uns nun mal ergehen, in diesem Internetz, in dem man vor Datenräubern eh schon nicht mehr weiß, wo man sich noch hintrauen darf. Facebook hätte das definitiv anders lösen können, daran besteht kein Zweifel. Ein kleiner Hinweis verbunden mit einem OK-Button, den man drücken kann – das hätte vermutlich den meisten schon ausgereicht. Das macht man bei Facebook aber nun mal nicht so und daher ist das Gejammer wieder groß. Da das Lesen der Facebook-Policies relativ wenig Spaß macht, stürzen sich nun viele Facebook-User eifrig auf die zahlreichen Artikel, die es dazu im Netz zu finden gibt. In meinem News Feed tauchte da beispielsweise der Beitrag Facebook AGB – Friss oder stirb sehr oft auf, nicht selten verbunden mit der Ankündigung des Teilenden, dass er Facebook nun den Rücken zukehren werde.

Hiermit widerspreche ich…

Es gibt so manchen Artikel im Netz, der sich mit den neuen AGB auseinandersetzt und die Änderungen erklärt, beliebter sind allerdings wohl eher die Beiträge, die die Panik schüren und verunsicherte Nutzer noch ratloser zurücklassen. Logische Konsequenz für viele: Man fängt wieder an, lustige Widersprüche gegen die Nutzungsbedingungen zu posten – als Bild auf Facebook. Das passiert jetzt schon seit Jahren immer wieder und manchmal wird so eine Protestwelle sogar los getreten, ohne dass überhaupt eine Änderung ansteht – ein empörter Mob findet sich zum Glück immer irgendwo im Netz, jederzeit.

Ihr habt jedes Recht, jede Änderung auf einem Social Network wie Facebook daneben zu finden und das auch entsprechend zu kommunizieren – aber bitte postet doch keine Bilder, in denen ihr erklärt, dass ihr die geänderten Bedingungen nicht anerkennt. Oder informiert ihr auch Passanten in der Fußgängerzone, dass ihr irgendeine Preiserhöhung bei Aldi nicht mitmacht und wundert euch dann an der Aldi-Kasse, dass die unverschämterweise dennoch den höheren Preis berechnen? Witzig ist dabei oftmals als Außenstehender, dass diejenigen, die auf Facebook über Facebook poltern, logischerweise Google-Dienste nutzen, gerne ihre Payback-Punkte in Prämien ummünzen und ähnliche Geschichten, die aus datentechnischem Blickwinkel ziemlich genau die selben Möglichkeiten nutzen wie Facebook. Blogger-Kollege und Buddy Caschy hat dazu eben ein großartiges Posting auf Facebook verfasst, welches ich ihm exakt so unterschreibe:

Was hat sich überhaupt geändert?

Wir wollen hier mal nicht unter den Teppich kehren, dass sich in der Tat Einiges geändert hat. Das stellt Facebook jetzt nicht gerade auf den Kopf und ihr müsst euch auch nicht fürchten, dass eure Facebook-/Whatsapp-/Instagram-Fotos morgen von einem Werbeplakat strahlen, aber dennoch wollen wir dennoch auf die wichtigsten Änderungen eingehen:

Werbung

Mit Atlas hat Facebook sein neues Werbe-Netzwerk am Start. Facebook möchte gern personenbezogene Werbung anbringen, will sich da aber nicht mehr nur auf eure Likes verlassen. Facebook möchte seine Nutzer auch außerhalb des Social Networks aufspüren und wenn ihr künftig außerhalb Facebooks unterwegs seid und dort fleißig auf den Like-Daumen klickt oder Apps nutzt, die auf eure Facebook-Mitgliedschaft setzen, fließt das nun mit ein in die Beurteilung, welche Werbung man euch aufs Auge drückt.

Facebook will ja bekanntlich auf Transparenz setzen und tut das in diesem Fall auch wirklich. So erklärt man euch, auf welcher Grundlage bestimmte Werbung eingeblendet wird und ihr könnt die Relevanz selbst bewerten, so dass die Zukunft passendere Werbung für euch bereithalten sollte.

Ich persönlich bin durchaus Anhänger dieser personalisierten Werbung und amüsiere mich, wenn es mal nicht passt, freue mich aber wesentlich mehr darüber, wenn ich wirklich passende Inhalte angezeigt bekomme.

Standort

Künftig werden auch eure Standort-Daten und die eurer Freunde getrackt, was ebenfalls damit zusammenhängt, dass personenbezogene Werbung passender ausgeliefert werden kann. In der Praxis wird das dann so aussehen, dass ihr vielleicht ein passendes Restaurant oder einen Club in unmittelbarer Nähe empfohlen bekommt.

Privatsphäre

Transparenz hat man sich auf die Fahne geschrieben und so sollt ihr bessere Einblicke darüber erhalten, was man von euch sieht bei Facebook, aber auch, welche Daten anderen Seiten/Anwendungen vorliegen. Mit interaktiven Anleitungen möchte man euch möglichst einfach aufzeigen, wie ihr welche Inhalte den richtigen Kontakten zeigt. Pauschal – und das kann man Facebook jetzt ankreiden, wenn man möchte – werden per Default die Einstellungen so getroffen, dass bei Facebook möglichst der Rubel rollt. Ihr könnt also dafür sorgen, dass weniger Daten preisgegeben werden, müsst euch aber dementsprechend durch die Privatsphäre-Einstellungen wühlen.

Und sonst so?

Eine weitere Neuerung wird Facebook einführen, die dem Social Network noch mehr Daten zukommen lassen wird: Es wird nämlich möglich werden, direkt aus dem News Feed heraus Produkte kaufen zu können. Durch den Klick auf den Kaufen-Button spielt ihr Facebook dann selbstverständlich weitere Infos in die Hände. Die bereits vorhandenen Daten können dann auch noch den Zahlungsinformationen und eurem Konsumverhalten zugeordnet werden.

Was kann ich jetzt unternehmen?

Was ist jetzt zu tun, wenn man sich so partout nicht anfreunden kann mit den neuen AGB? Bilder mit Widersprüchen sind Quatsch, das haben wir ja schon festgestellt. Generell gilt zu sagen, dass ihr euch die Mühe machen solltet, euch durch die Einstellungen zu wühlen, die Facebook uns anbietet. Das macht wenig Spaß und man muss sich eine Weile damit auseinandersetzen, aber auf diese Weise könnt ihr eben steuern, was von euch durch die News Feeds eurer Freunde rauscht und könnt sogar dafür sorgen, dass weniger Daten für Werbung genutzt werden können.

Vielfach bin ich heute im News Feed über die Empfehlung Ghostery gestolpert. Mit dieser Erweiterung für euren Browser könnt ihr die kleinen Dienste aufspüren, die im Hintergrund Daten übermitteln – und gegebenenfalls blockieren. Witzigerweise erkennt das Tool auf Facebook deutlich weniger dieser Dienste als auf den Seiten, die in diesen Tagen die Facebook-Panik schüren. Thomas Hutter hat dazu einen Beitrag verfasst, den ich euch hiermit ans Herz lege. Android-Nutzer können die App Tinfoil for Facebook nutzen. Die App lässt euch Facebook nutzen, benötigt aber weit weniger Berechtigungen als die Facebook-App und spart euch zudem Akku. Der Tutonaut stellt die App hier vor, die im Grunde nicht viel mehr ist als ein Wrapper.

Tinfoil for Facebook
Entwickler: Daniel Velazco
Preis: Kostenlos
  • Tinfoil for Facebook Screenshot
  • Tinfoil for Facebook Screenshot
  • Tinfoil for Facebook Screenshot

Widersprechen könnt ihr also nicht und auch das Datensammeln könnt ihr Facebook nur bedingt austreiben. Wem das so gar nicht in den Kram passt, dem bleibt vermutlich wirklich nicht viel übrig, als den Schuh zu machen und Facebook den Rücken zuzukehren. Andere, mitunter werbefreie Alternativen wie Ello gibt es – ich halte sie zu diesem Zeitpunkt aber einfach nicht für wirkliche Alternativen. Ankündigungen habe ich viele gelesen, die den Abschied einiger Facebook-Freunde verkünden. Wenn sie gehen, dann ist das halt so und wirklich wichtige Kontakte verliert man ja nicht, nur weil man per Facebook nicht mehr kommuniziert. Aber unter dem Strich gehe ich davon aus, dass die meisten dieser Ankündigungen einfach so verpuffen und meine Freundesliste auch in einigen Tagen noch so ähnlich aussehen wird wie heute.

Ich persönlich finde es klasse, wenn die Werbung für mich Relevanz besitzt und wer mich als FB-Freund hat, der weiß auch, dass ich nicht wirklich zimperlich damit bin, Bilder, Links und anderen Unfug übers ganze Netzwerk zu blasen. Damit komme ich persönlich klar, ich mag es, für euch so transparent zu sein. Allen anderen kann ich nur wieder ans Herz legen: Schaut euch die Einstellungen an, kickt hin und wieder einfach mal Apps, die nicht mehr benötigt werden und habt ein Auge drauf, welche Dinge ihr öffentlich preisgebt oder eben nur vor ausgesuchten Freunden. Facebook will Geld verdienen – das darf man wohl einem börsennotierten Unternehmen nicht wirklich vorwerfen. Wenn ihr also dort unterwegs seid, müsst ihr entweder damit leben, dass nach deren Regeln gespielt wird – oder ihr lasst es eben bleiben. Ich fände es aber cool, wenn ihr dort bleibt und mir vielleicht mal Hallo sagt ;)  https://www.facebook.com/carsten

 

Bild: Marketingfacts.nl