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Presseenten: Internet Explorer wird nicht eingestellt – Windows 10 Update legalisiert keine Raubkopien

Grosse Aufregung, nicht nur in den weltweiten Tech-Medien. Angeblich wolle Microsoft nicht nur den Internet Explorer einstellen, sondern auch noch kostenlos Windows 10 Updates fuer "non genuine" Windows 7 und Windows 8 Versionen bereitstellen.

Ja was ist denn da bei unseren Freunden aus dem US-Bundesstaat Washington los? Erst wird einer der erfolgreichsten Programme ueberhaupt eingestampft und dann soll es auch noch eine Amnestie fuer Raubkopierer geben? Es scheint auf den ersten Blick als haette man auch in Redmond die Initiative 502 voll uebernommen und nach dem Motto „High, Washington“ den grossen Kuschelkurs ausgerufen. Seht her, wir legalisieren die zuvor illegalen Kopien von Windows 7 und 8 und dann wird auch noch der Internet Explorer in die Rente geschickt.

Sorry, dass ich euch hier enttaeuschen muss, aber genau das wird nicht passieren und man muss sich eher fragen, welcher Knaster in den diversen Redaktionen geraucht wird, die dies so uebernommen und gegenseitig voneinander abgeschrieben haben.

Presseente #1 – MS schafft IE ab

Ich will hier mal umgehend den Microsoft Marketing Chef Chris Capossela zitieren:

We’ll continue to have Internet Explorer, but we’ll also have a new browser called Project Spartan, which is codenamed Project Spartan

Kann mir nun mal jemand erklaeren, wie man daraus folgende Headlines und Artikel schmieden kann?

Heise: Microsoft macht Schluss mit Internet Explorer

Focus: Nach 20 Jahren: Microsoft stellt Internet Explorer ein

Sueddeutsche: Microsoft stellt Internet Explorer ein

Mobile Geeks: Project Spartan: Neuer Browser für Windows 10 löst Internet Explorer ab

Alleine aus Komptibilitaetsgruenden mit diversen Grosskundenprojekten kann Microsoft den IE nicht einstellen. Der neue, intern „Project Spartan“ genannte Browser wird zwar unter Windows 10 die Default-Plattform sein um ins Internet zu gehen, das heisst aber nicht dass man nun den Internet Explorer damit auf die digitale Muellhalde schiebt.

Also Web-Entwickler… ihr koennt noch einmal tief durchatmen. Diese News hat sich irgendwie verselbststaendigt und ueber diverse Veroeffentlichungszyklen immer weiter angepasst… in Richtung Clickbait. Wer sich die Praesentation von Capossela anschaut (und die sind eh immer sehenswert), der kann die Aussagen der diversen Mainstreammedien einfach nicht bestaetigen.

Presseente #2 – MS legalisiert Raubkopien durch Windows 10 Update

Uiuiui, jetzt wird es richtig spannend. Angeblich verteilt Microsoft kostenlose Windows 10 Updates auch an Raubkopierer. Kleiner Pressespiegel gefaelligst?

Chip: Kostenloses Windows für Raubkopierer: Windows-10-Update für jeden möglich

Stern: Windows 10 wird kostenlos – sogar für Raubkopierer

PC Welt: Microsoft verschenkt Windows 10 auch an alle Raubkopierer

Mobile Geeks: Microsoft: Windows 10 Update kostenlos – auch für Raubkopierer

Glaubt man diesen Titeln, dann startet Microsoft mit den Windows 10 Updates die wohl weltweit groesste Amnestie- und Legalisierungs-Kampagne fuer illegale Software. Dem ist nicht so und das haette man durch einen kleinen Faktencheck bei Microsoft direkt erfahren koennen.

Wie uns die Redmonder mitteilten, wird eine kopierte Version von Windows 7 oder 8 natuerlich nicht auf einmal legal, nur weil man auf Windows 10 updaten kann. Vielmehr wird der Windows Store daraufhin die Moeglichkeit anbieten, dass man seine „non genuine“ Windows Variante legalisieren kann! Dies geschieht natuerlich durch den Erwerb einer Lizenz.

Ja Microsoft beabsichtigt genau das Gegenteil dessen, was u.a. die von mir verlinkten Medien behaupten. Mit dem Update auf Windows 10 will man mehr User von illegalen Kopien dazu bewegen sich eine Lizenz zu kaufen. Auch das duerfte man durch mehr oder weniger offensichtliche Hinweise erreichen. Denkbar sind also Nachrichten beim Bootup Vorgang oder gar eine eingeschraenkte Nutzungsmoeglichkeit, bis man letztendlich einen Lizenzschluessel eingibt. In meinen Augen ein mehr als raffinierter Weg um die User von Raubkopien nun endlich zu rechtmaessigen Kunden zu machen.

P.S. Kleine Anmerkung. Ich habe unseren Artikel vom 21. Januar ebenfalls in den Pressespiegel gepackt. Wir haben den Quatsch naemlich damals auch geglaubt.