Netflix-Fernseher

Sub 300
ProSiebenSat.1 hat keine Angst vor Netflix – sollte es aber!

Netflix hat Deutschland nicht im Sturm erobert - das sagt der ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling - ich denke, damit verkennt er den Ernst der Lage für das "klassische" Fernsehen.
von Carsten Drees am 26. Februar 2016

Gestern fand der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest statt, wie immer übertragen vom NDR, der sich diesmal über knapp fünf Millionen Zuschauer freuen konnte. Der ESC ist ein TV-Dinosaurier und vielleicht eines der wenigen Formate, bei dem sich noch mehrere Millionen Zuschauer gleichzeitig vorm Fernseher einfinden. In Deutschland gibt es sowas in der Art sonst eigentlich nur noch, wenn Sport-Events laufen oder Formate wie das Dschungelcamp.

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Das lineare TV verliert immer mehr an Bedeutung, was auch daran liegt, dass Angebote wie Netflix und Amazon Prime für immer mehr Zuschauer absolute Entertainment-Glückseligkeit bedeuten. Wir gewöhnen uns daran, unsere Inhalte dann zu sehen, wenn wir Lust haben – nicht, wenn es uns die TV-Zeitschrift vorschreibt.

Netflix hat Deutschland nicht im Sturm erobert. Thomas Ebeling, ProSiebenSat.1

Bei ProSiebenSat.1 sieht man das noch ein bisschen anders: „Netflix hat Deutschland nicht im Sturm erobert“, sagt der Konzern-Chef Ebeling und spielt damit die deutsche Begeisterung für Netflix und Amazon Prime herunter. Entweder irrt er hier gewaltig, oder redet es bewusst klein – Fakt ist, dass diese Angebote jedem klassischen Anbieter Magenschmerzen bereiten dürften.

Schaue ich auf mein Umfeld, dann sehe ich fast durch die Bank Menschen, die sich am Wochenende ganze Staffeln reinziehen und nicht auf eine Ausstrahlung im freien TV warten wollen. Filterblase, sagt ihr? Ja klar – da sind viele Nerds dabei. Aber das ist exakt die gleiche Filterblase, die irgendwann anfing, online Bücher zu kaufen, Zeitungs-Abos zu stornieren, MP3-Songs via iTunes zu kaufen und jetzt bei Spotify und Co. Musik streamt – und was alles mit Verzögerung Mainstream wurde. Geschichte wiederholt sich – im Internet mit verstaubten Offlinern immer wieder.

PS: ProSiebenSat.1 hat mit Maxdome ein eigenes Streaming-Angebot – nach eigenen Angaben die deutsche Nr. 3 hinter Netflix und Amazon Prime. Nummer Drei – obwohl man mit Maxdome bereits 2006 (!) startete – Jahre vor Netflix! (via)