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Smartwatch History – So entwickelten sich die smarten Uhren von Dick Tracy bis zur Apple Watch

Nicht erst seit der gestrigen Vorstellung der Apple Watch scheint es ein Wunsch des Menschen zu sein, an seinem Handgelenk etwas zu tragen, was zu mehr in der Lage ist, als lediglich die Zeit anzuzeigen. Wir wagen einen Ritt durch die Geschichte der Smartwatch und durch sieben Jahrzehnte, schauen auf Geräte aus der Fiktion ebenso wie auf tatsächlich entwickelte.

Gestern war es also soweit: Apple präsentierte offiziell die finale Apple Watch und dürfte damit den Markt der Smartwatches binnen kürzester Zeit und ungeachtet der kruden Preispolitik komplett auf links krempeln. Das Unternehmen aus Cupertino möchte wieder einmal das Kunststück wiederholen und einem Produkt, an dem sich auch schon viele andere versucht haben, neues Leben einhauchen.

Bevor die Apple Watch nächsten Monat in den Handel kommt, wollen wir aber erst einmal schauen, welchen Weg die Smartwatch bis zum heutigen Tag genommen hat. Wir sehen uns an, was Microsoft und Co schon vor vielen Jahren an Ideen vorgebracht haben und erst recht, welche Beispiele sich in der TV-, Film- und Comic-Geschichte finden lassen.

Natürlich hießen diese Gerätschaften noch nicht „Smartwatch“ und waren mal mehr Telefon, Funkgerät oder TV-Gerät fürs Handgelenk, aber allesamt waren sie eben mehr als nur eine Armbanduhr. Wir arbeiten uns jetzt durch die letzten etwa 70 Jahre, erheben dabei natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern haben uns ein paar interessante Meilensteine herausgesucht.

 

1946 – Dick Tracy: The 2-Way Wrist Radio

Dick Tracy

Legendär ist das Device, welches Dick Tracy – Comic-Held und Polizeiinspektor – an seinem Armband trägt. Bereits seit den 30er Jahren gibt es die Dick Tracy-Comics, bei denen oftmals technisches Gerät zum Einsatz kam, welches es so in Wirklichkeit nie gab. Das 2-Way Wrist Radio trug Tracy bei seinen Abenteuern ab 1946, 1964 folgte dann eine TV-Version dieser Ur-Smartwatch.

Sie war sowas wie das Aushängeschild des Dick Tracy und wenn versucht wird, den Urahn der Smartwatch zu ermitteln, ist es das erste Gerät, welches genannt wird. Und mal ehrlich: Die Rädchen rechts ähneln schon Apples Krone an der Watch, oder nicht? ;)

Wrist Watch

 

1948 – Brunetti Wrist-Watch Transmitter

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Dr. Cledo Brunetti arbeitetet während des zweiten Weltkrieges für das National Bureau of Standards und war darauf spezialisiert, elektronische Geräte denkbar klein zu bauen. Das gilt auch für das Funkgerät, welches am Handgelenk getragen werden kann, aber ein wichtiges Erkennungsmerkmal einer Smartwatch vermissen lässt: Es zeigt nun mal keine Uhrzeit an.

 

1953 – Sylvania Radio

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Ende 1953 stellte das Unternehmen Sylvania eine Uhr vor, die auf der Idee der Dick Tracy-Watch basierte. Von der Funktionalität konnte sie natürlich nicht mit dem Modell des Polizeiinspektors mithalten und zudem musste man auch einen klobigen Funk-Empfänger nutzen, wie ihr oben im Bild seht.

 

1960 – Closer than we think

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Im Jahr 1960 war es Arthur Radebaugh, der als Teil seiner Comic-Serie „Closer than we think“ für eine Zeitung eine Vision von einer Smartwatch zeichnete. Generell setzte er sehr viele Ideen einer möglichen Zukunft in seinen Zeichnungen um, in dem gezeigten Bild sehen wir unter anderem eben einen Empfänger fürs Handgelenk, auf dem man sich eine TV-Übertragung vom Mond anschauen kann. In Zeiten, in denen man sich viele Programmmacher eher auf den Mond wünscht, muss man erkennen, dass alle diese Ideen von Radebaugh wahrlich noch nicht eingetroffen sind.

 

1963 – Die Jetsons

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Wie die Feuersteins, Yogi Bär und Scooby-Doo stammen auch die Jetsons von Hanna-Barbera, erleben ihre Abenteuer aber im Jahr 2063. Man braucht sich angesichts dieser Jahreszahl aber wohl nicht darüber wundern, dass es bis dahin möglich ist, im Klassenzimmer TV zu glotzen. Passenderweise schaut sich der Träger dieser Smartwatch auf dem Mini-Screen die Flintstones an. Apropos Fred Feuerstein: Selbst in der Steinzeit wollte man scheinbar nicht auf ein smartes Device am Armband verzichten, wie das folgende Bild beweist:

Feuerstein Smartwatch

 

1979 – Risto

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Im 1979 erschienenen Jugendbuch Future Cities hat man sich mit der Welt beschäftigt, wie sie im 21. Jahrhundert aussehen wird. Unter dem Namen Risto gibt es einen Smartwatch-Vorgänger, mit dem man nicht nur telefonieren kann. Im Notfall kann man damit auch die Polizei zu Hilfe rufen, sie verfügt über ausfahrbare Antennen und ihr könnt damit sogar Wählen gehen – über 100 Millionen Stimmen können dank Risto binnen einer Stunde ausgezählt werden ;)

 

1979 – Star Trek Wrist Communicator

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Nochmal das Jahr 1979: Auch Raumschiff Enterprise aka Star Trek hatte immer Technik, die man sich für die Zukunft vorstellte und dazu gehört auch der Communicator. Für den ersten Star Trek-Film entwarf man eine Version des Communicators für das Handgelenk. Lange ließ man den Wrist Communicator jedoch nicht leben: Im zweiten Teil kehrte man zur klassischen Form zurück. Als Spielzeug könnt ihr euch diesen Communicator aber sogar jetzt noch kaufen.

Classic Star Trek Starfleet Wrist Communicator

Preis: EUR 49,81 oder gebraucht ab EUR 49,81

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1982 – Seiko TV-Watch

Seiko TV Watch

Auch der Smartwatch-Vorgänger von Seiko aus dem Jahr 1982 präsentiert ein TV-Bild fürs Handgelenk. 1984 schaffte es die Seiko TV Watch sogar ins Guinness-Buch der Rekorde, als kleinstes TV-Gerät der Welt. Zu der Watch gehörte neben dem Kopfhörer auch noch der Empfänger, der eher an einen alten Walkman erinnert. Diese PDF-Datei liefert euch die Anleitung zur Seiko TV Watch. In mehreren Filmen tauchte diese Uhr auf – allerdings natürlich nur das Display-Armband, nicht der Kopfhörer oder gar der klobige Empfänger. Hier seht ihr einen Ausschnitt aus dem James Bond-Film Octopussy:

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1995 – Die Simpsons

Simpsons Smartwatch

Meine persönlichen Helden – die Simpsons – hatten wir hier auf dem Blog auch schon mehrfach zum Thema. So schrieben wir beispielsweise darüber, dass die Macher so manches mal schon einen guten Riecher bewiesen haben mit Gadgets aus der Zukunft wie der Artikel 10 Beispiele, in denen die Simpsons die Zukunft der Technik voraussagen belegt. In diesem Fall – einer Folge von 1995 – blicken wir in die Zukunft, in der Lisas Verlobter etwas am Handgelenk trägt, mit dem man auch telefonieren kann.

 

2000 – IBM WatchPad

IBM WatchPad

Wir springen ins aktuelle Jahrtausend, genauer gesagt ins Jahr 2000. IBM präsentierte das WatchPad, welches aber über den Status eines Prototypen niemals hinaus kam. Erstaunlich, was dieses Device schon zu bieten hatte: Ein monochromer Touchscreen war bereits an Bord ebenso wie Linux als OS, dazu Bluetooth, Vibration, ein Accelerometer und sogar ein Fingerprint-Scanner. Ein weiteres interessantes Detail seht ihr im Video: Eine Krone, die ebenso wie bei der Apple Watch genutzt wird, indem man sie dreht oder drückt.

 

2003 – Microsoft SPOT

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Logischerweise hat sich auch Microsoft schon früh auf Smartwatch-Terrain begeben. 2003 präsentierte man auf der CES SPOT, was für Smart Personal Objects Technology steht. Wenn ihr euch jetzt fragt, wieso ihr davon nichts wisst, könnt ihr auch schon erahnen, dass diesem Projekt kein sehr großer Erfolg beschieden war. 2008 war schon wieder Schluss mit lustig bzw. mit SPOT.

 

2009 – Samsung S9110

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Wir nähern uns der Jetzt-Zeit und finden da im Jahr 2009 das erste Smartwatch-Modell von Samsung. Die S9110 besaß einen 1.76-inch Touchscreen, Bluetooth, unterstützte E-Mails und MP3-Wiedergabe. Ihr konntet damit bereits telefonieren und zudem war auch Spracherkennung an Bord.

 

2012 – Sony Smartwatch

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2012 schließlich betrat Sony die Smartwatch-Bühne mit der gleichnamigen Uhr. Jetzt sind wir schon bei Uhren angekommen, die den aktuellen Smartwatches sehr ähnlich sind. Auf der Watch laufen Benachrichtigungen auf, die auf dem damit verbundenen Android-Smartphone auflaufen, auch aktuell eines der Kern-Features jeder Smartwatch.

 

2012 – Pebble

Pebble

Ebenfalls im Jahr 2012 ging bei Kickstarter mit Pebble ein Unternehmen an den Start, welches man heute wohl niemandem mehr vorstellen muss. Mittlerweile haben die Jungs und Mädels die zweite Generation vorgelegt, die beim MWC in der Steel-Variante präsentiert wurde. Die Pebble Time bzw Pebble Time Steel bricht wieder einmal bei Kickstarter alle Rekorde und sorgt dafür, dass wir uns auch heute immer noch über unterschiedliche Ansätze bei den Display-Technologien unterhalten. Pebble setzt nämlich auf E-Ink-Displays und kann daher eine deutlich bessere Akkulaufzeit bieten als die Konkurrenz.

 

2013 – Samsung Galaxy Gear

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Die Präsentation der Galaxy Gear von Samsung im Rahmen der IFA stellte für mich persönlich einen sehr wichtigen Meilenstein der Smartwatch-Geschichte dar. Unter uns: Die Uhr war nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber erstmals hat eine Smartwatch auch über unseren Geek-Dunstkreis hinaus mediale Aufmerksamkeit erfahren. Seitdem hat Samsung noch mehrmals nachgelegt und baut mittlerweile wirklich starke Smartwatches und dominiert – bis jetzt – auch diesen Markt.

 

2015 – Apple Watch

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So – wir sind am Ende angekommen. Nicht das Ende der Smartwatch-Fahnenstange, sondern bei der neuesten smarten Uhr, die in diesem Fall aus Cupertino stammt und auf den Namen Apple Watch hört. Viel wird darüber geschrieben und geredet, auch abseits aller Preis-Debatten. Ich persönlich sehe nichh viele Dinge, bei denen Apple die Konkurrenz bei der Hardware oder der Software abhängen kann, aber nichtsdestotrotz wird Apple binnen kürzester Zeit die Marktführerschaft an sich reißen, da bin ich sicher.

Die Entwicklung wird selbstverständlich mit Riesenschritten weiter vorangehen und so dürfen wir uns allesamt darauf freuen, was die nächsten Jahre zu bieten haben werden in Sachen Smartwatches.

 

Quellen:

Fastcompany.com

Gizmodo.com

Taschenfernseher.de

ZDNet.com