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Smartwatch im Smart Home – Die perfekte Harmonie des Internet der Dinge

Es ist kein Science-Fiction mehr, sondern längst Realität. Ein kleiner theoretischer Einblick in die Möglichkeiten, welche die Smartwatch im vernetzten Zuhause bieten kann.
von Daniel Böber am 13. März 2015

Mit dem Thema Smartwatch kann mittlerweile jeder etwas anfangen. Die Meisten aber, so kommt es mir zumindest vor, verbinden mit dem Thema nicht allzu viel Positives. Viele Funktionen fallen in die Kategorie “braucht kein Mensch” und das Geld ist oft an anderer Stelle besser investiert. Das Ganze braucht wohl einfach noch etwas Zeit. Das war beim Touchscreen, welchen es auch schon Jahre vor dem ersten iPhone gab, genau das Gleiche.

Aus Fantasie wird Wirklichkeit

Was vor geraumer Zeit noch wie Sci-Fi klang, ist jetzt schon in greifbarer Nähe. Das Smart Home ist längst kein Tagtraum mehr. Wer verzweifelt nach sinnvollen Anwendungen für die Smartwatch sucht, wird hier vielleicht fündig.

Smarte Uhren wie die LG G Watch R oder Samsung Gear S bzw. das bekannte Kickstarter Projekt Pebble bieten teils eine Reihe von Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung. Die offensichtliche ist sicher NFC. Weiterhin können auch Bluetooth, WLAN, die Kamera und die Bewegungssensoren genutzt werden. Je mehr Sensorwerte zu Verfügung stehen, desto einfacher ist es für die Zentrale, die künstliche Intelligenz, zu entscheiden, welche Aktion oder welche Szene die richtige ist. Fangen wir einfach an:

Der Lichtschalter

Per Schalter können wir in der Regel das Licht steuern. Eventuell noch die Klingel oder die Garage. Brauchen wir diese denn eigentlich noch? Im Smart Home nicht unbedingt, denn genau diese Funktionen können von Sensoren übernommen werden, welche automatisch entscheiden. Alles zu automatisieren wird aber nicht klappen. Vielleicht wollen wir beim Kochen Radio hören, vielleicht auch nicht. Jetzt kommt für mich die Smartwatch ins Spiel. Viel Platz ist auf dem kleinen Display nicht, daher muss pro Raum entschieden werden, welche Funktionen angezeigt werden. Beim Betreten der Küche werden mir beispielsweise 4 Aktionen angezeigt, eine davon ist das Radio einzuschalten. Wie das geht? Per Bluetooth Beacon kann auf den Meter genau bestimmt werden, wo ich mich aufhalte. Die Uhr bekommt also diese Daten und zeigt die passenden Funktionen.

Einfacher geht es immer: An die Stelle des Schalters wird einfach ein codierter NFC Sticker platziert. Wenn ich diesen dann auslese, einfach die Smartwatch daran halten, wird das Licht eingeschaltet. Den Befehl sendet die Uhr dann via WLAN an die Zentrale. Funktionen können jederzeit umprogrammiert werden und die Sticker kosten nur sehr wenig Geld.

Interessant wird es auch bei mehreren Personen im Haushalt. Vielleicht hört Stefanie beim Kochen keine Musik und möchte lieber die Fenster ankippen oder die Lüftung bedienen? Wenn alles programmiert wurde, ist auch das kein Problem.

Sicherheit

Bei richtiger Installation ist eine sichere Identifikation per Smartwatch einfach möglich. In der Theorie braucht es an der Tür nur noch einen Knopf oder vielleicht einen Touchscreen. Wenn sich eine berechtigte Person in unmittelbarer Nähe der Haustür befindet, kann diese geöffnet werden. Bluetooth bzw. WLAN sind bei korrekter Konfiguration wesentlich sicherer als ein “normales” Schloss. Dieses kann oft sehr einfach mit entsprechendem Werkzeug geknackt werden.

Sprachsteuerung

Die Sprachsteuerung ist längst kein Traum für Star Trek Fans mehr. Per Google Now oder Apple Siri ist bereits eine sehr zuverlässige Sprachanalyse möglich. Oft scheitert es jedoch an der Eingabe. Es müssten sich in jedem Raum diverse Mikrofone befinden und auch müsste die Software aus den vielen Aufnahmequellen die passenden herausfiltern. Eine Smartwatch trägt man bei sich und kann sie einfach per Sprachkommando aktivieren. Damit lässt sich dieses Dilemma sehr einfach aus der Welt schaffen. Die komplexen Sprachalgorithmen gilt es trotzdem zu programmieren.

Szenen erkennen und auslösen

Es kann auch nur die reine Sensorik der der Uhr hilfreich sein. Der Neigungssensor, der Puls und die Lichtmessung sind interessante Werte, um festzustellen, ob der Anwender vorhat zu schlafen. Das ist sonst keine einfache Sache. Individuelle Temperatureinstellungen und Vorlieben pro Raum sind sehr leicht möglich. Eine unsichtbare Identifikation. Klappt natürlich nur, wenn jeder eine Funktionierende und verbundene Smartwatch trägt.

Virtual Reality

Hier bewegen wir uns wohl doch in der Zukunft. In Verbindung mit VR-Brillen wären auch interessante Szenarien denkbar. Die Temperatur der Heizung oder des Herdes könnte ins Sichtfeld eingeblendet werden. Auch hier kann pro Raum das passende Display angezeigt werden: beim Bad die Restzeit der Waschmaschine und im Schlafzimmer vielleicht Informationen zum Raumklima.

SmartThings-App auf Samsung Gear S
SmartThings-App auf Samsung Gear S Bild:SmartThings

 

Anforderungen an die Hersteller

Was in der Theorie einfach und logisch klingt, ist in der Praxis aktuell noch nicht so leicht. Es gibt sehr viele Smart Home Systeme, viele davon in sich geschlossen. Ein paar Beispiele sind Belkin WeMo oder auch Homematic. Wenn der Hersteller hier keine eigene App programmiert, wird es nicht möglich sein diese Systeme per Smartwatch zu steuern. Andere Geräte machen es besser: Die Philips Hue bietet eine eigene API, welche die Steuerung und Integration ermöglicht, auch von Zentralen anderer Hersteller aus oder via App auf der Smartwatch.

Es gibt also 2 Herangehensweisen, beide irgendwo nachvollziehbar. Entweder man sieht das smarte Zuhause als Netzwerk, als großes Ganzes, dann ist auch die Integration einer neuen Komponente, hier die Smartwatch, relativ einfach. Oder aber man möchte den Kunden an seine Systeme binden. Der Support ist dann einfacher und es ist auch am ehesten sichergestellt, dass die Komponenten perfekt miteinander funktionieren. Hier wird es die Smartwatch deutlich schwerer haben. Option eins ist Linux und Option zwei Apple (OSX). Beides tolle Systeme, beide mit Grundauf verschiedenen Absichten.

Die Kehrseite – Risiken und Probleme

Um zum Thema Smartwatch zurückzukommen, es gibt auch noch eine Reihe von Problemen zu bewältigen. Was im oberen Teil sicher alles recht spannend und innovativ klingt, kann schnell nach hinten los gehen. Was, wenn das Licht NICHT beim Scannen des NFC Tags angeht? Schalter gibt es nicht mehr und wir stehen erst einmal im Dunkeln. Für all diese Funktionen müssen sehr individuelle Programme und Umgebungen geschaffen werden. Kaufen und anstecken wird kaum möglich sein, denn wir wissen nicht ob Stefanie gern Radio hört. Vielleicht wohnt Sie auch in einer WG mit offener Küche und es wird sehr schwierig, ihre Position in der Wohnung exakt zu bestimmen. Nächstes Problem: die Stromversorgung. Aktuell gibt es kaum eine Smartwatch mit einer Akkulaufzeit über 2 Tage. Wenn der Akku leer ist und die Haustür nur noch via elektronischer Identifikation funktioniert, hat Steffi ein Problem! Sie kommt nicht mehr in ihre eigene Wohnung.

Fazit

Machen wir es kurz: Die hier erklärten Beispiele sind an und für sich alle nicht so weit hergeholt. Die Praxistauglichkeit steht aber trotzdem infrage. Smart Home Zentralen stürzen ab, Akkus sind irgendwann leer und nicht jeder hat das Geld für einen Spezialisten, welcher die eigenen 4 Wände vernetzt. Die Möglichkeit ein Smart Home einzukaufen und loszulegen gibt es nicht, auch wenn damit gern geworben wird. Das Gleiche gilt für die Smartwatch. Es braucht Kreativität bei der Umsetzung und noch etwas technischen Feinschliff. Bis dahin wird der Lichtschalter erst einmal erhalten bleiben (mindestens als Backup).