Smartwatches sind eine reine Marketing Blase – Niemand braucht die Dinger!

Hand aufs Herz: Wer wuenscht sich denn alles eine Smartwatch oder hat bereits eine? Glueckwunsch, denn ihr bestaetigt wie wunderbar das Marketing der Industrie funktionert, denn letztendlich braucht niemand diese Teile und das wird sich nicht so schnell aendern.

Sony, Samsung, ASUS, LG und nun auch Apple. Smartwatches sollen der naechste grosste Hit sein, dabei sind sie vor allen Dingen nur eine riesige Marketing Blase. Zumindest im Moment!

Outing: Ich nutze fast taeglich Smartwaches

Haltet ein… im Titel wird noch vermeintlich angekuendigt, dass man keine Smartwatches braucht und jetzt oute ich mich als taeglicher Nutzer? Richtig, denn ich bin Uhrentraeger und das aus purer Leidenschaft. Habe ich in den Jahren vor der ersten Pebble (die diversen Sony Smartwatches davor habe ich nie laenger als 2 Wochen genutzt, die waren einfach nur unglaublich schlecht) nur Chronographen durch die Gegend getragen, so sind es seitdem eigentlich nur noch Smartwatches und auch hier, im Abstand von einigen Wochen, die Modelle saemtlicher Hersteller.

Was mir bei der Pebble in den ersten Wochen und Monaten wirklich imponierte (und mich insbesondere dazu brachte, die Pebble Steel ueber mehrere Monate zu tragen), war ihre Akkulaufzeit in Kombination mit der Benachrichtigungs-Funktion. Die Pebble bringt einfache, aber vor allen Dingen sinnvolle Features ans Handgelenk. Mails, Anrufe, Tweets, Facebook-Messages… insbesondere in Kombination mit einem Android Smartphone kann ich auf der Pebble die Benachrichtigungen perfekt anpassen und auch wirklich nur die Nachrichten durchlassen, die ich fuer wichtig halte.

Was dann in den naechsten Monaten geschah, will ich mal das „Ich habe was gekauft, also muss das auch gut und sinnvoll sein“-Syndrom nennen. In einer Tour redete ich mir ein, wie sehr doch diese Smartwatch mein Leben veraendert hat. Dem Pebble-Gruender Eric Migicovsky erzaehlte ich waehrend eines Treffens in Palo Alto, dass ich wegen seiner Uhr am Tag 50% weniger haeufig auf mein Smartphone schauen und dadurch natuerlich auch Akkulaufzeit sparen wuerde.

Die schicke Pebble Time zeigte ich ueberall rum… „seht her, das kann man damit machen und es ist so unglaublich praktisch“. Und wisst ihr was? Jeder, aber auch jeder nickte zustimmend und haette mir am liebsten das Stueckchen Hardware direkt vom Handgelenk weggekauft. In meinem Bekanntenkreis war ich DER Smartwatch-Evangelist und das aenderte sich auch nicht mit der LG G Watch R (zu unserem LG G Watch R Test), denn jetzt hatte ich ja ne richtige „Maenneruhr“ am linken Arm aufgefahren. Endlich rund, endlich ne vernuenftige Groesse und endlich Standard-Armbaender. Hach, ich war gluecklich und Android bot ja so verdammt viele Moeglichkeiten, die ich alle brauchte und nutzen wollte… Ja und dann auch noch die ganzen Watchfaces. Ich war verliebt.

Lesenswert: Watchfaces für runde Android Smartwatches

Gut, die Akkulaufzeit sank im Vergleich zur Pebble auf knappe 2 Tage, aber hey… 2 Tage! Fast 48 Stunden, ohne die Uhr aufzuladen und dann sieht die auch noch so verdammt gut aus.

Und dann kam die ASUS Zenwatch

IFA 2014. Seit Wochen wusste ich, dass ASUS da eine richtig schicke Smartwatch plante und als ich dann das gute Stueck wirklich in den Haenden halten konnte, war mir klar, dass die Taiwaner die mit Abstand schoenste Smartwatch vorgestellt haben. Klassisches und zeitloses Design, tolle Materialien und ein wunderbar weiches Lederarmband. Ja selbst die Rueckseite der Zenwatch fuehlte sich weitaus angenehmer auf der Haut an, als die der LG G Watch R. Eine Uhr muss sich einfach „gut anfuehlen“, denn schliesslich trage ich diese bis ich irgendwann ins Bett falle.

„Du hast da aber eine schicke Uhr“ hoerte ich in den naechsten Tagen immer wieder. „Ist das die neue iWatch?“ leider ebenso oft. Die Zenwatch kam ueberall gut an, dabei stoerte es mich auch nicht, dass ich inzwischen auf 1.5 Tage Akkulaufzeit zurueckgestuft wurde. Hey, es ist meine Smartwatch und die ist verdammt gut!

Apple Watch – Ein Missverstaendnis ueber 3 Wochen

Eine neue Uhr, eine neue Herausforderung. Die Apple Watch trudelte ein, die Zenwatch verabschiedete sich von der linken „Smartwatch-Halterung“ aka Arm und ich schmiss mich mit fliegenden Fahnen in die Faenge der „magical and incredible“ Welt aus Cupertino.

And so it happened #applewatch #gadgets #wearables #smartwatches #iphone6

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Innerhalb von 2 – 3 Stunden hatte ich mich auch an die durchaus… na sagen wir mal „spezielle“ Navigation gewoehnt, wobei ich mich auch nach mehreren Tagen nicht mit der Krone an der Seite anfreunden konnte. Der Zoom auf die Apps, ein mechanischer Usability-Fail, der „Pinch to Zoom“ wie eine Erfindung aus der Zukunft anmuten laesst. Scrollen durch Apps und Listen mit der Krone? Voellig daneben, wenn man doch einen Touchscreen einsetzt, auf dem ich swypen kann.

Mal davon abgesehen, dass ich nicht auf Uhren klarkomme, die immer wieder nach wenigen Sekunden abschalten (und nein, die typische Drehung des Handgelenks funktioniert nicht immer und ich frage mich ehrlich gesagt, ob wir da in Zukunft nicht ganz neue Krankheiten und Gelenkschaeden beobachten koennen), so ueberzeugte mich das Force Touch Display (ist zwar ein alter Hut, wenn man sich mit haptischen Displays auseinandersetzt, aber perfekt auf der Apple Watch umgesetzt. Wobei, letztendlich nutzt man es auch nicht anders als ein „long touch“ bei Android Wear) und vor allen Dingen die Taptic Engine.

Diese perfekte Kombination aus Vibration und Toenen, das ist wirklich das Feinste was man auf dem Markt finden kann. Es ist die Intensitaet des leichten Ruettelns, welche man nicht als unangenehm empfindet. Aber sonst?

Mal davon abgesehen, dass ich meine Herzschlaege an einen anderen Apple Watch User uebermitteln kann, bietet die Apple Watch Nullkommanull Mehrwert gegenueber einer Android Wear Watch. Mal davon abgesehen, dass sie im Vergleich und trotz der Tatsache, dass ich mich fuer das 42mm Modell entschieden hatte, aussieht als habe ich sie gerade aus dem Kaugummi-Automaten oder Ueberraschungs Ei gezogen. Winzig, ja fast wie eine Spielzeuguhr und das liegt sicherlich nicht daran, dass ich Unterarme wie ein Holzfaeller habe.

Wie, ich kann die Watchfaces nicht aendern? Muss ich mir nun in einer Tour den Mond anschauen oder darf mich freuen, wenn die Micky Maus im Sekundentakt mit dem Fuss wippt? Wer zum Teufel ist bitteschoen auf diese tolle Idee gekommen? Wahrscheinlich der gleiche Spezi, der auch fuer die (hust) grossartige Performance und das „butterweiche“ Scrolling in Apps gesorgt hat. Schade, dass ich davon nie in den unabhaengigen Testberichten der Qualitaetsmedien gelesen habe.

Ahso… inzwischen bin ich bei nur noch etwas mehr als einem Tag Akkulaufzeit angelangt und das obwohl sich die Apple Watch immer abschaltete. Ich war zum ersten mal ein wenig gefrustet.

Fazit: Die Krone ist totaler Bloedsinn, die Performance hakelt, aber dafuer bietet Apple mit Force Touch und der Haptic Engine 2 Hardware Features, die auf jede Smartwatch gehoeren. Dennoch packe ich mir deshalb nicht eine Uhr ans Handgelenk, die mich entfernt an einen Designfail von Fisher Price erinnert. Ich bin doch schon gross! ;)

Die LG Watch Urbane als daily driver

Das Obst ist wieder im Korb gelandet und jetzt trage ich die zur Zeit einzige Uhr, die auch wirklich nach einer Uhr aussieht (es sei denn man steht auf die square Variante, denn dann ist die Zenwatch mein Favorit). Ich bin bei der LG Watch Urbane angelangt und dann auch noch in  „Gold is best!“

Lesenswert: LG Watch Urbane Test

Zusammen mit dem LG G4 ist es einfach die edelste Combo und fuer mich passendste Plattform auf dem Markt. Ich bin wieder bei 2 Tagen Akkulaufzeit angelangt, kann Watchfaces so oft wechseln wie ich moechte und habe eine Uhr am Handgelenk, die auch wirklich als solche anerkannt wird. Aber…

Niemand braucht eine Smartwatch!

Ihr habt euch eine Smartwatch gekauft und seid alle verdammt davon ueberzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben? Oder haben da doch eher die Marketingstrategen in Cupertino und Mountain View den Kaufentscheid fuer euch getroffen? Angesichts der gesaettigten Smartphone-Maerkte ist dies nicht nur die Theorie eines Aluhut-Traegers, sondern einfach Fakt! Die Industrie hat in den letzten Jahren mit aller Gewalt nach einem neuen, sehr persoenlichen Gadget gesucht und dabei halt die Smartwatches ausgegraben.

Smartwatches sind weder smart noch notwendig, sondern Sklaven des Smartphones.

Nahezu taeglich wird euch erklaert, auch durch uns natuerlich, was ihr mit diesen Dingern alles machen koennt und wie interessant die ein oder andere Funktion ist. Aber braucht ihr die wirklich? Nein, natuerlich nicht! Smartwatches sind weder smart noch notwendig, sondern Sklaven des Smartphones. Es sind die ersten tragbaren Client/Server-Architekturen, die auf uns Konsumenten losgelassen wurden.

Die Abhaengigkeit vom Smartphone, die verzweifelten Versuche, Apps auf diese Plattform zu bringen, welche letztendlich nur ein Kompromiss sind und in Usability-Katastrophen wie die der Zalando App resultieren (welcher Honk geht bitteschoen auf einem Winz-Display Schuhe shoppen?) und die Akkulaufzeit, all das ist absoluter Irrsinn! Man muss nicht ueber jeden Retweet oder Facebook-Like informiert werden. Seid doch einfach mal froh, dass ihr Ruhe habt und wenn ihr dann doch vernuenftig interagieren wollt, dann holt ihr euer Smartphone raus und muesst euch nicht die Finger brechen, weil ihr nicht innerhalb der ersten 3 Anlaeufe die richtige Taste treffen koennt.

Uhren sind Schmuck und genau deshalb trage ich noch die LG Watch Urbane. Smart ist an den Dingern gar nichts, zumindest nicht so lange, wie sie an der Kette des Smartphones haengen. Smartwatches waren und sind bisher ein riesiger Marketing-Quatsch, der auch noch die letzten paar hundert Kroeten aus euren Taschen ziehen soll, wohlgemerkt unterstuetzt von Ive Statements wie „we’ve created a precision time piece“.

„Precision time piece“ my ass, du Dampfplauderer. Die Dinger beziehen ihre Uhrzeit vom Smartphone und das holt die sich vom Provider!

Back to the basics

Bevor mir jetzt noch in den Kommentaren ein „aber der Tim Cook hat doch gesagt, dass Sitzen der neue Krebs ist und die Apple Watch hilft, mir mich zu bewegen“ entgegengeschmettert wird…. Ich denke, ich habe mich in meiner „Fuck you Mr Cook„-Kolumne darueber schon ausfuehrlich ausgelassen. Wer nicht weiss, dass er sich bewegen soll, der glaubt auch, dass Smartwatches lebensnotwendige „Praezisions-Zeitmesser“ sind oder holt sich ein wirklich praktisches Wearable:

Xiaomi Mi Band

Das ist das Xiaomi Mi Band, hat mich umgerechnet ca. 13 Euro gekostet und misst meine Schritte sowie meinen Schlaf. Morgens um 7 weckt es mich mit seinem Vibrationsalarm und wenn ich wollte, koennte es mich damit auch ueber wichtige Ereignisse benachrichtigen. Inzwischen verbindet sich das gute Stueck mit Google Fit und jetzt ratet mal, wie es mit der Akkulaufzeit ausschaut? 10 Wochen!

Das ist smart und nicht ein Micky Maus-Kino am Handgelenk, welches mir verkrueppelte Apps und Infos von einem Device anzeigt, welches ich eh die ganze Zeit in meiner Tasche habe: Mein Smartphone!

P.S. Die LG Watch Urbane nutze ich wirklich als klassisches „Zeiteisen“, weil sie einfach richtig gut aussieht. Und wenn ich dann klassisch unterwegs sein moechte, dann kommt die Tissot oder die Seiko oder die Breitling an den Arm. Solange Smartwatches Uhren kopieren muessen und abhaengig vom Smartphone sind, nutze ich sie genau so… als Uhr!