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Netzneutralität
Telekom kappt Spotify-Nutzern beim Musik-Streaming die Leitung

Mit dem unbegrenzt ungedrosselten Musikgenuss via Spotify ist es nun für Telekom-Kunden vorbei. Eine neue EU-Verordnung zur Netzneutralität sorgt dafür, dass die gestreamte Musik oberhalb des (oftmals niedrigen) Inklusiv-Volumens nicht mehr bevorzugt behandelt wird. Die Auswege für Viel-Hörer sind überschaubar.

Die ab Ende April in Kraft tretende EU-Verordnung zur Netzneutralität hat erste Auswirkungen auf den Alltag vieler Smartphone-Benutzer: die Telekom beschneidet den ursprünglich gänzlich unlimitierten Zugang zum Musik-Streaming Service Spotify, sobald das im Vertrag enthaltene Inklusiv-Volumen aufgebraucht ist.

Die Netzneutralität in all ihren Facetten war in den zurückliegenden jahren ein kontrovers diskutiertes Thema, vor einigen Monaten einigte man sich in Brüssel auf einen Kompromiss. Unter der Federführung des zuständigen EU-„Internetkommissars“ Günther Oettinger beschloss man zusammengefasst, dass bestimmte „Dienste“ im Internet Vorrang vor anderen Diensten haben dürfen. Die ursprüngliche Gleichbehandlung aller Daten war damit de facto vom Tisch, an konkreten Beispielen für die Ausgestaltung dieser neuen Regelungen mangelte es bisher.

Kritiker befürchteten früh, dass eine Abschaffung der Netzneutralität den Mobilfunk- und Netzbetreibern vielfältige Möglichkeiten geben, zusätzliche Gebühren für als solche deklarierte „Spezialdienste“ zu erheben. Während Oettinger stets betonte, man habe z.B. langfristig einen autonom fahrenden Krankenwagen im Sinn, dessen Daten selbstverständlich bevorzugt im Netz transportiert werden müssten, sehen die Skeptiker kurzfristig eher das Missbrauchspotential.

Theoretisch wäre es einem Netzbetreiber möglich, z.B. YouTube als Spezialdienst zu deklarieren und die von Google transportierten Datenmengen nur gegen einen Aufpreis in einer adäquaten Geschwindigkeit zu übertragen. Zahlt Google nicht, tröpfeln die Daten nur noch durchs Netz. Das andere bzw. gegenteilige Szenario ist, dass Google freiwillig für eine schnellere Datenübertragung zahlen könnte, andere Videoplattform-Anbieter sich dies aber nicht leisten können – schon steuert man in Richtung Quasi-Monopol.

Quelle: telekom.de/spotify
Quelle: telekom.de/spotify

Derartige Kooperationen zwischen einem Mobilfunknetzbetreiber und einem Diensteanbieter gibt es bereits, wenn auch in abgeänderter Form – so z.B. zwischen der Telekom und dem hierzulande sehr populären Musik-Streaming-Dienst Spotify. Dessen Erfolg in Deutschland ist zu einem nicht unerheblichen Teil dem Umstand geschuldet, dass in bestimmten Tarifen die übertragenen Daten nicht – niemals – auf das im Tarif enthaltene Inklusiv-Volumen angerechnet werden. In einem Land wie Deutschland mit seinen lächerlich niedrig bemessenen Datenvolumen ist das ein gewichtiges Argument, sowohl für Spotify als auch für die Telekom. Fans des Dienstes dürften bevorzugt zur Telekom gehen, Kunden der Telekom dürften bevorzugt Spotify ins Visier nehmen, wenn sie einen Streaming-Dienst nutzen wollen.

Die Beschränkung der Bandbreite macht Musikhören im mobilen Netz faktisch unmöglich. Deutsche Telekom

Ab einem bestimmten Punkt ist damit nun Schluss. Die Telekom reagiert nach eigenen Angaben auf die neue EU-Verordnung und ändert die Kooperation mit Spotify in einem ganz elementaren Bereich ab.

Sobald das im Vertrag enthaltene Inklusiv-Volumen von z.B. 2GB, 1GB oder 500MB aufgebraucht ist, werden auch die Daten von Spotify nicht mehr – wie bisher – unlimitiert durch die Leitung geboostet. Stattdessen wird nun der gesamte Datenverkehr inklusive Spotify auf das dann zumeist vereinbarte GPRS-Limit beschränkt, was bei einer Bandbreite von 64 kbit/s im Download und 16 kbit/s im Upload eine Nutzung des Dienstes de facto unmöglich macht.

Zwar werden die via Spotify gestreamten Daten vor Erreichen des Inklusiv-Volumens nicht auf das vereinbarte Datenvolumen angerechnet, doch gerade Benutzer mit „kleinen“ Datenpaketen dürften auch ohne den Dienst recht zügig an ihr monatliches Limit geraten. Bisher war es diesen Benutzern auch bei ansonsten gedrosseltem Datenverkehr möglich, zumindest ihre bei Spotify abonnierte Musik zu hören – damit ist es nun vorbei.

Die von der Telekom gemachten Ratschläge zu dieser neuen Limitierung sind überschaubar.

  • Zum einen weist man darauf hin, dass Daten im (eigenen oder fremden) WLAN natürlich unbegrenzt übertragen werden und empfiehlt in diesem Zusammenhang dann auch gleich die vom Unternehmen betriebenen – und zumeist kostenpflichtigen – Hotspots.
  • Ein weiterer Ausweg wäre die SpeedOn getaufte Nachbuchung von neuem Datenvolumen. Sobald das Datenvolumen wieder aufgestockt ist, lässt sich auch Spotify wieder ohne Limitierung der Übertragungsgeschwindigkeit nutzen. Auch in diesem Fall soll die gestreamten Daten das hinzugebuchte Datenvolumen nicht belasten.
  • Als letzte Option verweist man auf die Möglichkeit, Spotify Streams zur Offline-Nutzung mit dem eigenen Smartphone zu synchronisieren, sofern das Gerät den entsprechenden Speicherplatz besitzt.

Interessant wird die Nummer, wenn man sich die mittlerweile drei Jahre zurückliegenden #Drosselkom Pläne der Telekom in Erinnerung ruft. Schon damals war unklar, was denn nun aus Sichtweise des Unternehmens ein Vertragsbestandteil oder ein „Managed Service“ sein soll und welche Rolle dabei die Limitierung (oder Erhöhung) der Datenvolumen und/oder Datenübertragungsgeschwindigkeiten spielen werden. Derzeitige Kunden der mobilen Entertain- oder Sky Bundesliga Pakete sollten die Mitteilungen in den kommenden Wochen jedenfalls sorgfältig im Auge behalten, denn der „Cut“ bei Spotify könnte nicht die letzte Überraschung sein.

Habt ihr euren Datenverbrauch im Blick und seid momentan Spotify-Telekom-Kunde? Betrifft euch diese neue Beschränkung?

Quelle: telekom.de, Foto By Jacques Grießmayer (Own work) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons