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08 - Ein Ausflug in die Abgründe eines verqueren Feminismus
Der Fall Tilo Jung oder die Metaphysik der Social Media Sitten

Ein Anagramm von „Empörung“ ist „Moegen Pur“. Und diese Kolumne hat auch tatsächlich etwas mit langhaarigen Unruhestiftern zu tun, jedoch nicht mit Hartmut Engler, wie das Anagramm vielleicht vermuten ließe.

Es geht um eines meiner Lieblingsthemen: Lancierte Empörung und die Abschaffung von Moral, Ethik und Ehre im Online-Journalismus. Klar, ich sehe schon die ersten Kommentare zu diesem Beitrag vor mir. Das wird nicht ausbleiben und das ist auch okay. Wer sich aus dem Fenster lehnt, riskiert, dass der Regen ihn nass macht. Und ich sage schon mal prophylaktisch: Ich bin keine Autorin, ich bin keine Journalistin, ich habe noch keinen Roman veröffentlicht und verdiene mein Geld auch nicht auf schmierigen Online-Magazinen, gegen die selbst die BILD eine Art heroischen Qualitätsjournalismus abliefert. Platituden wie „Mach es doch besser!“ sind daher stets willkommen, lassen sich auch nicht vermeiden, verhallen aber weitestgehend im Nirvana der Irrelevanz, da ich keinesfalls vor habe, mich als bessere Journalistin, bessere Autorin oder besseren Menschen zu profilieren. Womit übrigens auch schon der größte Unterschied zwischen mir und dem, was sich heute selber Netzfeministin nennt, beschrieben wäre. Aber so oder so: Ich werde nass werden.

Nein, es geht mir um etwas anderes. Das, was mir wichtig erscheint, ist kurz darauf hinzuweisen, dass eine Interpretation des Feminismus, der ausschließlich darauf abzielt, einige verwirrte Claqueure_Innen auf bestimmte Themen (oder leider auch oftmals Menschen) zu hetzen, ohne dabei auch nur einen schemenhaften Ansatz von Ehrlichkeit oder Verhältnismäßigkeit erkennen zu lassen, nicht mein Feminismus ist. Und auch nicht der Feminismus von irgendeiner anderen Frau egal welchen Alters, die ich kenne.

Netzfeministin ist kein Ausbildungsberuf. Letztendlich kann sich auch das Nacktluder Micaela Schaefer auf Mallorca vor den Ballermann stellen und schreien „Schneidet allen Männern die Eier ab! Das sind alles Schweine!“ und sich dann Feministin nennen. Genau so wie sich jede Twitter-Nutzerin, die selbstverliebt genug ist, sich nach 5 von hysterischen Männerhasserinnen wild kommentierten eigenen Blogbeiträgen „Autorin“ zu nennen, dazu berufen fühlen darf, über Menschen, die sie gar nicht kennt, finale Urteile zu fällen. Urteile, die auf angebliche Fakten fußen, die sie und ihre Mitstreiterinnen vorher selber in einer absurden Diskussion erst konstruiert hatten.

Klingt sympathisch, oder? Aber mal vorab: Ich möchte keinen wissenschaftlichen Aufsatz verfassen, vor allem, weil ich über keinerlei Qualifikation für eine wissenschaftliche Arbeit verfüge. Ich erlaube mir keine dogmatische Sicht auf Dinge, von denen ich nicht genug verstehe. Überraschung: Auch hier ist wieder ein großer Unterschied zwischen mir und dem, was sich heute selber Netzfeministin nennt, identifiziert.

Unerträglich. Die Alte hätte echt besser bei Selfies und bescheuerten Wortspielen bleiben sollen

Die quatscht ja nur, die wird ja nie konkret, und heute ist die Kolumne zusätzlich auch noch nicht mal lustig. Das stimmt. Weil das Thema nicht lustig ist. Es gibt Menschen, die nicht über ein so ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügen, um jeder Attacke, und sei sie noch so abwegig, gelassen begegnen zu können. Es werden vermeidliche Gegner einer Idee von Feminismus ausgerufen und die Meute setzt sich – blind vor anerzogenem Hass jubilierend – in Bewegung. Schnell wirkt man stark in einer Meute – insbesondere, wenn man sich um Fakten oder Gegenargumente nicht zu kümmern braucht. Die selbsternannten Leuchttürme_Innen des neuen Feminismus geben die in Agent Provocateur Manier vorher noch schnell eigenhändig kreierten Opfernamen bekannt und der Mob fällt über sie her. Wie sehr die Vokabel „journalistisch“ dazu passt, darüber kann sich jeder selber ein Bild machen.

Aber um nun doch auch mal ein wenig konkret zu werden, denn – das lernt man in der ersten Stunde des 1 mal 1 für Hobby-Journalisten – Behauptungen sollten mit Fakten unterfüttert werden. Im besten Fall sogar solche, die nicht völlig surreal einer gespenstisch absurden Scheinwelt entspringen, in der jeder Mann ein potenzieller Sexist ist und in der „Studentenwerke“ in „Studierendenwerke“ umbenannt werden sollen. Was zwar einen siebenstelligen Betrag in Euro kosten würde, aber irgendwie gerechter – weil weniger männlich – klingt.

Fakten? Fappygate ja gar nicht

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an das Fappygate-Desaster. Einen Epilog von tragischem Ausmaß. Einer, bei dem die im Mobbing von unbescholtenen Menschen, die sie als abstraf-würdig deklarieren, sehr geschulten „Feministinnen“ mal an die falsche Person gerieten.

Eine sich selber als Feministin bezeichnende Bloggerin beschuldigte einen ihr völlig unbekannten anderen Blogger, er hätte elementare Teile eines Beitrags zum Thema YouTube bei ihr geklaut. Ein anderer Blogger, ein auf diesem lustigen Portal hier gar nicht so unbekannter Techblogger, ging darauf ein und zeigte auf, dass sie damit falsch läge, weil es a) kaum Anzeichen dafür gäbe und das Thema b) wenn überhaupt von ihm selber, allerdings schon viele Jahre vorher, aufgegriffen worden war.

Es entspannte sich ein Sittenbild über die sektenhafte Selbstverständlichkeit, dass sich Schwestern im Geiste des falsch verstandenen Feminismus stets ohne Prüfung der Fakten beistehen und dabei auch über (virtuelle) Leichen gehen.

Fegefeuer der Eitelkeiten 3.0

Wer sich die Mühe machen möchte, das selbstentlarvende Verhalten dieser Subkultur historisch nachzuverfolgen, dem sei als Basis dieser Artikel ans Herz gelegt, von dem die entsprechenden Reaktionen und Aktionen ganz gut abzuleiten und weiter zu verfolgen sind:

Kommentar – Yasmina Banaszczuk und die Hetzjagd der “Femtrolle”

Nach seinem Einwand wurde der Blogger von ihr gefragt, ob er er sich einen „fappen“ (umgangssprachlich für einen Akt der Masturbation) würde, wie er so versuchen würde, sie zu dissen – was er jovial bejate. Noch mal zum Mitschreiben: Die Bloggerin stellte einen anderen Blogger fälschlicher Weise in die Plagiate-Ecke und zog dann, als ein anderer Blogger den Kontext richtig stellen wollte, die Unterhaltung eigenhändig, ungefragt und ohne Notwendigkeit auf ein sexistisches Level. Nutzte in der Folge aber exakt diesen Twitter-Dialog, um tagelang unseren allseits für seine stets politisch korrekte Ausdrucksweise bekannten Techblogger und jeden, der ihm zustimmte, ihrem pro aktiv aufgestachelten Gefolgschafts-Ensemble von Gelegenheits-Trollen und Wutbürgern, die ihre Frustration vornehmlich in der Anonymität des Internets ausleben, zum Fraß vorzuwerfen. Nun, ihr Eis war dünn und ihre Gefolgschaft eher nicht so übermächtig, wie vielleicht zunächst gedacht. So wurde „Fappygate“ erst zu einer peinlichen Niederlage jener Bloggerin und anschließend zu einer Parabel für die Mechanismen des ferngesteuerten Social-Media-Mobbing-Krawalls.

In der aufgeheizten Atmosphäre um diese „Fappygate“-Affäre meldete sich erwartungsgemäß gleich wieder alles zu Wort, was in irgendeiner Form den Charakter besitzt, auf dem Rücken einer haltlosen Inszenierung von verdrehten Opferrollen auf einen Mann einzutrümmern. Auf einen, der die Frechheit besessen hatte, mal auf die peinliche Scheinheiligkeit aufmerksam zu machen, in der diese Gattung von Netzfeministinnen in ihrem eigenen Mikrokosmos die Gesetze und vor allem auch gleichzeitig die Verurteilungen übernimmt.

So ereiferten sich in choreographisch einzigartiger Performance unter anderen:

  1. Die für den Deutschen Ableger des Schmuddelnachrichtenbumsmagazins „BuzzFeed“ verantwortliche „Journalistin“. Sie verurteilte den angeblich sexistischen Blogger harsch. Ein wirklich außergewöhnlich kafkaesker Vorgang, vor allem vor dem Hintergrund, dass BuzzFeed seine Werbeklicks zur Finanzierung ihres journalistischen Albtraums mit abgrundtief grottenschlechten Sensationsstories erreicht.

Einen kurzer Auszug aus den letzten 48 Stunden, der zeigt, wie ihre eigene Publikation mit harter Hand und investigativ recherchierten Fakten den Sexismus bekämpft, findet Ihr übrigens hier:

  1. Die Grimmepreis-behangene Initiatorin des #Aufschrei Hashtags. Eine Autorin, die sich nicht zu schade ist, bei der Propaganda für ihr eigenes Buch zu Manipulation von Amazon-Rezensionen aufzurufen und darum natürlich besonders qualifiziert ist, ein sofortiges re:publica-Verbot für den Techblogger zu fordern. Auch ihr ging es in keiner Sekunde um den Sachverhalt, sondern lediglich darum, auch noch den letzten schmalen Strohhalm zu einem Empörungs-Tsunami für ihre eigene Selbstdarstellung hoch zu pushen. Oder hoch zu sterilisieren, wie Bruno Labbadia es ausdrücken würde. Okay, wenn man sich nun vor Augen führt, dass auch das Dschungelcamp mittlerweile Grimmepreise verliehen bekommen hat, relativiert sich die Tragweite dieser Auszeichnung vielleicht. Immerhin ist das in etwa so, als würde „Haialarm auf Mallorca“ den Oscar für den besten ausländischen Film erhalten.
  1. Diverse Fem-Szene-Bloggerinnen, die unter ihren eigenen Pamphleten gerne Kommentare moderieren, was zumeist dazu führt, das kritische Kommentare wie durch Geisterhand das Licht der virtuellen Welt (Öffentlichkeit) nie erblicken. Hier kamen so wertvolle literarische Stimmungsbilder wie „Sexismus ist wie Regen“ zustande. „Ja, das stimmt: Wenn man nicht aufpasst, wird man feucht!“ möchte man entgegenbrüllen, aber es verhallt ja. Es nützt nichts, denn die Netzfeministin an sich scheint resistent zu sein gegen so antiquierten Ballast wie Integrität oder Faktenchecks. Und für Ironie scheint ein entscheidendes Enzym zu fehlen.
  1. Eine berufsempörte Ex-Piraten-Politikerin, die sich in der jüngeren Vergangenheit weitestgehend darauf konzentriert, öffentlich alle Medien und alle Menschen, die sich zu irgendwas äußern, darüber zu belehren, wie es richtig zu machen gewesen wäre und ungefragt die Welt zu erklären. Besonders gerne wirft sie Menschen, mit denen sie noch nie ein Wort gewechselt hat, Rassismus oder Sexismus (oder wahlweise auch beides) vor. Sobald sie allerdings auf Gegenwind stößt, zum Beispiel in Form von kritischen Replies, die ihr die argumentationsarme Sinnlosigkeit ihrer Vorwürfe aufzeigen, argumentiert sie sich noch eine Weile in Rage, teilt kräftig aus, verstrickt sich in völlig haltlose Aussagen, Wiedersprüche und Argumente, bei denen selbst Interviews mit Lothar Matthäus wie Werke von Immanuel Kant wirken und löscht dann alles wieder. Nicht ohne dadurch eine besonders herrlich signifikante Studie ihres Vorgehens zu hinterlassen, da es selbst Netzfeministinnen mit Social Media Accounts noch nicht erlaubt ist, auch die Kommentare von anderen zu löschen, die direkt und teilweise mit Screenshots auf ihre aberwitzigen Ausführungen eingegangen waren. Davon kann mittlerweile sogar ich ein Lied singen. Ein Beispiel? Gerne:

So viel zur Causa „Fappygate“.

Hält die sich jetzt plötzlich für die Vorreiterin des Social Media Ethikausschusses?

Dieses Kleinod der apokalyptisch entrückten Weltbilder ist allerdings schon einen Sommer her. Monate sind vergangen. Warum also zurückkehren in diese Welt der übersteigerten Selbstbeweihräucherung und der gezielten Gender-Manipulation? Darum: Ich halte die Vorgehensweise mancher Netzfeministinnen zum Erreichen neuer Höhen ihrer Egotrips mittlerweile für gefährlich.

Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich von diesen Machenschaften, Kampagnen und dem Social-Media-Terrorismus, der auf dem Rücken von oftmals wehrlosen Opfern ausgetragen werden, durch gesunde TL-Hygiene zumeist gar nichts mitbekomme. Wenn eine der Protagonistinnen bei der früher im WDR noch halbwegs innovativen Talk-Runde „Hart aber Fair“ zum Thema „Chancengleichheit der Geschlechter“ hockt und sich dabei sogar von Sophia Thomalla argumentatorisch abkochen lässt, die landläufig eher als jemand gesehen wird, der maximal den durchschnittlichen IQ einer Portion Salatmayonnaise in die Waagschale werfen kann: Geschenkt.

Aber wer sich (wie ich) als Kind auf langsam verblassenden VHS-Aufnahmen angesehen hat, wie ihre in den 80er Jahren politisch stark aktive Mutter sich auf SPD-Parteitagen als Suffragette verkleidet zu den Parteiobersten auf das Podium gemogelt hat, um für die Rechte der Frauen zu werben, der denkt irgendwann auch ein mal aus der anderen Richtung. Fehlinterpretierter Feminismus, der lediglich als Waffe für den Kampf gegen die Leere im eigenen Portemonnaie und zum Abbau von ausgewachsenen Männer-Neurosen instrumentalisiert wird, ist keine Einbahnstraße. Man kann über dieses kleine Grüppchen verlorener Seelen lächeln und mitleidig der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass sie irgendwann auch mal wieder über irgendwas lachen können. Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

Denn Fakt ist: Feminismus, der echte Feminismus, ist unfassbar wichtig. Der Feminismus, dem es nicht darum geht, dass man die Deutsche Sprache im Wortbild so zerstören will, dass überall jede theoretisch denkbare Variante_In genannt werden muss, ist elementar. Wir leben in einer Welt, in der Frauen für die selbe Leistung oftmals spürbar weniger Geld erhalten. Und das ist das Luxusproblem einer Gesellschaft wie in Deutschland, wo wir jeden Tag dankbar sein sollten, dass wir in einem wirtschaftlich und politisch so sicheren Umfeld leben dürfen.

Es gibt an anderen Orten auf der Welt nämlich noch viel drastischeren Bedarf an echtem Feminismus. An gelebter Menschlichkeit. An Gleichstellung. Es gibt noch genug Länder, in denen Frauen nicht zur Schule gehen dürfen, nicht wählen, nicht Autofahren oder nicht ohne ihren Mann öffentliche Gebäude betreten. Dort, wo der echte Feminismus anfängt, kratzt der Netzfeminismus dieser Horde hysteriebesoffener Brunnenvergifter_Innen nicht mal an der Oberfläche. Und das ist mein Thema für diese Kolumne: Lasst das bitte. Nicht jeder Typ, der mal einen Spruch über „Titten“ macht, muss gleich vor der ganzen Welt vorgeführt werden.  Zerstört nicht die Wichtigkeit des Feminismus durch die Banalität Eurer Feldzüge gegen kritische Meinungen.

Nicht jedes unpassende Instagram-Bild muss dazu führen, dass Entlassungen gefordert und schlimme Drohungen herausgeschleudert werden

Der Weltfrauentag ging einher mit vielen sehr schlauen Beiträgen, und natürlich auch mit vielen denkbar bescheuerten. Aber ist es der Feminismus, der Weltfrauentag, die Menschlichkeit – oder einfach gesagt: Ist es die Welt, die nur mit Nächstenliebe und Fürsorge überleben kann wert, darum ein Opfer auszuwählen und eine arrangierte Hetzjagd auf den „Journalisten“ Tilo Jung zu starten, der auf Instagram ein angeblich frauenfeindliches Foto gepostet hat? Ein Bild, das einen Mann dabei zeigt, wie er offensichtlich eine junge Frau, mit der er eben noch Hand in Hand am Strand flanierte, mit einem gezielten Tritt in den Rücken zum Fallen bringt.

Natürlich muss man so ein Bild nicht posten. Natürlich ist das Bild nur für grenzdebile, volltrunkene, übergewichtige Typen lustig, die schon lange keine Frau mehr aus der Nähe gesehen haben, aber muss man bei jeder kleinsten Gelegenheit in eine panische AdHoc-Empörung verfallen und sich dabei auch noch selber ad absurdum führen?

Ich bin´s Leitmedium

Rainer Meyer beschreibt diese durchchoreographierten Echauffierungswellen in der FAZ aktuell übrigens so: „Ein Fehltritt, schon sind alle auf der Palme“.

In seinem kurzen Gedankenspiel zum Fall „Tilo Jung vs. Fußtrittfoto“ und dem daraufhin herniederprasselnden Guerilla-Krieg der Empörungs-Touristinnen zeigt er übrigens ein fast identisches Phänomen wie bei „Fappygate“ auf: Die „feministische“ Version von „Dallas“. Ein Potpourri aus Manipulation und Heuchelei bis in die letzte Faser des eigenen Daseins. Stets geprägt vom Drang nach Aufmerksamkeit, Macht, Geltung und nicht zuletzt Geld.

Die oben schon in ihren für sich selbst sprechenden Handlungen beschriebenen Protagonistinnen stehen auch hier wieder in der ersten Reihe derjenigen, die mit Anlauf Scheiße auf Menschen werfen möchten, um auch über den letzten am Boden liegenden Mann noch den arglistigen Bodensatz ihrer Unaufrichtigkeit auskippen zu können.

Die BuzzFeed Verantwortliche „Journalistin“ wettert beispiesweise gegen das gepostete Bild. Sie kommentierte sich in furiose Rage und forderte harte Konsequenzen. Was sie dabei offensichtlich kurz vergessen hatte, war dass ihr eigenes Magazin, das Nobelpreisverdächtige BuzzFeed, vorher genau dieses Foto bereits selbst genutzt hatte, um mit einem der legendären Bildgalerie-„Artikeln“ schnelle Werbekasse zu machen.

Jenes Bild war da schon wochenlang durch das Netz gegeistert. Es ist offensichtlich ein Fake und war als (fraglos sehr, sehr schlechter) Witz gedacht. Witze sind manchmal lustig, manchmal peinlich. Auch davon kann gerade ich ein Lied singen. Aber nicht jeder schlechte Witz sollte mit einem Verlust des Jobs geahndet werden.

Die ebenfalls oben schon in ihrem Wirken zum Wohle des Feminismus und des integren Journalismus skizzierte Bloggerin (siehe auch -> „Fappygate“) taucht wenig überraschend ebenfalls wieder auf. Rainer Meyer beschreibt einen Artikel, in dem eben jene Bloggerin das Magazin „Krautreporter“, bei dem der nun einhellig als Sexismusverbrecher gebrandmarkte Tilo Jung sein Geld verdient, auffordert, extreme Konsequenzen zu ziehen. Alles unterhalb einer fristlosen, unehrenhaften Entlassung gilt als großer Justizirrtum und feministisches Fiasko für seinen (auf Crowdfunding angewiesenen) Arbeitgeber. Dass sie als Verfasserin dieses vermeintlich objektiven Beitrags selber in der #Aufschrei-Bewegung maßgeblich aktiv ist, wird in ihrem Artikel und auch an anderer Stelle nicht erwähnt. Was entweder auf eine ziemlich manipulativ angelegte Kampagne schließen lässt, oder natürlich auf spontane Teil-Amnesie.

Diese nun durchaus sehr viel länger als geplant geratene Kolumne möchte ich nun mit drei Bitten schließen:

  1. Verzeiht mir diesen Ausflug in ein Thema, zu dem sich sehr viel klügere Menschen sehr viel substanzieller und sehr viel brauchbarer hätten äußern können
  2. Bitte helft mit, den wirklich denkbar wichtigen echten Feminismus nicht zu Grabe tragen zu müssen, weil einige passionierte Trittbrettfahrerinnen ihre persönlichen Kleinkriege unter dem Deckmantel des Feminismus austragen wollen
  3. Freut Euch schon auf die kommende Kolumne, in der ich mich wieder Themen widme, von denen ich zwar auch nichts verstehe, aber bei denen ich wenigstens ein paar Bikini-Fotos als schmückendes redaktionelles Beiwerk einfließen lassen kann, um meiner eigenen Sucht nach virtueller Aufmerksamkeit ihre längst wieder fällige Dosis Hype verabreichen zu können

Bis bald, mit feministischen Grüßen,

Regendelfin