KinderVideo Games

Studie: Video-Games fördern die Psyche und Sozialkompetenz von Kindern

Kinder, die häufiger Videogames spielen, besitzen bessere kognitive Fähigkeiten, eine höhere Sozialkompetenz, eine stabilere Psyche und sind besser in der Schule. Rrrrummms. Was viele Eltern, Lehrer und Politiker immer noch nicht gerne hören wollen, soll nun eine Studie mit mehreren tausend Kindern aus ganz Europa wissenschaftlich nachgewiesen haben.

Eine neue Studie der Columbia University will einen Zusammenhang zwischen der psychischen Gesundheit von jungen Kindern und der verbrachten Zeit mit Video-Games nachgewiesen haben. Die Wissenschaftler kommen zu einem Ergebnis, das viele Bedenkenträger überraschen könnte und sicherlich nicht ohne Widerspruch bleiben wird: bei jungen Kindern, die vergleichsweise regelmäßig und häufig Video-Spiele zocken, ließen sich positive Effekte auf die Psyche sowie bessere kognitive, schulische und soziale Fähigkeiten nachweisen.

Die Ergebnisse der Studie stehen in völligem Widerspruch zu einem Ratschlag, der in der vergangenen Woche die Runde machte. Der Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschalten hatte gefordert, dass Eltern und Lehrer ihren Nachwuchs mindestens bis zum zwölften Lebensjahr von PCs fernhalten sollten.

Kurz danach erschien eine nicht repräsentative Befragung unter 500 Schülern, die auf eklatante Mängel im „normalen“ Schulsystem hindeuteten. Um die Digitalkompetenz deutscher Lehrer und um den richtigen Einsatz digitaler Medien scheint es nur an den wenigsten Schulen gut bestellt zu sein, der größte Teil der befragten Schüler fühlt sich weder auf den digitalen Alltag vorbereitet noch von den Lehrern sonderlich gut beraten.

Computer-Games und Spiele für Xbox, Playstation & Co. haben unter vielen Eltern und Lehrern keinen guten Stand. Entweder werden sie als reine Zeitfresser verschrien oder mussten in den vergangenen Jahren als mögliche Ursache für alle erdenklichen kindlichen Fehlentwicklungen herhalten. Glaubt man den Vorurteilen, sind die Kinder unter den Gamern dick, faul, sozial isoliert und allesamt potentielle Kandidaten für den nächsten Amoklauf (oder schlimmeres).

Falsch, sagt nun die an der Columbia University angesiedelte Mailman School of Public Health. Dort will man nachgewiesen haben, dass sich Videogames plattformübergreifend positiv auf junge Kinder zwischen 6 und 11 Jahren auswirken können. Beschäftigt sich diese Altersgruppe vergleichsweise viel mit virtuellen Games, steigt die Wahrscheinlichkeit einer allgemein hohen schulischen Kompetenz dieser Kinder. In Zahlen: eine über dem Durschnitt liegende Beschäftigung mit Videospielen kann die schulische Kompetenz um den Faktor 1.88 erhöhen, während die intellektuellen Fähigkeiten der Kinder um den Faktor 1.75 steigen.

Die Forscher gingen bei ihrer Studie sehr ins Detail. Sie berücksichtigten nicht nur das Alter der Kinder, sondern auch deren Geschlecht und das familiäre Umfeld, z.B. die Zahl der Geschwister als mögliche Einflussfaktoren. Dabei stellte sich – für einige vermutlich ebenfalls überraschend – heraus, dass Kinder mit einem stabileren Familienumfeld häufiger spielen als z.B. die Kinder von alleinerziehenden Müttern. Kinder aus hierzulande gern als „bildungsfern“ kategorisierten Familen spielten weniger als Kinder aus Familien mit einem höheren Bildungsgrad. Das „typische“ Gamer-Kind ist demnach ein Junge, etwas älter und stammt aus einer mittelgrossen Familie mit beiden Elternteilen. Über die Gründe für diese z.T. erheblichen Unterschiede im Spielverhalten der Kinder je nach Familiensituation kann man nur spekulieren, hierzu machen die Wissenschaftler keine Angaben.

Video game playing is often a collaborative leisure time activity for school-aged children. These results indicate that children who frequently play video games may be socially cohesive with peers and integrated into the school community. Katherine M. Keyes, PhD, Assistant Professor of Epidemiology

Die Tests und Einordnung der Fähigkeiten fanden unter Einbeziehung der Eltern und Lehrer statt. Während die Lehrer die schulische Qualifikation der Kinder einschätzten und zu der Studie beisteuerten, konnten sowohl Lehrer als auch die Eltern einen Fragebogen zum mentalen Zustand der Kinder ausfüllen. Die Kinder wiederum mussten standardisierte Fragen beantworten.

Die Untersuchung erfolgte im Zusammenhang mit dem Projekt „School Children Mental Health in Europe (SCMHE)“, das die psychische Gesundheit von Schulkindern in Europa in größerem Rahmen unter die Lupe nehmen soll. Insgesamt waren 9084 Kinder aus insgesamt sieben Nationen, deren Eltern und Lehrer beteiligt. Bemerkenswert, auch im Zusammenhang mit der o. bereits erwähnten Schülerbefragung: Lehrer schienen dazu zu tendieren, überproportional häufig Probleme außerhalb ihres eigenen Wirkungsbereichs in die ausgehändigten Report-Formulare einzutragen, während Probleme innerhalb ihres Einflussbereichs vergleichsweise selten angegeben wurden. Ausgerechnet die beteiligten Kinder zeigten die höchste Rate an Selbstreflektion und meldeten vergleichsweise häufig Probleme, die mit ihnen selbst zu tun haben.

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Die Forscher wollen das Ergebnis der Studie ausdrücklich nicht als Empfehlung zu unbegrenztem Spielen von Videogames verstanden wissen, Grenzen seien wie in fast jedem anderen kindlichen Lebensbereich wichtig. Doch sie weisen auch ausdrücklich darauf hin, dass sich während der Untersuchung kein nachteiliger Effekt oder negativer Zusammenhang zwischen Videospielen und den kognitiven, sozialen, psychischen und schulischen Fähigkeiten eines Kindes nachweisen ließ – ganz im Gegenteil.

Quelle: sciencedaily.com