VRMark Virtual Reality Benchmark Screenshot

VRMark: Virtual Reality Benchmark angeschaut

Bisher fehlte die Möglichkeit, PC-Systeme auf die Leistungsfähigkeit und Tauglichkeit für Virtual-Reality-Gaming zu testen. Der VRMark von Futuremark will genau das nun möglich machen.

Ist mein System fit für Virtual Reality? Dies konnte man bisher immer nur an schnöden Tabellen ablesen. Alles über einer Nvidia Geforce GTX 970 ist gut; Karten mit kleineren zweiten Nummern nicht ausreichend stark. Aber was ist bei einem SLI-System? Vielleicht reichen zwei GTX 670 ja doch? Ist der Prozessor vielleicht doch das „Bottleneck“ des Systems?

VRMark Screenshot Beta

Aufgrund Fragen wie diesen bietet 3D Mark nun erst einmal in einer Beta-Version den VRMark an. Dieser Benchmark spezialisiert sich konkret auf die benötigten Hardwarevorraussetzungen für Virtual Reality und soll in der Finalversion eine vergleichbare Plattform bieten, um einen „virtuellen Schwanzvergleich“ machen zu können.

Das Programm 3D Mark, welches den VRMark in Zukunft enthalten wird, kann auf Steam erworben werden. Der 3D Mark umfasst standardmäßig zahlreiche Benchmarks: Mit dabei ist ein Test für Mobilgeräte; „normale“ PCs, durchschnittliche Rechner und einer für Ultra-HD-Gamingrechner. Desweiteren ist noch ein API Overhead-Test verbaut, welcher die Kooperation zwischen DirectX / Mantle und der CPU testet.

Doch all diese Tests sind bisher nur für Monitore gedacht: Die Framerates, die hier erreicht werden, sind in keiner Weise mit Ergebnissen einer VR-Brille vergleichbar. Nvidia hat beispielsweise seit einigen Treiberversionen ein Feature aktiviert, welches nicht mehr zwei ganze Bilder rendert, sondern gezielt nur die zwei auffälligen Ovale, die für die VR-Erfahrung nötig sind. Wegen Anpassungen wie diesen implementiert die Softwareschmiede Futuremark – die übrigens auch hinter PCMark steckt – nun langsam den VRMark.

Noch produziert der VRMark keine Ergebnisse; es handelt sich auch noch nicht um einen räumlich eingeschränkten Test. Derzeit ist es möglich, sich im freien Raum zu bewegen. In der Szenerie findet sich in dem ähnlich zu einem Museum aufgebauten Zimmer in verschiedenen Vitrinen verschiedene Szenen. Das größte Fenster ist dem aktuellen Fire Strike-Benchmark gewidmet. Aber auch eine U-Boot-Szene, ein Dschungel und eine Alien-Entführung werden präsentiert. Wer nach oben schaut, sieht eine Raumstation. Das ganze Konstrukt ist eine ziemlich beeindruckende Übersicht über die Vergangenheit des 3D Mark.

VRMark uses a combination of software and hardware to measure VR system performance, latency, and accuracy, the key components in creating convincing VR experiences. Futuremark

Die finale Version, die früh in diesem Jahr erscheinen soll, wird einen festen vorprogrammierten Weg bestreiten, um zwischen unterschiedlichen PCs vergleichbare Ergebnisse liefern zu können. Für den Benchmark benötigt ihr übrigens nicht zwingend eine VR-Brille, der VRMark testet auch auf einem 2D-Bildschirm.

Der VR-Benchmark legt den Fokus auf zwei besondere Kategorien, die bisher maximal nebensächlich betrachtet wurden: Latenz und Genauigkeit. Während die Performance auch im Vorfeld immer durch die Punktevergabe des Benchmarks genau gemessen wurde, sind Latenz und Genauigkeit nicht wirklich ausschlaggebende Faktoren gewesen.

Die Latenz ist bei Virtual Reality besonders wichtig. Die Top-Brillen HTC Vive und Oculus Rift können 90 Bilder pro Sekunde wiedergeben, normale PC-Bildschirme machen bei 60 Hertz Schluss. Das ist wichtig, denn: Wenn wir unsere Welt mit eigenen Augen anschauen, sehen wir keine Ruckler zwischen den Bildern; auf digitalen Wiedergabegeräten wiederum doch. Mit 90 Bildern pro Sekunde ist das optisch gegebene Problem zum größten Teil behoben.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit von Film, Fernsehen und Monitoren: 24 Bilder pro Sekunde wurden bei der Einführung des Fernsehens als Standard der Bildwiederholfrequenz festgelegt. Denn, so wurde damals argumentiert: Ab knapp über 20 fps nimmt der Mensch eine Bewegung flüssig wahr. Das stimmt aber nicht ganz: Vor allem bei Schwenks sieht jede Person Ruckler, die zum Teil sehr störend sein können. Die Latenz von Bild zu Bild beträgt bei einer Bildwiederholrate von 24 Bildern pro Sekunde durchschnittlich 41,6 Millisekunden. Neuere Kinoproduktionen nutzen deswegen zum Teil HFR: High Frame Rates. Der Hobbit als Fortsetzung der Herr der Ringe-Trilogie wurde etwa mit HFR und 48 Bildern pro Sekunde (20,8 ms Bildabstand) gedreht. Das Ergebnis ließ sich sehen: Viel flüssigere Szenen sorgten für mehr Dynamik.

Virtual Reality Mindestvoraussetzungen GrafikkarteVirtual Reality: Nur 1% der PCs mit genügend Leistung?

Digitale PC-Monitore sind für 60 Hertz ausgelegt, das entspricht einer Maximallatenz von 16 Millisekunden. Moderne Monitore können die Bildinformationen auf den mikroskopisch kleinen kristallinen Strukturen innerhalb von 2-8 Millisekunden wechseln, sodass hier kein Flaschenhals entsteht. Mit den 90 Hertz, die die modernen VR-Brillen anpeilen, ist noch eine Latenz von 11,1 Millisekunden bis zum nächsten Bild drin. Hardcore-Gamer schwören zum Teil auf eine recht neue Monitorgeneration: Diese liefert 144 Bilder pro Sekunde, was zu einer maximalen Sprungzeit von Bild zu Bild bei etwas unter 7 ms führt – gleichzeitig aber massive Systemreserven frisst.

Jetzt kommt allerdings noch die Bildrate der Grafikkarte in’s Spiel: Wenn diese nur konstant 30 Bilder die Sekunde liefern kann, liegt die Latenz bis zum nächsten Einzelbild wieder bei 33 Millisekunden. Und das reicht wieder einmal nicht für das flüssige Bewegungsempfinden, welches das menschliche Auge so auszeichnet.

Das ist der Grund, warum so extreme Hardwareanforderungen genannt werden: Ohne hohe Bildwiederholrate, gute Auflösungen und detaillierte Umgebungen geht der Charme der virtuellen Realität verloren.

Neben den trockenen Tabellen der Grafikkartenhersteller zählt natürlich nicht nur die GPU für eine flüssige VR-Erfahrung: Beim VRMark wird auch das Zusammenspiel zur CPU gemessen. Wenn dieser Chip – beim Gaming vor allem für Physikberechnungen genutzt – nämlich zu langsam ist, bringt auch die beste Grafikkarte nichts.

Wenn ihr den VRMark schon selbst austesten möchtet, benötigt ihr die 3D Mark Suite von Steam. Desweiteren müsst ihr euch per Rechtsklick auf die Software unter Eigenschaften – Betas mit dem Betazugangscode „HappyHolidays“ anmelden. Danach steht im Dropdown-Menü die Option „2016 UI & VRMark Preview“ zur Verfügung. Nach dem Download der neuen Version steht unter dem Reiter VRMark der Benchmark zur Verfügung.

Noch hat die Software mit ein paar kleinen Problemen zu kämpfen: SLI- respektive Crossfire-Setups – also mehrere Grafikkarten parallel – werden noch nicht ordnungsgemäß erkannt. Desweiteren sind AMD-Karten nur mit einem kleinen Workaround seitens des VRMark angesprochen – die Treiber des Herstellers erkannten den Benchmark nicht als solchen an und verringerten den Speed der Grafikkarte.

Wir halten Euch auf dem Laufenden und berichten auch über die Finalversion!