Sub 300
VW Skandal: Lieber Martin Winterkorn, das war einfach mal Bockmist!

Und letztendlich ist dann alles doch noch viel schlimmer als vermutet. Der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn war fruehzeitig ueber die Untersuchungen der US-Behoerden informiert worden. Ein enttaeuschter Kommentar...

Ich habe mich bewusst dazu entschieden, unseren Sammel-Artikel zum VW-Skandal um diesen Kommentar an Ex-Volkswagen Chef Martin Winterkorn zu ergaenzen. Vor allen Dingen auch deshalb, weil er die Chronologie der Ereignisse aufzeigt und damit auch meine Naivitaet.

Ja, ich habe Martin Winterkorn geglaubt, vertraut und war mir sicher, dass er (und genau das beteuerte er ja schliesslich auch) zuvor nichts von den Untersuchungen der US-Behoerde wusste. Dies erklaerte er glaubhaft vor laufenden Kameras, um dann wenig spaeter seinen Hut zu nehmen.

Lieber Martin Winterkorn… auch da habe ich dir noch vertraut. Wie sollte sich denn bitteschoen ein verdienter VW-Manager vor die Weltoeffentlichkeit trauen und der versammelten Presse das Blaue vom Himmel runterluegen wollen? Unmoeglich! Insbesondere wenn man bedachte, welche Analysen, Research- und Aufklaerungs-Tsunamis Richtung Wolfsburg schwappen sollten. So viel Weitblick, Anstand und vor allen Dingen Rueckgrat wird doch ein Martin Winterkorn haben… oder?

Hatte er nicht. Nicht einmal ansatzweise. Zumindest blieb uns die beliebte Salami-Taktik bei dir erspart. Du bist einfach gegangen (worden) und versuchtest den Mantel des Schweigens ueber die ganze Nummer zu huellen. Nun, was es da zu verhuellen gab und welche Maschinerie zur Verteidigung in Auftrag gegeben wurde, das zeigt das Handelsblatt in aller Ausfuehrlichkeit auf:

Für Winterkorn war aber der 27. Juli 2015 nicht der erste Tag, an dem er sich mit den Ermittlungen der US-Umweltbehörden EPA und Carb konfrontiert sah. Erstmals wurde er davon im Mai 2014 in Kenntnis gesetzt. Um Winterkorn über wichtige Entwicklungen im Konzern zu informieren, packen ihm seine Mitarbeiter regelmäßig ein Bündel von Unterlagen als Wochenendlektüre. Dieses firmenintern „Wikopost“ genannte Paket enthielt am 23. Mai 2014 einen Vermerk, in dem ihn ein Mitarbeiter über die Nachforschungen der Amerikaner informierte.

Ich will gar nicht lange nachtreten… aber eine Frage haette ich da noch: Wie ist sowas moeglich? Wie ist es moeglich, dass man wider besseren Wissens vor die Kameras tritt und sagt: Ich weiss von nichts!

Wie kann man mit dieser Einstellung den hunderttausenden VW-Mitarbeitern gegenueber auftreten? Designern, Entwicklern, Ingenieuren, Mechanikern… VWlern, die seit Jahrzehnten einen sensationellen Job machen und das Rueckgrat dieses Weltkonzerns darstellen.

Und du stellst dich hin und sagst, dass du von der ganzen Nummer nichts gewusst hast?

Weisste was Martin? Du solltest dich schaemen… mindestens so viel wie ich es heute mache.

Aber das liegt eher daran, weil ich dir geglaubt habe.


 

Umfrage: Deutsche halten VW die Treue

20. Oktober 2015: Ueberraschung oder Pragmatismus, der aus den extrem positiven Erfahrungen in der Vergangenheit geboren wurde? Die Umfrage der Unternehmensberatung Prophet kommt zu einem sehr eindeutigen Ergebnis, welches den Wolfsburgern nicht nur den Ruecken staerken duerfte, sondern der Belegschaft die Hoffnung gibt, dass sie gestaerkt aus diesem Skandal herausgehen.

Volkswagen baut tolle Autos und in einem Jahr redet niemand mehr ueber den Abgas-Skandal: Die ueberwiegende Mehrheit der Deutschen hat nach dieser Umfrage ziemlich positive Ansichten zum groessten Automobil-Hersteller in Deutschland.

Die Marke VW hat bei den Menschen ein hohes Guthaben aufgebaut, viele Modelle von Volkswagen sind sehr beliebt und legendaer Felix Stöckle, Prophet

Fast zwei Drittel der Befragten seien der Meinung, dass VW immer noch hervorragende Autos baue. Beinahe drei Viertel von ihnen koennen sich sogar vorstellen, einen Volkswagen zu kaufen, wenn ihnen Auto und Angebot gefielen. 63 Prozent sagen gar, dass der Skandal bald vergessen sei. In einem Jahr wuerder niemand mehr ueber manipulierte Dieselmotoren reden.

VW hat jetzt die Chance ein wirklich kundenfokussierter Konzern zu werden und die hierarchischen Strukturen, die durch Unterwuerfigkeit gepraegt waren, zu ueberwinden Felix Stöckle, Prophet

Umfrageergebnisse aus Deutschland

1. Der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte ist uebertrieben. Volkswagen baut immer noch hervorragende Autos.

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2. VW ist nicht allein. Andere Autohersteller manipulieren vermutlich ebenso. VW ist nur der erste Fall dem wahrscheinlich weitere folgen werden

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3. Der Skandal ist bald vergessen. In einem Jahr redet niemand mehr über manipulierte Dieselmotoren.

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4. Ich würde mir weiterhin einen VW kaufen, wenn mir Auto und Angebot gut gefallen.

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5. Ich glaube nicht, dass die Marke „Made in Germany“ durch den VW Skandal insgesamt beschädigt wurde.

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Winterkorn nimmt seinen Hut

24. September 2015: Nun hat  er also doch seinen Hut genommen. Gerade einmal 24 Stunden nach der Ankuendigung die Untersuchungen voranzutreiben, die den groessten Skandal in der dt. Automobil-Geschichte aufklaeren sollen, hat VW-Chef Martin Winterkorn nun sein Amt niedergelegt. Ob dies wegen des Drucks des Aufsichtsrats und der Medien geschah, das sei mal dahingestellt. Offensichtlich ist dies dann doch wohl die beste Entscheidung, die dann auch noch aussen hin einen Neuanfang signalisiert.

Dennoch, was seit dem verhaengnisvollen Freitag letzte Woche passiert ist, das ist schon bemerkenswert und ich bin mir sicher, dass dies nicht die letzte Personalentscheidung bei den Wolfsburgern gewesen sein duerfte.

Winterkorn will aufklaeren

23. September 2015: Irgendwie ist alles noch viel schlimmer gekommen, als selbst die kuehnsten „ich hab es ja schon immer gewusst“ Besserwisser sich ausdenken konnten. Ich moechte hier gar nicht grossartig auf die aktuellen Entwicklungen eingehen, sondern eher ein paar Anmerkungen machen, die hoffentlich die ein oder andere Synapse kitzeln werden. Der VW-Skandal ist naemlich weitaus komplexer und wir sollten uns tunlichst davor hueten, nun einen Generalverdacht auszusprechen.

Volkswagen beschaeftigt mehr als eine halbe Million Menschen und selbstverstaendlich hat nur ein verschwinden geringer Prozentsatz hier in der Verantwortung zu stehen. Wer nun mit dem Finger auf die Mitarbeiter des weltgroessten Automobilbauers zeigt, der spricht sicherlich auch gerne von den „den Deutschen“ oder „den Asylanten“. Genau dieser Wind weht bereits durch die Medien und vor allen Dingen durch die Kommentare der „sozialen“ Plattformen. Da ergiesst sich in einer Tour Haeme ueber einen, wenn nicht den wichtigsten privaten Arbeitgeber Deutschlands. Und genau hier sollten sich einige mal fragen, ob dies angebracht ist.

Die deutsche Industrie, das sind die Automobilhersteller. Und noch ein bischen was. Dieter Zetsche, Daimler

Es ist alles andere als Naivitaet wenn ich sage, dass ich den Worten Martin Winterkorns Glauben schenke. „Wir klaeren das auf“ sagte er in einer Videobotschaft und „Ich gebe ihnen mein Wort, bei all dem werden wir mit der groesstmoeglichen Offenheit und Transparenz vorgehen!“. Genau das schafft bei mir das so wichtige Vertrauen in einen Mann und eine Marke, die in den naechsten Monaten und Jahren existenziell bedroht sein wird. Sei es durch Klagen der US-Behoerden, aber vor allen Dingen durch Klagen von Anlegern (die Ad-Hoc Meldung war arg spaet) und Kunden. Gerade letztere duerften in den USA Sammelklagen einreichen und schon die Dollarzeichen in den Augen rotieren lassen. So laeuft das nun mal in den US of A.

Made Manipulated in Germany

VW Chef Martin WinterkornDer Volkswagen Skandal wird sich, und da braucht man kein Prophet sein, insbesondere in den USA auf das gesamte „Made in Germany“ Image auswirken. Auch hier zieht das Prinzip Sippenhaft und somit kann „German Engineering“ schnell zum Unwort werden. Wie ich bereits ein meiner kleinen Brandrede zum dt. Markenbewusstsein anmerkte, lebt kein anderes Land auf diesem Planeten von einem derartigen Image des Perfektionismus. Qualitaet wird gleichgesetzt mit dt. Produkten. Ungesehen, ungekauft. Dies ist einer der wichtigsten Assets fuer den Export-Markt und darf nicht verloren gehen.

Hier appelliere ich abermals an Kunden, Medien und Politik die Wolfsburger nicht unter Generalverdacht zu setzen und die Auswirkungen fuer den Standort Deutschland zu bedenken. Daimler Chef Zetsche sagte mal „Die deutsche Industrie, das sind die Automobilhersteller. Und noch ein bischen was“. So schauts naemlich aus.

Was bei Volkswagen einige wenige verbockt haben, das darf nun nicht zum Flaechenbrand werden, der fast die gesamte dt. Industrie betrifft. Von einem derartigen Imageverlust kann man sich nur noch ganz ganz schwer erholen. Deshalb tun die Chefs der diversen Hersteller und Zulieferer gut daran, in die Offensive zu gehen, ihren Laden zu checken und nicht haemisch nach Wolfsburg zu grinsen.

Genau deshalb, und ich weiss dass ich mich hier wiederhole, glaube ich an Martin Winterkorn. Ja, er ist der oberste Entwicklungs-Chef und steht somit in der Verantwortung. Aber er ist auch in der Verantwortung, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wofuer er wirklich all seine Kraft aufbringen muss.

Genau diese wuensche ich Winterkorn, VW und der gesamten Industrie. Sie hat es bitter noetig.

Manipulation per Software

20. September 2015: Was fuer eine Story! Wie die US-Umweltbehoerde EPA  erklaert, hat Volkswagen Amerika von 2009 bis heute eine Software in die Diesel-Motoren von ueber 400 000 Wagen eingebaut, die gewaehrleistet, dass Schadstoff-Grenzen nur in Tests eingehalten werden. Im „normalen“ Betrieg liegen die Stickoxide dagegen bis zu 40-fach ueber den Grenzwerten. Die EPA spricht von Betrug und VW habe die Manipulation bereits zugegeben,

Freunde, ich muss das erstmal sacken lassen, Im Vergleich dazu ist das Samsung Benchmark-Tuning ja nicht mehr als ein kleiner Streich, ja in meinen Augen sogar ein durchaus sinnvolles Feature. Wird mehr Leitungs benoetigt, wird mehr Leistung abgerufen. VW hingegen hat offenbar die „gehen sie nicht ueber Los“-Karte der Umweltbehoerde mehrfach misachtet und sieht sich nun einer Berichterstattung ausgesetzt, die das saubere und ueber viele Jahrzehnte aufgebaute Image der Wolfsburger im Handstreich in den Orkus der Unglaubwuerdigkeit ziehen kann.

Nein, nicht kann, sondern wird. Wenn man nicht die absolute „tabula rasa“ Strategie faehrt. Reinen Tisch machen, die Protagonisten zur Verantwortung ziehen und schonungslose Transparanz anbieten. Von ganz oben wohlgemerkt.

Was bereits 2014 in den USA entdeckt und von VW im Dezember des gleichen Jahres bestaetigt wurde (wohlgemerkt mit dem Versprechen, eine halbe Million PKWs zurueckzurufen), hat man schoen noch bis ins 3. Quartal dieses Jahres reingezogen. Passiert ist nichts und genau deshalb machen die US-Behoerden nun ernst und holen die ganz dicke Keule raus.

Listen Volkswagen… die sprechen von vorsaetzlichen Betrug und dann geht es auch noch um das hochsensible Thema Umwelt und Schadstoffe.

Ihr muesst da nun aufraeumen und zwar so umfangreich, wie man es sich vorstellen kann und muss. Wer auch immer das zu verantworten hatte und hat, muss gehen! Das kombiniert ihr bitte mit einem Kniefall und Schuld-Eingestaendnis und gelobt Aufklaerung und Besserung.

Ahso… und all dies sollte moeglichst zeitnah geschehen.

Im Moment trifft dies naemlich die gesamte Branche!