Schon mit dem Business-Telefon COMfortel 3500 stellte die Firma Auerswald ein schnurgebundenes Telefon mit dem Android Betriebssystem vor und seit einigen Tagen gibt es nun quasi den kleinen Bruder dieses Telefons. Was bietet der kleine Bruder COMfortel 3200?

Auerswald COMfortel 3200 – Der kleine Bruder des 3500 im Test

Die Firma Auerswald dürfte einigen unter uns ein Begriff sein. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1960 von Harro Auerswald und spezialisierte sich zunächst auf elektronische Komponenten. Später entwickelte man Telefonanlagen und das Unternehmen kann heute sogar einen Marktanteil von guten 20% bei kleinen TK-Systemen halten. Alle Produkte werden von Auerswald selber entwickelt und in Schandelah (Niedersachsen) produziert.

Achtung: Auerswald bat darum, dieses Telefon aus den Augen eines Geeks zu bewerten und zwar losgelöst von Telefonanlagen, sowie sonstigen Business-Faktoren.

Das Unboxing:

Wie schon das COMfortel 3500 war auch das 3200 sehr gut verpackt und es wurde auf unnötiges Verpackungsmaterial verzichtet. Im Karton befanden sich das Telefon, zwei Füße für das Telefon, eine Anleitung für das COMfortel3500 und 3200, eine CD, ein Netzteil, ein Mikrofasertuch, der Hörer, ein drei Meter langes LAN-Kabel und eine 2GB große SD-Karte. Zusätzlich steckte im Telefon schon ein Bluetooth 2.1 Dongle, welches nicht zum Lieferumfang des COMfortel 3200 gehört.

Was beim Telefon sofort auffällt, ist das kleine Display. Statt dem 5″ TFT Display wie beim COMfortel 3500, wurde hier ein 4,3″ TFT Display verbaut, welches eine Auflösung von nur 480 x 272 Pixel hat. Über dem Display fehlen beim COMfortel 3200 die Status-LED, der Näherungssensor zur Gestensteuerung und der Sensor zur automatischen Anpassung der Umgebungshelligkeit. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Telefone kaum.

Folgende Anschlussmöglichkeiten bietet das COMfortel 3200:

  • 2 Ethernet-Ports
  • 1 Anschluss für weitere Funktionstastenfelder
  • Headset-Anschluss mit DHSG-Unterstützung, auch für COMfortel Headset geeignet
  • 1 SD-Karten-Slot: Belegt mit einer 2 GB SD Karte und mit einer bis zu 32 GB großen SD Karten genutzt werden
  • 2 USB-Host-Ports
  • 1 Anschluss für Netzteil

Wie schon beim großen Bruder arbeitet im COMfortel 3200 ein TI Prozessor mit 600 MHz Taktfrequenz. Sicher ist das ein Prozessor, der heute kaum noch verbaut wird, doch sollte er für Aufgaben eines Business-Telefon ausreichen.

Das erste Mal am Netz:

Ausgeliefert wird das Telefon mit einer von Auerswald angepassten Android Version 2.3 (Gingerbread). Auf dem Telefon befand sich die Firmware Version 1.6A der angepassten Android Version.

Ein Blick in die Einstellungen zeigte mir folgende Informationen:

  • Firmware Version 1.6A
  • Android Version 2.3.4
  • Kernel Version 2.6.32-gds1.2.6
  • ca. 220 MB für Apps
  • ca. 220 MB RAM

Sicher ist das Android 2.3.4 nicht mehr das frischeste Android, doch wie schon beim großen Bruder sollte es für die angedachten Aufgaben eines Business-Telefons ausreichen. Mit den freien ca. 220 MB Platz für Apps und den knappen 220 MB RAM muss der Anwender sparsam bei der Installation von Apps umgehen. Apps lassen sich aber zum Glück auch auf die 2 GB große SD Karte auslagern.

Folgende Apps werden von Auerswald mitgeliefert:

  • Die Auerswald eigene App “Anrufbeantworter”
  • Die Android “Browser” App
  • Eine App mit dem Namen “Downloads”
  • Die App “Einstellungen”
  • Die Auerswald eigene App “Funktionen”
  • Die Auerswald eigene App “Funktionstasen”
  • Die App “Galerie”
  • Die App “Kalender”
  • Die App “Kontakte”
  • Eine von Auerswald angepasste App “Mail”
  • Die App “Musik”
  • Die App “Rechner”
  • Die App “Suche”
  • Eine App “Uhr”
  • Die App “App Center” von AndroidPIT
  • Und eine App “Webcam”

Leider fehlt bei dem COMfortel 3200 auch die Anbindung an den Google Play Store, dafür wird wie schon beim großen Bruder die “App Center” App von AndroidPIT mitgeliefert. Einerseits ist das Fehlen des Google Play Stores wirklich schade, andererseits kann ich Google auch verstehen, denn mit den 600 MHz schnellen Prozessor wird das COMfortel 3200 einen Teil der Google Services nicht nutzen können. Alternativ kann der Anwender auch den Amazon “App-Shop” installieren, doch ist dieser App-Shop auf dem Telefon nicht die schnellste App. Das Stöbern nach Apps kann hier manchmal ein wenig frustrierend sein.

Für den Test der Telefonfunktion nutze ich meinen “Sipgate Basic” Account. Die Einrichtung des Accounts war dank des Einrichtungsassistenten recht einfach. Wie schon beim großen Bruder werden zahlreiche Anbieter von Haus aus unterstützt.

Seit dem Google das Exchange ActiveSync-Protokoll nicht mehr unterstützt, ist das Einbinden von Google Kontakten und dem Google Kalender im Telefon nicht ohne weiteres möglich. Auerswald arbeitet derzeit an eine Lösung, welche in eine der kommenden Firmwares veröffentlicht wird. Bis dahin gibt es für die Google “Kontakte” und den “Kalender” eine recht einfache, aber kostenpflichtige Lösung. Mit den beiden Apps “CalDAV-Sync” und “CardDAV-Sync” lassen sich alle Daten bequem mit dem COMfortel 3200 syncen. Die Apps “CalDAV-Sync” und “CardDAV-Sync” kosten zusammen keine 5 Euro und sind jeden Cent wert! Die Google-Emails lassen sich mit dem Telefon über das IMAP4 Protokoll weiterhin abholen und das einrichten des Google-Email-Accounts ist kinderleicht.

Tipp: “CardDAV-Sync” gibt es zur zeit auch als kostenlose Version.

MP3s können bequem mit der “Musik” App gehört werden. Natürlich darf man kein Klangwunder erwarten, aber für ein wenig leise Musik beim Arbeiten reicht die Qualität vollkommend aus. Bilder lassen sich mit der “Galerie” App betrachten, auch wenn das laden der Alben manchmal etwas länger dauert. Videos sind wie beim großen Bruder leider ein Problem. Die “Galerie” App spielte keine meiner Filme ab, also lud ich mir den “VPlayer” herunter. Bei meinen Test ruckelten MOV, MP4 und AVI Filme so stark, dass das Betrachten der Filme keinen Spaß machte. Einzig das 352×288 Pixel große MPG Filmchen wurde relativ akzeptabel abgespielt.

Da sich das COMfortel 3200 kaum von seinem großen Bruder unterscheidet, habe ich das Thema Apps nicht großartig getestet. Spiele und Tools sollten nicht zu Anspruchsvoll sein. Für ein kleines Spiel zwischendurch reicht die Rechenleistung des Telefons, aber schon bei der “Facebook” App werden schnell die Grenzen des Prozessor und des knappen RAMs deutlich. Ich habe mir zum entspannen die kostenlosen Versionen von “Anrgy Birds”, “Mahjong HD” und “Backgammon Free” aus dem Amazon App-Shop installiert. Wer das noch mal genauer nachlesen möchte, sollte meinen ausführlichen COMfortel 3500 Test lesen.

Aber da war doch diese vorinstallierte “Webcam” App. Das Telefon hat keine Webcam, also was verbirgt sich hinter dieser App? Nun, mit dieser App lassen sich IP-Kameras mit dem Telefon verbinden. Dabei werden aber nur Kameras unterstützt, die einzelne Bilder im Dateiformat *.jpg direkt über eine statische IP-Adresse/URL bereitstellen. Wer in seinem Haus, oder seiner Wohnung, IP-Kameras verbaut hat, kann somit bequem von seinem Arbeitsplatz aus jede Kamera ansteuern. Leider kann mit der “Webcam” App immer nur eine Kamera angezeigt werden. Schöner wäre es, wenn dem Anwender die Möglichkeit der Anzeige von vielleicht 4 Kamera gleichzeitig angeboten würde.

Die Funktionstasten rechts am Telefon lassen sich genau so einfach wie beim großen Bruder belegen. Einfach die App “Funktionstasten” starten, nun eine der Tasten auswählen, dann eine der zwei Ebenen auswählen, danach eine der Funktionen (z.B. Anwendung starten) zuweisen und dann die App beenden. Dank der zwei Ebenen lassen sich je Taste zwei Funktionen belegen. Aufgerufen werden die Funktionen mit einem einfachen Druck auf die Taste, oder der Anwender drückt für die zweite Ebene zwei mal kurz hintereinander auf die Taste.

Mein persönliches Highlight des COMfortel 3200 ist die App “Anrufbeantworter”, denn der Anwender kann bis zu 25 Ansagetexte aufnehmen und anschließend seinen Kontakten zuordnen. Die Anrufbeantworter App speichert alle Ansagen, Nachrichten und Sprachnaotizen auf die mitgelieferte 2 GB große SD-Karte und nutzt dabei das WAV Format. Wie auch beim großen Bruder lassen sich neue Anrufbeantworternachrichten an eine EMail weiter leiten.

Natürlich hat Auerswald auch wieder die schon bekannte Web-Oberfläche in das COMfortel 3200 eingebunden. Wer nicht alle Einstellungen über die Android Oberfläche vornehmen möchte, kann die wichtigsten Telefonfunktionen bequem über eine Web-Oberfläche vornehmen. Dazu muss der Anwender nur in einem Browser die IP Adresse des Telefons eingeben und kann sich dann das durchforsten der Android Menüs ersparen. Dies geht aber nur, wenn das Telefon und der Rechner im gleichen Netzwerk sind. Über die Web-Oberfläche kann der Anwender bequem ein Backup aller Einstellungen erstellen und zum Beispiel nach dem Zurücksetzen des Telefons seine Einstellungen ganz einfach wieder einspielen.

Mein Fazit:

In Punkto Funktionen braucht sich das COMfortel 3200 nicht hinter seinem großen Bruder zu verstecken. Das 4,3″große Display mit der kleinen Auflösung von 480 x 272 Pixeln, die fehlende Status-LED und der fehlende Näherungssensor helfen dabei den Endpreis ordentlich zu drücken.

Für den Geek-Faktor vergebe ich die Schulnote 3

Begründung:

Für eine bessere Schulnote reicht der 600 MHz schnelle Prozessor, die ca. 220 MB Ram und die 220 MB für Apps nicht. Mit dem 4,3″ großen Display kann ich leben, aber dennoch finde ich eine Auflösung von 480 x 272 Pixeln nicht zeitgemäß. Die Screenshots zeigen schön, wie teilweise verwaschen die Icons aussehen. Gut finde ich das von Auerswald angepasste, wenn auch alte, Android.

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Braucht ein Geek so ein Telefon?

Nun, wer viel über das Internet telefoniert, wird den Vorteil eines echten Telefons zu schätzen wissen. Dank dem Android als Betriebssystem kann ein ambitionierter Geek auch seine eigenen Apps auf dem Telefon laufen lassen.

Die unverbindliche Preisempfehlung für das COMfortel 3200 von Auerswald ist 399 Euro (der große Bruder COMfortel 3500 hat 549 Euro UVP), doch mit der Zeit werden die Onlinehändler das COMfortel 3200 bestimmt für um die 300 Euro anbieten. Hier sollte man sich vor dem Kauf bei diversen Händlern informieren. Nichts desto trotz ist das COMfortel 3200, wie auch sein großer Bruder, für einen Geek ein kleines Stück Luxus.

Dürfte ich mir für die Konfiguration seines Nachfolgers etwas wünschen, so wäre es ein guter DualCore Prozessor, ein aktuelleres Android, mehr Speicher für Apps, min. 1 GB Ram, eine echte Webcam und ein höher aufgelöstes Display.

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