Die Telekom mitten im Shitstorm – das war das Thema eines Interviews, das der Telekom-Sprecher Philipp Blank gegeben hat. Und natürlich hat er – das ist schließlich seine Aufgabe – in seinen Antworten die Realität ausgeblendet und nur das erzählt, was uns die Telekom als Realität verkaufen will. Uns stellt sich dabei die Frage, ob die das wirklich selber glauben oder ob sie ihre Kunden einfach nur für vollkommen bescheuert halten.

Bescheuert: Hält uns die Telekom dafür oder sind sie es?

Das Interview kann man direkt im Netz hören – wenn die Leitung nicht gedrosselt wurde (ansonsten hier in Textform) ;)

Im Grunde dreht sich bei der Argumentation der Telekom alles um die Frage, wie in Zukunft immer weiter anwachsender – die Telekom spricht von „explodieren“ – Traffic bewältigt und finanziert werden kann. Niemand will der Telekom widersprechen, dass der Internet-Traffic in Zukunft immer weiter wachsen wird, darüber müssen wir nicht diskutieren. Immer neue, immer datenhungrigere Dienste sorgen dafür, dass auch in Zukunft sogar die dicksten Bandbreiten gefüllt werden können. Video-Streaming steht tatsächlich erst am Anfang der Entwicklung, wenn sich das so fortsetzt, werden die Provider bald nur noch über die Zeit lächeln können, als das bisschen Traffic von YouTube ihnen Kopfschmerzen bereitete.

Da hört dann aber auch schon die Zustimmung auf, denn was die Telekom daraus ableitet, welche Maßnahmen sie zu ergreifen gedenkt und wie sie diese begründen ist voller Widersprüche.

1. „3% der Nutzer sind für über 30% des Traffics verantwortlich“
Durchaus möglich, aber wie sehen denn die Zahlen genau aus? Wer sind die 100%? Alle Telekom-Kunden, auch die, die kein einziges Byte nutzen, weil sie einfach kein passendes Endgerät besitzen oder den Internetzugang über einen anderen Provider an ihrem Telekom-Anschluss nutzen? Gehören die Mobilnutzer dazu, die jedes Byte zählen? Die ISDN-Nutzer (die es immer noch gibt!)? Nehmen wir an, es wären wirklich alle Kunden, wie viele davon verursachen dann überhaupt aus welchen Gründen auch immer keinen Traffic? 5%? 10%?

2. “75GB reichen”
Ob nun 75, 100 oder 200GB – hier widerspricht sich die Telekom selbst. Wenn der Traffic explodiert, dann werden heute ausreichende Volumen in drei Jahren bei weitem nicht mehr ausreichen. Auch nicht für Lieschen Müller. Dann trifft die Drossel also jeden Kunden, nicht mehr nur die “Heavy User”. Eine ganz andere Frage ist natürlich, ob diese Grenzen nicht heute schon zu knapp bemessen sind. Ich persönlich neige dazu diese Frage negativ zu beantworten

3. “Die Netzneutralität ist nicht tangiert”
Laut Telekom werden Internetdienste auch in Zukunft diskrimierungsfrei und unterschiedslos behandelt. Nur “Managed Services” würden extra behandelt und beim Trafficverbrauch nicht berücksichtigt. Das mag stimmen, was die Telekom aber nicht so deutlich sagt: Gegen Zahlung wird aus einem beliebigen Internetdienst plötzlich auf wundersame Weise ein “Managed Service”. Und genau hier ist die Netzneutralität betroffen, wenn ein Anbieter A mit einem Download Store dank seiner finanziellen Mittel eine “Überholspur” für seinen Traffic einkaufen kann, während Start-Up B diese Mittel nicht hat und daher einen deutlichen Wettbewerbsnachteil hat. Das Internet wurde nicht so erfolgreich, weil es “Premium Dienste” gab, sondern nur aufgrund der offenen, neutralen Struktur. Wenn die Telekom behauptet, diese wäre durch ihre Drosselungspläne nicht gefährdet, die Telekom wäre gar ein Freund und Förderer dieser Struktur, dann ist das meiner Meinung nach eine glatte Lüge.

Warum macht die Telekom das?
Ich kann mir zwei Gründe vorstellen:

1. Die Telekom hat sich verkalkuliert. Natürlich hat die Telekom recht, wenn sie sagt, dass immer mehr und größere Investitionen nicht mit immer weiter sinkenden Preisen zusammen gehen. Irgendwann funktioniert so was nicht mehr. diese Erkenntnis ist aber nicht neu und wenn sich die Telekom heute hinstellt und so tut, als wären dies und die Trafficentwicklung für sie vollkommen überraschende und neue Erkenntnisse, dann ist das entweder gelogen oder die Manager der letzten Jahre gehören wegen Unfähigkeit entlassen und auf Schadensersatz verklagt!

2. Neid. Dank der offenen Struktur und der Netzneutralität konnten viele Unternehmen im Internet richtig dick Geld verdienen, ganz vorne Google, Amazon oder auch Apple. Und die Zugangsprovider haben von all dem schönen Geld nichts. Erinnert ein klein an die Presseverlage – deren Geschäftsmodelle brachten einfach nicht genug Geld, also wollten sie Geld von Google haben. Und nichts anderes will die Telekom – nicht erst seit heute: Ein größeres Stück vom Kuchen. Letztlich werden hier die Kunden als Geisel genommen, um von Anbietern im Netz die Zahlung einer “Highspeed Maut” zu erpressen.

Newsletter abonnieren

RSS-Icon Immer auf dem Laufenden bleiben? Dann abonniere unseren RSS-Feed!
  • Christian Koch

    Ich sehe den Grund eher so: Sie probieren derzeit einfach ob sie damit durchkommen das Netz zu kontrollieren. Sollten sie es irgendwie durchbekommen (was jetzt nicht unrealistisch ist) und die 75GB in einigen Jahren praktisch unbrauchbar wird, dann können sie noch einmal ordentlich abzocken: denn dann landen wir in dem Gebiet, wo man nicht pro Monat zahlt sonder pro MB, was für die Telekom natürlich toll wäre…

    • derflo

      Wenn man für das Volumen bezahlt, wäre das doch fair. Warum sollten die Kosten eines “Heavy-Users” auf die Gelegenheitsnutzer umgewälzt werden? Wenn die Kosten dadurch nicht explodieren würde, fände ich das sehr gerecht.

      • http://twitter.com/andiliciouscom Andi Wieser

        Die Frage ist halt nur was es dann wirklich kostet. Wenn das TB im VK selbst in Rechenzentren bei unter 7 Euro liegt, was will dann nur die Telekom dafür haben? ;)

        • derflo

          Das ist die alles entscheidende Frage!

        • Max

          Und was bringt dir das zu wissen? Ist in dem Preis schon der Glasfaser-Ausbau eingerechnet? Ich denke kaum.

          • http://blog.gonline.at Georg S.

            Der Glasfaserausbau hat aber nichts mit der Drosselung zu tun sonder mit der Geschwindigkeit. Durch den Glasfaserausbau verhindert die Telekom sowohl das die Kunden welche eine höhere Geschwindigkeit wollen Kunden zur Konkurrenz (Kabelanbieter und lokale Glasfasernnbieter) abwandern und das die Telekom statt 35€ danach 45€ von den Kunden bekommt (für “Sonderaktionen” die den Preis aktuell um 5€ drücken ist die Telekom selbst schuld). Um die Drosselung auch in Zukunft nicht nötig zu haben müssen “nur” die Backbones und Peerings ausgebaut werden was für einen Bruchteil der 80 Mrd. möglich ist, mit denen die Telekom argumentiert.

      • Andreas Gottbehüt

        Sind es aber nicht eben diese Heavy-User die ihr Wissen und die Informationen hier im Netz jedem zu Verfügung stellen? Ich schreibe bei vielen Blocks und lade auch ab und zu ein Video bei Youtube hoch, 75GB sind da sehr schnell weg. Soll ich nun aufhören anderen Nutzern zu helfen? Wo bleibt hier der wir Gedanke?

        • derflo

          Das ist sehr vorbildlich!
          Ich möchte hier auch nicht das Vorhaben der Telekom gutheißen, oder gar verteidigen.
          Allerdings ist Geld gegen Leistung immer am gerechtesten. Was du damit machst, ist der Telekom erstmal egal. Du würdest auch kein Benzin von der Tankstelle geschenkt bekommen, wenn du z.B. alte Leute umsonst von A nach B bringst.

          • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

            Die Mitarbeiter dürfen aber an einer Tankstelle auch nicht kostenlos tanken – Telekom-eigene Dienste sind aber von der Drosselung ausgenommen.

        • Max

          Die Telekom ist doch kein Wohltäter. Was ist denn das für ein Argument, die Heavy User würden Informationen zur Verfügung stellen…ja und? Dann monetarisiere deine Videos doch und du kannst dir auch nen gescheiten DSL Anschluss leisten. Nene…Sachen gibts^^

          • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

            Mich würde schon mal interessieren, wie vielfältig da noch deutsche Internetangebote wären, wenn alle „bösen Heavy User“ sich plötzlich eben nicht mehr an den Inhalten beteiligen würden… ich vermute mal: Sehr, sehr traurig.

          • Max

            Und warum sollten sich die Heavy User nicht mehr an den Inhalten beteiligen? Wenn man sieht, was da ein Geld bei Bloggern, YouTube´rn und co. verdient wird, hört da keiner so schnell freiwillig auf ;)

          • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

            Warum? Weil sehr viele Inhalte im Netz von Menschen ohne Gewinnerzielungsabsicht oder -chance gemacht wird. Die machen das aus Spaß, als Hobby, um sich zu beschäftigen statt als Arbeitsloser den ganzen Tag Unterschichten-TV zu schauen – meinst Du solche würden weiterhin Inhalte produzieren? Kaum. Und so viel Geld wird da im Schnitt nicht verdient mit Blogs, YouTube usw. – einige wenige verdienen gut oder sehr gut, aber die große Masse ist weit davon entfernt überhaupt kostendeckend zu sein (wenn sie es überhaupt wollen).

      • http://blog.gonline.at Georg S.

        Nicht das Volumen verursacht die Explodierenden kosten sondern der Netzausbau auf höhere Geschwindigkeiten bei der Anbindung der Kunden und wer eine höhere Geschwindigkeit will zahlt auch mehr.

        • derflo

          hmm,ok. Aber braucht es nicht schnellere Leitungen, wenn der gesamte Traffic steigt?

          • Max

            Das hat Georg S. doch gerade gesagt.

          • derflo

            ja, und ich davor doch auch.

          • http://blog.gonline.at Georg S.

            Mann muss aber zwischen der Geschwindigkeit zum Kunden (teuer da neue Glasfaserleitungen verlegt werden müssen) und auf der Backend Seite (neue (schnellere) Hardware ist nötig um mehr aus den bestehenden Galafasern herauszuholen) unterscheiden.

          • http://blog.gonline.at Georg S.

            Auf der backend Seite schon aber da muss schon seit Jahren immer aufgerüstet werden und das da die Kosten jetzt plötzlich exponentiell steigen soll die Telekom erst einmal begründen, die dafür benötigte neue Hardware wird eher günstiger und Glasfasern sollten dort sowieso schon so gut wie überall liegen. Und wer mit einer Langsameren Leitung zufrieden ist zahlt ja weniger als der für den die telekomm die Schnelle Leitungen (also die wirklich hohen kosten des Netzausbaus) baut. Siehe auch: http://heise.de/-1847958 (zweiter Absatz).

        • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

          Tja, das ist doch heute schon so: Schneller Leitungen kosten mehr Geld – nur hat sich die Telekom wohl mal wieder verkalkuliert und damit gerechnet, dass ihre Kunden entgegen dem weltweiten Trend mit dickeren Leitungen nicht mehr Daten übertragen. Das Thema Traffic ist doch nur ein vorgeschobener Mist, um den Kunden eine Preiserhöhung zu verkaufen – alle denken heute, dass sie ja eh nicht betroffen wären und wenn dann 2016 die Drossel kommt ist es zu spät. Dann sind plötzlich alle „Heavy User“.

          Und dann eben noch das Thema Netzneutralität…

          • http://blog.gonline.at Georg S.

            Ja das wolle ich auch so schreiben aber ich hätte wohl anstatt: “wer eine höhere Geschwindigkeit will zahlt auch mehr” eher “wer eine höhere Geschwindigkeit will zahlt auch heute schon mehr” schreiben sollen. Für den Traffic nochmals extra zu zahlen wenn doch die Geschwindigkeit der Kundenleitungen der Hauptkostenfaktor ist ist vor-allem für die Kunden eine Unverschämtheit bei denen kein VDSL verfügbar ist und die deshalb einen Tarif bis DSL16000 haben und zukünftig nach 75GB aus-gebremst werden.

      • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

        Siehe oben: In drei Jahren ist der Verbrauch oberhalb der heute von der Telekom definierten Grenzen normal, man muss sich nur die bisherigen Entwicklung anschauen – es kommen einfach immer mehr datenintensive Dienste und die vorhandenen werden von immer mehr Menschen genutzt…

      • Psykhe

        Nur ist es nicht das Volumen was die Kosten verursacht. Es ist der Netzausbau.

        Wenn du “Gerechtigkeit” als Argument nimmst, dann müssten Leute zu denen neue und/oder bessere Leitungen verlegt wurden, mehr bezahlen, nicht die die bei alten (oder neuen) mehr saugen.

      • Andreas G.

        Heavy User verursachen nicht die Kosten die die Telekom immer zitiert. Traffic ist für die Telekom kein, im Gegenteil es ist eine Einnahmequelle. Der Löwenanteil der tatsächlichen Kosten sind die Personalkosten und die Kosten für die Wartung der Leitungen.

        Informier dich doch mal selber statt der Propaganda der Telekom und dem Märchen des Heavy Users zu glauben.

  • Max

    Sag mal habt ihr das Inteview überhaupt gehört? Ich bin wahrlich kein Freund der Drosselung, aber der Telekom Sprecher hatte mit allem Recht, was er gesagt hat. Milliarden-Investitionen und sinkende Umsätze passen tatsächlich nicht zusammen, und wie jeder weiß, ist die Infrastruktur in Deutschland tatsächlich größtenteils miserabel und weit hinter der vieler anderer Staaten zurück.
    Eigentlich fehlt nun nur noch eine verbindliche Ankündigung für Investitionen, nachdem die Drossel verbindlich eingeführt wird. Ansonsten: ohne Investitionen hat die Drossel keine Berechtigung!

    • Wastl

      Wenn die Infrastruktur in Deutschland größtenteils miserabel ist, dann sollen sie doch bitte erstmal investieren und wenn dann die bessere Leistung da ist, können sie auch die Preise anpassen.

      Und ich wiederhole es gerne immer wieder: die sinkenden Umsätze haben sie selber mit ihrer unglaublich schlechten Servicequalität (mit-) verursacht. Ich behaupte, dass es in diesem Land genug Leute gibt, die auch etwas mehr bezahlen würden, wenn man nicht von vorne (Anschluss) bis hinten (Kündigung) Ärger mit den Brüdern hätte.
      Damit fehlt mir ehrlich gesagt jegliches Verständnis für Telekom & Co.

      • Max

        Klar, erst investieren, dann Preise erhöhen wäre eine Lösung. Aber keine sinnvolle, das sollte jedem klar sein. Immerhin will man als Firma bei solchen Mega-Investitionen ja auch sicher gehen, das sie sich irgendwie rentieren, als Börsennotiertes Unternehmen sowieso.

        Der Service ist bei der Telekom sehr gut, besser als bei den anderen Marktteilnehmern. Einzelne unzufriedene Kunden gibt es immer, ist aber bei Millionen von Kunden auch nicht ungewöhnlich oder gar vermeidbar. Daran liegt es aber definitiv nicht das die Umsätze zurück gehen, sondern eher an der Konkurrenz durch billige Kabel-Anbieter die auf eine völlig andere Infrastruktur zurückgreifen können. Oder an der Konkurrenz durch Billig-Anbieter wie 1&1, die nur rund 10 Euro pro Monat an die Telekom zahlen müssen.

        • http://blog.gonline.at Georg S.

          Und du gehst also davon aus das 1&1 alleine mit der Letzten Meile den Kunden mit DSL oder VDSL versorgen kann?
          Die Kabel bis zur letzten Meile müssen die anderen Provider auch bezahlen (und das ist dort wo bei VDSL der Gasfaserausbau nötig ist). Zwar hat z.B. 1&1 keine eigen Leitungen aber sie mieten diese bei Anderen Providern wie Vodafone (meines Wissens DSL wie auch VDSL), QSC (DSL) oder auch der Telekom (VDSL oder wenn keine anderen Leitungen für DSL verfügbar sind).

    • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

      Das alles ist aber kein Traffic-Problem, siehe meinen Kommentar oben. Nicht im Backbone-Bereich stehen Investitionen an, sondern bei der letzten Meile, also den Anschlüssen. Wenn die Einnahmen aus dem Geschäft und die staatlichen Förderungen nicht reichen, um die nötigen Investitionen zu finanzieren, dann verkauft die Telekom die entsprechenden Anschlüsse offensichtlich zu billig.
      Auch eine nette Überlegung: Hält die Telekom die Endkundenpreise absichtlich unterhalb der Kostengrenze, um Konkurrenten zu erschweren günstigere Angebote zu machen bzw. Angebote bei denen genügend Geld rein kommt, um selbst zu investieren? Verkauft die Telekom die Anschlüsse zu billig und lässt sich das in Zukunft von den sog. „Heavy Usern“ finanzieren, um weiterhin viel zu billige Anschlusspreise haben zu können?

      • Max

        Carsten, die Preise werden nicht durch die Telekom festgelegt, sondern durch die Bundesnetzagentur. Aktuell müssen 1&1 und co. etwa 10 Euro monatlich für die “letzte Meile” zahlen. Das damit auf Dauer höchstens eine Instandhaltung, keinesfalls aber ein Neubau von Leitungen möglich ist, dürfte klar sein.

        Natürlich könnte die Telekom ihre eigenen Angebote einfach teurer machen. Das ist aber auf dem Markt nicht durchsetzbar (warum mehr Zahlen für gleiche Leistung?). Im Mobilfunk ist die ganze Sache deutlich besser, denn hier ist die Telekom nicht verpflichtet, ihr Netz zu einem (viel zu niedrigen) Preis zu vermieten, sondern legt ihre Preise selbst fest und kann Investitionen so viel besser planen.

        Die Schuld für den schlechten DSL-Ausbau in Deutschland liegt nicht bei der Telekom (warum auch?), sondern hauptsächlich beim Staat und der Regulierung. Wenn dem nicht so wäre und sich Investitionen in das Netz lohnen würden, dann müssten sich ja theoretisch alle möglichen anderen Anbieter darauf stürzen, hier zu investieren. Tun sie aber nicht, und das hat eben oben genannte Gründe.

        • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

          Genau und die Telekom hat das ganze Netz mit eigenen Mitteln teuer aufgebaut… ach nein, ups, da war ja was… Und das ist der Punkt: Die Telekom hat einen massiven Wettbewerbsvorteil zum Start bekommen, nämlich das mit Steuermitteln aufgebaute Netz! Sie musste nicht ein komplettes Netz neu aufbauen, sie haben es einfach so übernommen. Und dazu haben sie ein Monopol bekommen auf die „letzte Meile“.
          Man mag darüber streiten, ob der Weg der Regulierung (relativ günstige Preise für die letzte Meile für die Mitbewerber) richtig ist oder nicht, diese Regulierung aber jetzt als Vorwand zu nehmen für falsche Kalkulationen im Endkundengeschäft ist bestenfalls armselig, im schlimmsten Fall bösartig.
          Auf der anderen Seite wäre ein zu hoher Preis für die letzte Meile erst recht ein Hindernis für Mitbewerber eigene Netze aufzubauen – wovon sollten die denn was aufbauen, wenn sie für die letzte Meile zu heftig zur Kasse gebeten würden und am Ende kein Geld für irgendwelche Investitionen bliebe? Mal abgesehen davon, dass niemand von uns wollen kann, dass alle Telkos eigene Netze bis zu allen Kunden legen.

          • Max

            War klar das jetzt das Argument kommt, die Telekom hätte alles geschenkt bekommen :D Gut, hat sie auch, aber eben vor 20 Jahren eine riesige Kupfer-Infrastruktur. Kupfer ist für hohe Datenraten aber bekanntlich unbrauchbar, daher ist dieses Netz heute und vor Allem in Zukunft nicht mehr viel Wert.

            Ich glaube nicht das im Endkundengeschäft falsch kalkuliert wird. Wie gesagt, andere Betreiber könnten ja auch investieren, tun es aber noch weniger als die Telekom. Natürlich sind parallele Glasfaser-Netze auf der letzten Meile nicht sinnvoll, aber das will ja auch keiner: schon heute gibt es Kooperationen, bspw. zwischen Netcologne und Telekom.

            Ich bin überzeugt: würden seitens der Bundesnetzagentur Investitionen gefördert, sähe es in DE anders aus. Alleine ein 10-Jähriges Exklusivrecht bei Ausbau wäre schon förderlich, sodass Kunden auf einen bestimmten Anbieter angewiesen sind, wenn sie hohe Bandbreiten haben wollen.

  • http://www.macbug.de/ Bastian

    Die ganze Aufregung verstehe ich nicht ganz…

    Klar ist dass die Telekom Anschaffungen in Milliardenhöhe tätigen muss um den “Traffic zu stemmen”. Durch die Flat Tarife kommt aber nicht unbedingt mehr Geld in die Kassen.

    So, man kann sagen:

    1. Die Telekom schafft es nicht die Kosten zu stemmen

    2. Sie wollen “noch reicher werden”

    3. Sie wollen mehr Macht

    Ich würde mal behaupten dass alles zu trifft. Wer kanns ihnen auch verübeln.

    Überall wird sich jetzt aufgeregt, aber kein Mensch beschäftigt sich wirklich darum. ITler sollten auch mal zu Wort kommen was es eigentlich heißt diesen Traffic zu stemmen, wie das machbar ist, was dazu notwenig ist und was das alles kostet.

    Einfach nur auf die Telekom los zu gehen ist völliger Blödsinn. Die
    Blogs sind voll, die Kommentare mehren sich, aber nach dieser ganzen
    Diskussion hat doch keiner Ahnung davon und geändert wird auch nichts.
    Fakt ist: Die Preise werden steigen. Fertig.

    .

    • Max

      Es geht der Telekom ja scheinbar vorrangig auch gar nicht um die Kosten des Traffics an sich, der ist ja verschwindend gering. Viel eher geht es um den Glasfaser-Ausbau, und der kostet nun mal Milliarden und ist von der Telekom quasi im Alleingang zu erledigen, da nur sie die finanziellen Mittel dazu hat.
      Das die Preise steigen ist meiner Meinung nach vielleicht auch ganz gut so, ich zahle lieber 50 Euro anstatt 25 und habe dafür eine bundesweit hervorragende Glasfaser-Versorgung.

      • Michael R.

        Dann soll halt mal ne anständige Lösung dafür her wie andere Firmen entschädigt werden, wenn sie Glasfaserkabel legen. Das scheint sich aktuell nicht wirklich zu rentieren!

        • Max

          Exakt, sehe ich auch so. Es würde ja schon reichen, wenn die jeweilige Firma für ein paar Jahre ein “monopol” auf ihre eigenen Leitungen bekommt und sie nicht billig an Konkurrenten vermieten muss. Aber das ist eine Sache, die der Staat entscheiden muss…

    • Thomas Berger

      Dann kommt hier einmal ein IT’ler zu Wort:

      Die von der Telekom angeführten Gründe sind aus der Sicht des Netzwerkers absoluter Blödsinn.

      Es gibt in Deutschland kein Bandbreitenproblem. Gerade mal 10% der Backbone Kapazität ist momentan in Nutzung.

      Eine Drosselung auf Montasbasis würde selbst wenn nicht helfen. Monatsanfang wäre das Netz überlastet, Monatsende so ziemlich leer.

      Auch der Kostenfaktor spielt hier keine Rolle, zumindest nicht in dem Backbone und Peering Bereich.

      Ich hab da was in meinem Blog zu geschrieben, vlt hiflts ja beim Verständnis. https://lokis-chaos.de/dies-und-das/internet-peering-und-qos-fuer-dummies/

    • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

      Die Telekom hat sich offenbar verkalkuliert. Wenn sie mit dem DSL-Geschäft nicht genug Geld verdienen, dann sind sie zu billig. Eine allgemeine Preiserhöhung hätte einen großen Aufschrei gegeben – also denkt man sich die Sache mit dem Traffic und den bösen „Heavy Usern“ aus und kann wunderbar einen Keil zwischen die eigenen Kunden treiben – bis dann 2016 die große Überraschung kommt, weil es nicht mehr 3% „Heavy User“ sind, sondern nur noch 3% „Telekom Standard User“, die mit den heute schon zu knappen Trafficgrenzen auskommen.

      Wenn die Telekom nicht genug Geld hat, die Glasfasern zum Kunden zu legen, dann sollen sie von den Kunden, die Glasfaser haben oder wollen eben mehr Geld verlangen. Wenn 40 Euro im Monat die Kosten für VDSL die Kosten nicht decken, dann müssen die Anschlüsse eben teurer werden. Die Telekom behauptet jetzt, dass die „Heavy User“, die viel Traffic machen von allen anderen „subventioniert“ werden müssten – dabei ist es eher so, dass in Zukunft diejenigen, die viel Traffic machen die schnelleren Zugänge „subventionieren“ sollen, auch wenn sie selber gar keinen haben…

      • Michael R.

        ich finde ja vor allem schön dass es “Lieschen Müller” (w) den Heavy-User (m) subventioniert. Genauso wie die Krankenschwester (w) den Artz (m) das Studium finanziert.

        Dabei ist es doch so, wenn ich eine Monatskarte kaufe für den Öffentlichen Nahverkehr (die anderen Franken hier werden aufstöhnen wenn ich den VPN direkt erwähne :D) dann subventioniert doch laut dieser Logik auch der Arbeiter der nur einmal hin und zurück pro Tag fährt doch auch die Studentin die vielleicht 3,4 pro Tag hin und her pendelt also doppelt so viel Traffic produziert wie er… schon interessant wie Sprache das wieder beeinflussen kann.

  • Shiva

    Das Leben besteht nicht nur aus Internet, es ist sogar besser das es gedrosselt wird, denn somit werden endlich auch die Menschen wieder an die frische Luft gehen.

    • http://www.facebook.com/people/Ralf-Winkler/100002489357038 Ralf Winkler

      Tolle Idee, vor allem für die paar Millionen Leute, für das Web mittlerweile zum Arbeitsplatz geworden ist. Die werden sich über die zusätzliche Freizeit freuen. :)

    • http://www.facebook.com/patrick.tschumi.1 Patrick Tschumi

      Was machst du den auf dieser Seite,du könntest in der Zeit auch Raus an die Frische Luft oder bist du etwa am “Arbeiten”.Ich bin ja zwar Schweizer und mich Betrifft diese scheisse nicht(im Gegenteil unsere Glasfaser Leitungen werden Täglich schneller)doch das was du da Labberst ist Bullslhit,ja in meiner Freizeit geh ich oft in die Berge(Genau echte Berge nicht die Hügel die ihr in Deutschland oder in Österreich habt))aber unter der Woche nach einem Harten Arbeitstag will ich mich Entspannen,meine Serien auf Hulu oder Netflix schauen oder meine Games über Steam Zocken und meine Videos in Yotube Streamen.Ich mein allein ein 10 Minütiges Video in 1080 P braucht ca 200 MB an Trafic. Aber eben mir als Schweizer kann es egal sein.

      • Kolo

        Ja du hast recht, aber im Verhältnis zu Deutschland sind die Internetpreise in der Schweiz viel höher als in de, und woher willst du sicher sein das Swisscom die Idee nicht auch aufgreift? Zudem kommt dass das Netz in den Bergen auch nicht so gut ist.

    • http://twitter.com/sungminwi Sung-Min Wi 위성민

      Ich hab’s geliket, weil ich dieses Argument als eine gelungen Ironie gesehen habe. :-)
      Na ja als ich auch die Nachricht las, habe ich mir auch sofort denken müssen, dass Telekom wirklich Sorgen um unsere Gesundheit macht.

  • Shorty1981

    Die Telekom ist doch selber schuld, dass jetzt die Kosten explodieren. Sie haben sich Jahre lang auf ihrer Forherschaft ausgeruht und nichts wirklich investiert.
    Jetzt wo plötzlich die Konkurenz stärker wird, hat man gemerkt, ups wir sollten vielleicht doch mal etwas in unser Netz investieren.
    Und wehr ist da der dumme, die Nutzer! die so wie so schon Jahre lang der Telekom Geld in den Rachen schmeißen und dann nicht mal annähernd die Leistung bekommen die sie bezahlen.
    z.B. ein Kumpel von mir hat DSL 6000 und erreicht mit viel glück 1000 – 2000.
    Ich selber war auch lange Zeit Telekom Kunde, aber nachdem ich andauernd von dehnen Ausgebremst wurde und nie nur annähernd die Bezahlte geschwindigkeit erreicht habe, obwohl ich in der Stadt wohne bin ich zu Kabel BW gewächselt und bin seit dem zufrieden. Ist zwar auch nicht perfekt, aber wenigstens komme ich annähernd an meine bezahlte Geschwindigkeit.
    Ich wollte eigentlich anfang des Jahres wieder zur Telekom und mir VDSL 50 zulegen, als ich aber dann im T-Com shop war, hieß es bei mir währe nur max. VDSL 25 verfürgbar, solle aber trotzdem VDSL 50 bezahelen.
    Ähm hallo geht noch? Und jetzt soll man für höheren Traffic nochmal drauf zahlen, ohne mich! Da bleibe ich lieber bei Kabel BW.

    Ähm hallo gehts noc

    • Max

      So ein Schwachsinn. Die Telekom hat in den letzten Jahren Milliarden investiert, tausende Kilometer Glasfaser verbuddelt. Aber wenn es sich nicht rentiert, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann wird eben eher weniger als mehr investiert, ist doch ganz klar.

      • Shorty1981

        Das mag ja sein, aber viel zu spät. Die wissen doch nicht erst seit gestern, das die vorhandenen Leitungen total veraltet sind, das ist nicht erst seit ein paar Jahren.
        Wir sind im Weltweiten vergleich was Breitband Internet betrifft relativ weit hinten, und woran liegt das? Weil die Telekom die Jahre lang die Forherschaft hatte einfach gepennt hat und nur auf Profit aus war und jetzt sollen wir Kunden darunter leiden.
        Nein Danke, da bleibe ich lieber bei Kabel und ich bin bestimmt nicht der einzigste der so Denkt.
        Hätten sie schon früher angefangen, dann währen die Kosten auf einen längeren Zeitraum verteilt worden.

        • Max

          Und warum soll Deiner Meinung nach gerade die Telekom diese Kabel verlegen? Warum soll das nicht Vodafone, 1&1 oder Firma XY machen? Jeder kann in Deutschland Kabel ausbauen. ABER: eine halbwegs vernünftige Firma macht natürlich nur das, was sich auch auf absehbare Zeit rentiert.

          Durch extrem niedrige Preise und eine total verkorkste Regulierung lohnen sich Investitionen aber weder für die Telekom noch für andere Anbieter sonderlich – genau aus diesem Grund ist Deutschland doch auch so weit im Hintertreffen im Vergleich zu anderen Ländern. Glücklich ist da, wer auf Internet via TV-Kabel zurückgreifen kann. Leider sind das auch lange nicht alle…

          • Kolo

            Irgendwie glaube ich wir haben da einen von der Telekom hier, vorallem dass für die Letzte meile kein Glas nötig ist. Das geht noch gut lang mit Kupfer oder aus was bestehen denn die TV-Kabel?

          • Max

            Ne, zum GLÜCK bin ich nicht von der Telekom :D Aber ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema und aktuell wird wirklich viel Blödsinn geschrieben. Zu TV-Kabel: Ist auch Kupfer, aber schon von Anfang an auf einen viel höheren Frequenzbereich ausgelegt als die Kupferkabel für Telefon. Daher für Breitband auch viel besser geeignet :)

  • http://www.happybuddha1975.de/ HappyBuddha

    Erinnert ein wenig an das “Drama” mit den ersten CD-Brennern. Erst wurden sie verkauft dazu teure Rohlingen, dann stellte man entsetzt fest: “Der Kunde brennt ja sonst was damit. Illegales? Omg!”

    Jetzt verkaufen sie uns teure Handys & Tablet-Computer dann stellen sie fest: “Omg, die werden ja auch genützt”.

    Guten Morgen …

  • Manfred

    Japan scheint ein paar Internet Generationen weiter zu sein. 2GBit/s für 39 €.

    Aber dort sollen ja auch bald 4K Filme mit 100GB gestreamt werden.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Japan-Sony-Tochter-bietet-Internet-Anschluss-mit-2-GBit-s-1842810.html

  • Jojo Mohr

    Die Telekom ist ganz schön schlau, anstatt die Preise aufgrund des Netzausbaus zu erhöhen wird ohne Netzausbau trotzdem mehr Geld verdient!

  • Herrjeh

    Mein Vertrauen in die Politik ist nicht besonders groß, aber ich hoffe wirklich das da eine Instanz einschreitet bei der Telekom. Diese “Managed Services” gehören verboten und der Telekom ne massive Geldstrafe auferlegt, dass sie sowas überhaupt in Verträge packen wollen.

    4K steht vor der Türe, da sind beschränkte Leitungen indiskutabel und als Kunde soll man seinen Anbieter frei wählen können. Das Argument “wer sich einen 4k TV leisten kann, der soll dann auch bitte jeden Monat der Telekom x Euro mehr in den Rachen werfen” zählt nicht. Wie jetzt schon von einigen Profis dargelegt wurde macht der Traffic nur Centbeträge bei der DSL Leitung aus und die Preise fallen. Der Ausbau des Netzes wird Staatlich gefördert – wenn auch meinetwegen zu gering.

    Meines Erachtens ist das von der Telekom ein Versuch unbequeme Nutzer loszuwerden (damit sie ein ein paar Cent mehr Marge bekommen) und gleichzeitig ihre “Manged Services” zu pushen. Das Volk will schließlich unterhalten werden und dabei kann man schön die Konkurrenz aussperren.

    Kann Deutschland es sich wirklich leisten als einziges Industrieland dieser Welt den Rückschritt zu volumenbegrenzen “Flatrates” zu vollziehen? Die Telekom ist einer der größten Telekommunikationskonzerne der Welt, kommt aus Deutschland, und vollzieht so einen Schritt. Für mich unfassbar und ein Grund die Telekom wo ich nur kann zu boykottieren im Bekanntenkreis.

    Fakt ist: in 4-5 Jahren sind 75 oder gar 200GB ein Witz sobald gestreamt wird. Hoffentlich nimmt die Telekom diese Absurden Pläne wieder zurück und entschuldigt sich öffentlich!

  • http://twitter.com/sungminwi Sung-Min Wi 위성민

    Hieß es mal nicht “das Internet sei das Gleichberechtigte für jeden auf dieser Welt”?
    :-)

  • Pingback: Blogparade zum eigenen Netz-Nutzungsverhalten › Dobschat

  • http://www.big-screen.de/ BIG SCREEN

    Die meisten Kunden werden nachdem das Thema einigermaßen abgeklungen
    und vergessen wurde, e nicht wechseln…

Trackbacks & Pingbacks

  1. Pingback: Blogparade zum eigenen Netz-Nutzungsverhalten › Dobschat