Der IDF war sicherlich der Hauptgrund meines 4-Tage-Trips nach Peking, aber wenn man schon mal in der wirtschaftlichen und politischen Mitte des Reichs der Mitte verweilt, dann sollte man auch das Beste daraus machen. Durch die ueber viele Jahre gesammelten Kontakte unseres Netzwerks, hatte ich dann letzte Woche noch die Chance das Lenovo-Hauptquartier in Peking zu besuchen. Die Hauptstadt Chinas ist nicht nur die groesste Niederlassung mit ueber 2000 Mitarbeitern, sondern auch die Stadt in der Lenovo (damals noch Legend) gegruendet wurde. Lenovo ist nicht nur als Technologie-Unternehmen interessant, sondern auch marken-technisch – ist es doch quasi das einzige chinesische Unternehmen, das international nicht nur Bekanntheit sondern auch noch einen guten Ruf in Sachen Qualitaet genießt.
Bei sommerlichen 20 Grad und stahlblauem Himmel ging es fuer mich also zur Lenovo-Zentrale, eine knappe Taxistunde vom Zentrum der 18-Millionen Metropole entfernt gelegen. Empfangen wurde ich von meinen netten Tourguides Koka und Anna aus dem Customer Sales Bereich. Um der Geschichte des Unternehmens den entsprechenden Stellenwert einzuraeumen, wurde im Erdgeschoss ein kleines Museum eingerichtet, das die ersten Gehversuche und die Entwicklung des Unternehmens anschaulich darstellt. Erstes Ausstellungstueck: die unvermeidliche Tech-Garage. Etwas weniger High-Tech als bei Steve Jobs und Co., aber nicht weniger bedeutungstraechtig entstand in einem kleinen Anbau in den Pekinger Vororten das erste Produkt.
Das erste Produkt war eine Erweiterungskarte fuer Desktop-PCs, die die Eingabe von chinesischen Zeichen erleichterte und die Uebersetzung vom Englischen ins Chinesische (mehr schlecht als recht) automatisierte. Viel wichtiger aber: es war der erste Versuch China auf die Tech-Landkarte zu setzen. Ein solcher Meilenstein darf natuerlich in der hauseigenen Sammlung nicht fehlen.
Weiter ging die Tour dann mit weiteren Schritten zur PC-Vormacht in Asien. Was mich als BWLer beeindruckt hat, ist die sehr geradlinige und Mitarbeiter-fokussierte Entwicklung. Schon in den spaeten 80er Jahren als Deng Xiaoping China langsam der Marktwirtschaft oeffnete, war Legend fuer seine Mitarbeiter mit Hypothek-Buergschaften zur Stelle. Und auch technisch ging es maechtig nach vorne. 1992 erschien der erste Home PC unter dem Produktnamen “Legend 1+1″ und schon 1996 konnte man den amerikanischen Herstellern die chinesische Marktfuehrerschaft abkaempfen. Legend verstand den Heimatmarkt viel besser als die Konkurrenz und hatte auf der Vertriebseite eine voellig andere Infrastruktur aufgebaut. Die Marke Lenovo entstand dann 2004 durch eine Kombination der ersten Silbe von Legend und dem lateinischen “novo” (dt.: neu). Der chinesische Name liánxiǎng bedeutet dagegen Gemeinschaft und vernetztes Denken und impliziert gleichzeitig Kreativitaet.
Dass Lenovo-Mitarbeiter ihre Produkte selber nutzen und lieben wurde unter anderem dadurch klar, dass die gesamte Licht- und Effektanlage in dem Mini-Museum per Android-App ueber ein IdeaPad gesteuert wurde. Anna freute sich jedesmal diebisch, wenn das Licht im naechsten Raum schon aus der Ferne angeschaltet werden konnte.
Nachdem die Geschichte abgehandelt war (der IBM-Zukauf wurde nicht wahnsinnig detailliert behandelt, Lenovo sieht sich da sehr selbstaendig), ging es weiter in den Showroom. Dort werden – wenig ueberraschend – eine Auswahl an aktuellen Geraeten gezeigt, die Kunden und Journalisten die Bandbreite von Lenovos Produktportfolio verdeutlichen soll. All-in-Ones, Tablets, Desktops, Nettops, Netbooks, Ultrabooks und Fernseher waren die Haupthingucker. Stolz sind die Lenovo-Jungs zum Beispiel auf ihr 27″ IdeaCentre mit 10-Finger-Multitouch. Wer sich fuer Kokas Klavierkuenste interessiert, dem sei das folgende Video ans Herz gelegt :-)
Weiter geht’s mit einigen Impressionen aus dem Showroom, die ich einfach mal unkommentiert lasse. Vielleicht koennte man die Freundin mit dem Swarovski-Modell fuer ein Nettop erwaermen?
Nett war allerdings das Wiedertreffen mit einem ganz alten Bekannten. Ihr erinnert Euch vielleicht an das Geraet: es hoerte auf den Namen Lenovo IdeaPad U1 und war ein Windows-Android-Laptop-Tablet-Hybrid-Geraet, das auf der CES vor ueber 2 Jahren alle sehr beeindruckte. Nach den Vorschusslorbeeren erschien es zumindest in der westlichen Welt allerdings nie. Koka meinte, es haette sich dabei um einen Marketing-Stunt gehandelt und dass man den Formfaktor mit Sicherheit nicht vergessen hat. Die Kombination von Windows und Android finde ich zig-mal interessanter als ein Transformer Prime, aber mitnehmen durfte ich den Prototyp auch nach laengerem Betteln nicht. Neu ist das Ganze nicht und wir haben sogar schon auf unserem eigenen Kanal ein Hands-On, aber wer nochmal in Erinnerungen schwelgen will, bitte:
Ich moechte mich an dieser Stelle nochmal bedanken bei meinen zwei Fuehrern Koka und Anna (die das hier leider nicht lesen koennen) und kann nur jedem Interessierten empfehlen auch mal bei den Tech-Firmen Eures Vertrauens anzufragen, ob Ihr eine Fuehrung bekommen koennt – es lohnt sich. Wer bis hier durchgehalten hat, dem danke ich ausserdem fuer die Geduld und Ausdauer :)
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