Viele dürften es am Wochenende schon mitbekommen haben: Eine „Commission on the Theft of American Intellectual Property“ dachte sich einen lustigen Forderungskatalog aus, um im Kampf gegen Raubmordkopierer aufzurüsten. Unter anderem enthält der Katalog die Forderung, man solle doch bitte den Einsatz von Malware im Kampf gegen illegales Kopieren legalisieren.

Bitte Rootkits und Trojaner im Kampf gegen Raubmordkopierer legalisieren – Kommentar

Manch einer erinnert sich vielleicht an den BKA-Trojaner, den es auch in verschiedenen Variationen gibt und der den Rechner des Opfers sperrt. Angeblich weil illegale Inhalte gefunden wurden, aber gegen die Zahlung eines „Bussgelds“ würde der Rechner wieder frei geschaltet werden. Diese Form der Erpressung ist bis jetzt illegal, ginge es aber nach dem Willen jener Kommission, dann dürften Rechteinhaber in Zukunft flächendeckend Geräte mit Spyware ausstatten, die genau darauf achtet, was die Anwender so treiben, um bei der Nutzung von zum Beispiel illegalen Filmkopien den Rechner zu sperren, bis man ihn sich unter den Arm klemmt und zur nächstgelegenen Polizeistation marschiert, um sich dort selbst anzuzeigen.

Nun sind Überwachungsphantasien bei Rechteinhabern keine neue Entwicklung, ganz im Gegenteil, aber so offen eine Totalüberwachung zu fordern ist durchaus eine neue Spitze. Natürlich ist das Urheberrecht und der Schutz dieses und der daraus abgeleiteten Rechte wichtig und auch richtig, aber man sollte doch bitte nicht jeglichen gesunden Menschenverstand bei seinen Überlegungen außer Acht lassen. So wenig wie die Forderung mancher nach einer kompletten Abschaffung des Urheberrechts sinnvoll ist, so wenig ist es sinnvoll mit der Forderung nach Totalüberwachung und automatischen Strafaktionen aufzutreten. Wer mit solchen Phantasien an die Öffentlichkeit geht, der darf sich nicht wundern, wenn er nicht ernst genommen wird.

Es wird im Bereich von Urheberrechten immer eine gewissen Menge an Verstössen geben, die nicht verfolgt werden. In Deutschland hat man das über das Konstrukt der Privatkopie gelöst – weitgehend. Da eine Kopie von Musik oder Filmen im privaten Bereich nicht ohne eine komplette Überwachung zu verhindern wäre, hatte man sich entschieden, diese zu tolerieren und als Ausgleich wurden Abgaben auf diverse Geräte zum Anfertigen von Kopien und Speichermedien erhoben. Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass das System sicherlich einer Überarbeitung bedarf, aber im Grundsatz ist es immer noch richtig.

Vielleicht wären die Firmen hinter dieser Kommission besser beraten, wenn sie ihr Geld statt in die Erarbeitung solcher Totalüberwachungsphantasien lieber in Ideen investieren würden, wie man dem Kunden den legalen Kauf bzw. die legale Nutzung (wieder) schmackhaft machen könnte. Ob Menschen, die illegal kopieren nun mehr oder weniger Geld für die Produkte der Unterhaltungsindustrie ausgeben als der Durchschnitt – sie geben auch Geld dafür aus, sind also immer noch Kunden und wenn man von Kunden Geld haben will, dann scheint es mir sinnvoller zu überlegen, was der Kunde möchte und ihm möglichst genau das zu bieten statt ihn zu zwingen die eigenen Produkte zu kaufen und ihm bei Fehlverhalten mit Strafmaßnahmen zu drohen. Aber gesunder Menschenverstand und Logik scheinen bei einigen Menschen regelmäßig auf der Strecke zu bleiben, wenn von den aktuellen technischen Möglichkeiten irgendwelche Allmachts- und Überwachungsphantasien geweckt wurden.

Hinweis in eigener Sache: Als Pirat, Urheber, Rechteverwerter und Kunde bin ich selbstverständlich für einige Änderungen am bestehenden Urheberrecht, will es selbst aber weder abschaffen noch verschärfen, sondern wünsche mir einen sinnvollen und fairen Ausgleich der Interessen aller Beteiligten unter Berücksichtigung der heutigen  und zukünftigen technischen Möglichkeiten – habe aber dafür jetzt auch keine Patentlösung im Hut, die ich nur hervorzaubern müsste. Nur um es mal gesagt zu haben…

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  • derflo

    Hatte EA nicht etwas ähnliches geplant/umgesetzt?

  • Andreas Pfaffinger

    Macht Microsoft nicht genau das mit der neuen Konsole?
    Macht nicht Apple genau das in ihrem seltsamen Goldkäfig?

    • johannes c

      die x box passt da gut dazu …glaube aber nicht das sie extra deswegen so diesignt wurde (mikro und cam perm on)

      aber der zweite satz….?! was haben pc zerstören, pc kapern, camera steueren für pers kontrolle erpressung etc mit dem wirtschaftsmodell von apple zu tun?!

      • Andreas Pfaffinger

        jo mag sein, dass ich da etwas empfindlich bin. Aber ich empfinde das gängeln, einschränken und zensieren das Apple in seiner Welt betreibt als genauso verwerflich. (Ist aber nur meine persönliche Meinung und der muss auch niemand zustimmen ;-) )

    • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

      Nö und nö, DRM ist etwas anderes als Rootkits und Spyware…

  • pegelf

    Ich kenne genügend Leute, die massenhaft Raubkopien besitzen, aber dennoch einen prall gefüllten DVD Schrank haben. Ich glaube, der “Ehrenkodex” der Raubkopierer ist wesentlich effektiver als das Gesetz. Ich finde, Uhrheber sollten sich das mal vor Augen führen und sich demnach dem Ehrenkodex anpassen. Man sollte seine Produkte so präsentieren, dass man als Kunde interesse hat, sie zu kaufen.
    Dabei würde ich allerdings nicht wollen, dass das von mir gekaufte Medium irgendeinen Kopierschutzt besitzt. In dem Falle wäre schließlich meine Raubkopie wesentlich toller als das gekaufte.

    Ich habe bei mir im Schrank ein Buch stehen, welches ich allerdings dennoch vollständig in Form einer “Raubkopie” auf meinem eBook-Reader gelesen habe.

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