Heute vor 30 Jahren, am 1. Oktober 1982, erschien das erste Album kommerziell in Japan auf Audio-CD: 52nd Street von Billy Joel. Was zuerst wie ein massiver Umsatzschub für die Musikindustrie wirkte, war gleichzeitig der Anfang der späteren Umsatzeinbrüche durch die Digitalisierung und die einfache Kopiermöglichkeit. Heute wird schon das Ende des Nachfolgers – des digitalen Downloads – vorher gesagt, die Audio-CD wird mehr und mehr zum Nischenprodukt.

Die Audio-CD wird 30 – aber wohl nicht sehr viel älter?

Für Musiker ist die CD heute oft noch das Medium der Wahl für die Veröffentlichung ihrer Werke: Es gibt ein Cover, ein Booklet zum Blättern und man  hat einfach etwas in der Hand. Aber für die Nutzer verliert die CD zunehmend an Attraktivität. Wer möchte heute noch große Taschen mit etlichen CDs unterwegs dabei haben? Es gibt MP3-Player und Smartphones, die zumindest kleinere Musiksammlungen (ja, das ist relativ) problemlos komplett speichern können. Wenn man nun also sowieso die CDs rippt und die Musik auf dem Rechner speichert, warum soll man dann noch die CD kaufen?

Während ich selber durchaus noch hauptsächlich CDs kaufe, einfach wegen des „etwas in der Hand“-Faktors und weil ich ein Fan von schön gemachten Booklets bin, aber immer öfter greife ich dann doch zum Download – es geht schneller und das CD-Regal platzt schon aus allen Nähten mit Werken, die wir nach dem Import in iTunes kein einziges Mal mehr angefasst haben. Viele sind schon längst einen Schritt weiter, wie Kollege Caschy: Musik wird nicht mehr gekauft, sondern „gemietet“. Streamingdienste wie Spotify oder Simfy ergänzen oder ersetzen die eigene Musiksammlung, bei vielen Jüngeren entsteht gar nicht erst etwas wie eine eigene Sammlung – sie steigen direkt beim Streaming ein.

Tatsache ist, dass die Audio-CD nach einem Boom mitverantwortlich war für die beklagten Umsatzrückgänge: Zuerst kauften sich sehr viele Musikfans teils komplette Vinyl-Sammlungen neu auf CD, dann kam die Öffnung des früheren Ostblocks und viele neue Käufer für die Backkataloge der Labels – aber eben auch CD-Brenner. Dauerte das Kopieren einer Audio-CD anfangs noch minestens so lange wie das Abspielen und „verbrannte“ Rohlinge waren an der Tagesordnung, wurden die Brenner immer schneller und zuverlässiger. Später kamen effektive Kompressionsverfahren für Audio-Daten, ganz vorne MP3, das heute oft als Synonym für jede Art digitaler Musikdateien verwendet wird und das böse Internet.

Lange führte die Musikindustrie den Kampf gegen das Kopieren (ob das illegale oder auch das legale im Rahmen der Privatkopie) mit allen Mitteln – technisch, rechtlich und finanziell: Es wurden absichtlich Fehler mit auf die CDs gepackt und als „Kopierschutz“ bezeichnet, sogar an Trojaner erinnernde Software wurde mit untergebracht. Napster und viele andere Dienste wurden erst verklagt oder später auch gekauft. Erst Apple schaffte es mit iTunes eine Plattform aufzubauen, die einerseits für die Nutzer attraktiv war und andererseits von den großen Labels mit den entsprechenden Katalogen ausgestattet wurde. Hier traute man sich einen Versuchsballon: Das DRM zu dieser Zeit war relativ restriktiv und das Angebot anfangs nur für die überschaubare Zahl an Mac-Usern verfügbar.

Heute kann jeder Musik digital kaufen oder mieten und die CD als Medium für Musik wird wohl bald eher die Ausnahme als die Regel sein (bis sie ähnlich der Vinyl-LPs vielleicht ein Revival erleben wird), aber nicht nur im Bereich der Musik: Auch Software wird heute immer öfter direkt als Download verkauft…

Mal eine Frage in die Runde: Wann und welches Album habt Ihr Euch zuletzt auf CD oder gar Vinyl gekauft? Habe gerade mal nachgeschaut: In meinem Fall war es das aktuelle Album „Rize of the Fenix“ von Tenacious D Anfang im Juni, der letzte digitale Kauf war erst am Wochenende („Reckless Love“ von Reckless Love).

Newsletter abonnieren

RSS-Icon Immer auf dem Laufenden bleiben? Dann abonniere unseren RSS-Feed!
  • http://twitter.com/HRehburg Hannes Rehburg

    Letzte CD? Ensiferum – Unsung Heroes vor ~4 Wochen. Danach kam noch eine, aber die ist noch nicht angekommen ^^
    Letzter Digitalkauf – keine Ahnung, schon ewig her. Hab lieber ne CD inner Hand statt alles nur noch Digital oder gar nur geliehen. Rdio Account läuft in 9 Tagen aus und wird nicht verlängert. Als Ersatz sind die nächsten CDs schon vorbestellt.

  • Sven

    da ich den angebissenen Apfel meide und die digitalen Alben teilweise teurer wie eine CD sind, mache ich mir meine digitale Kopie selber vom gekauften Original. Antennas to Hell von Slipknot, Twilight of the Thundergods von Amon Amarth und die SOAD Album Box sind Mitte September die letzten CDs gewesen. Digital = nix…

  • Pingback: 30 Jahre Audio-CD: Geburtstag eines Sterbenden | venue music

  • Michael

    Musik wird auf CD gekauft. Ein digitaler Download zwischendurch ist ganz nett. Aber ich habe lieber ein komplettes Album auf CD oder gar Vinyl. Alles andere ist Käse.

  • Christian Eckhardt

    An meine letzte CD klann ich mich nicht mehr erinnern. Das muss Jahre her sein. Ich bin seit Jahren auf Digitale Musik “umgestiegen”, bei mir hat Musik leider eine kurze Halbwertszeit und dementsprechend sind manche Alben schon nach wenigen Wochen wieder in der Versenkung verschwunden. Klar man hat seine Klassiker die man immer wieder gerne aus der Versenkung holt, aber das sind nicht allzu viele.
    Da ich einen Großteil meiner Musik unterwegs konsumiere, sprich im Auto, Straßenbahn, Zug, zu Fuß etc. sind CD’s für mich einfach völlig unpraktisch und platzraubend und ich habe keine Laune diese nach dem Kauf in das Format zu bringen in dem ich sie am meisten nzte. Ich habe seit mittlerweile etwa einem Dreiviertel Jahr einen Spotify Account und bin sehr zufrieden damit. Knapp 10,- EUR im Monat und ich habe immer all die Musik die ich hören will, egal wo ich bin. Passt für mein Nutzungsverhalten besser als mir CD’s zu kaufen die dann innerhalb kürzester Zeit im Schrank verstauben. Ausserdem schont es noch die Umwelt ;-)

  • http://www.facebook.com/thomas.daum.5 Thomas Daum

    Letzte CD? Letztes Monat bei einem Taiko Konzert in Düsseldorf… von der Kapelle. Und vorher in der Stadt für ca. 250 € Vinyl. Ich würde auch davon ausgehen, dass die CD den Zenith Ihrer Laufzeit erreicht hat. Die Masse der jungen Musikkonsumenten wird in irgend einer Form auf Download/Abomodelle umsteigen. Für die High-Ender hingegen bleibt nur Vinyl (ich z.b. geb durchaus jährlich 4-stellige Beträge für LP’s aus), da die klanglich akzeptablen CD-Alternativen (z.B. SACD) sich leider nicht durchgesetzt haben.

  • DaZingel

    Ich kaufe eigentlich nur noch CD´s von meinen Lieblingsmusikern.

    Habe gerade Letzte Woche das neue Live Album von Northern Lite vorbestellt… Die Wartezeit ist eine Qual :D

    Aber sonst kaufe ich fast meine gesamte Musik über Amazon oder dem Windows Musikstore

  • Manzel

    Ich kaufe grundsätzlich nur einzelne Lieder digital, ansonsten gibt es CDs. Da hat man einfach mehr davon. Die letzte CD war wohl The Sorrow – Origin of the Storm im Juni.

  • JostAusSoest

    Musik wird natürlich auf CD erworben (zuletzt: “Mono Inc.” sowie “Joachim Witt”): Da hat man die optimale Klangqualität, ein schönes Booklet und etwas zum Anfassen! Außerdem können mir die Künstler darauf auch eine Widmung o. ä. schreiben. Weiterhin kann man sich leicht digitale Kopien von den Songs in beliebigen Formaten machen.

    Und das Beste: Eine CD ist im Regelfall nicht teurer als die rein digitale Variante!
    Ein Dowmload kommt für mich nur in Frage, wenn ich mal einen ganz bestimmten einzelnen Song suche, so unter dem Motto “Jugenderinnerungen” o. ä.! ;o)

  • DanielJust

    Letzte CD – VAC- Maldire.

    Musik, von der ich echter Fan bin, wird als CD gekauft.

    Musik, die ich ab und an mal gern höre als Download.

  • LuckyStrik3r

    Ich hab in den letzten 2-3 Monaten bestimmt 20 Alben gekauft. Es ist einfach schöner was zu haben als nur Datein aufm PC und außerdem ist die Qualität deutlich besser als eine komprimierte MP3.

  • http://twitter.com/SignorMacchina Benny

    Die letzten beiden CDs, die ich mir kaufte, waren die BestOf-Alben von Guns’n'Roses und Marylin Manson, und das vor etwa 6 Wochen. Online bis auf wenige Ausnahmen noch nie Musik gekauft.

  • http://twitter.com/SolidEngineer Marco

    Letzte Vinyl ist von Seeed – Seeed. Letzte CD war von Rammstein – Made in Germany. :D

  • Ole Albers

    Meine letzte CD ist ewig her: “Le Frisur”
    Mittlerweile nur noch online-Kauf per Amazon und Co

  • http://www.taschen-pcs.de Fabius Engel

    Da ich mittlerweile auch viel auf Spotify setzte kaufe ich mir nur wenig Musik. Wenn ich dann aber Musik kaufen, dann schon auf CD. Downloads eigentlich nur, wenn es unbekannte Künstler sind die ihre Alben nur in den Staaten verkaufen und es ein teuer Import sonst wäre.
    Ich mag CDs aber gerne, einfach weil man etwas in der Hand hat und eben immer eine Sicherung hat und das in Top-Qualität, dazu ist iTunes, Amazon und Co. oft ähnlich teuer wie die normalen CDs…

  • Pingback: Helmut und die CD | Stefan Reisener

  • Pingback: -Daily short Top 5- | anDROID NEWS & TV

  • Pingback: -Daily short Top 5- | anDROID NEWS & TV

  • Manu

    Erstmal top artikel, klar hat man erstmal selbst alle Infos im kopf, aber so schön strukturiert und schlüssig zusammengefasst.
    Meine letzte gekaufte cd waren die Bravo hits vor ca10 Jahren. Ziemlich gleichzeitig mit meinem ersten mp3 Player der mit 128mb speichplatz meinen mini disc player ablöste.
    Ja das waren noch Zeiten…
    Jedenfalls wollte ich benanntes Album (einmal erwähnen muss ausreichen, ist mir so schon peinlich genug, aber ich war 14…) auf meinen mp3 player spielen, da ich die Musik ja sogar teuer gekauft hatte. Der Kopierschutz verhinderte jedoch den Zugriff auf meinen damaligen pc und ich konnte meine neue bezahlte Musik nicht auf meinem neuen mp3player genießen. Darauf konnte ich dann aber neue Musik umsonst von freunden drauf speicher, die ich zwar nicht bezahlt habe, dafür jedoch sofort auf pc speichern, wieder brennen und “frei verfügen” konnte..
    Was ist denn eigentlich mit der Nische YouTubeConverter? Legal oder Illegal.
    Hast du ja nicht explizit erwähnt…

Trackbacks & Pingbacks

  1. Pingback: 30 Jahre Audio-CD: Geburtstag eines Sterbenden | venue music

  2. Pingback: Helmut und die CD | Stefan Reisener

  3. Pingback: -Daily short Top 5- | anDROID NEWS & TV

  4. Pingback: -Daily short Top 5- | anDROID NEWS & TV